Wie (un-)persönlich ein Poet in Residence sein kann

Esther Kinsky bei ihrer ersten Poetikvorlesung in Essen. Bild: Andreas Erb

Der Poet in Residence diesen Sommer (2019) in Essen zeichnet sich in einem bemerkenswerten Kontrast aus. Das, was von Esther Kinsky erbracht wurde, unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was sie mit ihren Worten zu vertreten erschien. Parallel unterscheiden sich meine Eindrücke von dem, was andere (zu recht) empfinden.

Für alle Anwesenden sind die Schwächen dieser Woche mit der Poetin ersichtlich: Die Kürze der Vorträge, ständige Wiederholungen, die in Redundanz ausarteten, das Vorlesen aus den Werken in zu großen Anteilen (wofür die Lesung am Ende gedacht ist); dass die Poetik nur zwischen den Zeilen zu finden war, wo sie doch im Vordergrund stehen sollte, als Hauptthema, als maßgebender Inhalt. Geschweige vom Desinteresse seitens Esther Kinsky, mit dem örtlichen Publikum zu sprechen. Allgemeine und gerechtfertigte Unzufriedenheit ist das Ergebnis. Weiterlesen „Wie (un-)persönlich ein Poet in Residence sein kann“

Eine neue Generation an Hemingway-Leser*innen

Neuauflagen von literarischen Klassikern sind keine Seltenheit. Auch die Werke des bekannten US-amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway wurden immer wieder neu aufgelegt und verkauft. Warum wurden seine Werke jedoch in den letzten Jahren erneut neu übersetzt und gestaltet?

Bild: Sophie Greve

Man wittert hier direkt Marketingstrategien, die dazu dienen sollen, sich mit einem Klassiker eine goldene Nase zu verdienen. Auch eine weitere Frage kommt auf: Wie viel mehr will man aus einer Urfassung noch herausholen? Reicht es nicht irgendwann auch ganz einfach mal? Dies lässt sich hier eindeutig mit einem klaren ‚Nein’ beantworten. Denn manchmal steht dann doch nicht nur das Geld im Vordergrund, sondern ein Mehrwert für eine ganze Generation. Weiterlesen „Eine neue Generation an Hemingway-Leser*innen“

FUNDSTÜCK: WELTTAG DES BUCHES

Heute ist der 23. internationale „Welttag des Buches“. Oft hört man von solchen besonderen Tagen, wie Mutter- und Vatertag, dem Weltfrauen Tag, dem National Siblings Day oder auch dem Tag der Jogginghose. Aber was genau steck hinter dem Welttag des Buches? Woher kommt er und, worauf soll er aufmerksam machen? Klar ist: das Buch wird gefeiert.

Am 23. April 1995 hat die UNESCO den „Welttag des Buches und des Urheberrechts“ eingeführt. Gefeiert werden soll das Buch und das Lesen, die Kultur des geschriebenen Wortes und das Recht und den Schutz am geistigen Eigentum. In Deutschland beteiligen sich Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und Lese-Fans an verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen rund um das Buch. Lesefeste, Büchergutscheine, die in Schulen verteilt werden, und die Aktion Ich schenk Dir eine Geschichte, die seit 1996 den Weltbuchtag zelebriert, begleiten auch dieses Jahr die Liebe zum Buch.

Wenn ihr mitfeiern wollt,  aber kein passendes Buch zur Hand habt, schaut doch mal bei unseren Buchempfehlungen vorbei.

Fundstück: Digitur wünscht frohe Ostern!

Frohe Ostertage und viel freie Lesezeit wünscht euch Digitur. CCO: Pixabay

Eine Nutzerumfrage auf der Internetplattform LovelyBooks hat aufgezeigt, dass lesen scheinbar noch voll im Trend ist. Über die Hälfte der User und Userinnen gaben an, dass sie heute mehr lesen als vor fünf Jahren. Das Lesematerial wird häufig nicht online, sondern im örtlichen Buchhandel gekauft.
Auch zu Ostern erweisen sich Bücher wieder als das Mitbringsel für den verlängerten Heimatbesuch über die Feiertage. Bei den gängigen Festlichkeiten ist der Griff zum Buch vorprogrammiert. Wieso nicht häufiger im Alltag eine kleine Prise Literatur einfügen? So lassen sich eine Vielzahl an Geschenk-Rubriken identifizieren, die über die Feiertage hinaus Anklang finden: Beispielsweise zum Umzug, für frisch Verliebte, alles rund um das neue Haustier oder auch zu einer bestandenen Prüfung.

Bedeuten Serien den Untergang des Buches?

Der nasse Fisch.“ Die literarische Vorlage zur preisgekrönten Serie „Babylon Berlin“. Bild: Ellen Grieser

Serienjunkie, Binge-Watching, Prequel. Jemandem, der mit Serien nur wenig am Hut hat, wird voraussichtlich noch der erste Begriff etwas sagen. Bei den anderen beiden wird es deutlich schwieriger. Die Streaming-Plattformen boomen und immer mehr Geschichten werden audiovisuell veranschaulicht. Serien gewinnen täglich an Anhängern. Sei es aus dem Thriller-, Komödien- oder Actiongenre – online findet jeder in kurzer Zeit das, wonach einem gerade der Sinn steht. Die Folge: Literarischen Werken wird weniger Interesse gezollt, der Buchhandel muss sich besonders gegen die Riesen Netflix und Amazon Prime, die jeden Monat mit Neuerscheinungen begeistern, behaupten. Studien besagen, dass Kinder im Vergleich zu vorherigen Jahrzehnten lieber fernsehen oder Musik hören, anstatt ein Buch zu lesen. Auch bei den Erwachsenen sieht es nicht anders aus. Viele ziehen es vor, sich nach Feierabend einen Film oder eine Serie anzuschauen. Aber bedeutet dieses Präferenzgefälle automatisch, dass Bücher nunmehr keine Chance haben? Gibt es nur eine Antwort, entweder Buch oder Film/Serie?
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70-jähriges Jubiläum der Internationalen Jugendbibliothek

