Nachhaltig lesen – 4 Annäherungsversuche

Bücher und Umweltfreundlichkeit – geht das zusammen? Bild: CC0 Pixabay

So umweltfreundlich wie möglich wollen wir leben. Beim Wocheneinkauf achten wir darauf und bei der Mülltrennung sowieso. Aber was ist eigentlich mit unseren Bücherregalen? Dort versteckt sich zwischen bunt bedruckten Einbänden stapelweise Papier.

Bücher bringen uns Fremdes nahe, können sowohl zum Denken als auch zum Abschalten anregen und sind so vielfältig wie die Menschen, die sie schreiben. Aber am Ende sind sie alle auch eines: Ein Produkt, das von uns konsumiert wird. Der Konsumfaktor wird bei Büchern oft vergessen oder zumindest als zweitrangig erachtet. Bücher gelten als Kultur- und Bildungsgüter und nehmen damit eine Stellung ein, die sie nahezu immun macht gegen Konsumkritik. Ihr Wert liegt im Inhalt, nicht in der Verpackung. Wieso sträuben sich dann jedoch so viele Buchliebhaber:innen gegen die Nutzung digitaler Lesegeräte, die doch auf den ersten Blick ein ressourcenschonenderes Lesen desselben Inhalts ermöglichen? Weil Bücher eben doch materiellen Wert besitzen. Und der muss auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit mitgedacht werden. Weiterlesen

Bücher in Videospielen – Mehr als nur E-Books

Nach einem tragischen Schicksalsschlag wird Oliver von einem magischen Buch unterstützt. Quelle: Bandai Namco

Obwohl es sich bei Büchern und Videospielen um zwei grundsätzlich verschiedene Kulturobjekte handelt, die sich trotz einiger Gemeinsamkeiten allein schon durch ihr Medium unterscheiden, finden wir literarische Werke zuhauf in digitalen Welten wieder. Es soll in diesem Beitrag aber nicht um Literatur im eigentlichen, sondern um Bücher im praktischen Sinne gehen, also das feste Objekt zum Umblättern, mit Einband, Seiten aus Papier und optionalem Lesebändchen.

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Fundstück: Eine weit, weit entfernte Galaxie…

Bild: www.starwars.com/star-wars-day

Morgen ist Star Wars Tag. Warum dies noch kein gesetzlicher Feiertag ist? Eine Frage, die uns alle quält. Um George Lucas und seine Helden zu ehren, bedarf es eigentlich eines Filme-Marathons – ein etwas zu großes Zeitinvestment, für mich jedenfalls. Für alle Fans und die, die es noch werden wollen, habe ich deshalb zwei alternative Ideen zusammengestellt, wie ihr den Tag feiern könnt.

Für alle Bücherwürmer bietet sich das neue Literaturprogramm The High Republic an. Die Romane und Comics, für unterschiedliche Altersklassen konzipiert, spielen rund 200 Jahre vor Die dunkle Bedrohung und begleiten eine Gruppe junger Padawane bei ihrem Kampf gegen die Nihil, eine neu eingeführte Kontrahenten-Gruppe. The High Republic ist völlig unabhängig von der primären Star Wars Story konzipiert. Eine Übersicht über die erschienenen und geplanten Werke findet ihr hier.

Auch Disney+ hat sich einiges überlegt: Fans haben ihre eigenen künstlerischen Darstellungen eingereicht, die ab morgen die Titelseiten vieler Filme und Serien rund um Star Wars schmücken werden. Und wer nicht auf eine Feier mit Freunden verzichten mag, kann eine Disney+ Watch-Party starten und per Videoanruf über das Gesehene diskutieren. Dazu empfiehlt sich die morgen startende Animationsserie The Bad Batch. Um das Ganze noch interaktiver zu gestalten, könnt ihr euch zusätzlich zum „The Bad Batch Bingo“ anmelden und morgen live am Spiel teilnehmen. Dazu ein paar Kekse in Stormtrooper-Form – ich bin dabei, ihr auch?

