„Tribes of Europa“: Endzeitserie mit Luft nach oben

In Netflix‘ neuer Endzeitserie „Tribes of Europa“ kämpfen drei Geschwister um ihr Überleben in einer zerrütteten Welt. Bild: Netflix

Netflix Deutschland konnte erst kürzlich mit „Barbaren“ an den Erfolg von „Dark“ anknüpfen. Um das Trio perfekt zu machen – denn aller guten Dinge sind schließlich drei – ist seit Freitag eine neue Serie auf der Streaming-Plattform abrufbar, die vor allem Sci-Fi-Fans erfreuen sollte. In „Tribes auf Europa“ haben sich nach einem globalen Blackout, welcher als der ‚Schwarze Dezember‘ thematisiert wird, die Strukturen gewandelt. Es gibt keine Länder und keine friedliche Koexistenz mehr. Stattdessen existieren im Jahr 2074 zahlreiche Mikrostaaten, die Tribes, welche um die Vorherrschaft des Kontinents kämpfen. Drei Geschwister müssen sich ihren Weg durch diese chaotische Welt bahnen, wobei sie mehrfach vor (moralische) Herausforderungen gestellt werden.

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Fundstück: Die Abgründe des Menschen sind unantastbar…

Die dunkle Seite des menschlichen Verhaltens strahlt eine seltsame Anziehungskraft aus. In einer Gesellschaft, in der ein moralisches Gleichgewicht angestrebt und durch Gesetze umgesetzt wird, sind Verstöße gegen diese Ordnung erschreckend, aber auch faszinierend. Verbrechen wie Mord oder Missbrauch sind abstoßend und doch übt der Blick auf das Wieso einen Reiz aus. Wer ist der Täter? Gibt es Gründe, wieso er so gehandelt hat? Was für ein Mensch tut einem anderen Menschen so etwas an?

Häufig ist die Antwort auf diese Fragen keine Erklärung für die schaurigen Abgründe, die in einem Menschen lauern können. Ein Kind, dass von seinen Eltern missbraucht und geschlagen wurde, wird später zu einem Serienmörder. Eine solche Erklärung mag unser Gerechtigkeitssinn annehmen und verarbeiten. Es geht um den Versuch, das Tun eines anderen Menschen nachzuvollziehen und dies wird in diesem Fall durch Mitgefühl ermöglicht. Jedoch ist die Welt nicht nur Schwarz und Weiß und auch Grau hat unendliche Abstufungen. Was ist, wenn der Serienmörder eine fröhliche Kindheit hatte? Er keine Tiere gequält und ein stabiles Familienleben hatte? Ohne eine Erklärung lassen sich Verbrechen nicht nachvollziehen und hinterlassen einen noch bittereren Nachgeschmack.

Die Angst, die entsteht, ist darin begründet, dass man nicht wissen kann, wann ein neuer Abgrund entsteht und wer den Weg über die Klippe wählt. Die Unsicherheit ist Teil des Alltags und wird durch das Hoffen auf Moral und Gesetze entgegengewirkt, doch kann nicht gänzlich überkommen werden. Krimis und Thriller spielen mit dieser Unsicherheit und nutzen die Faszination der Gesellschaft am Bösen aus. Doch insbesondere die Fälle, die auf wahren Begebenheiten beruhen, lösen schnell kalte Schauder aus.

STERN CRIME ist ein alle zwei Monate erscheinendes True-Crime-Magazin, dass sich mit den unterschiedlichsten Verbrechen beschäftigt. Die Fälle werden genauestens recherchiert und sachlich und spannend erläutert. Jedes Heft ist ein neuer Einblick in den Folterkeller der Menschheit. Für Studenten gibt es das CRIME-Abo zum halben Preis, sodass 6 Hefte lediglich 18 Euro im Jahr kosten.

Wo die Liebe hinfällt – Drei popkulturelle Ausflüge zum Valentinstag

Wenn es nach der Kapitalismusgesellschaft geht, ist der 14. Februar der romantischste Tag des Jahres. Ob Blumen, Schmuck oder Schokolade: Viele machen ihren Liebsten zum Valentinstag eine besondere Freude. Lässt man den Zynismus beiseite, handelt es sich dabei schließlich auch um eine schöne Geste.

