Fundstück: Digitur auf der Frankfurter Buchmesse

Ab morgen ist es wieder soweit: Die Frankfurter Buchmesse geht vom 16. bis zum 20.10.2019 in eine neue Runde. Gastland dieses Jahr ist Norwegen. Die Digitur-Redaktion wird auf jeden Fall Mittwoch und Freitag zugegen sein und sich ansehen, was die Veranstalter auf Lager haben.

Dem kompletten Programm könnt ihr auf der Eventübersicht einen Besuch abstatten. Alles ist vorhanden: Von vielerlei Preisen (zum Beispiel der Deutsche Buchpreis, den Saša Stanišić mit Herkunft gewann) über Konferenzen bis hin zu Vorträgen über jede Sparte, die der Markt zu bieten hat. Ich persönlich interessiere mich z.B. für die Lesung von Caroline Hofstätter aus ihrem Debütroman Das Ewigkeitsprojekt. Stay tuned!

Fundstück: Der Mann in der globalen Welt – die Shortlist des dbp 2019

Aus 173 eingereichten Romanen hat die siebenköpfige Jury um Jörg Magenau die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 erstellt. Bild: CCO Pixabay

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse an den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado verliehen (Digitur berichtete). Höchste Zeit also, auch mal einen Blick auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis zu werfen. Wer wird am Ende das Rennen machen? Etwa Norbert Scheuer mit Winterbienen? Jackie Thomae mit Brüder? Oder Saša Stanišić mit Herkunft? Zu den Finalist*innen zählen auch drei Debütantenromane: Das flüssige Land von Raphaela Edelbauer, Kintsugi von Mike Sophie Kümmel und Nicht wie ihr von Tokio Schachenger. Obwohl die sechs Bücher sich stilistisch und formal unterscheiden, weisen sie inhaltlich doch eine Gemeinsamkeit auf. Sie alle thematisieren die problematische Identität des Mannes, familiäre Strukturen und den „Ort in der globalen Welt, von dem aus das eigene Dasein zu begreifen ist“, so Jury-Sprecher Jörg Magenau. In einer so diffusen und schnelllebigen Welt wie unserer ein komplexes und facettenreiches Thema.

Neben dem freien Literaturkritiker Magenau gehören ebenfalls Petra Hartlieb (Hartliebs Bücher, Wien), Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt am Main), Björn Lauer (Hugendubel Frankfurt), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk), Daniela Strigl (Literaturwissenschaftlerin) und Margarete von Schwarzkopf (Autorin und Literaturkritikerin) der Jury für den Deutschen Buchpreis 2019 an. Der Preis, welcher zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers verliehen wird, ist mit 25.000 Euro dotiert. Die anderen fünf Nominierten erhalten jeweils ein Preisgeld von 2.500 Euro. Wer sich die Preisverleihung ansehen möchte, hat die Möglichkeit, diese mittels Livestream auf www.deutscher-buchpreis.de zu verfolgen.

Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Salgados mehrbändiges Meisterwerk zeigt vom Fortschritt unberührte Teile des Planeten Bild: Taschen Verlag

Am 16.10. lädt die Frankfurter Buchmesse wieder für fünf Tage Literaturinteressierte aus der ganzen Welt ein. Am letzten Tag wird in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen, der in diesem Jahr an den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado geht.

Anhand seiner eindrucksvollen schwarz-weiß Aufnahmen thematisiert Salgado das schicksalhafte Leben von Menschen, die aufgrund von Kriegen oder Klimakatastrophen von ihrer natürlichen Umgebung entwurzelt wurden. Doch auch das naturverbundene Leben indigener Völker aus dem Amazonas wird einfühlsam von ihm porträtiert. All seinen Fotografien gemein ist jedoch die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Anhand seiner imposanten und kontrastiven Bildsprache gelingt es ihm, Menschen weltweit für das Schicksal von Arbeitern und Migranten sowie für die Lebensbedingungen indigener Völker zu sensibilisieren.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Kulturauszeichnungen der Bundesrepublik. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis geht an Persönlichkeiten, die auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Seit 1950 wird der Preis an internationale Persönlichkeiten aus Literatur, Philosophie, Kunst und Wissenschaft verliehen

