Was hinter der Verzauberung der Welt steckt. Fragerunde mit Andreas Eschbach

Christian Krumm (links) und Andreas Eschbach (rechts) verdient zufrieden nach der erfolgreichen letzten Seminarssitzung. Bild: Christian Krumm

Sollten Autor*innen etwas über sich verraten, dann meistens in einem Interview (seltener Poetikvorlesungen). Daran ist nichts falsch, nur stehen solche Treffen unter einem gewissen Stern. Es gibt einen Kontext (oft ein neues Buch oder ein Ereignis) und eine dritte Partei (die Zielgruppe), die angesprochen werden soll, was beiden Seiten konstant bewusst ist; wie ein Riese, der seinen Schatten wirft. Es fehlt eine Gelassenheit, einfach über etwas zu reden, vor allem, wenn fünf Minuten angesetzt sind und sich der volle Terminkalender bemerkbar macht. Daher ist es immer interessant und faszinierend, sobald man die Möglichkeit hat, ohne einen solchen (engen) Rahmen Fragen stellen zu können; die Antworten sind erfrischend. Weiterlesen „Was hinter der Verzauberung der Welt steckt. Fragerunde mit Andreas Eschbach“

Fundstück: Das literaturgebiet.ruhr

Das neue Logo, Bild: literaturgebiet.ruhr

„Die Literaturszene an der Ruhr ist so vielfältig, kreativ und lebendig wie kaum eine andere“, heißt es auf der Website des literaturgebiet.ruhr. Aus diesem Grund ist es Ziel des 2018 gegründeten und nun an die Öffentlichkeit tretenden Netzwerks, der umfangreichen und facettenreichen Literaturszene des Ruhrgebiets einen Raum sowie eine gemeinschaftliche Dachmarke zu verschaffen. Die vorhandene Qualität und Vielfalt solle herausgestellt, die literarischen Aktivitäten sichtbar gemacht und die städteübergreifende Zusammenarbeit gefördert werden, so Johannes Brackmann, Gründungsmitglied und einer der fünf Sprecher*innen des literaturgebiet.ruhr. Unter der Leitung von Antje Deistler übernimmt das Literaturbüro Ruhr die Zuständigkeit für das Netzwerk, das Ruhrgebietsliteratur in den Blick der Öffentlichkeit rückt, über Veranstaltungen informiert, als Werbefläche für Organisationen dient sowie das Ruhrgebiet als die Literaturregion, die es ohnehin schon ist, publik macht. Bei Instagram und Facebook ist das Projekt längst vertreten und schon im Herbst dieses Jahres ist eine größere Veranstaltung geplant. Für alle, die mehr erfahren möchten, lohnt es sich, in den WDR-Beitrag zum Thema hineinzuhören.

70-jähriges Jubiläum der Internationalen Jugendbibliothek

Bild: CCO pixabay

Bücher dienen „als Friedensboten“. Gerade in Zeiten eines aufflammenden Rechtsrucks in ganz Europa hat Jella Lepmans Botschaft gegen Rassismus und Ressentiments nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Vor 70 Jahren, im September 1949, gründete die jüdische Journalistin (1891-1970) die Internationale Jugendbibliothek als Zeichen für Frieden und Völkerverständigung. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs betonte sie die Relevanz von Literatur für die Nachkriegszeit immer wieder. So wurde ihr Anliegen zum Leitsatz der Bibliothek. Besonders Jugendliteratur soll Kinder bereits früh aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen und eine freie Weltanschauung stärken.

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Fundstück: Der Deutsche Hörbuchpreis auf der lit.COLOGNE

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Die 19. lit.COLOGNE ist in vollem Gange. Noch bis einschließlich Samstag, den 30.03. sprechen bekannte Autor*innen und prominente Leser*innen über Bücher und das aktuelle Weltgeschehen. So diskutiert Ranga Yogeshwar mit Marc Elsberg über die Ökonomie der Zukunft. Während Cordula Stratmann und Bjarne Mädel eine Einführung in die hohe Kunst der Beleidigung geben. Wie jedes Jahr bietet die lit.COLOGNE ein buntes und sehr begehrtes Programm. Viele der Lesung waren bereits lange im Vorfeld ausverkauft.

Den Auftakt zum internationalen Literaturfest gab die Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises: Zum 17. Mal wurden Sprecher*innen und Hörbuchverlage in sechs Kategorien ausgezeichnet. Eva Meckbach und Gert Heidenreich erhielten den Preis für ihre Sprecherleistung. Sie interpretierten Annette Hess‘ Deutsches Haus beziehungsweise Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro. Eva Meckbach verstehe es den Charakteren „leben einzuhauchen, ohne jemals dick aufzutragen“, Gert Heidenreich erzähle in „unaufdringlichem und dennoch mitreißenden Ton“, urteilte die Jury. Ein „Hör-Spiel im besten Sinne“ ist Judith Lorentz mit ihrer Adaption von Juli Zehs Unterleuten gelungen. Sie gewann die Auszeichnung für das „Beste Hörspiel“.