Ein besonderer Tag für Liebende. Bild: Pixabay

Und wo die Liebe schon ihren besonderen Tag bekommen hat, lohnt es sich, einen Blick in die vielfältigen Angebote der Popkultur hinsichtlich dieses Themas zu werfen. Natürlich kennt jeder die Reihen an seichter Romantik im Buchladen des Vertrauens, deren Genuss absolut nichts Verwerfliches an sich hat. Aber manchmal möchte man ein wenig Abwechslung zur mundgerechten Liebesgeschichte mit harmonischem Happy End. Die folgenden drei Beispiele werfen ein besonderes Licht auf das Thema Liebe und sind so auch für Singles eine schöne Möglichkeit, den 14. Februar im Geiste Amors zu verbringen.

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Fundstück: Wir feiern die Freundschaft am Valentinstag

Die Filme und Serien findet ihr alle bei Netflix oder Amazon Prime. Bild: pixabay

Morgen ist Valentinstag. Was ursprünglich ein Brauchtum der Kirche war, bei dem der Heilige Valentinus als Märtyrer gefeiert wurde, ist heute nur noch eins: Das Fest der Liebe. Was für Paare eine schöne gemeinsame Zeit mit überschwänglichen Gesten bedeuten kann, wird für Singles schnell zum nervigsten Tag des Jahres. Doch warum sollte nur die Liebe zwischen Partner*innen gefeiert werden? Wir geben euch 7 Film- und Serien-Tipps, die die Liebe zur Freundschaft thematisieren.

  1. The Breakfast Club (1985): Old but Gold – fünf Schüler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen zusammen nachsitzen. Nach und nach brechen jedoch die sozialen Barrieren, die sie bisher auseinandergehalten haben.
  2. My Girl (1991): Ein Film, der meine Kindheit geprägt hat. In der Tragikomödie geht es um die 11-jährige Vada, die Beziehung zu ihrem besten Freund, ihrem Vater und seiner neuen Frau.
  3. Forrest Gump (1994): In dem Meisterwerk von Regisseur Robert Zemeckis begleiten wir die Hauptfigur Forrest Gump durch sein turbulentes Leben. Was dabei jedoch nie fehlt: Seine Freundschaften, die ihn auf diesem Weg prägen.
  4. Swiss Army Man (2016): In diesem schrägen Film wird die Freundschaft zwischen den Lebenden und Toten gefeiert. Eine absurde Komödie, die alles andere als romantisch ist.
  5. The Bold Type (2017): Frauen, die Karriere machen – das wird in dieser Serie großgeschrieben. Dabei werden keine Einzelkämpferinnen porträtiert, sondern drei Freundinnen, die gemeinsam ihren Weg finden.
  6. Green Book (2018): Die preisgekrönte Tragikomödie behandelt die besondere Freundschaft zwischen dem schwarzen Pianisten Dr. Don Shirley und dem Italo-Amerikaner Tony Lip Vallelonga in den USA der 1960er Jahre.
  7. Immer für dich da (2021): Die Serie begleitet zwei beste Freundinnen von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Sie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kristin Hannah und ist eine Ode an die Freundschaft.

„Die Pest“ auf der digitalen Bühne des Deutschen Theaters Berlin

Das Deutsche Theater kommt virtuell ins eigene Wohnzimmer. (Bild: Eva Beckmann)

Applaus in Form von Emojis, eingeschoben zwischen Lob und Begeisterungsbekundungen im Chat. Überwiegend positiv fiel die Reaktion des Publikums auf den Stream des Theaterstücks „Die Pest“ am Dienstagabend aus. Nachdem der Roman von Albert Camus sich vor allem zu Beginn des Corona-Jahrs neuer Beliebtheit erfreute, präsentiert das Deutsche Theater Berlin den Klassiker in dieser Woche gleich zweimal online. Neben der Übertragung am Dienstag gibt es am morgigen Samstagabend, den 6. Februar, erneut die Chance das Stück zu sehen – diesmal sogar mit Nachgespräch mit Regisseur András Dömötör, Schauspieler Božidar Kocevski und Dramaturg Claus Caesar. Weiterlesen

Fundstück: „No Longer Human“ von Junji Ito

Das Cover von „No Longer Human“ lässt erahnen, welche menschlichen Abgründe Leser*innen erwarten. Bild: Viz

Die Frage danach, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, ist sicherlich nicht einfach zu beantworten.  Ōba Yōzō, der Protagonist von „No Longer Human“, beschäftigt sich mit dieser Thematik jeden Tag, weil er nicht in der Lage ist, seine Emotionen auszudrücken oder die anderer zu verstehen. Um trotz seiner inneren Zerrissenheit ein halbwegs normales Leben führen zu können, gibt er sich bereits früh als Klassenclown und blamiert sich regelmäßig selbst, um seine Scham hinter einer Fassade aus Belustigung zu verstecken.

