Fundstück: Emilia Galotti & Co. als Playmobilfiguren

Mit Playmobilfiguren unterwegs im alten Rom. So bekommt selbst William Shakespeares „Julius Caesar“ einen ganz neuen Unterhaltungswert. Bild: Michael Sommer

Mehrere Playmobilfiguren stehen auf einem Tisch. Hinter ihnen ist ein Bühnenbild aus Pappe zu sehen. Bei diesem Anblick könnte man denken, es handele sich um den Spieltisch eines Kindes. Aber weit gefehlt: Die Playmobilfiguren bilden das Darstellerensemble von Michael Sommer. Auf seinem Youtubekanal Sommers Weltliteratur to go veröffentlicht er Videos, in denen er die Klassiker der Literaturgeschichte mithilfe der kleinen Spielfiguren nacherzählt. Für die Geschichten von Goethes Woyzeck, Hauptmanns Bahnwärter Thiel oder Schillers Don Carlos braucht es so nicht mehr eine Vielzahl von Seiten, sondern nur ungefähr zehn Minuten. Besonders Schüler*innen sind Sommer dankbar: Die ‚längst ausgestorbenen‘ Klassiker werden mithilfe der Playmobilfiguren und der raffinierten Inszenierung für die Jugendlichen unterhaltsamer. Das ist vor allem in der Klausurenphase zur raschen Wiederholung praktisch. Gegner*innen der digitalen Medien sehen an „Sommers Weltliteratur to go“  also, wie Bildung auch über YouTube effektiv erfolgen kann.

Aber wie ist diese geniale Idee entstanden? Im Herbst 2013 erhielt der Regisseur, Autor und Dramaturg die Aufgabe, am Theater Ulm Dantons Tod kurz und unterhaltsam zu präsentieren. Die Performance wurde auf Video aufgenommen, auf YouTube veröffentlicht und hat seitdem immer mehr Klicks erhalten. Sommer entwickelte daraus eine Reihe – „Sommers Weltliteratur to go“ war geboren. Sehr schnell entdeckte der Reclam-Verlag das Potenzial des Kanals und wurde als Förderer gewonnen, sodass mittlerweile jede Woche ein neues Werk der Weltliteratur umgesetzt wird. Und obwohl der Fokus auf der deutschen Literatur liegt, finden sich auch internationale Koryphäen wie Tolstois Anna Karenina oder Flauberts Madame de Bovary auf dem Kanal, welcher 2018 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden ist, wieder. Englisch synchronisierte Fassungen der Videos sind hingegen auf dem Schwesterkanal Sommer’s World Literature To Go zu bestaunen. Seit Ende letzten Jahres gibt es Michael Sommer und seine Literaturklassiker zudem auch auf dem Buchmarkt. Mit Gehst du Goethe! Speed-Dating mit deutschen Klassikern ist man unabhängig von jeder Internetverbindung und kann sich den Plot von Kafkas Verwandlung oder Hoffmanns Sandmann im Nu aneignen und bei der nächsten Gesprächsrunde glänzen.

Wer jetzt neugierig geworden ist und mehr erfahren möchte, darf sich auf unseren Beitrag Anfang August freuen. Denn dann erscheint ein Interview mit Michael Sommer, in dem er uns unter anderem Fragen zu interdisziplinären Studiengängen oder seinen persönlichen literarischen Favoriten beantwortet.

Fundstück: Gespräch über Bücher

Die Unübersichlichkeit des Buchmarktes kann einen sehr schnell ausschließen. So manches Gespräch jedoch öffnet Türe und Tore. Bild: CCO Pixabay

Die „Eine Uni – ein Buch“-Aktion muss erst noch erbringen, was sie sich vorgenommen hat (dass jeder sich mit Olivas Garten auseinandersetzt). Aber es gibt bereits eine Veranstaltung, die etwas ähnliches liefert, wenn auch in keinem so ambitionierten Rahmen: Das Gespräch über Bücher; eine Art Lesekreis, zu dem 3 Mal jedes Semester Akademiker*innen in die Essener Zentralbibliothek einladen, um ausgewählte Romane zu besprechen, die alle eine thematische oder inhaltliche Gemeinsamkeit aufweisen.

