Fundstück: Das neue Magazin „Typefaces“

Magazin Typefaces. Bild: Katharina Hailom

In unserer immer digitaler werdenden Medien- und Literaturwelt ist ein neu erscheinendes Magazin ein ganz besonderes Fundstück. Katharina Hailom wagt mit dem neuen Magazin Typefaces diesen Schritt und verwirklicht ihren Traum von einem Magazin, das man nicht nur gerne dekorativ auf den Wohnzimmertisch legt, sondern es auch immer wieder durchblättert, es genießt darin zu lesen und wertvolle Informationen daraus ziehen kann. Auf dem Instagramaccount ihrer Marke Hints&Kunst nimmt Katharina ihre Follower ganz offen bei der Entwicklung des Magazins mit und gibt regelmäßige Updates. Auch die mutige Entscheidung sich von einem Verlag zu distanzieren und das Magazin selber zu verlegen, teilt sie ganz offen auf Instagram.

Erstmals erscheinen wird das Magazin Anfang November. Der Vorverkauf ist bereits abgeschlossen und die erste Auflage in Druck gegeben. Es werden sich in dem Magazin Artikel und Interviews zu Themen aus den Bereichen Selbstständigkeit, Persönlichkeitsentwicklung und Künstler-Alltag befinden. Außerdem werden noch Künstlerprofile von sowohl deutschen als auch internationalen Künstlern vorhanden sein. Ab November wird das Magazin wieder online und eventuell auch im Handel erhältlich sein. Etabliert es sich gut auf dem Markt, werden weitere Ausgaben folgen und noch mehr Unternehmer aus dem künstlerischen Bereich können über ihren Werdegang berichten, Tipps zur Selbstständigkeit geben und ihre Liebe zur Kunst teilen.

Passend zu allen Interviews hat Katharina mit allen Interviewten eine Podcastfolge aufgenommen. Vier Folgen davon sind schon jetzt zu hören. Weitere werden mit der Zeit folgen. In dem Podcast geht es um interessante Lebensläufe, Personal Brands und Themen rund um die kreative Selbstständigkeit. „Katharina wirft einen Blick hinter die Kulissen, stellt persönliche Fragen und plaudert selbst immer wieder über ihre Erfahrungen als junge Unternehmerin und Selbstständige.“

 

Erfolg ist eine Sache der Suggestion: Käsebier erobert den Kurfürstendamm

Bild: Julian Mawick

Seit die sozialen Medien unseren Alltag mitbestimmen, sind die über uns hereinbrechenden Modewellen zu einer regelrechten Flut geworden. Da mit der Digitalisierung scheinbar auch eine „Dsdsierung“ der Gesellschaft einherging, befinden wir uns in einer omnipräsenten Suche nach Superstars, Supertalenten oder Supersingles. Was so typisch für das 21. Jahrhundert ist, war der Autorin Gabriele Tergit bereits vor  90 Jahren bekannt. In ihrem 1931 veröffentlichten Roman Käsebier erobert den Kurfürstendamm erzählt die 1894 geborene Berlinerin die Geschichte des Volkssänger Georg Käsebier, der durch einen Medienhype über Nacht zum schillernden Star wird und dann genauso schnell wieder in der Anonymität verschwindet. Weiterlesen

Fundstück: Frankfurt lädt zur Buchmesse – digital und in der City

Nächste Woche ist es so weit: Die Frankfurter Buchmesse zeigt uns ihre coronabedingte Sonderausgabe. (Bild: Frankfurter Buchmesse)

In der kommenden Woche ist die Frankfurter Buchmesse dran mit ihrer Corona-Ausgabe. Vom 14. bis zum 18. Oktober stellen Verlage und Autor*innen in der Messestadt wieder Literatur- und andere Buchneuheiten vor. Auf die klassische Hallenausstellung wird verzichtet, stattdessen liegt der Fokus auf zahlreichen Kleinveranstaltungen in der ganzen Stadt sowie Live-Übertragungen, an denen – wie wir es inzwischen gewohnt sind – online teilgenommen werden kann.

