Fundstück: #bubla19. Der Buchblog-Award geht in die dritte Runde

Bild: https://www.buchblog-award.de/

Buchblogs sind aus dem Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile sind es nicht nur reine Blogs, die das öffentliche Gespräch über Bücher fördern; Buchpodcasts, Bookstagram- und BookTube-Kanäle reihen sich mit ein und sind für den Award nominiert, während sie 2017 bildeten noch eine Sonderkategorie bildeten (s. Fundstück #bubla17). Das besondere Engagement der Blogger*innen wird mit dem Buchblog-Award von NetGalley und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels honoriert. Der Preis wird zum dritten Malauf der Frankfurter Buchmesse am 18. Oktober verliehen. Weiterlesen

Fundstück: Sophie Passmann ist eine von den guten Leuten

Die Lesung von Passmann im Gloria Theater war restlos ausverkauft.

Letzten Mittwoch, am 11.09.2019 besuchte ich die Lesung der Autorin Sophie Passmann zu ihrem literarischen Debüt Alte Weiße Männer. Dass die 25-Jährige neben ihren Talenten als Autorin, Kolumnistin und Podcasterin (s. Fundstück: Sophie Passmann) auch eine unterhaltsame Vorleserin ist, hätte mich eigentlich nicht überraschen müssen. Obwohl das Gloria-Theater in Köln komplett ausverkauft war, herrschte eine intime Atmosphäre, in der ich mich fühlte, als hätte Passmann mich spontan in ihr Wohnzimmer auf ein Glas Wein und eine Zigarette eingeladen. Am Ende vertraute sie ihrem Publikum tatsächlich ein kleines Geheimnis an: Zum ersten Mal durfte ein Publikum einen Auszug aus Frank Ocean hören, einem kleinen Buch, welches am 10.10.2019 erscheint. Als Teil der Musikbibliothek des KiWi- Verlags erklärt sie, warum das Album Blonde so bedeutend für ihr Leben war und ist.

Um noch einen oben drauf zu setzen, moderiert sie seit dem 4.September die 1-Live Show Gute Leute.  Jeden Mittwoch um 23 Uhr kann man ihr dabei zuhören, wie sie bei 1-Live „gute Leute“ interviewt. In der ersten Folge befragt sie beispielsweise  Bloggerin Laura Gelhaar zu ihrem Leben im Rollstuhl und schafft es dabei gleichzeitig, das Gespräch ungezwungen zu halten, indem sie auch den Schauspieler Benedict Cumberbatch ins Spiel bringt, für den sie laut eigener Aussage eine Schwäche zu haben scheint. Für alle, die es zeitlich nicht schaffen, bei der Radiosendung einzuschalten, gibt es die Folgen von “Gute Leute“ auch als Podcast.

            Was mir die Lesung und auch die neue Radiosendung von Sophie Passmann erneut gezeigt haben, ist dass man von der Autorin immer wieder interessanten Content zu erwarten hat, in  welcher medialen Form auch immer.

Kurt Tucholsky-Preis geht an Margarete Stokowski

„Die letzten Tage des Patriarchats“ (2018): Gegenwartslektüre, die wirklich alle einmal in die Hand nehmen sollten. Bild: Rowohlt Verlag

Am Samstag, den 14.09.2019, gab die Kurt Tucholsky-Gesellschaft die diesjährige Preisträgerin des Kurt Tucholsky-Preises bekannt. Die fünfköpfige Jury, bestehend aus Publizist*innen, Wissenschaftler*innen und Literaturexpert*innen, entschied sich dazu, Margarete Stokowski für ihre wichtige und kompromisslose journalistische Arbeit zu ehren. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem Stokowskis Art, gesellschaftliche Missstände aufzudecken sowie ein grundlegendes Umdenken anzuregen. Damit ist sie, nach der Schriftstellerin und Journalistin Daniela Dahn, erst die zweite Frau, der die Auszeichnung für literarische Publizistik verliehen wird. Weiterlesen

Über familiäre Verwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat – Rezension zu Bremers Generationenroman „Olivas Garten“

Macht es euch in der eigens eingerichteten Lese-Ecke der LK-Bibliothek gemütlich und taucht ein in die literarischen Welten des Mittelmeerraums. Bild: Universität Duisburg-Essen

Im Rahmen des Projektes Eine Uni – ein Buch finden an der Universität Duisburg-Essen Veranstaltungen und Vorlesungen rund um den Roman Olivas Garten statt. Zudem konnte die Universität die Autorin Alida Bremer als Poet in Residence für das Wintersemester 2019/2020 gewinnen. Grund genug also, sich ausführlich mit Olivas Garten auseinanderzusetzen.

