Ein krönender Abschluss – Alida Bremer liest aus „Korallenprinzessin“

Alida Bremers Lesung am Essener Campus war gut besucht. Gebannt lauschten die Gäste* ihrem neuen Text. Bild: Digitur

Am 14.11. erhielten die Besucher*innen im Café der Evangelischen Studierendengemeinde am Essener Campus einen Einblick, der bisher nur wenigen Menschen vergönnt war. Alida Bremer, ihres Zeichens Schriftstellerin, Übersetzerin, Literaturwissenschaftlerin und einer der wichtigsten Stimmen der Kulturvermittlung zwischen Deutschland und Kroatien bzw. dem Balkan, las den Beginn ihres unveröffentlichten Romans Korallenprinzessin, mit dem sie es 2017 auf die Shortlist des Alfred-Döblin-Preises schaffte. An diesem Abend wurde sie von allen Beteiligten*, die bei der Realisierung ihrer Projekte an der Universität Duisburg-Essen halfen, mit Lob überschüttet. Hört man sich bei den Studierenden* um, vernimmt man ähnliche Lobeshymnen auf die engagierte Literaturfanatikerin. Weiterlesen „Ein krönender Abschluss – Alida Bremer liest aus „Korallenprinzessin““

Fundstück: Der Tag der Schlechten Wortspiele

An alle, die hier keine Wortspiel-Kollektion gefunden haben. Bild: CCO Pixabay

Wortspiele. Das Spiel mit dem Wort. Das Wort mit Spiel. Über das Spiel vielleicht und wenn, dann welches? Es gibt Menschen, die es lieben, die die es von sich schieben und die, die sich doch wieder verlieben. Wenn man sich die Zeit nimmt, dann entstehen irgendwann die raffiniertesten Perlen, mit denen jeder anstellen kann, was man will, und sei es nur, sie vor die Säue zu werfen. Es gibt sogar einen ganzen Tag, der dieser illustren Kunst gewidmet ist: Der 12.11. eines jeden Jahres.

Eine Kunst in der Tat. Denn Wortspiel bedeutet Spaß. Für sich und andere. Das erfordert Mühe. Der nötige Witz bzw. Esprit, die Leichtigkeit der Sprache, die man als angenehm, motivierend, geradezu erheiternd bezeichnen kann (daher Witz), ist kein Ass, das automatisch in jedem Ärmel steckt. Und manche können es sich nicht einfach so aus jenem schütteln.

Natürlich gibt es die ‚Spiele‘, die Leiden verursachen, statt sie zu lindern. Die Ecken und Kanten haben, wo andere Heinz Erhardt heißen und uns willkommen. Für die ist eigentlich der Tag der schlechten Wortspiele. Aber ‚schlecht‘ ist relativ: Für viele liegt der Spaß in jenen Kanten. Die Suche nach der perfekten Ecke erfordert ebenfalls Präzision und Verständnis. Wer suchet, der findet, und sei es im Kühlregal. ‚schlechte‘ Wortspiele sind immer Wortspiele, selbst wenn es stets dieselben Rambodieschen sind, die im Gemüsegarten randalieren oder man ins Grübeln kommt, wie der Himmel funktionieren kann, bei so vielen Engeln, die jeden Abend in Bars und Discos fallen.

Wortspiel bedeutet das Spiel mit dem Wort. Es ist Auseinandersetzung mit der Sprache. Sprache ist Kultur. Für die einen klingt das hochtrabend (genauso klingt ‚hochtrabend‘ hochtrabend), für die anderen trivial. Genauso wie Trivial Pursuit ist auch das Wortspiel Beschäftigung mit Dingen unseres Alltages, unserer Zeit, den politischen, medialen und technologischen Entwicklungen und Neuerungen. Beschäftigung mit Ideen und Einschätzungen, Erwartungen und Bildern, Tradition und Formen, bekannten wie unbekannten, fremden. Wortspiel ist eine Verarbeitung all dieser Eindrücke und Kontexte – dieses Komplexes, den wir ruhig als Kultur bezeichnen können. Wir bewegen uns als Personen durch ihn, erfahren ihn, drücken uns über ihn aus in einer Art und Weise, die in der Lage ist, diese verschiedensten Bereiche anzusprechen und gleichzeitig ungesagt zu lassen. All dies tun wir, zum Teil ohne es zu merken und wir tun es mit Freuden.