Ein blendend helles Licht – Netflix’ neue Fantasy-Serie „Shadow and Bone”

In Leigh Bardugos Grishaverse sind bereits neun Bücher erschienen. Die erste Staffel der Serie behandelt jedoch nur das erste Buch der Legenden der Grisha-Trilogie und die Vorgeschichten der Charaktere aus den Six of Crows-Büchern. Bild: Evelyn Messel

Als Netflix im Januar 2019 bekannt gab, dass Leigh Bardugos Grishaverse-Bücher verfilmt werden sollen, war meine Euphorie ungehalten. Die Entscheidung, sowohl die Legenden der Grisha-Trilogie als auch die Glory and Grave-Dilogie, die – obwohl sie im gleichen Fantasy-Universum spielen – inhaltlich und atmosphärisch nicht unterschiedlicher sein könnten, in einer Serie zu verschmelzen, sorgte bei vielen Buch-Fans für Stirnrunzeln. Ich hingegen war begeistert von dieser Idee, da sie Spielräume für Neues schafft und so sicherstellt, dass es auch für die Leser:innen nicht langweilig werden würde. Nach langem Warten war es dann am 23. April so weit: Shadow and Bone wurde auf Netflix veröffentlicht. Wie hat sich Netflix also mit dieser Jugendbuchadaption geschlagen?  

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Fundstück: Im Reich der Schreibenden

Ort zum Lesen, Ort zum Schreiben – Wohnungen und Bücher gehören zusammen. Wieso also sollten Autor:innenlesungen nicht an genau diesen Orten stattfinden? (Bild: CC0 unsplash)

Eine Autor:innenlesung in der eigenen WG? Veranstaltungen dieser Art organisiert zwischen/miete NRW – wenn nicht gerade eine Pandemie wütet – in sieben Städten Nordrhein-Westfalens sowie in Brüssel. Als coronagerechte Variante drehen die Organisator:innen das Konzept nun um und besuchen mit der Kamera Schriftsteller:innen in ihren eigenen vier Wänden. Dabei entstehen Videos von rund einer Stunde Länge, die in tiefgründigen Gesprächen den Hintergründen neu veröffentlichter Bücher nachspüren. Moderator Tilman Strasser besucht einige Autor:innen in ihren Wohnungen, andere trifft er zu einem Spaziergang durch die Viertel, die für sie oder ihr Werk von Bedeutung sind. Selbstverständlich werden auch Ausschnitte aus den Büchern vorgelesen.

Während die reale Nähe und der Austausch mit dem Publikum im Vergleich zu einer gewöhnlichen Lesung fehlen, eröffnen die Videos einen besonderen Einblick in die Lebenswelt der Schreibenden. Wo ein Mensch lebt und welche Orte ihn prägen, ist oft eng verknüpft mit seiner Haltung zur und Wahrnehmung von der Welt. Vor diesem Kontext entfalten sich im Gespräch die Gedanken, die die Autor:innen in ihrem Schreiben leiten.

Auf dem Youtube-Kanal des Veranstalters sind unter anderem schon Interviews mit Mithu Sanyal (Identitti), Linus Giese (Ich bin Linus) und Asal Dardan (Betrachtungen einer Barbarin) zu finden. Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann gegen eine monatliche „Miete“ von wahlweise 2,50€, 5€ oder 10€ in die virtuelle WG einziehen und je nach Beitragshöhe an Verlosungen teilnehmen oder ein signiertes Buch erhalten.

Skandal! Jan Böhmermann bei der Klatschpresse!

Am vergangenen Freitagabend stellte der fröhliche Fernsehmoderator Jan Böhmermann (40) den Zuschauer:innen des ZDF Magazin Royale stolz sein neustes, journalistisches Projekt vor: Das Freizeit Magazin Royale. Nach sorgfältigen Recherchen habe er festgestellt, dass es einfach rentabler sei, Lügen in einem Klatschmagazin zu verbreiten, als sich mühselig den journalistischen Pflichten der Sorgfältigkeit und Wahrheit zu unterziehen. Müssen die Fans des spritzigen Satirikers nun fürchten, dass Böhmermanns (39) Arbeiten zu Gunsten des Profits an qualitativer Güte verlieren? Expertin für Mittelfinger-Fetischisten und Staatsaffären-Lebemänner Karoline K.* sagt: Nein! Weiterlesen

Fundstück: Oscar-Verleihung 2021 + Filmtipp

Auch dieses Jahr wird der populäre Pokal wieder für außergewöhnliche Leistungen in der Welt des Films verliehen. Quelle: Pixabay

Natürlich habe ich die Oscar-Verleihung nicht gerade erst entdeckt und bin mir bewusst, dass 2021 nun schon zum dreiundneunzigsten Mal der begehrte Film-Preis für herausragende Kino-Kultur verliehen wird. Aber: Gerade dieses Jahr lohnt der Blick besonders! In Anbetracht einer globalen Pandemie und geschlossenen Filmhäusern sollte man zwar meinen, die Preisverleihung falle eher entschlackt aus und normalsterbliche Zuschauer*innen bekämen die nominierten Filme gar nicht erst zu sehen. Das stimmt aber nur halb: Denn während es, wie üblich, einige der Oscarstars (und ich meine hier nicht die Schauspieler*innen) nicht nach Deutschland geschafft haben, ist das Angebot an nominierten Filmen dank Streaming-Diensten durchaus bemerkenswert.