Ein Blick ins Programm lohnt sich: Das gesamte digitale Angebot der Frankfurter Buchmesse ist kostenfrei zugänglich und bietet sowohl für Fachpublikum als auch für Privatbesucher abwechslungsreiche Veranstaltungen. Vor allem der Buchmesse-Samstag ist unter dem Titel „BOOKFEST digital“ vollgepackt mit spannenden online-Events: Gespräche mit Autor*innen, Lesungen und verschiedene Performances sind nur ein Teil der Formate, die uns an diesem Tag erwarten. Das analoge Pendant dazu nennt sich „BOOKFEST city“ und verteilt sich nicht nur an verschiedenen Orten in der Stadt, sondern auch über alle fünf Messetage.

Zuerst aber steht die Verleihung des Deutschen Buchpreises an, die selbstverständlich ebenfalls online verfolgt werden kann. Wie gewohnt bildet sie am Montag, den 12. Oktober, den Auftakt zur Buchmesse. Eingereicht worden sind die nominierten Titel zu Anfang des Jahres von ihren Verlagen. Bis zu zwei aktuelle Romane in deutscher Sprache dürfen sie jeweils ins Rennen schicken. Aus allen Vorschlägen schaffen es jährlich zwanzig Titel auf die Longlist. Bereits am 15. September wurde die Shortlist des Buchpreises bekannt gegeben. Was sich darauf in diesem Jahr findet? Sechs Romane, die auf die eine oder andere Weise von der Vergangenheit erzählen. Mal liegt der Fokus dabei auf Migration oder deutscher Geschichte, mal auf Familiengeschichte oder persönlicher Vergangenheit und oft werden Bezüge zur Gegenwart hergestellt. Für alle, die sich vor der Verleihung nochmal einen Überblick über die Shortlist verschaffen wollen, folgt eine kleine Übersicht über die Nominierten:

Alles in allem erwartet Buchliebhaber*innen eine spannende Woche – ob digital oder vor Ort in Frankfurt.

Fundstück: lit.Ruhr 2020 – Ein Blick in die Zukunft in schweren Zeiten

Das internationale Literaturfest lit.Ruhr findet dieses Jahr auf Zollverein statt. Bild: Saskia Ziemacki

Unser geliebtes Literaturfestival startet in die 4. Runde – und das trotz Corona. Wie passend und hoffnungsvoll ist da das Thema der diesjährigen lit.Ruhr: Zukunft. Während sich die lit.COLOGNE, die große Schwester der lit.Ruhr, dieses Jahr dem Virus beugen musste, findet die Veranstaltung im Ruhrgebiet wie gewohnt vom 6. bis zum 11. Oktober statt.

Über die Zukunft der Gesellschaft und ein besseres Zusammenleben mit weniger Rassismus beschäftigen sich Alice Hasters und Michel Abdollahi beim Porgrammpunkt „In die Zukunft steigen“ (8. Oktober). Einen weiteren Blick in die Zukunft unternimmt unter gleichem Programmpunkt der Philosoph Markus Gabriel mit seinem Buch Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten. Er spricht über Werte und ein Gesellschaftssystem für ein neues Zeitalter (10. Oktober). Ein weiteres Highlight ist der Zechenspaziergang mit Zeitreise: Poetry-Slam-Künstler Jason Bartsch, Autorin Anna Basener und Kabarettist David Vormweg erzählen uns ihre Vision vom Jahr 2120 (10. Oktober).

Darüber hinaus gibt es viele spannende Themenabende, wie immer mit großen Namen der Literatur-, Film- und Musikszene: Bernhard Schlink, Zsuzsa Bánk, Christian Berkel, Alice Schwarzer, Sandra Hüller, Wladimir Kaminer, Campino, Chilly Gonzales, Sophie Passmann und vielen mehr. Neben dem UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein als Standort findet die Eröffnungsgala mit Meret Becker und Thees Uhlmann in der Lichtburg Essen sowie ein Abend über Ingeborg Bachmann im Schauspielhaus Bochum statt. Einige Tickets sind noch verfügbar und ihr könnt sie hier finden und buchen.

Nach dem Hören ist vor dem Lesen – oder andersrum?

Literatur trifft auf Podcasting: Küchemann und Diener vom F.A.Z.-Bücherpodcast. Bild: F.A.Z.