Fundstück: #bubla19. Der Buchblog-Award geht in die dritte Runde

Bild: https://www.buchblog-award.de/

Buchblogs sind aus dem Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile sind es nicht nur reine Blogs, die das öffentliche Gespräch über Bücher fördern; Buchpodcasts, Bookstagram- und BookTube-Kanäle reihen sich mit ein und sind für den Award nominiert, während sie 2017 bildeten noch eine Sonderkategorie bildeten (s. Fundstück #bubla17). Das besondere Engagement der Blogger*innen wird mit dem Buchblog-Award von NetGalley und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels honoriert. Der Preis wird zum dritten Malauf der Frankfurter Buchmesse am 18. Oktober verliehen. Weiterlesen „Fundstück: #bubla19. Der Buchblog-Award geht in die dritte Runde“

Fundstück: Sechs Tage Literatur pur

Festivalmittelpunkt der lit.RUHR ist Essen. Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein finden viele Veranstaltungen statt.
Bild: CCO pixabay

Das Strandtuch ist samt Bikini und Shorts im Schrank verstaut, in den Supermarktregalen schmelzen die ersten Weihnachtssüßigkeiten dahin und die Pina Colada wird gegen eine heiße Tasse Tee eingetauscht. Der Herbst kommt und wir melden uns zurück aus unserer Sommerpause.

Bevor ihr es euch auf der Couch aber allzu bequem macht, haben wir noch einen Veranstaltungstipp für euch. Die diesjährige lit.RUHR lockt mit hochkarätigen Gästen wie Cornelia Funke, Frank Schätzing, Thomas Gottschalk, Katja Riemann oder John Strelecky, um nur einige zu nennen. Sie alle kommen vom 8. bis 13. Oktober zum Lesen und Diskutieren ins Ruhrgebiet. Cordula Stratmanns und Bjarne Mädels Einführung in die hohe Kunst der Beleidigung ist schon ausverkauft. Für die allermeisten der 76 Veranstaltungen gibt es aber noch Tickets. Wer sich also von Martin Sonneborn Europa erklären lassen, mit Annette Frier und Alexandra Helmig Astrid Lindgren entdecken oder Deniz Yücels Analyse zu autoritären Regimen und demokratischer Öffentlichkeit hören möchte, sollte sich schnell Tickets sichern.

Fundstück: Emilia Galotti & Co. als Playmobilfiguren

Mit Playmobilfiguren unterwegs im alten Rom. So bekommt selbst William Shakespeares „Julius Caesar“ einen ganz neuen Unterhaltungswert. Bild: Michael Sommer

Mehrere Playmobilfiguren stehen auf einem Tisch. Hinter ihnen ist ein Bühnenbild aus Pappe zu sehen. Bei diesem Anblick könnte man denken, es handele sich um den Spieltisch eines Kindes. Aber weit gefehlt: Die Playmobilfiguren bilden das Darstellerensemble von Michael Sommer. Auf seinem Youtubekanal Sommers Weltliteratur to go veröffentlicht er Videos, in denen er die Klassiker der Literaturgeschichte mithilfe der kleinen Spielfiguren nacherzählt. Für die Geschichten von Goethes Woyzeck, Hauptmanns Bahnwärter Thiel oder Schillers Don Carlos braucht es so nicht mehr eine Vielzahl von Seiten, sondern nur ungefähr zehn Minuten. Besonders Schüler*innen sind Sommer dankbar: Die ‚längst ausgestorbenen‘ Klassiker werden mithilfe der Playmobilfiguren und der raffinierten Inszenierung für die Jugendlichen unterhaltsamer. Das ist vor allem in der Klausurenphase zur raschen Wiederholung praktisch. Gegner*innen der digitalen Medien sehen an „Sommers Weltliteratur to go“  also, wie Bildung auch über YouTube effektiv erfolgen kann.