Besonders Netflix hat mit insgesamt 15 Filmen, die in der ein oder anderen Form eine Oscar-Nominierung erhalten haben, ein ordentliches Paket an cineastischem Vergnügen aufgestellt. Aber auch andere namhafte Streaming-Dienste wie Amazon Prime, Disney Plus und sogar die ARD Mediathek bieten einige Einblicke in die diesjährigen Oscar-Kandidat*innen. Ihr könnt diese Woche also noch einiges nachholen, bevor am Sonntag, dem 25. April, die Gewinner*innen der Oscar-Verleihung bekanntgegeben werden.

Mank (David Fincher)

Einen möchte ich dabei besonders hervorheben. Mank ist dieses Jahr mit zehn Nominierungen wohl der heißeste Anwärter auf die begehrten goldenen Flaggschiff-Figuren der Filmindustrie. Regisseur David Fincher, bekannt etwa für Sieben (1995) oder Fight Club (1999), erzählt in seinem biografischen Drama die Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz, der mit Citizen Kane (1941) einen der berühmtesten Filme der Geschichte geschrieben hat. 60 Tage hat er für die Fertigstellung des Drehbuchs Zeit und liefert sich nicht nur aufgrund seiner Alkoholsucht ein Rennen gegen die Zeit. Dabei stehen, neben der Entstehung des Drehbuchs, auch die politischen Umstände der Ära sowie die Filmindustrie im Vordergrund. Mit Gary Oldman in der Hauptrolle serviert Mank ein pointiertes Porträt und liefert mit Fingerspitzengefühl eine würdige Hommage an den Klassiker Citizen Kane. Wie genau das aussieht und ob der Film zehn Oscar-Nominierungen verdient hat, davon könnt ihr euch auf Netflix selbst ein Bild machen.

Ihr habt eher Lust auf was anderes? Weitere Filmtipps von uns, wenn auch keine Oscar-Nominierungen, findet ihr zum Beispiel hier und hier.

Digiturlaub: Call of the Sea

Ihr habt Lust auf Abenteuerurlaub? Dann helft Norah, ihren Mann zu finden! (Bild: https://www.calloftheseagame.com/)

Es ist April und das Wetter spielt verrückt. Regen, Sonne, Hagel, Schnee…wer wünscht sich da nicht auf eine tropische Insel? Norah Everhart hat da leider etwas andere Gründe. Ihr Ehemann Harry verschwand während seiner Expedition auf der Suche nach Heilung für eine mysteriöse Krankheit, an der sie leidet. Nun erhält Norah rätselhafte Post: Ein altes Messer und ein Bild ihres Mannes Harry mit einer Notiz, die sie 74 nautische Meilen östlich von Otaheite (Tahiti) schickt. Also macht sie sich auf den Weg und reist zur Insel im Südpazifik, um ihren Mann zu suchen. Bei Ankunft stellt sie fest: Das ist die Insel, von der sie seit Wochen träumt! Und so macht sie sich, ganz allein, auf die Suche.

Wobei: Ganz allein ist sie da nicht. Denn im Videospiel Call of the Sea reist ihr gemeinsam mit Norah zur pazifischen Insel und löst das Rätsel. Und das sogar wortwörtlich, denn es handelt sich um ein Rätsel-Abenteuerspiel. An Land und unter Wasser warten knifflige Aufgaben darauf, von euch gelöst zu werden – während ihr die merkwürdige, aber schöne Insel umgeben von türkisblauem Wasser erkundet. Ihr lüftet Geheimnisse der Expeditions-Crew sowie der mysteriösen Krankheit und folgt den Spuren Harrys durch Camps, Schiffsruinen, Tempel und weitere, magische Orte. Wer Lust auf einen etwas anderen (virtuellen) Urlaub und Spaß am Rätseln hat, der liegt bei diesem Spiel genau richtig.

