Kurt Tucholsky-Preis geht an Margarete Stokowski

„Die letzten Tage des Patriarchats“ (2018): Gegenwartslektüre, die wirklich alle einmal in die Hand nehmen sollten. Bild: Rowohlt Verlag

Am Samstag, den 14.09.2019, gab die Kurt Tucholsky-Gesellschaft die diesjährige Preisträgerin des Kurt Tucholsky-Preises bekannt. Die fünfköpfige Jury, bestehend aus Publizist*innen, Wissenschaftler*innen und Literaturexpert*innen, entschied sich dazu, Margarete Stokowski für ihre wichtige und kompromisslose journalistische Arbeit zu ehren. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem Stokowskis Art, gesellschaftliche Missstände aufzudecken sowie ein grundlegendes Umdenken anzuregen. Damit ist sie, nach der Schriftstellerin und Journalistin Daniela Dahn, erst die zweite Frau, der die Auszeichnung für literarische Publizistik verliehen wird.

Vergeben wurde der mit 5000 Euro dotierte Preis erstmals im Jahr 1995 anlässlich des 60. Todestages Tucholskys, darauf folgten weitere Würdigungen in den Jahren 1996 und 1997. Von da an wurde er bis zum heutigen Zeitpunkt schließlich jedes zweite Jahr übergeben. Ausgezeichnet werden vor allem Publizist*innen und Journalist*innen, die laut der literarischen Vereinigung „der ‚kleinen Form‘ wie Essay, Satire, Song, Groteske, Traktat oder Pamphlet verpflichtet sind und sich in ihren Texten konkret auf zeitgeschichtlich-politische Vorgänge beziehen.“ Hinzukommend sollen die Texte der Preisträger*innen „im Sinne Tucholskys der Realitätsprüfung dienen, Hintergründe aufdecken und dem Leser bei einer kritischen Urteilsfindung helfen.“ Eine Anforderung, der Margarete Stokowskis Schriften mehr als gerecht werden. Die 1986 in Polen geborene Berlinerin studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, arbeitet als freie Autorin für die taz und die ZEIT und schreibt seit 2011 als Kolumnistin für die Spiegel Online-Kolumne Oben und unten. Im Jahr 2016 erschien ihr literarisches Debüt Untenrum frei im Rowohlt-Verlag, das seitdem als Standardwerk des modernen Feminismus angesehen wird. Ihre wichtigsten Essays, Kolumnen und Debattenbeiträge finden sich versammelt sowie in ausgewählter und kommentierter Fassung in dem ebenfalls bei Rowohlt erschienenen Werk Die letzten Tage des Patriarchats.

Dieser 2018 herausgegebene Sammelband ist es auch, der die Jury des Tucholsky-Preises neben der Kolumne der Autorin überzeugt hat. In dem Statement zur diesjährigen Wahl heißt es etwa: „Stokowski rückt Schieflagen in noch krassere Perspektiven und schreibt dabei so einzigartig, lustig, unverfroren und intelligent, dass es unmöglich ist, diese Stimme zu überhören.“ Auch argumentiert die Jury: „Die kleine Form, die Kolumne, liegt ihr, als wäre sie eigens für Stokowski erfunden worden, und so liefert sie nun schon seit Jahren unermüdlich und unverwechselbar politische Einmischung und entlarvende Polemik.“

Die Kolumnistin zeigt Haltung, nimmt klare Positionen ein und verliert dabei nicht ihren Humor. Sie motiviert andere – vor allem junge Frauen – und bleibt dabei stets nah am Leben. So schreibt sie etwa über ihre Erfahrungen in alltäglichen Situationen und ermöglicht auf diese Weise, dass das, über das sie schreibt, nachempfunden und mitgefühlt werden kann. Auch auf ihren Social-Media-Kanälen wie Twitter und Instagram ist sie sehr aktiv. Sie lebt vor, dass wir alle gemeinsam wirken und agieren müssen, um einen Wandel zu vollziehen und der Geschlechtergerechtigkeit näherzukommen. Ernsthafte und wichtige Themen übermittelt sie auf derart kritische, gleichzeitig aber ironische Weise, dass das Lesen ihrer Texte und Posts einfach Spaß macht.

Die Preisvergabe findet am 03.11.2019 im Berliner Theater im Palais als Abschluss der Jahrestagung der Kurt Tucholsky-Gesellschaft vom 01.-03.11.2019 statt. Die Tagung fällt in diesem Jahr unter das Motto „Schriftstellerinnen und Schriftsteller und politisches Engagement“. Laudatorin wird die ZEIT-Redakteurin Susanne Mayer sein.

Wir gratulieren Margarete Stokowski und lassen uns weiterhin von ihr inspirieren!

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Julia Bergemann

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