Bücher nur zu lesen ist doch langweilig, oder? Wie wäre es stattdessen, auch mal etwas über sie zu hören? Mittlerweile gibt es unzählige Bücher-Podcasts, die uns über Neuerscheinungen und Klassiker informieren. Dabei bleiben oftmals auch Diskussionen zwischen Moderator*in(nen) und Autor*innen oder anderen Bibliophilen nicht aus. Ganz einfach und auf humorvolle Art werden so während des Abwaschs, der Dusche, dem Kochen oder dem Autofahren – eben „ganz nebenbei“ – Informationen über das neue Buch gesammelt. Ihr sucht noch nach einer Empfehlung für einen Bücher-Podcast? Ich habe für euch meine vier Favoriten herausgesucht.

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Blätterst du noch oder swipest du schon?

Buch oder E-Book, das ist hier die Frage. Bild: pixabay

Herbstzeit ist Lesezeit. Wenn die Tage wieder kürzer werden und die tiefstehende Sonne den laubbedeckten Boden golden färbt, sitzen die wahren Bücherwürmer schon eingekuschelt in ihre Lieblingsdecke, versorgt mit einer Tasse Tee, gebettet auf einem Retro-Sessel, in ihren Händen ein … einen E-Book-Reader? Was für einige vielleicht schon eine normale Assoziation ist, will mir nicht so schnell in den Kopf. In meiner Vorstellung gehört zum beschriebenen Szenario ein alter zerlesener Schmöker oder das neueste Bestseller-Taschenbuch, in jedem Fall aber etwas mit Seiten aus Papier, bedruckt mit Tinte, was zum Anfassen halt. Bis ich so ein Buch aber in den Händen halte, ist damit schon viel passiert. Und daher frage ich mich gestern zum Weltklimatag nicht zum ersten Mal: Sind E-Books die nachhaltigere Variante des Lesens? Weiterlesen

Fundstück: The Devil All The Time

The Devil All The Time ab dem 16.September auf Netflix. Quelle: Wikipedia

“Hell is empty and all the devils are here.”

 

William Shakespeare, The Tempest

 

 

Der Teufel ist in vielen Kulturen das personifizierte Böse. Manche stellen ihn sich als Wesen mit schwarzen Flügeln vor, quasi als das Gegenteil eines Engels. Im Christentum beispielsweise glaubt man, dass der Teufel ein gefallener Engel ist, der verdammt wurde, weil er gegen Gott rebellierte. Andere wiederum stellen ihn sich mit Hörnern und behaartem Körper vor. Aber ist der Teufel wirklich etwas übermenschliches oder ist er menschlicher, als man glauben würde? Shakespeare wusste schon 1611, dass es in der Hölle ziemlich leer sein muss, weil Teufel getarnt und unbemerkt unter uns weilen. Das Ausmaß menschlicher Abgründe macht auch António Campos zum Thema des neuen Netflix-Thrillers The Devill All The Time (2020). Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Donald Ray Pollock, der in der originalen englischen Fassung auch als Erzähler zu hören ist. In dem Thriller geht es um menschliches Versagen, religiösen Fanatismus und darum, dass das Ermessen des Bösen immer eine Frage der Perspektive ist. Bill Skarsgard, Sebastian Stan und Riley Keough sind nur einige der Schauspieler:innen, die in dieser Geschichte auftauchen. Egal, wer einem am meisten am Herzen liegt, dieser Film zeigt auf, dass niemand zu hundert Prozent böse oder von ganzem Herzen gut ist und dass  in jedem von uns das Potential steckt, zum Teufel zu werden. Dass wir nicht als schlechte Menschen geboren werden, sondern dass uns die Umstände dazu machen. Figuren, die ehrenhafte Absichten haben, überschreiten trotzdem immer wieder moralische Grenzen. Der Fokus des Thrillers liegt nicht auf actiongeladenen Szenen, und die Geschichte wird eher langsam erzählt. Dafür geht es bei The Devil All The Time psychologisch in die Tiefe. Die Stimmung ist von Anfang bis Ende sehr düster und nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete. Wer sich aber trotzdem traut, kann sich The Devil All The Time seit dem 16. September auf Netflix anschauen.