Erstmals wurde der Deutsche Hörbuchpreis auch in der Kategorie „Bester Podcast“ verliehen. Gewonnen hat ihn die Produktion Transformer von Christina Wolf (Redaktion Till Ottlitz, Bayerischer Rundfunk). Christina Wolf erzählt darin die Geschichte ihrer transsexuellen Freundin Steffi die zu Henri wird. Zwei Jahre lang hat sie die Transition mit dem Mikrofon begleitet. Daraus sind sechs Podcastfolgen entstanden, die „berühren, ohne unnötig pathetisch zu sein“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Weitere Gewinner findet ihr hier.

Fundstück: Games im Marbacher Literaturarchiv

Computerspiele auf einer Ebene mit Literatur. Bild: CCO pixabay

Computerspiele wie Deponia und Dear Esther künftig neben Dostojewski und Droste-Hülshoff? Das jedenfalls hat sich das Deutsche Literaturarchiv Marbach zum Ziel gesetzt – Games als gleichberechtigtes Kulturgut anzuerkennen. Diesen medialen Wandel setzt die Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter in Gang, die seit Beginn des Jahres Direktorin des Archivs ist. Denn: Computer- und Videospiele sind die erfolgreichste Erzählform der Gegenwart. Die Verkaufszahlen gehen in die Hundertmillionen. In den USA übersteigt die Zahl der Computerspieler bereits die Zahl der Kinogänger. Hierbei geht es jedoch nicht mehr um Ego-Shooter, Level und sportlichen Wettkampf, sondern um „Storytelling“ – Games mit Figuren, Plots und Erzählstrukturen. So werden einem in Dear Esther Brieffragmente von einem Erzähler vorgelesen, gemischt mit Tagebucheinträgen, während Memoranda mit Erzählsträngen aus Haruki Murakamis Kurzgeschichten arbeitet.

Die größte Frage bleibt jedoch: Wie werden Games archiviert, wenn sie an eine spezielle Hardware gebunden sind? In der Literatur steht man inzwischen vor einem ähnlichen Problem – Texte entstehen nicht mehr in Form von Manuskripten, sondern auf dem Computer. In diesem Bereich hat das Literaturarchiv bereits eine große Kompetenz aufgebaut. Computer in verschiedenen Stadien werden ausgestellt, von der Gegenwart bis zurück zur Schreibmaschine. Wir sind uns also sicher, dass die Frage nicht lange unbeantwortet bleiben wird. Denn viel wichtiger ist doch: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt”, wie schon Friedrich Schiller sagte.

Literaturkarte.Ruhr: Ruhrgebietsliteratur online erleben

Auch die Zeche Zollverein ist ein Ort der Ruhrgebietsliteratur. Bild: Literaturkarte.Ruhr/Lara Ingenbleek

Das Ruhrgebiet ist ein beliebter Schauplatz in der Literatur. Zeche Zollverein, die Bochumer Innenstadt oder die Villa Hügel sind nur drei von zahlreichen Orten in der Ruhrgebietsliteratur. Die Literaturkarte.Ruhr bietet online eine Übersicht und einen Zugang zur Literatur des Ruhrgebiets. „Sie ist eine (geo-)graphische Darstellung von Orten und ihren Geschichten, die im Ruhrgebiet untrennbar miteinander verknüpft sind“, sagt Leonie Hohmann aus dem Team der Literaturkarte.Ruhr.

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Fundstück: Karneval und Literatur

Die Maskierung ist großer Bestandteil der karnevalesken Lachkultur. Bild: CCO pixabay

Karneval und Literatur, passt das zusammen? Zumindest der russische Literaturwissenschaftler Michail Michailowitsch Bachtin würde diese Frage mit „ja“ beantworten. In seinem Werk Rabelais und seine Welt bezeichnet er die Vorstellung vom mittelalterlichen Karneval als Lachkultur des Volkes, die dazu dient, sich von der Angst zu befreien und die Machtverhältnisse durch eine Maskierung umzukehren. Daher gilt das Prinzip des Karnevals als eine Ausdrucksform der unterdrückten und sozial schwachen Gruppen, die sich durch eine polyphone, anti-hierarchische, dialogische Kommunikation auszeichnet. Neben Rollentauschen und Narrengerichten gab es im Mittelalter in einigen Städten sogenannte Narrenbücher, in denen das ganze Jahr über peinliche Missgeschicke und asoziale Verhaltensweisen der Gemeindemitglieder festgehalten wurden. In der Faschingszeit wurden diese Verfehlungen dann zur Freude der Anwesenden und zur Bloßstellung des Betroffenen vorgelesen. Für Bachtin gehören aufgrund ihrer Polyphonie auch Romane wie die Dostojewskis oder der sokratische Dialog zur Lachkultur.