Heimat ist in aller Munde, doch was verbindet uns mit dem Ort, an dem wir uns heimisch fühlen? Sind es die Bewohner*innen, das Essen, die Natur oder Abstrakteres wie die Geschichte des Orts oder ein Gefühl der Zugehörigkeit und Geborgenheit? Bremers autobiografisch inspirierter Roman aus dem Jahr 2013 behandelt diese Thematik auf eindrückliche Weise. Die Leser*innen begleiten die seit geraumer Zeit in Münster lebende Ich-Erzählerin Alida bei ihrer Rückkehr in ihre (alte) Heimat Kroatien, genauer gesagt: nach Dalmatien. Weiterlesen

Fundstück: Sechs Tage Literatur pur

Festivalmittelpunkt der lit.RUHR ist Essen. Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein finden viele Veranstaltungen statt.
Bild: CCO pixabay

Das Strandtuch ist samt Bikini und Shorts im Schrank verstaut, in den Supermarktregalen schmelzen die ersten Weihnachtssüßigkeiten dahin und die Pina Colada wird gegen eine heiße Tasse Tee eingetauscht. Der Herbst kommt und wir melden uns zurück aus unserer Sommerpause.

Bevor ihr es euch auf der Couch aber allzu bequem macht, haben wir noch einen Veranstaltungstipp für euch. Die diesjährige lit.RUHR lockt mit hochkarätigen Gästen wie Cornelia Funke, Frank Schätzing, Thomas Gottschalk, Katja Riemann oder John Strelecky, um nur einige zu nennen. Sie alle kommen vom 8. bis 13. Oktober zum Lesen und Diskutieren ins Ruhrgebiet. Cordula Stratmanns und Bjarne Mädels Einführung in die hohe Kunst der Beleidigung ist schon ausverkauft. Für die allermeisten der 76 Veranstaltungen gibt es aber noch Tickets. Wer sich also von Martin Sonneborn Europa erklären lassen, mit Annette Frier und Alexandra Helmig Astrid Lindgren entdecken oder Deniz Yücels Analyse zu autoritären Regimen und demokratischer Öffentlichkeit hören möchte, sollte sich schnell Tickets sichern.

Nähe und Distanz – Der Fotowettbewerb #EINBUCHUDE

Nähe und Distanz beides erfahren wir jeden Tag. Darum gibt es jetzt im Rahmen von #EINBUCHUDE einen Fotowettbewerb zum Thema Distanz.

Macht mit!

Dabei geht es um die richtige Perspektive. Erfahren, herstellen oder überwinden von Distanz ist hier die Frage. Und wie setze ich das fotographisch um?

Für die drei besten Schnappschüsse gibt es jeweils ein Preisgeld von 300€, 200€ und 100€.

Mitmachen könnt ihr noch bis 15. September. Schickt das Foto mit eurem Namen und einem Titel an ein-buch at uni-due.de.

Weitere Informationen zum Wettbewerb findet ihr unter https://www.uni-due.de/eineunieinbuch/fotodistanz.

„Beschäftigung mit Literatur ist vielleicht gar nicht so dumm“ – Michael Sommer im Interview

Das Darstellerensemble von „Der Hobbit“ besteht aus vielen Playmobilfiguren, bei denen besonders die Zwerge sich nur durch Kleinigkeiten voneinander abheben. Bild: Michael Sommer

Auf seinem YouTube-Kanal Sommers Weltliteratur to go erweist der Dramaturg, Regisseur und Autor Michael Sommer Playmobilfiguren ein Maß an Aufmerksamkeit, das selbst von Kindern nicht übertroffen werden kann. Denn die kleinen Spielfiguren sind Teil seines Darstellerensembles und aus diesem Grund wöchentlich für die Inszenierung eines Werkes der Weltliteratur im Einsatz (Digitur berichtete). Aber welche Meinung vertritt Sommer selbst gegenüber Literatur? Im Interview mit unserer Redakteurin Annika Vahle steht der gebürtige Nordhesse Rede und Antwort, was unter anderem seine persönlichen Vorlieben, den Unterschied zwischen deutschem und englischem Schrifttum sowie die zukünftige Position der Literatur in Zeiten des digitalen Wandels betrifft.
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Kein Sommer ohne Bücher! Teil 2

Sonne, Kaffee und ein gutes Buch: Für viele ist das Entspannung pur. Bild: CCO pixabay

Endlich haben sich die Temperaturen wieder etwas abgekühlt und man muss sogar überlegen, für welche Jacke und welches T-Shirt man sich entscheidet. „Oder doch lieber der dünne Pulli? Nachher ist es zu kalt draußen und ich friere.“ Zwischen 18 und 21 Grad, klar, das sind nach den letzten Wochen für viele momentan eisige Temperaturen. Da hilft wohl nur der Zwiebellook. Aber keine Sorge: Die nächste Hitzewelle steht schon in den Startlöchern. Dieses Mal sind zumindest die Jüngeren in freudiger Erwartung. Kein Wunder, beginnen in den meisten Bundesländern Deutschlands derzeit die Sommerferien. Und welche Bedeutung das Wort ‚Sommerferien‘ trägt, wissen schon die Kleinen: frei, Unternehmungen und am besten noch Urlaub. Ein gutes Buch darf da nicht fehlen. Deshalb geht’s hier direkt weiter mit unseren Literaturempfehlungen für die heißen Tage:

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Fundstück: Emilia Galotti & Co. als Playmobilfiguren

Mit Playmobilfiguren unterwegs im alten Rom. So bekommt selbst William Shakespeares „Julius Caesar“ einen ganz neuen Unterhaltungswert. Bild: Michael Sommer

Mehrere Playmobilfiguren stehen auf einem Tisch. Hinter ihnen ist ein Bühnenbild aus Pappe zu sehen. Bei diesem Anblick könnte man denken, es handele sich um den Spieltisch eines Kindes. Aber weit gefehlt: Die Playmobilfiguren bilden das Darstellerensemble von Michael Sommer. Auf seinem Youtubekanal Sommers Weltliteratur to go veröffentlicht er Videos, in denen er die Klassiker der Literaturgeschichte mithilfe der kleinen Spielfiguren nacherzählt. Für die Geschichten von Goethes Woyzeck, Hauptmanns Bahnwärter Thiel oder Schillers Don Carlos braucht es so nicht mehr eine Vielzahl von Seiten, sondern nur ungefähr zehn Minuten. Besonders Schüler*innen sind Sommer dankbar: Die ‚längst ausgestorbenen‘ Klassiker werden mithilfe der Playmobilfiguren und der raffinierten Inszenierung für die Jugendlichen unterhaltsamer. Das ist vor allem in der Klausurenphase zur raschen Wiederholung praktisch. Gegner*innen der digitalen Medien sehen an „Sommers Weltliteratur to go“  also, wie Bildung auch über YouTube effektiv erfolgen kann.

Aber wie ist diese geniale Idee entstanden? Im Herbst 2013 erhielt der Regisseur, Autor und Dramaturg die Aufgabe, am Theater Ulm Dantons Tod kurz und unterhaltsam zu präsentieren. Die Performance wurde auf Video aufgenommen, auf YouTube veröffentlicht und hat seitdem immer mehr Klicks erhalten. Sommer entwickelte daraus eine Reihe – „Sommers Weltliteratur to go“ war geboren. Sehr schnell entdeckte der Reclam-Verlag das Potenzial des Kanals und wurde als Förderer gewonnen, sodass mittlerweile jede Woche ein neues Werk der Weltliteratur umgesetzt wird. Und obwohl der Fokus auf der deutschen Literatur liegt, finden sich auch internationale Koryphäen wie Tolstois Anna Karenina oder Flauberts Madame de Bovary auf dem Kanal, welcher 2018 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden ist, wieder. Englisch synchronisierte Fassungen der Videos sind hingegen auf dem Schwesterkanal Sommer’s World Literature To Go zu bestaunen. Seit Ende letzten Jahres gibt es Michael Sommer und seine Literaturklassiker zudem auch auf dem Buchmarkt. Mit Gehst du Goethe! Speed-Dating mit deutschen Klassikern ist man unabhängig von jeder Internetverbindung und kann sich den Plot von Kafkas Verwandlung oder Hoffmanns Sandmann im Nu aneignen und bei der nächsten Gesprächsrunde glänzen.

Wer jetzt neugierig geworden ist und mehr erfahren möchte, darf sich auf unseren Beitrag Anfang August freuen. Denn dann erscheint ein Interview mit Michael Sommer, in dem er uns unter anderem Fragen zu interdisziplinären Studiengängen oder seinen persönlichen literarischen Favoriten beantwortet.

Fundstück: Gespräch über Bücher

Die Unübersichlichkeit des Buchmarktes kann einen sehr schnell ausschließen. So manches Gespräch jedoch öffnet Türe und Tore. Bild: CCO Pixabay

Die „Eine Uni – ein Buch“-Aktion muss erst noch erbringen, was sie sich vorgenommen hat (dass jeder sich mit Olivas Garten auseinandersetzt). Aber es gibt bereits eine Veranstaltung, die etwas ähnliches liefert, wenn auch in keinem so ambitionierten Rahmen: Das Gespräch über Bücher; eine Art Lesekreis, zu dem 3 Mal jedes Semester Akademiker*innen in die Essener Zentralbibliothek einladen, um ausgewählte Romane zu besprechen, die alle eine thematische oder inhaltliche Gemeinsamkeit aufweisen.

So auch in den letzten Monaten unter dem Schlagwort „Inseln“. Die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Meinungen von den unterschiedlichsten Leuten mitbekommen zu können, ist ein Genuss ohne Gleichen, die an Erfahrungen in diversen Schreibwerkstätten erinnern. Aber letztlich ist es das Ziel, im Gespräch (mit Erläuterungen und wissenschaftliche Einblicke seitens der Gastgeber*innen) zu ergründen, warum ein Buch überzeugt, oder auch nicht.

Das letzte Treffen dieses Sommersemester ist am 3.7. bereits gelaufen; nicht ohne Archipel, den Gewinner des Deutschen Buchpreises 2018 zu loben und noch mehr zu bemängeln. Jedoch findet der nächste Termin am 23.10.2019 statt, unter dem Motto von Rausch und Exzessen. Definitiv ein Besuch wert.