Kein Weihnachten ohne Bücher! Teil 3

Nicht nur für Kinder, sondern auch für viele Erwachsene gehört er zur Vorweihnachtszeit dazu: der Adventskalender. Bild: CCO pixabay

Die Pandemie verlangt von uns ab der dritten Adventswoche mehr denn je, Kontakte zu reduzieren und zuhause zu bleiben.  Die Vorfreude auf das Fest der Feste ist gedämpft. Aber doch gibt es seit fast 200 Jahren etwas, auf das weder Kinder noch Erwachsene in der diesjährigen besonderen Vorweihnachtszeit verzichten müssen: den Adventskalender. Dessen Ursprung ist mit derselbe des Adventskranzes. Denn Johann Heinrich Wichern, Leiter des evangelischen Knabenrettungshauses „Raumes Haus“ in Hamburg, kam 1838 auf die Idee, ein altes Wagenrad und einen Holzkranz zu nehmen und darauf 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen zu stecken. Bei den täglichen Andachten, zu denen alle gemeinsam Adventslieder sagen durften die Kinder eine rote Kerze anzünden, an den vier Adventssonntagen zusätzlich eine weiße. Daraus entwickelten sich nach und nach weitere Adventskalenderformen wie das Aufhängen von 24 Bildern mit weihnachtlichen Motiven oder das Wegwischen von 24 Kreidestrichen an Türen.

Für den Adventskalender sind die Buchempfehlungen der Digitur-Redaktion wahrscheinlich etwas zu groß, aber wer noch nach einem Geschenk für das Weihnachtsfest sucht, wird hier vielleicht fündig:

Buchempfehlung von Saskia Ziemacki: „Gehe hin, stelle einen Wächter“. Bild: Saskia Ziemacki

„Rassismus, Zivilcourage, das Aufeinanderprallen verschiedener Welten – Themen, die nicht aktueller sein könnten. Wir befinden uns in Harper Lees Bestseller Gehe hin, stelle einen Wächter in den Südstaaten der USA der 1950er Jahre. Die 26-jährige Jean Louise, inzwischen Jurastudentin im modernen New York, kehrt einmal im Jahr in ihre Heimat zurück, um ihre Familie zu besuchen. Dort muss sie feststellen, dass nichts mehr zu sein scheint wie früher. Rassenunruhen breiten sich aus und alle, die sie geliebt hat, stehen mit an erster Front. Wir erleben die Emanzipation einer Tochter von ihrem Vater und von all dem, was sie glaubte, über Gerechtigkeit gelernt zu haben. Wir fiebern, fühlen und leiden mit der Protagonistin mit, deren Welt vollkommen auf den Kopf gestellt wird. Ein Zeitdokument, das viel zum Verständnis der heutigen USA beiträgt. ‚Gehe hin, stelle einen Wächter‘ stellt den Erstentwurf des Weltbestsellers ‚Wer die Nachtigall stört‘ (1960) dar und wurde vermutlich 1957 verfasst. Der Roman galt als verschollen, bis ihn 2014 eine Freundin der Autorin fand und er 2015 veröffentlicht wurde. Ein literarischer Fund, der gelesen werden muss.“ (Penguin Verlag 2016, 320 Seiten, 10 Euro; Originalverlag: Harper Collins 2015, mit dem Originaltitel Go Set A Watchman)

 

