Kein Sommer ohne Bücher! Teil 3

Regnerische Tage im Sommer kann man auch mit einem guten Buch und einer Tasse Tee überstehen. Bild: CC0 Unsplash (Nathan Dumlao)

„Kein Sommer ohne Bücher“ geht in die letzte Runde! Denn auch Digitur macht ab morgen Urlaub. Grillen im Park, Sonnenbaden am Strand oder Spazieren in den Wäldern – die Sommermonate sind für die meisten von uns die nötige Pause an der frischen Luft, um die Batterien wieder aufzuladen. Nur leider spielt das Wetter in Deutschland nicht immer mit und ein Juli wirkt manchmal wie ein Oktober. Man gewöhnt sich gerade an die sonnigen Tage – schon wird es wieder trüb und regnerisch. Aber auch daran sollte man nicht verzagen: Tage wie diese bieten die beste Gelegenheit, sich mit einem guten Buch zu verkriechen. Draußen prasselt der Regen ans Fenster, drinnen sitzt ihr vorm Kamin, in die Wolldecke gekuschelt, in der einen Hand ein leckerer Früchtetee, in der anderen ein Buch… klingt wie im Film? Das muss es nicht! Wir haben für euch wieder ein paar Lektüreempfehlungen, damit der Sommer rundum entspannt wird.

 

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Der Fänger im Roggen: Ein moderner Klassiker wird 70

Vor 70 Jahren erschien erstmals „Der Fänger im Roggen“ von J. D. Salinger. (Bild: Eva Beckmann)

Holden Caulfield, der amerikanische Werther des 20. Jahrhunderts, fasziniert noch immer Leser:innen – und das nicht nur bei der Pflichtlektüre des Catcher in the Rye im Englischunterricht. Obwohl J. D. Salingers Roman heute nicht mehr auf die gleiche Weise wirken kann wie noch vor wenigen Jahrzehnten, wie Schriftsteller Clemens Setz im Deutschlandfunk Kultur zu bedenken gibt, bleibt der Status einer Identifikationsfigur dem rebellischen Teenager Holden erhalten.

Die Erstveröffentlichung des Romans Der Fänger im Roggen jährt sich in diesem Monat zum 70. Mal. In den vergangenen Jahrzehnten hat er nicht nur Schriftsteller, sondern auch Musiker und Filmemacher zu eigenem Schaffen angeregt. Die Literaturwissenschaftlerin Professor Dr. Sarah Graham hat jahrelang zum Catcher geforscht und sich auch damit beschäftigt, welche anderen Werke der Roman inspiriert hat. Anlässlich des Jubiläums werfen wir einen Blick auf einige seiner Spuren in Literatur, Film und Musik.

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Fundstück: Lesung und Diskussion mit Mithu Sanyal zum Roman „Identitti“

Veranstaltungsort Ringlokschuppen Ruhr Quelle: Wikimedia Commons

Am Samstag, den 24. Juli 2021 um 20 Uhr hält Mithu Sanyal im Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim unter freiem Himmel eine Lesung und Diskussion zu ihrem gefeierten Debütroman „Identitti“. Die Veranstaltung ist Teil der Programmreihe „Das Problem heißt Rassismus!“, die vom Ringlokschuppen Ruhr, dem Bahnhof Langendreer Bochum und dem Literaturbüro Ruhr gemeinsam veranstaltet wird.

In dem Roman geht es um eine als weiß entlarvte Star-Professorin der Postkolonialen Studien, den danach folgenden öffentlichen Aufruhr, während dem im Internet und auf Demonstrationen nach ihrer Entlassung geschrien wird, und ihre nach Identität suchenden Student*innen of Colour. In ihrem für Aufsehen und Begeisterung sorgenden Debütroman verpackt Mithu Sanyal hochdiskutierte Debatten um Identitätspolitik und nimmt ihre Leser*innen auf eine Reise in akademische Bubbles und Twitter-Universen mit. Dabei schreibt sie mit reichlich Selbstironie über die Suche nach „echter Zugehörigkeit“. Wer mehr über das Buch wissen möchte, kann sich Eva Beckmanns Vorstellung des Romans im ersten Teil des diesjährigen „Kein Sommer ohne Bücher“ durchlesen.