Aber wie ist diese geniale Idee entstanden? Im Herbst 2013 erhielt der Regisseur, Autor und Dramaturg die Aufgabe, am Theater Ulm Dantons Tod kurz und unterhaltsam zu präsentieren. Die Performance wurde auf Video aufgenommen, auf YouTube veröffentlicht und hat seitdem immer mehr Klicks erhalten. Sommer entwickelte daraus eine Reihe – „Sommers Weltliteratur to go“ war geboren. Sehr schnell entdeckte der Reclam-Verlag das Potenzial des Kanals und wurde als Förderer gewonnen, sodass mittlerweile jede Woche ein neues Werk der Weltliteratur umgesetzt wird. Und obwohl der Fokus auf der deutschen Literatur liegt, finden sich auch internationale Koryphäen wie Tolstois Anna Karenina oder Flauberts Madame de Bovary auf dem Kanal, welcher 2018 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden ist, wieder. Englisch synchronisierte Fassungen der Videos sind hingegen auf dem Schwesterkanal Sommer’s World Literature To Go zu bestaunen. Seit Ende letzten Jahres gibt es Michael Sommer und seine Literaturklassiker zudem auch auf dem Buchmarkt. Mit Gehst du Goethe! Speed-Dating mit deutschen Klassikern ist man unabhängig von jeder Internetverbindung und kann sich den Plot von Kafkas Verwandlung oder Hoffmanns Sandmann im Nu aneignen und bei der nächsten Gesprächsrunde glänzen.

Wer jetzt neugierig geworden ist und mehr erfahren möchte, darf sich auf unseren Beitrag Anfang August freuen. Denn dann erscheint ein Interview mit Michael Sommer, in dem er uns unter anderem Fragen zu interdisziplinären Studiengängen oder seinen persönlichen literarischen Favoriten beantwortet.

Fundstück: Gespräch über Bücher

Die Unübersichlichkeit des Buchmarktes kann einen sehr schnell ausschließen. So manches Gespräch jedoch öffnet Türe und Tore. Bild: CCO Pixabay

Die „Eine Uni – ein Buch“-Aktion muss erst noch erbringen, was sie sich vorgenommen hat (dass jeder sich mit Olivas Garten auseinandersetzt). Aber es gibt bereits eine Veranstaltung, die etwas ähnliches liefert, wenn auch in keinem so ambitionierten Rahmen: Das Gespräch über Bücher; eine Art Lesekreis, zu dem 3 Mal jedes Semester Akademiker*innen in die Essener Zentralbibliothek einladen, um ausgewählte Romane zu besprechen, die alle eine thematische oder inhaltliche Gemeinsamkeit aufweisen.

So auch in den letzten Monaten unter dem Schlagwort „Inseln“. Die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Meinungen von den unterschiedlichsten Leuten mitbekommen zu können, ist ein Genuss ohne Gleichen, die an Erfahrungen in diversen Schreibwerkstätten erinnern. Aber letztlich ist es das Ziel, im Gespräch (mit Erläuterungen und wissenschaftliche Einblicke seitens der Gastgeber*innen) zu ergründen, warum ein Buch überzeugt, oder auch nicht.

Das letzte Treffen dieses Sommersemester ist am 3.7. bereits gelaufen; nicht ohne Archipel, den Gewinner des Deutschen Buchpreises 2018 zu loben und noch mehr zu bemängeln. Jedoch findet der nächste Termin am 23.10.2019 statt, unter dem Motto von Rausch und Exzessen. Definitiv ein Besuch wert.

