Eine kulinarische Reise durch die Literatur

Bienenbrot nach buchhaimer Art aus Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher“. Nachmachen auf eigene Gefahr. Bild: Saskia Ziemacki

Wem läuft bei Butterbier und Kürbissaft nicht das Wasser im Mund zusammen? Und wer bekommt nicht Lust, die Leckereien aus Romanen wie Harry Potter und Co. nachzumachen? Bei Fantasy-Romanen kann sich das schon mal schwieriger gestalten, weniger jedoch, wenn es um Klassiker oder Romane mit echten Speisen geht. Die Rede ist hier vom Plettenpudding aus den Buddenbrooks, den Madeleines als wichtigstes Gebäck der Literaturgeschichte und Hemingways Lieblingsgericht in Paris: den Kartoffelsalat. Genau diese Begegnung mit Essen und Literatur macht sich der NDR Podcast eat.READ.sleep. Bücher für dich zum Thema. Denn Bücher sind für die Podcast-Hosts Katharina Mahrenholtz, Daniel Kaiser und Jan Ehlert genauso wichtig wie schlafen und essen. Wenn nicht sogar wichtiger. Im Trailer verrät uns Katharina Mahrenholtz wie das ganze zusammenpasst:

„Wir hatten ja die verrückte Idee, in diesem Podcast das Lesen immer in Verbindung mit Essen zu bringen, weil man ja auch sehr viel liest in Büchern über Essen, aber in den seltensten Fällen hinterher hingeht und sich das dann nochmal kocht, aber wenn man es macht, ist das eigentlich oft eine interessante Erfahrung.“

Bücher sind Lebensmittel. Das nehmen die Gastgeber sehr ernst. Denn sie lesen nicht nur mit Leidenschaft Klassiker, Bestseller und Neuerscheinungen, sondern kochen, backen oder bereiten Speisen aus den Romanen zu und probieren sie im Studio. Jeden zweiten Freitag kann man sich den Podcast auf NDR.de anhören und runterladen. Eine spannende Kombi, die wieder Lust aufs Lesen macht und auf alles, was man kulinarisch dabei entdecken kann. Denn Bücher können mehr sein als nur ein Hobby, wie Daniel Kaiser im Trailer sagt:

„Das ist etwas, was zum Leben dazugehört, überlebenswichtig ist und lebensnotwendig ist – ein Lebensmittel. Das ist nicht nur so dahingesagt, sondern ein Tag ohne wenigstens ein paar Zeilen, ein paar Kapitel gelesen zu haben, ist ein verlorener Tag.“

Bei Thomas Manns Buddenbrooks sitzen wir gleich im ersten Teil des Romans mit an der Tafel bei einem Festmahl mit Suppe, Fisch und einem „kolossalen, ziegelroten, panierten Schinken, geräuchert, gekocht, nebst brauner, säuerlicher Charlottensauce und solchen Mengen an Gemüse, dass alle aus einer einzigen Schüssel sich hätten sättigen können.“ Natürlich darf zum Dessert der Plettenpudding nicht fehlen – Makronen, Himbeeren und Eierschaum. Die angeordnete Diät des Doktors ist bei dieser Dekadenz fast ausgeschlossen. Das Rezept für Lübecker Plettenpudding und auch, was es mit Hemingways Vorliebe für „Pommes à l’huile“, einem französischen Kartoffelsalat oder dem muschelförmigen Gebäck Madeleine aus Marcel Prousts Romanen auf sich hat, erfahrt ihr hier von den Moderatoren des Podcasts eat.READ.sleep.

Die größte Herausforderung wird jedoch das immer noch am schmackhaftesten beschriebene Essen aus Fantasy-Romanen bleiben. Denn wie soll man ein Brot nachbacken, bei dem ein kleiner Bissen den Magen eines ausgewachsenen Mannes füllt. Die Rede ist hier natürlich von Lembas, einem elbischen Brot aus Der Herr der Ringe. Es handelt sich dabei um eine Art sehr dünnen Keks, aus einem Teig, der außen braun gebacken, innen aber sahnig weiß und dazu noch delikater als die Honigkuchen der Beorninger ist. Noch hungriger und vor allem neugieriger macht mich jedoch das Gericht Bienenbrot mit Glühkaffee aus den Zamonienromanen wie Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers. Ein aus ofenfrischem Graubrot, Butter, Honig und frittierten Dämonenbienen bestehendes Gebäck, das einem den besonderen Nervenkitzel verleiht, weil eine Biene nicht entstachelt worden sein könnte. Ein Stich ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann zu starken Fieberträumen führen. Auch der mit Muskat gewürzte Glühkaffee hat mit einer nicht geringen Menge Alkohol eine berauschende Wirkung.

Und natürlich gibt es auch Romane, die sich komplett dem Thema Essen und Nahrung widmen wie Die Welt auf dem Teller von Doris Dörrie oder auf eine sehr dystopische Art und Weise, Eckhart Nickels Roman Hysteria. Auch bei Robinson Crusoe geht es größtenteils um den Kampf ums tägliche Brot und das Abenteuer, wieder zum Selbstversorger zu werden.

Appetit bekommen? Dann backt doch einfach mal ein Lebkuchenhaus, nachdem ihr das nächste Mal Hänsel und Gretel lest oder haltet es einfach – mit Dosenpfirsichen und Kondensmilch à la Picknick bei Enid Blyton.

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Saskia Ziemacki

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