Als ein Klassenkamerad bemerkt, dass Yōzō nur simuliert, gerät dieser in Bedrängnis. Auch der strenge Vater sowie die Misshandlung durch die Angestellten seiner Familie legen die Basis für ein unglückseliges Leben. Alkoholismus, Depressionen, Angstzustände: Yōzō stolpert von einem blutigen Unglück ins nächste, oft auch aufgrund seines Drangs nach Selbstzerstörung. Ob er dabei seine Menschlichkeit verliert oder ob er je welche besaß, ist eine Frage, die im Laufe des Werks wieder und wieder eine Rolle spielt.

Ursprünglich wurde „No Longer Human“ bereits 1948 von Osamu Dazai veröffentlicht und gehört noch heute zu den wichtigsten literarischen Werken Japans. Neben zahlreichen Verfilmungen und Manga-Adaptionen ist die Version von Junji Ito wohl eine der bekanntesten. Der berühmte Horror-Mangaka zeigt mit seiner Variante des japanischen Klassikers nicht nur die Spitze seines zeichnerischen Könnens, er hebt auch Story und Charaktere auf eine neue Ebene. Die Atmosphäre, die Ito durch Mimik und seine grotesken Darstellungen erreicht, sucht ihresgleichen. Wer also Lust hat, einen Klassiker in neuem Gewand zu genießen, dem sei „No Longer Human“ von Junji Ito besonders ans Herz gelegt. Thematiken und Abbildungen sind allerdings nichts für schwache Gemüter!

Der Manga ist entweder beim Verlag Viz selbst für 34,99$ zu finden, oder bei eurem lokalen Buchladen für circa 25 – 30€.

Fundstück: „Die Stunden“ von Michael Cunningham

Drei Frauen, drei Zeitstränge, ein Tag. Bild: btb-Verlag

Da ist die eine Frau im New York City der 90er-Jahre, die eine Party schmeißen möchte. Die eine im Los Angeles der 1940er Jahre, die einen Geburtstagskuchen backen will. Und schließlich eine im Jahr 1923 in Richmond, die mit dem Beginn eines Buches kämpft, das später den Titel Mrs. Dalloway tragen wird.

Drei Frauen, drei Schicksale: Clarissa Vaughn, Laura Brown und Virginia Woolf, verbunden durch ein großes Stück Literatur, in Ausschnitten erzählt an jeweils einem einzigen Tag aus ihrem Leben. Clarissa, die von ihrem an AIDS erkrankten Jugendfreund liebevoll Mrs. Dalloway genannt wird, Laura, die das Buch als Flucht aus ihrem Alltag nutzt und Virginia, die mit dem perfekten ersten Satz ringt, mit innerer Unruhe und den Stimmen, die sie hört.

„Noch immer ist da dieses einzigartige Hochgefühl, das zum Teil daher rührt, daß seinerzeit alles so verheißungsvoll, so vielversprechend schien. Jetzt weiß sie Bescheid: Das war der Moment, genau damals. Einen weiteren hat es nie gegeben.“

Die Stunden war der Arbeitstitel von Mrs. Dalloway. Virginia Woolf hat mit dem Buch und ihrer Protagonistin gekämpft, aber noch mehr mit sich selbst. Michael Cunningham überträgt in drei Zeitebenen die Themen, die die Figur Clarissa Dalloway in Woolfs Roman beschäftigen, auf die Lebenssituation und in die Gedankenwelten der drei Frauen: gesellschaftliche Anerkennung, Alltag, Liebe, Nostalgie, Tod, Verzweiflung, Glück. Die kleinen und großen Momente eines Lebens, die Wertigkeit eines einzigen Tages mit all seinen kleinen Siegen und Verlusten, eine Parabel auf das Leben. Dabei wechselt Cunningham gekonnt zwischen den Handlungs- und Zeitsträngen und verwebt die Schicksale miteinander, sodass Clarissa, Laura und Virginia am Ende des Buches mehr gemeinsam haben, als es zu Beginn den Anschein hat.