Was ist Heimat? Ein Beitrag zum Konstrukt Heimat in Alida Bremers „Olivas Garten“

Ob Herkunftsheimat, Wahlheimat oder Heimatlosigkeit – das Konstrukt Heimat betrifft Menschen in vielfältiger Weise weltweit. Bild: CCO Pixabay

Seit dem 19. Jahrhundert hat sich ein Begriff im gesellschaftlichen Diskurs festgesetzt, der wie aus dem Nichts immer wieder Hochkonjunktur feiert. In einer komplexer werdenden, globalisierten Welt sehnen sich viele Menschen nach einem identitätsstiftenden Bezugspunkt, der von den vor sich gehenden Veränderungen weitestgehend unberührt bleibt. Eine Konstante, die als Ankerpunkt im Leben dient oder anders gesagt, eine Heimat ist. Doch was umfasst den viel diskutierten Begriff Heimat? Vorrangig kann Heimat als eine Gefühlsmixtur, bestehend aus den Ingredienzen Geborgenheit, Sicherheit und Vertrautheit verstanden werden, die sich physisch in Form von Menschen, Tieren, Gebäuden, Landschaften und vielem anderen manifestiert. Gleichzeitig ist Heimat an Gerüche und Geschmäcker gekoppelt, an Erfahrungen und Erinnerungen, die losgelöst sind von einem fixierten Raum. Im politischen Diskurs verhandelt die Begriffsbestimmung Heimat allerdings oftmals, für wen Deutschland eine Heimat sein kann bzw. darf und für wen nicht. Dieser Diskurs schlug auch jüngst Wellen im Literaturbetrieb, wie der Essayband Eure Heimat ist unser Alptraum (Hrsgg. von Fatma Aydemir & Hengameh Yaghoobifarah) oder der mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman Herkunft von Saša Stanišić zeigen. Weiterlesen „Was ist Heimat? Ein Beitrag zum Konstrukt Heimat in Alida Bremers „Olivas Garten““

Fundstück: LovelyBooks Leserpreis 2019 – Stimmt ab für Euer Lieblingsbuch des Jahres!

Jährlich verliehene Buchpreise gibt es viele. Und nicht selten kommt es vor, dass die allgemeine Leserschaft bei der Auswahl der GewinnerInnen, die die Akademien treffen, den Kopf schütteln muss. Wie schön also, dass es auch Literaturauszeichnungen gibt, deren PreisträgerInnen von den LeserInnen selbst gekrönt werden – wie den LovelyBooks Lesepreis zum Beispiel. Für diesen läuft seit Anfang der Woche bis zum 14. November wieder die Nominierungsrunde, an der jede/r teilnehmen kann.

Nominiert werden kann jedes Buch, dass zwischen dem 1. November 2018 und dem 31. Oktober 2019 in Deutscher Erstausgabe erschienen ist. In insgesamt 16 Kategorien kann der Lesefreudige für seine Lieblinge abstimmen. Zwischen Erscheinungen jeglicher Genres, die von Bilderbuch, Thrillern bis zu erotischen Romanen reichen, kann gewählt werden. Auch Nominierungen für den Besten Buchtitel, das Beste Buchcover und erstmals in 2019 das Beste Deutschsprachige Debüt können vorgeschlagen werden.

Vom 18. November bis zum 26. November folgt im Anschluss die Abstimmungsrunde, in der zwischen den 35 beliebtesten Büchern jeder Kategorie erneut abgestimmt werden soll. Die Gewinnertitel werden schlussendlich am 28. November bekannt gegeben.

Abtimmen könnt ihr hier.