Buchempfehlung von Jonas Bente Höger: „Brüste und Eier“. Bild: Jonas Bente Höger

„Wer noch nach einem schönen Hardcover als Weihnachtsgeschenk sucht oder sich vielleicht selbst eines machen möchte, dem sei Brüste und Eier von Mieko Kawakami ans Herz gelegt. Hier darf man ruhig vom Cover auf den Inhalt schließen, der wird nämlich ebenso elegant erzählt, wie der Schutzumschlag gestaltet ist. Und dabei geht es in „Brüste und Eier“ um ziemlich ernste Themen: Die dreißigjährige Natsuko hat es als unverheiratete, kinderlose Frau in der japanischen Gesellschaft alles andere als leicht. Ihre Schwester Makiko quält sich mit den Ansprüchen an ihren Körper und auch ihre Tochter Midoriko steckt als pubertierende Zwölfjährige in einer heiklen Phase, weil sie nicht über ihren Körper und ihre Probleme sprechen kann und darf. Mieko Kawakami beschreibt eindringlich das Leben dreier Frauen, erzählt von ihren Alltagssorgen, Selbstzweifeln und dem Druck, dem sie durch die viel zu hohen Erwartungen der japanischen Gesellschaft ausgesetzt sind.“ (Dumont Verlag 2020, 496 Seiten, 24 Euro)

 

Buchempfehlung von Tim Rotthaus: „The Mistborn Trilogy“. Bild: Tim Rotthaus

„Für dieses ‚Kein Weihnachten ohne Bücher‘ habe ich ein super Angebot für euch! Ich stelle euch nicht ein, sondern direkt drei Bücher vor. Es handelt sich um Brandon Sandersons Mistborn Trilogie, welche sich perfekt für einen Lese-Marathon während der Festtage eignet. Eine Welt mit rotem Himmel, wo Asche das Land bedeckt und nachts ein undurchdringlicher Nebel emporsteigt, hört sich nicht sehr gastfreundlich an. Es kommt jedoch noch schlimmer: Der unsterbliche Oberste Herrscher regiert das Land mit eiserner Hand und unterdrückt das Volk der Skaa als Sklaven. Damit will sich Kelsier, einer der sagenumwobenen ‚Mistborn‘, jedoch nicht abfinden. Er versammelt eine kleine Gruppe Rebellen um sich, um einen ungeheuerlichen Plan zu verwirklichen: den Obersten Herrscher stürzen und das Letzte Reich befreien. Die Trilogie ist entweder auf Amazon oder in eurem lokalen Buchhandel erhältlich.“ (Tor Fantasy 2009, ca. 2000 Seiten, 36,99 Euro)

 

 

Buchempfehlung von Lea Rindfleisch: „SCHULD“. Bild: Lea Rindfleisch

„Die Weihnachtszeit – besinnlich soll es zugehen. Aber worauf soll wir uns besinnen? Wir besinnen uns auf das Gute, das Schöne, die Menschen, die uns wichtig sind, die Liebe in unserem Leben. Wenn man Ferdinand von Schirachs SCHULD in den Händen hält, besinnt man sich vielleicht noch auf ein, zwei andere Dinge. Die Frage nach der Schuld des Menschen stellt Schirach in seinen Kurzgeschichten, die vom Umfang  zwar leicht abzufrühstücken sind, einem anschließend aber doch recht schwer im Magen liegen. Immer wieder verdeutlichen die Geschichten, dass Schuld häufig nicht so eindeutig zuzuweisen ist; dass oft nur die Verkettung einiger, unglücklicher Umstände dazu führen kann, dass man schuldig ist – schuldig vor dem Gesetz. Schirach erzählt von Personen, die den Querschnitt der Gesellschaft darstellen, die breite Masse, Personen wie dich und mich. Die Handlungen in den Kurzgeschichten werden dadurch noch nahbarer. Die Geschehnisse könnten nebenan passieren, zwei Häuser weiter oder auf einem anderen Kontinent. Greifbar und gleichzeitig unaufgeregt fragt Schirach die Frage nach der ‚Schuld‘. Ich kann dieses kühle Buch nur wärmstens empfehlen. Wem das Lesen nach dem Weihnachtsessen allerdings zu anstrengend ist, kann sich Schirachs Geschichten auch als Serie bei Netflix oder in der ZDF Mediathek anschauen.“ (btb Verlag 2017, 208 Seiten, 10 Euro)

 

Besonders in diesen schweren Zeiten, in denen wir uns gerade befinden, wünscht die Digitur-Redaktion allen Leser*innen einen schönen dritten Advent und viel Vorfreude auf den letzten Teil der diesjährigen „Kein Weihnachten ohne Bücher“-Reihe, welcher nächsten Sonntag erscheint.

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Annika Vahle

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