Fundstück: „So bin ich nicht (Gretas Storys)“ von Anneliese Mackintosh

Zum Teil autobiografisch: Das Debüt von Anneliese Mackintosh. Bild: aufbau-Verlag

Triggerwarnung: Das Buch enthält explizite Darstellungen von Vergewaltigung sowie Selbstverletzung und thematisiert psychische Erkrankungen.

Greta wäre gerne „normal“. Greta würde gerne zu sich selber finden und keine kaputte Familie haben. Und vor allem wäre Greta gerne glücklich. Weil das nicht so ist, tut sie alles, um sich wenigstens ein bisschen zu fühlen: Sie spielt an der Universität in Großbritannien Theater bis zur Selbstaufgabe, wirft sich von einem Extrem ins andere, trinkt Unmengen von Alkohol und hat exzessiv Sex. Und wenn das Leben gar nicht mehr aushaltbar ist, verletzt sie sich selbst.

„Wir könnten in den Urlaub fahren, ich und du und unsere jeweilige Trauer, und wir könnten Sangria trinkend am Strand rumhängen, vielleicht sogar ein neues Ding ausprobieren wie Surfen oder Schach oder Kamasutra. Und abends, nach einem langen Tag voller Sex, könnten wir im Mondlicht auf dem Balkon sitzen und weinen.“

Dieses Buch geht durch Mark und Bein. In loser Reihung erzählen kurze Sequenzen aus Gretas Leben. Brachial, pointiert, schonungslos ist Anneliese Mackintoshs Tonfall, intensiv und direkt. So direkt, dass es an verschiedenen Stellen schwer auszuhalten ist. Sie zeigt, wie sehr wir uns verlieren können, wenn uns das Leben aus der Bahn wirft, wie dysfunktional, wie zerbrochen Familien sein können, obwohl der äußere Anschein die reine Idylle suggeriert. Und wie betäubend es sein kann, wenn das Band zu den Menschen, die uns am nächsten stehen sollten, zu zerreißen droht.

Mackintoshs zum Teil autobiografischer Debütroman ist keine einfache Lektüre, aber so berührend und intensiv, dass die 19,99 Euro jeden Cent wert sind.

„So bin ich nicht (Gretas Storys)“ ist auf der Seite des Verlages aufbau erhältlich.

Kein Weihnachten ohne Bücher – Teil 1

Auch wenn Weihnachtsmärkte nicht stattfinden, müssen wir zumindest auf die Lichter in der Adventszeit nicht verzichten. Bild: Annika Vahle

Heute beginnt sie, die Adventszeit. In vier Wochen wird bereits das Fest der Feste zelebriert. In den Supermärkten oder Kaufhäusern gibt es bereits seit September allerlei an typischem Gebäck oder Dekoration zu kaufen und mittlerweile sieht man auch vielerorts bunt geschmückte Häuser mit Lichterinstallationen, die auf das Weihnachtsfest einstimmen sollen. Augenscheinlich ist alles erstmal beim Alten geblieben. Und dennoch ist dieses Jahr vieles anders. Weihnachtsmarktbuden wurden entweder nicht aufgebaut oder stehen verschlossen und ohne Hoffnung auf baldige Öffnung auf den großen Plätzen der Innenstädte. Normalerweise würde an diesem ersten Adventssonntag in den Einkaufszonen großes Treiben herrschen. Das liegt sowohl an dem Weihnachtsmarkt, der Groß und Klein aus ihren Häusern lockt als auch an dem verkaufsoffenen Sonntag, der für dieses Datum geplant ist. Nicht so dieses Jahr. Um der Trübseligkeit oder der Quarantäne zu entkommen, hat die Digitur-Redaktion ihre persönlichen Buchempfehlungen zusammengestellt und wird diese bis Weihnachten an den Adventssonntagen vorstellen:

 

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Poet in Zoom: Online-Vorlesung und Schreibwerkstatt mit Sabine Gruber

Der Poet fand diese Woche online statt. Foto: Karoline Klotsch

Diese Woche stand für uns Studierende mal wieder unter dem Stern des Poet in Residence. Nachdem die Veranstaltung im Sommer aufgrund der aktuellen Umstände ausfallen musste, wurde sie diesen Winter wieder möglich gemacht. Dabei wurde aus Poet in Residence allerdings eher Poet in Zoom, denn die Lesungen fanden Online statt. 

Unser Gast: Sabine Gruber, Südtiroler Autorin, Verfasserin von Werken wie „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ (2016) und „Die Zumutung“ (2003). Sie drehte drei Videos, in denen sie in ihrem Wohnzimmer saß und ihre Vorlesungen hielt. Diese wurden uns Studierenden über einen Server zugänglich gemacht und es stand uns frei, die Videos im Laufe der Woche ohne feste Termine anzusehen. Weiterlesen

Fundstück: Neues aus Mittelerde – Tolkiens bisher unveröffentlichte Schriften

Alle Geheimnisse um Mittelerde werden endlich gelüftet. Bild: pixabay

Bis zu seinem Tod 1973 arbeitete J. R. R. Tolkien an seinem Lebenswerk – dem Fantasy-Epos Der Herr der Ringe und den Vorgeschichten Der Hobbit und Das Silmarillion. Doch nun sind bereits 47 Jahre vergangen und außer über Verfilmungen, konnte man sich lange nicht mehr über literarische Meisterwerke des Fantasyautors freuen.