Fundstück: Liebe ist nicht immer nur rot

Glücklicherweise ist der Begriff von Liebe nicht mehr so eng gefasst wie früher. Das zeigt auch die Serie „Modern Love“. Bild: CCO Pixabay

Liebe. Es gibt kein Thema, über das öfter geschrieben, gesungen, nachgedacht, geredet oder geforscht wurde. Man kann sie nicht anfassen, nicht in eine Kiste stecken oder genau beschreiben, wie sie sich anfühlt. Sie kann platonisch, romantisch oder familiär sein. Jeder ist in der Lage, sie zu empfinden, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder anderen Faktoren, die in unserer heutigen Gesellschaft wichtig zu sein scheinen. Manchmal passiert sie auf den ersten Blick, wird kurz vergessen und dann wiedergefunden. Manchmal tut sie aber auch einfach nur höllisch weh. Es gibt auf der Welt wohl kein Konzept, für welches mehr Metaphern erfunden wurden. Obwohl dieses Thema so obskur und schwer zu fassen ist, hat doch jeder mindestens eine persönliche Geschichte, die ihm oder ihr zu diesem Thema einfallen würde.

Wer jetzt die Stirn runzelt und denkt, dass der Valentinstag noch viel zu weit weg ist für eine solche Liebesbekundung an die Liebe, der hat noch nicht die neue Serie des Streaming-Anbieters Prime Video gesehen. Die Serie Modern Love umfasst acht Episoden, die auf Kurzgeschichten basieren, die unter der gleichnamigen Rubrik in der New York Times veröffentlicht wurden. Dabei wird die Liebe in all ihren Farben, Schattierungen und Formen gezeigt. Anne Hathaway, Tina Fey und Dev Patel sind nur einige der großen Namen, die in der Anthologie auftauchen. Die Geschichten wurden zwar stellenweise fiktionalisiert, der wahre Kern geht dabei trotzdem nicht verloren. Manche Geschichten kann eben nur das Leben schreiben. Also schnappt euch eine Tasse Tee, eine warme Decke und lasst euch so richtig schön das Herz erwärmen, wenn es draußen in der wahren Welt mal wieder zu ungemütlich ist…

Spiel ’19 – Eine Odyssee im Spielemeer

Das Menschenmeer der Essener Spielemesse 2019
Die Spiele und ihre Aussteller stellen sich mehr als die Felsen in der Brandung heraus. Bild: Daniel Kost

Sobald die dritte U-Bahn den Berliner Platz ignoriert, obwohl sie leer ist und der Steig voll, weiß man, es ist  eine Messe in der Stadt und der Hauptbahnhof muss entlastet werden – und Wochenende. Genauer gesagt Samstag, der 26.10.2019, der dritte und vorletzte Tag der Messe „Spiel ’19“ in Essen. Der Sweet Spot, wo noch nicht alles ausverkauft ist, aber jeder Zeit hat. So erwartbar das Verkehrschaos und der vollgepackte ÖPNV dann sind, so überraschend kommt die unverständliche Durchsage, bitte nicht bis zum Grugapark durch zu fahren und bei Messe Ost auszusteigen. Der nahezu verlassene Eingang und die vakanten Hallen dahinter lassen bereits hoffen, dass der Betrieb zwischen den Ständen nicht genauso wird wie die Reise bisher: Beengend. Weiterlesen „Spiel ’19 – Eine Odyssee im Spielemeer“

Fundstück: Det er den Draumen – Norwegen als Gastland auf der FBM2019

Norwegerinnen singen traditionellen samischen Joik auf der Frankfurter Buchmesse. Bild: Saskia Ziemacki

„Das ist der Traum, den wir tragen, dass etwas Wunderbares geschieht“

Das Motto der diesjährigen Frankfurter Buchmesse stammt von einem Gedicht des Lyrikers Olav H. Hauge und scheint sich bereits verwirklicht zu haben. Mit drei Literaturnobelpreisträgern kann sich Norwegen bereits schmücken sowie einem Rekordjahr, was die Übersetzungen norwegischer Buchtitel betrifft. Die Eröffnungsrede der Buchmesse ist mit einer Doppelrede der norwegischen Autoren Erika Fatland und Karl Ove Knausgård nicht nur poetisch, sondern ebenso politisch aufgebaut. So bezieht sich die für ihre Reiseliteratur bekannte Autorin Erika Fatland auf ihren neuen Roman Die Grenze, indem sie betont, wie wichtig es sei, in Schwellenländern lesen und sich bilden zu können. Begleitet werden sie von einem samischen Liedbeitrag.