Bild: CCO pixabay

Bücher dienen „als Friedensboten“. Gerade in Zeiten eines aufflammenden Rechtsrucks in ganz Europa hat Jella Lepmans Botschaft gegen Rassismus und Ressentiments nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Vor 70 Jahren, im September 1949, gründete die jüdische Journalistin (1891-1970) die Internationale Jugendbibliothek als Zeichen für Frieden und Völkerverständigung. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs betonte sie die Relevanz von Literatur für die Nachkriegszeit immer wieder. So wurde ihr Anliegen zum Leitsatz der Bibliothek. Besonders Jugendliteratur soll Kinder bereits früh aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen und eine freie Weltanschauung stärken.

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Out of Style – Wie Bücher zu Dekorationsartikeln degradiert werden

Instagram-Post von @Novalanalove

Heller Holzboden, ein Sofa mit farblich abgestimmten Fellkissen, ein moderner Glastisch, darauf mehrere Bücher mit bunten Covern. Bildbände in warme Filterfarben gehüllt.

Diese Szene lässt sich als Foto auf dem Instagram Account von Farina Opoku finden. Unter dem Namen Novalanalove zeigt sie ihren rund 953 Tausend Followern hier ihre neue Wohnzimmereinrichtung. Damit liegt sie genau im Trend. Denn mittlerweile präsentiert jeder Social-Media-Influencer, der etwas auf sich hält, sein Zuhause samt Einrichtungsvorschlägen. Ob über Youtube-Vlogs oder Instagrampostings, mit der Präsentation der neuesten Deko- und Möbelerrungenschaften zeigt jeder, welches Einrichtungskonzept er verfolgt. Weiterlesen „Out of Style – Wie Bücher zu Dekorationsartikeln degradiert werden“

Literatur erfahren – das Kollektiv »kaboom« lässt neue Rezeptionsformen entstehen

Margaret Schlenkrich und Carolin Schmidt sind das Kollektiv »kaboom«, Bild: Claudia Katzmarski

Die Literaturwissenschaftlerin Carolin Schmidt und die Szenografin Margaret Schlenkrich bilden zusammen das 2018 ins Leben gerufene Berliner Kollektiv »kaboom«. In Gestalt verschiedener Projekte wollen sie neue Zugänge zur Literatur schaffen, mit Wort- und Raumebenen experimentieren, den gegenseitigen literarischen Austausch anregen sowie Texte lebendig werden lassen. Weiterlesen „Literatur erfahren – das Kollektiv »kaboom« lässt neue Rezeptionsformen entstehen“

Kein Weihnachten ohne Bücher! Teil 4

Wer einen Adventskranz besitzt, darf ab heute alle vier Kerzen anzünden. Bild: CCO pixabay

Morgen ist es endlich so weit: Heiligabend steht vor der Tür. In vielen Haushalten steht am 24. Dezember vormittags aber noch einiges an. Denn das Essen für die Weihnachtsfeiertage will vorbereitet, letzte Geschenke eingepackt und die Wohnung aufgeräumt und geputzt werden. Wer bis dahin, an den Feiertagen, oder zwischen den Jahren einen Moment der Ruhe findet, kann sich hier unsere fünf letzten Buchempfehlungen für die kalte Jahreszeit anschauen:
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Fundstück: Das Forum „Wir höflichen Paparazzi“

Das Internetforum „Wir höflichen Paparazzi“, Bild: Screenshot-Website

Wolfgang Herrndorf kennen viele aufgrund seiner Romane In Plüschgewittern oder Tschick – Dass er nebenbei von 2001 bis 2009 in dem von Christian Ankowitsch und Tex Rubinowitz gegründeten Forum Wir höflichen Paparazzi postete, ist jedoch nicht jedem bekannt. Herrndorf schrieb und veröffentlichte dort bis zu seinem Tod regelmäßig Texte. Für einige Jahre wurden in dem Forum reihenweise Beiträge produziert, es gab keine Zugangskriterien und viele Teilnehmer*innen, wie auch Herrndorf, posteten gleich unter mehreren Pseudonymen.

Im Forum trafen bereits veröffentlichte Autoren*innen, angehende Autoren*innen oder der einfache Otto-Normalverbraucher aufeinander. Nach dieser aktiven Zeit wurde es ruhiger in dem Forum, bis es geradezu zu einem Stillstand der Website kam. Durch die Veröffentlichung des Buches Stimmen von Wolfgang Herrndorf in diesem Jahr, in dem post mortem Texte von Herrndorf, die er in genau diesem Forum postete, gesammelt wurden, erlebt das Forum nun einen neuen Aufschwung. Die Internetplattform widmet sich situativen Texten, die von Begegnungen mit Prominenten handeln. Die Erzählungen sind dabei sehr verschieden in Inhalt und Stil: skurrile Texte, einzelne verschriftlichte Gedankensplitter, Passagen, die einem zum Lachen bringen und sicher auch die ein oder andere urbane Legende sammeln sich auf der Website Wir höflichen Paparazzi.