Fundstück: Stranger Things passieren nicht nur auf Netflix

Am 04.07. gehts in Hawkins endlich weiter. jovemnerd.com.brNicht mehr lange und die unheimlichen Ereignisse rund um Elfie und ihre Freunde gehen weiter. Am 04.07. kommt endlich die heiß ersehnte dritte Staffel der Erfolgsserie Stranger Things raus. Veröffentlicht werden die Episoden wie gewohnt auf Netflix. Doch kann man die Figuren nicht nur über den Streaming–Service verfolgen, sondern neuerdings auch in sämtlichen Buchläden. Je weiter die Serie fortschreitet, desto mehr Bücher werden dazu veröffentlicht. Neben einem offiziellen Begleitbuch zur Serie, in dem man einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, gibt es mehrere Romane zur Welt von Stranger Things, in denen die Vorgeschichten von einzelnen Figuren aufgegriffen werden. Beispielsweise kann man in Suspicious Minds mehr über die Experimente rund um Elfie erfahren. In Finsternis wird die Vorgeschichte von Serienliebling Jim Hopper aufgegriffen. Für alle, die entweder den Start der neuen Staffel nicht mehr erwarten können oder ihr Wissen noch vertiefen wollen, bevor das Abenteuer weiter geht, lohnt sich ein Blick in eins der zahlreichen Begleitbücher zur Serie auf jeden Fall.

Liebeserklärung an Kroatien #Einbuchude

Alida Bremer versammelt 20 Liebeserklärungen an ihr Heimatland Kroatien in einer Anthologie. Bild: CCO Pixabay

Eine Entdeckungsreise aus dem Lesesessel heraus: Nicht nur als Autorin, auch als Herausgeberin hängt Alida Bremers Herz an ihrem Geburtsland Kroatien. Bremer ist dieses Semester Autorin des Projektes Eine Uni – Ein Buch. Zusammen mit den Herausgeberinnen Silvija Hinzmann und Dagmar Schruf erstellt sie in dem Werk Südliche Luft – 20 Liebeserklärungen an Kroatien eine Collage aus persönlichen Eindrücken des kleinen Landes östlich der Adria.

So beschreibt die gebürtige Kroatin Marica Bodrožić nostalgisch ihre Kindheit in Dalmatien – die Sehnsucht nach Italien und der Fremde, die sie in dem Hinterland empfindet, aber auch die Liebe und Zuneigung, die sie zu diesem Land entwickelt. Auch deutsche Autor*innen schreiben über ihre Vorstellungen und Eindrücke des Landes: Juli Zehs Geschichte handelt von Musik, die Grenzen überwindet und der Liebe zwischen zwei Kulturen – Deutschland und Kroatien. In der Anthologie geht es um Gegensätze: „Die zauberhafte Natur und die Schönheit der Städte auf der einen, die verhängnisvolle Geschichte und schwer zu verstehende Politik auf der anderen Seite.“ Doch vor allem geht es darum, ein Land kennenzulernen, das vielen noch als fremd und unbekannt erscheint.

Fundstück: Buchempfehlungen per Chatbot

Nach dem Klicken auf verschiedene Auswahlmöglichkeiten hilft der Bot bei der Wahl der richtigen Lektüre. Screenshot: Lena Kosakowski

Immer häufiger gibt es in der Medienbranche Bots, die Texte schreiben oder zur Unterstützung angewendet werden. Die Buchbranche dagegen ist bei der Verwendung neuer digitaler Möglichkeiten hingegen eher zurückhaltend. Umso überraschender ist es daher, dass aktuell auf der Facebook-Seite der Klassikerinnen-Reihe des Reclam Verlags ein Chatbot im Einsatz ist, der den Nutzer*innen Buchempfehlungen über den Messenger sendet. Mit einfachen Fragen leitet der Bot die Kunden durch das „Gespräch“ und  hilft ihnen bei der Kaufentscheidung. Die User können im Verlauf meistens zwischen zwei Antwortmöglichkeiten wählen – abschließend spricht der Chatbot seine Buchempfehlung aus.

In Reclams Buchreihe Klassikerinnen neu entdeckt von Schriftstellerinnen der Gegenwart erscheinen Klassiker der Weltliteratur mit starken Frauenfiguren, darunter u.a. Jane Austens Stolz und Vorurteil oder Theodor Fontanes Effi Briest. Zusätzlich beinhalten die Ausgaben Essays bekannter Autorinnen wie Nora Gomringer und Ulrike Draesner. Noch befindet sich der Chatbot in der Testphase. Bei Erfolg wird er demnächst aber wohl öfter zu sehen sein.