Michael Cunningham ist für diesen Roman unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Das Buch polarisiert. Ich schließe mich mit Inbrunst denjenigen an, die es großartig finden.

Der Roman ist auf der Seite der Verlagsgruppe Randomhouse für 9,99 Euro als Taschenbuch erhältlich.

Storytelling-Plattform Wattpad verkauft

600 Mio. $ gehen für Wattpad über den Tisch. Bild: pixabay

Spätestens seit dem Mega-Netflix-Erfolg The Kissing Booth von Beth Reekles oder Anna Todds After-Reihe ist Wattpad den meisten ein Begriff. Es handelt sich um die erfolgreichste Storytelling-Plattform weltweit, auf der User*innen ihre eigenen Geschichten veröffentlichen und in den Werken anderer stöbern können. Seit ein paar Tagen kursieren Gerüchte über Verkaufsgespräche mit diversen Interessenten um Wattpad, nun ist es offiziell: Die südkoreanische Firma Naver hat sich den Deal gesichert. Weiterlesen

Fundstück: Das Feierabendbuch – Jetzt auch digital

Wie lange ist es bereits her, dass man sich mit jemanden Angesicht zu Angesicht über Bücher austauschen konnte? Bild: CCO Pixabay

Beim Feierabendbuch handelt es sich um eine Veranstaltung, deren Ziel es ist, über Neuerscheinungen des Buchmarktes bzw. Leseproben zu reden, die vorher ausgewählt werden, und eines als Gewinner der Runde zu küren. Ein Buchclub ohne Mitgliedschaft und zu erfüllende Pflichten, wenn man so will. Ausgetragen wird sie von der Redaktion Gegenwartskulturen des Magazins literaturkritik.de, die ihren Sitz an der Uni Duisburg-Essen hat. Nach einer halbjährigen Pause wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen und zwei Terminen, in denen sich das digitale Beisammensein beweisen musste, lässt sich sagen, das Feierabendbuch ist zurück. Vielleicht kommen auch die Freiexemplare wieder; der Titel, der jeweils am meisten Anspruch fand, wurde dank der Heinrich Heine Buchhandlung an einen der Teilnehmenden verlost.

Am Mittwoch, dem 20.01.2021, um 18:00, findet es wieder statt. Um eine Einladung zur Zoom-Konferenz zu bekommen, muss man sich nur bei der Redaktion melden. Besprochen werden Anke Stellings Grundlagenforschung und Der Letzte Satz von Robert Seethaler, allerdings kann man auch einfach nur zuhören. Die Runde ist offen für alle, nicht nur für Universitätsangehörige. Die Informationen, Mail-Adressen sowie Links zu den Leseproben befinden sich auf der Seite des Feierabendbuchs.

Neues Jahr, neues Glück: Eine Lektüreempfehlung

Das Café am Rande der Welt

(Bild: www.johnstrelecky.com/)

Es ist Anfang Januar, und damit Zeit für einen Neuanfang. Wie jedes Jahr, haben wir uns bestimmt alle Vorsätze für das neue Jahr gemacht – einer, den wir alle teilen: Dieses Jahr halte ich mich aber wirklich länger als zwei Wochen an die Vorsätze!

All denjenigen, die mehr lesen oder ein neues Genre ausprobieren möchten, die achtsamer leben wollen, die sich etwas verloren oder deplatziert fühlen, oder die ihre Prioritäten im Leben überdenken wollen, möchte ich Das Café am Rande der Welt ans Herz legen.

John Strelecky nimmt uns nicht nur mit auf die Reise eines gehetzten Anzugträgers, sondern lässt uns mithilfe von witzigen, süßen, und einfach verständlichen Anekdoten sowie tiefgründigen Fragen unser eigenes Leben überdenken. Das Buch ist dabei so gestaltet, dass die sehr kurzen, illustrierten Kapitel überall gelesen werden können – ganz egal, ob bei einer ausgiebigen Lese-Session auf dem Sofa, in der Bahn, oder in der Küche, während das Teewasser aufkocht. Weiterlesen