Den Trailer sowie weitere Informationen zu Call of the Sea findet ihr auf der Website des Spiels. Es ist dort für die Xbox und als Computerspiel für 19,99 Euro erhältlich.

Digiturlaub: Chef‘s Table

Bildquelle: canva.com

Wer sich nach Urlaub sehnt, sich gar nicht für eine Destination entscheiden kann und dazu auch noch gutes Essen liebt, für den ist die Dokumentarfilm-Serie Chef’s Table aus den USA bestimmt etwas! Seit 2015 läuft sie bei Netflix und mittlerweile gibt es 30 verschiedene Episoden in sechs Staffeln, die einen mit durch die große, weite Welt nehmen. In jeder Folge wird ein internationaler Chefkoch/ eine internationale Chefköchin dargestellt und durch seinen/ ihren Alltag begleitet.

Dabei wird nicht nur ein Einblick in‘s Restaurant gegeben, sondern auch nicht zu knapp von der Umgebung berichtet. Es wird atemberaubende Natur gezeigt, die Landschaftsaufnahmen geben einem das Gefühl, man würde selbst dort sein und gleich das Essen kosten dürfen. Vom einsamen, naturverbundenen Restaurant in Schweden über Streetfood-Gerichte in Mexico zu Neuanfängen auf Bali ist alles dabei – und noch viel mehr. Man lernt nicht nur viele neue Gerichte und Essensvarianten kennen, sondern entdeckt auch so manche schöne Flecken auf dieser Erde und träumt sich mit allen Sinnen in den Urlaub.

Auch wenn momentan nicht ganz so an einen ausgelassenen Urlaub zu denken ist, so lässt einen Chefs’s Table doch an den letzten schönen Urlaub zurückdenken, sorgt für ein wenig Entspannung und Ablenkung in den heimischen vier Wänden und gibt Vorfreude und Motivation die nächsten Reiseziele anzuvisieren und zu planen. Und bis die nächste Reise stattfinden kann, kann sich die Zeit außer dem Streamen der Serie vielleicht auch mit dem Nachkochen der ein oder anderen Köstlichkeit vertrieben werden.

Wer danach nicht genug bekommen kann: Im September 2020 erschien ein Ableger der Serie zum Thema BBQ Chef’s Table: BBQ.

Digiturlaub: Fast genial

Auf scheinbar endlose Straßen nimmt uns Benedict Wells auf einem Roadtrip durch die USA mit. Bild: Pixabay

Ein Roadtrip quer durch die USA. Von der Ostküste durch den Mittleren Westen nach Las Vegas, San Francisco, Los Angeles, ein Abstecher über die mexikanische Grenze nach Tijuana. Auf dieser Reise begleiten wir Francis und seine Freund:innen Grover und Anne-May im Roman Fast genial von Benedict Wells. Für den Moment stillt die Geschichte die Sehnsucht nach eigenen Reisen und weckt die Vorfreude darauf, bald wieder Reisepläne schmieden zu können.

Wie zu erwarten, begegnen uns Motels, Casinos und endlose Weite. Doch nicht nur amerikanische Roadtrip-Klischees werden bedient, denn das Abenteuer ist mehr als eine Urlaubsreise. Francis ist auf der Suche nach dem Samenspender, der sein Vater ist. „Genial“ soll er sein – so hat es die besondere Samenbank versprochen, die Spenden erfolgreicher Männer mit außergewöhnlich hohem IQ, namhaften Titeln und Auszeichnungen sammelte. Die Idee zu einer solchen Samenbank der Genies beruht auf einem realen Vorbild, dem „Repository for Germinal Choice“, das in den 1980er und -90er Jahren in Kalifornien existiert hat. In der Coming-of-Age-Geschichte sucht Francis auf den Spuren der Samenbank nach sich selbst und seiner Abstammung. Und ganz nebenbei besuchen er und seine Begleiter:innen einige der beliebtesten Städte der Vereinigten Staaten und durchqueren die eindrucksvolle Natur des Landes.

Lesen bedeutet immer, in eine andere Welt zu reisen. Gerade wenn tatsächliche Reisen ausbleiben müssen, ist es schön, Figuren auf einer fiktiven Reise an unbekannte Orte zu begleiten. Mit seiner klaren und einfühlsamen Sprache platziert Benedict Wells uns mitten auf der Rückbank von Grovers Chevrolet. Genau das passende Leseerlebnis für den Urlaub daheim.