Dr. Mithu M. Sanyal ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin und hat bereits einige Bücher herausgebracht (Vulva – eine Kulturgeschichte des weiblichen Genitals, Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens). Für ihre Hörspiele und Features erhielt sie bereits dreimal den Dietrich Oppenberg Medienpreis der Stiftung Lesen. Sie arbeitet für diverse Sender und Zeitungen, wie den BR, SWR, Deutschlandfunk, Bundeszentrale für Politische Bildung, DIE ZEIT, MISSY Magazine, SPEX und Konkret.

Der Eintritt der Veranstaltung ist frei, es wird um Spenden für die Initiative 19. Februar gebeten. Tickets können hier gebucht werden, damit die Anzahl der Sitzplätze kontrolliert werden kann. Moderiert wird die Veranstaltung von Antja Deistler, der Leiterin des Literaturbüro Ruhr.

Kein Sommer ohne Bücher! Teil 2

Einfach mal abschalten – das geht am besten mit einem guten Buch. Bild: CC0 Pixabay

Der verregnete Juli ließ bisher zu wünschen übrig, heftige Wetterzuständen bereiten Leid und Sorgen. Wer wünscht sich da nicht ein klein wenig Ablenkung zwischendurch? Einfach mal abschalten, für einen Moment die Welt vergessen und den Augenblick genießen. Heute scheint sogar die Sonne – also los, schnappt euch ein Buch und raus geht’s! Um euch die Wahl zu erleichtern oder vielleicht sogar zu einem neuen Genre zu inspirieren, stellt unsere Redaktion euch heute wieder ihre Lieblingsbücher vor.

 

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Fundstück: Love letters – Vita and Virginia

Quelle: Vintage Classics

„She does give the impression of something big. She is utterly unaffected: there are no outward adornments — she dresses quite atrociously. At first you think she is plain, then a sort of spiritual beauty imposes itself on you, and you find a fascination in watching her.“

So schildert Vita Sackville-West in einem Brief an ihren Ehemann Harold Nicolson ihren Eindruck von Virginia Woolf, nachdem die britische Schriftstellerin die Aristokratin 1922 nach einem ersten Treffen zu einer kleineren Dinnerparty zu sich nach Richmond eingeladen hatte.

Sie schreibt weiter:

„I’ve rarely taken such a fancy to anyone, and I think she likes me. At least, she asked me to Richmond where she lives. Darling, I have quite lost my heart.“

Virginia Woolf ist zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt. Sie hat bereits drei Romane veröffentlicht. Zwei ihrer bekanntesten Werke, Mrs Dalloway und Orlando, sollen erst noch erscheinen. Vita fasziniert Virginia mit ihrem Temperament, ihrer Ausstrahlung und der Welt, aus der sie kommt. Die beiden Frauen gefallen einander. Die Begegnung sollte der Beginn einer knapp zwanzigjährigen Beziehung aus Freundschaft, Liebe und professioneller Zusammenarbeit sein. Es entsteht ein Briefwechsel zwischen zweien, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Vita, aus adeligen Verhältnissen stammend, Diplomatengattin und Schriftstellerin, präsent, lebendig, offen lesbisch, unstet. Auf der anderen Seite Virginia, zart, fast ätherisch, häufig eher zurückhaltend, verkopft. Sie flechten für sich ein Band, das sich niederschlägt in zarter Nähe, in Sorge umeinander, aber auch in koketter Direktheit und Eifersüchteleien.

„Look here Vita. Throw over your man and we’ll go to Hampton Court and dine on the river together and walk in the garden in the moonlight and come home late and have a bottle of wine and get tipsy. And I’ll tell you all the things I have in my head, millions, myriads. They won’t stir by day only by dark on the river. Think of that. Throw away your man I say and come.“ (Virginia an Vita, 1927)

Intim und eindrucksvoll liest sich die Spannweite dieser Gefühlswelten zwischen den Zeilen, zeichnet die sich verändernde Beziehung der beiden Frauen nach. Der Briefwechsel endet erst mit Virginias Tod im Jahr 1941.

