Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Salgados mehrbändiges Meisterwerk zeigt vom Fortschritt unberührte Teile des Planeten Bild: Taschen Verlag

Am 16.10. lädt die Frankfurter Buchmesse wieder für fünf Tage Literaturinteressierte aus der ganzen Welt ein. Am letzten Tag wird in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen, der in diesem Jahr an den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado geht.

Anhand seiner eindrucksvollen schwarz-weiß Aufnahmen thematisiert Salgado das schicksalhafte Leben von Menschen, die aufgrund von Kriegen oder Klimakatastrophen von ihrer natürlichen Umgebung entwurzelt wurden. Doch auch das naturverbundene Leben indigener Völker aus dem Amazonas wird einfühlsam von ihm porträtiert. All seinen Fotografien gemein ist jedoch die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Anhand seiner imposanten und kontrastiven Bildsprache gelingt es ihm, Menschen weltweit für das Schicksal von Arbeitern und Migranten sowie für die Lebensbedingungen indigener Völker zu sensibilisieren.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Kulturauszeichnungen der Bundesrepublik. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis geht an Persönlichkeiten, die auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Seit 1950 wird der Preis an internationale Persönlichkeiten aus Literatur, Philosophie, Kunst und Wissenschaft verliehen

Fundstück: Holocaust-Gedenken auf Instagram

Anders als eine museale Gedenkstätte, sprechen die Stories die User direkt an. Bild: Holocaust-Mahnmal in Berlin. CCO pixabay

Stolz hält die 13 jährige Eva ihre neuen Schuhe in die Kamera, erzählt von ihrem Schwarm und tanzt mit ihrer besten Freundin. Sie lebt ein ganz normales Teenagerleben – bis ihre Heimatstadt von den Nazis eingenommen wird.

Der Instagram-Account eva.stories erzählt in insgesamt 70 Stories das Schicksal des jungen Mädchens vom Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn bis zur Deportation nach Auschwitz. Die Geschichten basieren auf den Tagebüchern der ungarischen Jüdin Éva Heyman, die im Oktober 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Ihr Tagebuch beginnt an ihrem 13. Geburtstag im Februar und endet im Juni mit der Deportation. Die Bildsprache der kurzen Stories ist an die aktuellen Sehgewohnheiten von Jugendlichen adressiert, die sich so mit Eva identifizieren können, ohne über Vorwissen verfügen zu müssen. Geschickt adaptieren die Stories die sehr intime Wirkung eines Tagebuchs in die digitalen Kanäle der sozialen Medien.

Auf diese Weise schlägt das Projekt eine neue Richtung ein, um junge Menschen für den Holocaust zu sensibilisieren und die Erinnerung daran aufrecht zu erhalten. Ob sie das Bewusstsein für den Schrecken des Genozids schärfen und ihn nicht nur leicht konsumierbar machen, muss sich jedoch noch zeigen.

Fundstück: Eine literarische Reise durch das Ruhrgebiet

Eine neue Perspektive auf den Pott. Bild: CCO

Die schönsten Wege zum Radeln, die eindrucksvollsten Wanderrouten oder der kulturellste Museums-marathon. Freizeit- und Reiseführer gibt es in allen Variationen, die in alle Winkel des Ruhrgebiets führen. Und doch hat es der Klartext-Verlag geschafft, eine thematische Lücke zu füllen. Denn der neue Wegweiser Literarische Orte im Ruhrgebiet lädt zu einer literarischen Entdeckungsreise quer durch die Metropole ein und stellt spannende Schauplätze aus Romanen und Gedichten der letzten drei Jahrhunderte vor. Mit dabei sind altbekannte Orte wie die Villa Hügel oder die sagenhafte Burg Volmarstein in Wetter, welche nun von ihrer literarischen Seite kennen gelernt werden können. Auch weniger bekannte Orte wie Gustav Sacks Wohnhaus oder Frank Goosens Bismarckturm in Bochum sind im Reiseführer vertreten.

Die Idee zum Buch stammt aus dem Projekt Literaturkarte.Ruhr, das aus einem Seminar der Ruhr-Universität Bochum hervorging. Studierende der Komparatistik entwickelten unter der Leitung von Dr. Stephanie Heimgartner eine digitale Karte, um die vielfältige Literaturszene des Ruhrgebiets visuell darzustellen. Aus den mittlerweile 350 digitalen Markern fanden die 31 spannensten Reiseziele ihren Weg ins Buch. (Klartext-Verlag, 144 Seiten, 16,95 Euro)