So auch in den letzten Monaten unter dem Schlagwort „Inseln“. Die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Meinungen von den unterschiedlichsten Leuten mitbekommen zu können, ist ein Genuss ohne Gleichen, die an Erfahrungen in diversen Schreibwerkstätten erinnern. Aber letztlich ist es das Ziel, im Gespräch (mit Erläuterungen und wissenschaftliche Einblicke seitens der Gastgeber*innen) zu ergründen, warum ein Buch überzeugt, oder auch nicht.

Das letzte Treffen dieses Sommersemester ist am 3.7. bereits gelaufen; nicht ohne Archipel, den Gewinner des Deutschen Buchpreises 2018 zu loben und noch mehr zu bemängeln. Jedoch findet der nächste Termin am 23.10.2019 statt, unter dem Motto von Rausch und Exzessen. Definitiv ein Besuch wert.

Fundstück: Stranger Things passieren nicht nur auf Netflix

Am 04.07. gehts in Hawkins endlich weiter. jovemnerd.com.brNicht mehr lange und die unheimlichen Ereignisse rund um Elfie und ihre Freunde gehen weiter. Am 04.07. kommt endlich die heiß ersehnte dritte Staffel der Erfolgsserie Stranger Things raus. Veröffentlicht werden die Episoden wie gewohnt auf Netflix. Doch kann man die Figuren nicht nur über den Streaming–Service verfolgen, sondern neuerdings auch in sämtlichen Buchläden. Je weiter die Serie fortschreitet, desto mehr Bücher werden dazu veröffentlicht. Neben einem offiziellen Begleitbuch zur Serie, in dem man einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, gibt es mehrere Romane zur Welt von Stranger Things, in denen die Vorgeschichten von einzelnen Figuren aufgegriffen werden. Beispielsweise kann man in Suspicious Minds mehr über die Experimente rund um Elfie erfahren. In Finsternis wird die Vorgeschichte von Serienliebling Jim Hopper aufgegriffen. Für alle, die entweder den Start der neuen Staffel nicht mehr erwarten können oder ihr Wissen noch vertiefen wollen, bevor das Abenteuer weiter geht, lohnt sich ein Blick in eins der zahlreichen Begleitbücher zur Serie auf jeden Fall.

Liebeserklärung an Kroatien #Einbuchude

Alida Bremer versammelt 20 Liebeserklärungen an ihr Heimatland Kroatien in einer Anthologie. Bild: CCO Pixabay

Eine Entdeckungsreise aus dem Lesesessel heraus: Nicht nur als Autorin, auch als Herausgeberin hängt Alida Bremers Herz an ihrem Geburtsland Kroatien. Bremer ist dieses Semester Autorin des Projektes Eine Uni – Ein Buch. Zusammen mit den Herausgeberinnen Silvija Hinzmann und Dagmar Schruf erstellt sie in dem Werk Südliche Luft – 20 Liebeserklärungen an Kroatien eine Collage aus persönlichen Eindrücken des kleinen Landes östlich der Adria.

So beschreibt die gebürtige Kroatin Marica Bodrožić nostalgisch ihre Kindheit in Dalmatien – die Sehnsucht nach Italien und der Fremde, die sie in dem Hinterland empfindet, aber auch die Liebe und Zuneigung, die sie zu diesem Land entwickelt. Auch deutsche Autor*innen schreiben über ihre Vorstellungen und Eindrücke des Landes: Juli Zehs Geschichte handelt von Musik, die Grenzen überwindet und der Liebe zwischen zwei Kulturen – Deutschland und Kroatien. In der Anthologie geht es um Gegensätze: „Die zauberhafte Natur und die Schönheit der Städte auf der einen, die verhängnisvolle Geschichte und schwer zu verstehende Politik auf der anderen Seite.“ Doch vor allem geht es darum, ein Land kennenzulernen, das vielen noch als fremd und unbekannt erscheint.