Das Zeugnis einer Beziehung, die selbst nach hundert Jahren ihren Zauber und ihre Radikalität nicht einbüßt.

Das Buch ist in englischer Sprache für 11,19 Euro bei Thalia erhältlich.

Sommerlicher Literatur-Tipp der etwas anderen Art

Post über Post.

55 % der Deutschen verschicken immer noch Postkarten. (Quelle: ausstellung-postkarte.de) (Bild: pixabay by blende12)

Sommer bedeutet Urlaubszeit. Die einen fahren mit dem Koffer voller Bücher an den Strand, die anderen mit dem portablen E-Book zum Zelten in den Wald. Familie und Freunde zerstreuen sich über den Erdball und erleben ihre persönlichen Abenteuer, von denen sie den anderen hinterher berichten können. Aber auch während des Urlaubs denken sie aneinander. Jede:r hat mindestens eine Person, an die er:sie alljährlich eine Urlaubspostkarte verschickt, weil es Tradition ist. Selbst wenn es sich um eine kitschige Ansichtskarte handelt, auf der geschrieben steht “Das Wetter ist gut”, freut sich jede:r über Post. Manch eine:r gibt sich viel Mühe bei der Auswahl der Karte und stöbert in lokalen Galerien. Manchmal macht sich eine:r einen Scherz daraus, völligen Quatsch auf die Rückseite zu schreiben, auch wenn der:die Empfänger:in den Satz nicht versteht – Hauptsache das Verfassen hat Spaß gemacht. Weiterlesen

Kein Sommer ohne Bücher! Teil 1

Am Strand darf ein gutes Buch nicht fehlen. Bild: CC0 Pixabay

Eine Hitzewelle jagt die nächste, die Freibäder und Eisdielen laufen auf Hochtouren und die Ferien sind (fast) erreicht. Und was heißt das für uns? Unser Special „Kein Sommer ohne Bücher” darf natürlich nicht fehlen! Auch in diesem Jahr versorgen wir euch mit unseren Favoriten aus der Bücherwelt. Vom Ratgeber, über die Abenteuergeschichte bis hin zur Autobiographie sollte für jeden etwas dabei sein. Mit unseren Buchempfehlungen wird der Urlaub am Pool, im Garten oder auf dem Balkon ein voller Erfolg.

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Leise, laute Mitbewohner: Das Leben unter Büchern

Bücher sammeln sich oft schneller an als geplant. (Bild: CC0 unsplash)

Von all den Häusern, die in meinen Kinderbüchern beschrieben wurden, hat mich eines schon beim ersten Lesen am meisten fasziniert: In Cornelia Funkes Tintenherz wohnt Elinor, die Tante der Protagonistin Meggie, in einem riesigen alten Haus, dessen Flure und Zimmer mit Büchern gefüllt sind. Die Zahl der Bücher kann Elinor zwar nicht nennen, doch eines steht fest: Es sind viele. So viele, dass unklar ist, ob ein Mensch sie in einem einzigen Leben lesen kann.

Auch ich teile meine Wohnung gerne mit Büchern, obwohl meine Sammlung bei weitem nicht an Elinors Bibliothek heranreicht. Ein großer Teil der Werke in meinem Regal ist noch dazu ungelesen – denn Bücher herbeizuschaffen geht so viel schneller als das Lesen! Weiterlesen

Dokumentation des Isolationswahnsinns: Bo Burnhams – Inside

Der Ort des Geschehens. Foto: Netflix

Ein Mann, ein Raum, eine Isolation. Zu sehen sind Equipment und Bestellungen aus dem Internet, manchmal auch nur er mit einem Keyboard und Beleuchtung am Ort des Geschehens. Den einzigen Ort des Geschehens.