Der traditionelle Gesang der indigenen Bevölkerung Nordskandinaviens zieht sich auch weiterhin durchs Programm. Bei einem Joik-Auftritt durfte ich miterleben, wie drei Samen klangvoll und in bunter Tracht von ihrer tiefen Verbundenheit zur rauen nordischen Natur singen. Sie fahren in ihrem Joik in den Geist eines Wolfes ein, singen von einer heiteren Situation mit ihrem Welpen oder erinnern an den spirituellen Glauben der Samen. Die Sängerinnen hauchen der schlichten, eleganten Atmosphäre des Norwegen-Pavillons etwas Gefühlvolles und Lebendiges ein. So öffnen sich nicht nur Zeit und Türen, sondern auch das Herz, wie es in Hauges Gedicht heißt.

Lit.RUHR – Jackie Thomae und zwei ungleiche Brüder

Bild: Marisa Müller

Wodurch wird unser Charakter geprägt? Inwieweit spielt Herkunft dabei eine Rolle? Sind es die anderen oder gar wir selbst, die unser eigenes Leben maßgeblich steuern? Mitunter diese existentiellen Fragen behandelt der neue Roman Brüder von Jackie Thomae, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis und des Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2019 steht. Nun war die Autorin bei lit.RUHR exklusiv zu Gast.

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Das eigene Buch als Hörbuch einsprechen? – Felix Lobrecht hat’s getan.

Sonne und Beton von Felix Lobrecht. Den Besteller gibt es jetzt auch als Hörbuch. Bild: Felix Lobrecht Merchandise (https://www.felixlobrecht-tickets.de/merch)

Sehr bekannt, viel diskutiert: der Berliner Stand-Up Comedian und, wie er des Öfteren (ironisch) betont, Beststellerautor Felix Lobrecht. Seine Aussagen haben schon das ein oder andere Mal Einzug in Seminargespräche gefunden und wurden von meinen Kommiliton*innen begeistert diskutiert – insbesondere die Themen, die er mit seinem Kollegen Tommi Schmitt in dem erfolgreichen Podcast Gemischtes Hack jeden Mittwoch auf Spotify diskutiert. Auch ich oute mich hiermit als Fan des Podcasts und des trockenen sowie reduzierten Humors, den Felix Lobrecht auf die Bühne bringt. Die fehlende Political Correctness in seinem Programm ist in einer Welt, in der man immer aufpassen muss zu gendern und niemandem auf die Füße zu treten mit dem was man sagt doch sehr erfrischend. Jetzt hat er seinen Roman Sonne und Beton (Ullstein fünf) als Hörbuch veröffentlicht – erneut sehr erfolgreich. Eingesprochen hat er das Hörbuch selbst und mich damit immer wieder verwirrt.  Weiterlesen „Das eigene Buch als Hörbuch einsprechen? – Felix Lobrecht hat’s getan.“

Fundstück: Digitur auf der Frankfurter Buchmesse

Ab morgen ist es wieder soweit: Die Frankfurter Buchmesse geht vom 16. bis zum 20.10.2019 in eine neue Runde. Gastland dieses Jahr ist Norwegen. Die Digitur-Redaktion wird auf jeden Fall Mittwoch und Freitag zugegen sein und sich ansehen, was die Veranstalter auf Lager haben.

Dem kompletten Programm könnt ihr auf der Eventübersicht einen Besuch abstatten. Alles ist vorhanden: Von vielerlei Preisen (zum Beispiel der Deutsche Buchpreis, den Saša Stanišić mit Herkunft gewann) über Konferenzen bis hin zu Vorträgen über jede Sparte, die der Markt zu bieten hat. Ich persönlich interessiere mich z.B. für die Lesung von Caroline Hofstätter aus ihrem Debütroman Das Ewigkeitsprojekt. Stay tuned!