Fundstück: Buchempfehlungen per Chatbot

Nach dem Klicken auf verschiedene Auswahlmöglichkeiten hilft der Bot bei der Wahl der richtigen Lektüre. Screenshot: Lena Kosakowski

Immer häufiger gibt es in der Medienbranche Bots, die Texte schreiben oder zur Unterstützung angewendet werden. Die Buchbranche dagegen ist bei der Verwendung neuer digitaler Möglichkeiten hingegen eher zurückhaltend. Umso überraschender ist es daher, dass aktuell auf der Facebook-Seite der Klassikerinnen-Reihe des Reclam Verlags ein Chatbot im Einsatz ist, der den Nutzer*innen Buchempfehlungen über den Messenger sendet. Mit einfachen Fragen leitet der Bot die Kunden durch das „Gespräch“ und  hilft ihnen bei der Kaufentscheidung. Die User können im Verlauf meistens zwischen zwei Antwortmöglichkeiten wählen – abschließend spricht der Chatbot seine Buchempfehlung aus.

In Reclams Buchreihe Klassikerinnen neu entdeckt von Schriftstellerinnen der Gegenwart erscheinen Klassiker der Weltliteratur mit starken Frauenfiguren, darunter u.a. Jane Austens Stolz und Vorurteil oder Theodor Fontanes Effi Briest. Zusätzlich beinhalten die Ausgaben Essays bekannter Autorinnen wie Nora Gomringer und Ulrike Draesner. Noch befindet sich der Chatbot in der Testphase. Bei Erfolg wird er demnächst aber wohl öfter zu sehen sein.

Fundstück: Denn Mord war ihr Hobby – Crime Cologne 2019

Im September wird die Domstadt zum Tatort. Bild: CCO pixabay

Zum neunten Mal findet vom 23. bis 29. September 2019 das Krimifestival Crime Cologne in Köln statt. Wie jedes Jahr erwarten Besucher nicht nur Lesungen verschiedenster Autoren des Genres, sondern auch ein buntes Rahmenprogramm wie Führungen, Bahnfahrten sowie mehrere Krimidinner. Manche davon versprechen Gänsehaut, andere einen eher humoristischen Twist. Für Familien mit Kindern werden Detektivkurse angeboten, in denen Jung und Alt ihren inneren Sherlock Holmes ausleben können. Zudem wird auch dieses Jahr der Crime Cologne Award an den besten deutschen Kriminalroman verliehen.

Das Besondere an dem Festival: Es wird nicht an einem Spot, sondern an vielen verschiedenen Standorten in der Domstadt ausgetragen, von der Mayerschen Buchhandlung am Neumarkt, Universitätshörsälen, Cafés – oder wer’s ganz morbide mag – auch in einem Atombunker. Für jede Veranstaltung müssen jedoch separate Tickets gekauft werden, welche zwischen 12 bis 42 Euro changieren. Einige der Events sind allerdings auch kostenlos. Wer Interesse hat, sollte sich beeilen: mehrere Lesungen sind bereits ausverkauft. Erwerben kann man die Tickets unter kölnticket.de.

Fundstück: „Sie haben Flammen und Waffen“ – Die Düsseldorfer Literaturtage 2019

Heinrich Heine – Der Patron der Düsseldorfer Literaturtage Bild: CCO pixabay

„Sie haben Flammen und Waffen“, mit diesen Worten warnte Heinrich Heine die Leute einst davor, einem Dichter krumm zu kommen. Knapp 160 Jahre später, ab Montag, dem 03.06.19, leiht sich Heines Geburtsort diese Warnung als Motto für die Düsseldorfer Literaturtage. Seit 2010 organisiert das Literaturbüro NRW, zusammen mit dem Heinrich-Heine-Institut und der Zentralbibliothek das literarische Spektakel. Vom 03.06. bis zum 16.06. wird auf verschiedenen Veranstaltungen gedichtet, vorgelesen und vorgetragen. Ob Belletristik, Sachbuch oder Prosa, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

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Fundstück: 20. poesiefestival berlin