 

Eine kulinarische Reise durch die Literatur

Bienenbrot nach buchhaimer Art aus Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher“. Nachmachen auf eigene Gefahr. Bild: Saskia Ziemacki

Wem läuft bei Butterbier und Kürbissaft nicht das Wasser im Mund zusammen? Und wer bekommt nicht Lust, die Leckereien aus Romanen wie Harry Potter und Co. nachzumachen? Bei Fantasy-Romanen kann sich das schon mal schwieriger gestalten, weniger jedoch, wenn es um Klassiker oder Romane mit echten Speisen geht. Die Rede ist hier vom Plettenpudding aus den Buddenbrooks, den Madeleines als wichtigstes Gebäck der Literaturgeschichte und Hemingways Lieblingsgericht in Paris: den Kartoffelsalat. Genau diese Begegnung mit Essen und Literatur macht sich der NDR Podcast eat.READ.sleep. Bücher für dich zum Thema. Weiterlesen

Fundstück: 20. Internationales Literaturfestival Berlin

International literarischer Austausch im Garten des Hauses der Berliner Festspiele in den vergangenen Jahren. Bild: Hartwig Klappert

Noch bis Samstag, den 19. September 2020, findet in der Hauptstadt das Internationale Literaturfestival Berlin, kurz ilb, statt. Grund zur Freude gibt es besonders in diesem Jahr, denn die Veranstaltung feiert 20-jähriges Jubiläum. Das Internationale Literaturfestival Berlin ist dafür bekannt, jedes Jahr im September neue Werke diverser literarischer Genres aus aller Welt vorzustellen. Die Kategorien sind: Prosa, Lyrik, Nonfiction, Graphic Novel sowie Kinder- und Jugendliteratur. Im Rahmen von Workshops, Lesungen, Gesprächen und Begegnungen wird der internationale Austausch – denn das Festival sieht sich den Menschenrechten, der Weltoffenheit, der Multiperspektivität, dem Dialog und der Gastfreundschaft verpflichtet – gefördert.

Viele der Teilnehmer*innen, wozu neben Schriftsteller*innen auch Illustrator*innen zählen, treten mit der Festivalteilnahme erstmalig im deutschsprachigen Raum auf. Dieses Jahr kommen 128 Leute aus Ländern wie Ägypten, Brasilien, Indien oder Malta zu Besuch oder werden aufgrund von Corona per Video zugeschaltet. Teil der digitalen Realisation sind auch die Livestreams, durch die Interessent*innen am Event teilhaben können. Ein Einzelticket kostet in der Regel 10 Euro, der ermäßigte Preis beträgt 6 Euro. Wer noch an Tickets interessiert sein sollte, findet hier weitere Informationen.

Schaut euch doch mal den Trailer an!

 

Ein visionärer Denker: zu Ehren des 40. Todesjahrs Erich Fromms

Erich Fromms zeitdiagnostisches Werk Haben oder Sein. Bild: Jannick Griguhn

Erich Fromms diagnostisches Werk Haben oder Sein. Bild: Jannick Griguhn

„Zum ersten Mal in der Geschichte hängt das physische Überleben der Menschheit von einer radikalen Veränderung des Herzens ab“, schrieb Erich Fromm 1976 in einem seiner bedeutendsten Werke namens Haben oder Sein. Was zunächst als pathetisch und leicht kitschig anmutet, erscheint bei einer gründlichen Lektüre der Texte des Psychoanalytikers, Philosophen und Soziologen als dringlicher, authentischer und ernsthafter Appell an seine Mitmenschen: Denn eine Gesellschaftsordnung wie die unsere, die auf Eigensinn, Profit, Machtstreben, Begehren und Besitz fußt, so Fromms These, erzeugt nicht nur notorisch unglückliche Menschen, sondern führt unweigerlich zu Kriegen und zur Ausbeutung der Natur und des Menschen.

Erich Fromm, der am 23. März 1900 in Frankfurt am Main geboren wurde und am 18. März 1980 in Locarno starb, ist vor allem durch seine zeitweilige Verbindung zur sogenannten Frankfurter Schule bekannt, als deren bekannteste Vertreter*innen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gelten. Im Jahre 1934 emigrierte Fromm in die Vereinigten Staaten Amerikas, da er sich aufgrund seiner jüdischen Herkunft von der Machtergreifung der NSDAP bedroht sah. Seine Schriften und Analysen reihen sich in eine humanistische Denktradition ein, die bei ihm stark von Buddha, Jesus, Meister Eckart, Karl Marx, Johann Jakob Bachofen, Sigmund Freud sowie den religiösen Schriften des Judentums geprägt war. Doch was macht Erich Fromm auch 40 Jahre nach seinem Ableben zu einem Sozialphilosophen und Gesellschaftskritiker, dessen Gedanken heutzutage noch treffender als zu seinen Lebzeiten erscheinen? Weiterlesen