Bo Burnham inszeniert in seinem aktuellen Netflix Special Inside sein Erleben der vergangenen Monate, welches von der Isolation geprägt wurde; eine Zeit, in der wir viele Stunden in unserem Zuhause verbringen mussten. Inside wurde von Bo Burnham geschrieben, inszeniert, gefilmt und geschnitten. Ohne Unterstützung und ohne Publikum verbrachte er wie viele andere seinen Alltag alleine in seinem Haus und hielt seine Gedanken und Gefühle nicht nur über die Isolation, sondern von unserer Zeit insgesamt fest. Die einzelnen Acts sind mehr oder weniger zusammenhanglos aneinandergereiht, unterbrochen von Szenen zwischen den Aufnahmen, von der Produktion oder auch nur Bilder von Bo Burnham, wie er versucht die Motivation zu finden, aufzustehen und einen weiteren Tag anzugehen.

In seinen einzelnen Stücken stellt er alltägliche Situationen der Isolation dar. Von täglichen Videocalls mit der Familie, die einen mit ihrer Trivialität nach scheinbar unendlicher Wiederholung doch mehr nerven, als dass sie ein Gefühl der Gemeinschaft hervorrufen, vom „White Woman’s Instagram“, das auch trotz ihrer Follower und ‚basic‘ Bildern doch nur ein Mensch ist und versucht durchs Leben zu kommen. Oder mein persönlicher Favorit, „Welcome to the Internet“, der treffendsten Darstellung des Internets unserer Zeit mit seinen nahezu grenzenlosen Möglichkeiten und Abgründen. Gleichzeitig verarbeitet er die Situation der Welt, die in den vergangenen Monaten zu brennen scheint, wobei er mit seiner eigenen Bedeutungslosigkeit und Hilfslosigkeit konfrontiert ist, welche er in mehreren Stücken darstellt. Jeder kurze Sketch, und scheint er ein noch so banales Thema zu haben, geht in die Tiefe und spiegeln die eigenen Gedanken und Vorgänge wider.

In den anderthalb Stunden Länge des Specials reflektiert Bo Burnham den Wahnsinn, durch den wir alle in den vergangenen Monaten gegangen sind. Das Gefühl, seine Zeit zu verschwenden, die nicht gewollte und doch erzwungene Selbstreflektion und über alle dem das durchgängig anhaltende Gefühl der Isolation, worin wir uns alle wiederfinden können.

Inside ist kein leichtes Comedy-Special für zwischendurch, doch die anderthalb Stunden, in denen Bo Burnham sein Überleben in der Corona-Isolation dokumentiert, lohnen sich auf jeden Fall.

Fundstück: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Bild: Piper Verlag GmbH, www.piper.de

Wenn ich an Sommer, Sonne und Reisen denke, dann verbinde ich die Zeit immer mit Glück. Es macht mich glücklich, meine Augen zu schließen und die warmen Sonnenstrahlen in meinem Gesicht zu spüren, Fahrradtouren am See entlang zu machen, oder fremde Orte mit meinen Freundinnen zu erkunden.

Aber was ist „Glück“ eigentlich? Diese Frage stellt sich auch Hector. Er ist Psychiater und sehr unzufrieden mit seinem Leben, denn er kann die Menschen um sich herum einfach nicht glücklich machen. Im Roman Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück nimmt der französische Autor Francois Lelord, selbst Psychiater, seine Leser*innen mit auf Hectors Weltreise. Die Orte werden nicht konkret benannt, aber Beschreibungen lassen uns vermuten, wo wir uns gerade befinden. So begleiten wir den Psychiater nach China, Afrika und in die USA und lernen unterwegs verschiedenste Menschen kennen. Während seiner Reise dokumentiert Hector seine Erfahrungen in einer Liste, in der er Lektionen übers Glück sammelt. Lektion Nr. 7 bekommt der Reisende beispielsweise von einem Mönch ans Herz gelegt, den er ziemlich zu Beginn seiner Reise trifft: „Es ist ein Irrtum zu glauben, Glück wäre das Ziel.“

Der recht kurze Roman eignet sich bestens als Urlaubslektüre. Ganz egal ob am Strand, im Zelt oder auf Balkonien: Er ist einfach zu lesen, die schlanken Kapitel eignen sich prima für kleine Lese-Sessions, lustige Szenen lassen einen schmunzeln – und dennoch regt er seine Leserschaft zum Nachdenken an. Über Glück, sich selbst und die Welt.

Das Buch ist auf der Webseite des Piper Verlages für 11,00 Euro als Taschenbuch erhältlich.