Dagmara Kraus, eine der mitwirkenden Autor*innen, Bild: Marcin Wezowski

Unter dem Motto Endlich Zeit für Sprache findet vom 14.06.-20.06.2019 das diesjährige poesiefestival berlin statt. Organisiert vom Haus für Poesie ist es europaweit die größte Veranstaltung ihrer Art, die seit 2000 jährlich rund 150 internationale Dichter*innen und Künstler*innen nach Berlin bringt. Ort des Geschehens ist die Akademie der Künste, in der im Rahmen eines vielfältigen Programms Raum für internationale Poesie in Verbindung mit Kunst, Theater, Performance, Musik, Film sowie digitalen Medien geschaffen wird. Das Programm ist für jegliche Altersgruppe konzipiert – darunter fallen beispielsweise die in sieben Sprachen gestaltete Eröffnungsperformance Weltklang – Nacht der Poesie, die Ausstellung Aubergine mit Scheibenwischer – Die Zeichnungen von Oskar Pastior, die Lesung und Gesprächsrunde Queer Poets. Queer Voices – 50 Jahre Stonewall, der ZEBRA-Poesiefilmclub Sprachgewalt sowie ein mit digitaler Poesie gefüllter Abend, der unter dem Titel datenschemen & zeichensprachen Machtstrukturen infrage stellt und Sprache neu erlebbar macht. Über das Instagram-Profil des Hauses für Poesie sowie in der Facebook-Veranstaltung @poesiefestivalberlin können aktuelle Informationen zu dem Festival abgerufen werden. Content verschiedenster Art kann in den sozialen Netzwerken zudem mit dem Hashtag #poesiefestivalberlin2019 versehen und mitverfolgt werden.

Fundstück: Sophie Passmann

Sophie Passmann auf der Bühne, Bild: anygator.com

Spätestens seitdem ihr Buch „Alte Weisse Männer “ am 7.März beim KiWi –Verlag erschienen ist (KiWi), kommt man an dem Namen Sophie Passmann nicht mehr vorbei. Für ihr feministisches Werk führte sie Interviews mit prominenten Männern, die sie nach Themen wie Sexismus und Feminismus befragte. Die 25-Jährige ist nicht nur Buchautorin, sondern gleichzeitig Radiomoderatorin bei 1Live, schreibt die Kolumne Alles oder Nichts für das Zeitmagazin (Zeit Magazin) und betreibt seit Anfang 2019 zusammen mit Matthias Kalle den Podcast Die Schaulustigen. In dem Podcast diskutieren die beiden über das deutsche Fernsehprogramm, aber auch internationale Serien/Filme. Zurzeit trifft man sie häufig auf Buchmessen, bei Lesungen oder auch im Fernsehen, wie zum Beispiel am Weltfrauentag beim Kölner Treff  (WDR Mediathek ) .                                 
Dies sind nur einige der vielen Projekte, die Sophie Passmann bereits gemacht hat. Besonders inspirierend ist die Tatsache, dass sie fast jedes zur Verfügung stehende Medium benutzt, um ihre Meinung zu äußern und über wichtige Themen aufzuklären. Auch Instagram ist eine Plattform, um über interessante Bücher, politische Themen und Projekte zu sprechen (Instagram Profil). Wenn man auf der Suche nach einer neuen, interessanten Stimme in den deutschen Medien ist, lohnt es sich, einen Blick auf ihre bisherigen Projekte zu werfen.

Fundstück: European Union Prize for Literature 2019

Der European Union Prize for Literature feiert 2019 sein zehnjähriges Bestehen. Bild: CCO pixabay

Der European Union Prize for Literature (EUPL) ist ein von der EU im Jahr 2009 gestifteter Preis, um bisher noch unbekannte Schriftsteller*innen bekannt zu machen. Nicht nur die Mitgliedsstaaten der EU, sondern auch ausgewählte Nicht-EU-Staaten dürfen an der Preisverleihung im dreijährigen Takt teilnehmen. So legen jedes Jahr nationale Jurys von einem Drittel der nominierungsberechtigten Länder ihre Shortlists vor. Der European Writers‘ Council, der Federation of European Publishers sowie der European and International Bookseelers Federation organisieren den EUPL. Die Finanzierung erfolgt durch das Programm Creative Europe der Europäischen Kommision.

Zum zehnjährigen Bestehen des mit 5.000 Euro dotierten Preises reichen dieses Jahr Österreich, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Ukraine und Großbritannien das aktuellste Werk ihres ausgewählten Autors bzw. ihrer ausgewählten Autorin ein. Dieses muss innerhalb der letzten 18 Monate publiziert worden sowie lieferbar sein. Die Verkündung erfolgt am 22. Mai, die Verleihung hingegen findet im September 2019 in Brüssel statt.