Heute, an Altweiber, ziehen besonders in den Karnevalshochburgen wieder viele Kostümierte durch die Straßen. Denn der Donnerstag vor Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch kennzeichnet den Beginn des Straßenkarnevals. Auch digital ist einiges los. Werden sie im Jahr fast gar nicht besucht, schnellen die Klickzahlen für die Webseiten rund um den Karneval in der fünften Jahreszeit rasant in die Höhe. Seien es Online-Shops, Narren-Communities oder Karnevalsgruppen auf den Social-Media-Plattformen: Hier findet jeder Jeck, was er sucht. Und da niemand an Karneval ohne Handy loszieht, tummeln sich auch Unmengen an Apps im Netz. Da gibt es zum Beispiel das Schlagerradio, die Jeck App inkl. Schunkelbarometer oder verschiedene Serviceapps. So steht einer guten Vorbereitung auf jeden Fall nichts mehr im Wege.

KNV – ein Riese vor dem Aus

Die Insolvenz der KNV-Gruppe kam für die Branche unerwartet. Bild: CCO pixabay

Wer sich für Literatur und den Literaturmarkt interessiert und sich damit auseinandersetzt, ist in den letzten Tagen kaum an der Schlagzeile, dass der größte, deutsche Buchgroßhändler die Koch, Neff & Volckmar Gmbh (KNV) Insolvenz anmelden musste, vorbei gekommen. Die Verhandlungen der KNV-Gruppe mit einem möglichen Investor sind gescheitert. Nun steht eine der bedeutendsten Größen des deutschen Buchmarktes vor dem Aus. Für viele Literaturliebhaber*innen ist die KNV-Gruppe eine unbekannte Größe, denn meist operiert der Riese im Hintergrund des täglichen Buchgeschäfts. Seit 185 Jahren sorgt das Stuttgarter Unternehmen dafür, dass Buchhandlungen wie Thalia oder die Mayersche, aber auch die kleinen Buchhandlungen ums Eck, die Bücher zur Verfügung haben, die gerade gefragt sind.  Weiterlesen „KNV – ein Riese vor dem Aus“

Fundstück: Eine literarische Reise durch das Ruhrgebiet

Eine neue Perspektive auf den Pott. Bild: CCO

Die schönsten Wege zum Radeln, die eindrucksvollsten Wanderrouten oder der kulturellste Museums-marathon. Freizeit- und Reiseführer gibt es in allen Variationen, die in alle Winkel des Ruhrgebiets führen. Und doch hat es der Klartext-Verlag geschafft, eine thematische Lücke zu füllen. Denn der neue Wegweiser Literarische Orte im Ruhrgebiet lädt zu einer literarischen Entdeckungsreise quer durch die Metropole ein und stellt spannende Schauplätze aus Romanen und Gedichten der letzten drei Jahrhunderte vor. Mit dabei sind altbekannte Orte wie die Villa Hügel oder die sagenhafte Burg Volmarstein in Wetter, welche nun von ihrer literarischen Seite kennen gelernt werden können. Auch weniger bekannte Orte wie Gustav Sacks Wohnhaus oder Frank Goosens Bismarckturm in Bochum sind im Reiseführer vertreten.

Die Idee zum Buch stammt aus dem Projekt Literaturkarte.Ruhr, das aus einem Seminar der Ruhr-Universität Bochum hervorging. Studierende der Komparatistik entwickelten unter der Leitung von Dr. Stephanie Heimgartner eine digitale Karte, um die vielfältige Literaturszene des Ruhrgebiets visuell darzustellen. Aus den mittlerweile 350 digitalen Markern fanden die 31 spannensten Reiseziele ihren Weg ins Buch. (Klartext-Verlag, 144 Seiten, 16,95 Euro)

Storytelling zwischen Literatur und Wissenschaft

Storytelling in allen Lebensbereichen. Bild: CCO pixabay

Die Storytelling-Plattform, oder auch Self-Publisher-Plattform, Wattpad löst sich aus ihrer rein digitalen Erscheinungsform und wird darüber hinaus zu einem haptischen Verlag. Die kanadische Plattform umfasst 565 Millionen Storys, und erfreut sich an 70 Millionen Lesern und Leserinnen, wodurch die Erweiterung auf Wattpad Books fast unumgänglich erscheint. Der Erfolg der Storytelling-Plattform verdeutlicht, wie gefragt diese Art des Erzählens ist. Schon lange hat sie sich aus dem reinen Bereich des literarischen gelöst und sich in weitere Branchen etabliert. Weiterlesen „Storytelling zwischen Literatur und Wissenschaft“