All we have to decide is what to do with the time that is given to us. – Gandalf

Tolkien entschied sich, über sein gesamtes Schaffen zu schreiben und uns posthum daran teilhaben zu lassen. Das Werk Natur und Wesen von Mittelerde erscheint im Juli nächsten Jahres beim Klett-Cotta Verlag. Es zeigt uns die eigentliche Dimension von Mittelerde und lässt einige Geschichten aus Der Herr der Ringe erst verständlich werden. Und schon im März 2021 erscheint erstmals eine illustrierte Ausgabe neuer Geschichten aus Tolkiens Nachlass: Nachrichten aus Mittelerde erzählt Geschichten aller drei Zeitalter von Mittelerde. Die Bücher werden „einzigartige Einblicke in die Hintergründe von Tolkiens Schöpfung” geben, wie der Verlag mitteilt. Und so auch endlich die Frage beantworten, warum Gandalf ausgerechnet Bilbo Beutlin für seine Reise ausgewählt hat.

Werke, die den unbestritten größten Fantasyautor aller Zeiten und seine erschaffene Welt wieder neu zum Leben erwecken. Braucht ihr etwas zur Überbrückung? Dann schaut doch mal bei uns rein, welche Podcasts es rund um Tolkien gibt.

Keine Achillesferse – Wie das Videospiel „Hades“ die griechische Mythologie aufrollt

Der atemberaubend schöne Stil von „Hades“. Bild: Supergiant Games

Jede*r hat eine mehr oder minder grobe Vorstellung von der griechischen Mythologie. Namen, an die man sich dunkel aus dem Schulunterricht oder aus Sprichwörtern erinnert. Aber wer waren eigentlich noch mal Achilles, Sisyphos und Eurydike? Bei genauerem Nachfragen hört das Halbwissen leider meist auf. Dabei verbirgt sich hinter jedem dieser Namen eine unglaublich spannende Geschichte. Das Videospiel „Hades“ bietet ihnen eine Bühne.

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Fundstück: Verleihung des Booker Prize 2020

Bild: Booker Prize Foundation.

Am Donnerstag, 19.11.2020, ist es wieder so weit: Die jährliche Verleihung des Booker Prize findet statt – einer der renommiertesten Literaturpreise der englischsprachigen Literaturszene. Ausgezeichnet wird jährlich der beste Roman des Jahres, der in der UK, in Irland oder im Commonwealth veröffentlicht wurde. In diesem Jahr unter anderem als Sprecher bei der Zeremonie dabei: Barack Obama. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten ist nicht nur bekennend bibliophil, sondern auch selbst Autor – der erste Teil seiner neuen Memoiren wird ebenfalls diese Woche erscheinen.

Neben Barack Obama wird auch die Duchess von Cornwall eine Rede halten, sowie die früheren Träger des Booker Prize Kazuo Ishiguro, Margaret Atwood und Bernardine Evaristo. Und dann folgt das Highlight des Abends: Die Verleihung des Booker Prize 2020 im Wert von 50.000 Pfund. Wer wird ihn in diesem Jahr erhalten?

Ein Blick in die Shortlist lohnt sich: Die Themen der Romane sind mindestens genauso unterschiedlich wie deren Autorinnen und Autoren – verzwickte familiäre Beziehungen unter den Bedingungen Alzheimers, die Rolle von Soldatinnen im Krieg, die Opferbereitschaft einer Mutter, die lebensverändernden Erkenntnisse eines Wissenschaftlers, das scheinbar hoffnungslose Leben in Armut und die Herausforderungen einer jungen Frau in Zimbabwe. Vom historischen Roman, dessen Recherche Reisen quer durch Italien und Äthiopien umfasste, reicht die Shortlist bis hin zum allerersten Roman eines Kurzgeschichtenautors – geschrieben binnen weniger Wochen.

Für alle Interessierten folgt hier die diesjährige Shortlist:

Wessen literarische Neugier nun geweckt ist, sollte die Preisverleihung auf keinen Fall verpassen: Am Donnerstag, 19.11.2020, um 20:00 Uhr kann die Verleihung des Booker Prize kostenfrei auf BBC gestreamt werden.

Fundstück: Bandsalat mit Lebertran

Ein Wörterbuch der anderen Art: Das Buch der vergessenen Wörter. Bild: riva

Unsere Sprache befindet sich in einem stetigen Wandel. Neue Wörter werden unserem Sprachgebrauch hinzugefügt, während alte in Vergessenheit geraten. Nicht selten deswegen, weil auch das dazugehörige „Ding“ aus unserem Alltag verschwindet. Während also 2020 ‚Lost‘ zum neuen Jugendwort des Jahres gekrönt wurde, so findet man keinen Bandsalat mehr in seinem Kassettenrecorder und auch der schreckliche Geschmack von Lebertran ist schon in Vergessenheit geraten.

Für all jene, denen bei  bei diesen Wortneuschöpfungen blümerant zumute ist, gibt es Das Buch der fast vergessenen Wörter von Petra Cynrim. Dieses Buch stellt Wörter zusammen, welche nicht mehr in unserem alltäglichen Sprachgebrauch benutzt werden. Es lädt zum Schwelgen, Erinnern und Schmunzeln ein und ist mit 14,99 EUR jeden Groschen wert.

Das Buch der vergessenen Wörter auf der Seite des riva Verlags erhältlich.

Eine Woche für unabhängige Buchhandlungen

Besonders schön in unabhängigen Buchhandlungen ist oft die individuelle Note, die ihnen von ihren Inhaber*innen verliehen wird. (Bild: unsplash)

Die Woche unabhängiger Buchhandlungen 2020 geht in den Endspurt. Mit der Verleihung des Preises für das Lieblingsbuch der Unabhängigen schließt die Aktionswoche am morgigen Samstag. Wer zwischen all dem aufwühlenden Weltgeschehen dieser Woche nicht viel von der deutschlandweiten Feier mitbekommen hat, dem sei gesagt: Die kleine Buchhandlung um die Ecke wertzuschätzen, lohnt sich in jeder Woche und auf die WUB mit ihren zahlreichen Veranstaltungen dürfen wir uns auch im nächsten Jahr wieder freuen. Weiterlesen

Fundstück: Die neue Fantasy-Serie „Die Erben der Nacht“

Eine neue Vampirserie: „Die Erben der Nacht“. Bild: pixabay.

Herr der Ringe, Harry Potter oder Die Chroniken von Narnia, sie alle haben eins gemeinsam: Ihre Geschichten existierten zunächst nur auf Papier, bis sie dann als erfolgreiche Filmreihen adaptiert wurden. Besonders die letzteren beiden öffneten den Markt für Verfilmungen von Fantasy-Jugendbuchreihen. Nun wagten sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender an dieses Genre. Gemeinsam mit dem niederländischen Sender Avrotros und dem NRK aus Norwegen produzierte der NDR die Serie Die Erben der Nacht (Originaltitel: Heirs of the Night). Die Serie basiert auf Ulrike Schweikerts gleichnamiger Jugendbuchreihe, die aus sechs Bänden besteht und zwischen 2008 und 2013 veröffentlicht wurde.

Die Handlung der Serie spielt im Jahr 1889. Vampire leben versteckt unter der menschlichen Bevölkerung, doch Vampirjäger, die sogenannten „Rotmasken“, bedrohen ihre Existenz. Allerdings sind die Rotmasken nicht die einzige Bedrohung für die Vampire. Daher schließen sich die fünf übriggebliebenen Vampirklans nun zusammen, um den gegnerischen Kräften entgegenzuwirken. Der erste Schritt dabei ist, ihre Kinder gemeinsam auf einem Schiff zu unterrichten und auf den Kampf vorzubereiten. Im Mittelpunkt steht die Protagonistin Alisa, die mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit beschenkt wurde, die die Zukunft der Vampire bestimmen kann.

Wenngleich kein Klischee ausgelassen wird – denn auch hier schlafen die Vampire in Särgen, fürchten sich vor Knoblauch und haben kein Spiegelbild -, so ist Erben der Nacht durch ihre Atmosphäre und ihre überzeugende Besetzung dennoch eine sehenswerte Serie für alle Fantasy- und Vampirliebhaber. Die ersten Folgen waren bereits am vergangenen Wochenende im Ersten zu sehen und werden seit dieser Woche auch vom KIKA täglich um 20:30 Uhr ausgestrahlt. Wer nun die ersten Folgen verpasst hat oder doch lieber alles am Stück schauen möchte, wird in der ARD-Mediathek fündig. Denn hier stehen seit dem 23. Oktober bereits alle Folgen der ersten Staffel zur Verfügung.

Dark Digitur: Ene Mene Krötenbein, müssen Hexen weiblich sein?

Hakennase, Reisigbesen, Buckel und schwarzer Kater – auf den ersten Blick erkennen wir diese Figur als Hexe. Aber geht es auch anders? (Bild: pixabay)

Vor kurzem hat mein Freund angefangen, The Witcher 3 zu spielen. Selbst mich als Unkundige ziehen die atmosphärische Grafik und Musik des Videospiels in ihren Bann. Die Hauptfigur in diesem storybasierten Computerspiel ist ein muskelbepackter Magier, der Hexer. Mit seinem Titel und seinen magischen Fähigkeiten enden auf den ersten Blick allerdings die Gemeinsamkeiten mit archetypischen Hexenfiguren. Anstatt auf einem Besen reitet er auf seinem Pferd Plötze durch die mittelalterliche Fantasy-Welt, seine Bekleidung ist die eines Kriegers, und vor allem eine Sache bringt mich zum Nachdenken: Hexen, das sind doch eigentlich Frauen, oder?

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