Kein Sommer ohne Bücher! Teil 2

Einfach mal abschalten – das geht am besten mit einem guten Buch. Bild: CC0 Pixabay

Der verregnete Juli ließ bisher zu wünschen übrig, heftige Wetterzuständen bereiten Leid und Sorgen. Wer wünscht sich da nicht ein klein wenig Ablenkung zwischendurch? Einfach mal abschalten, für einen Moment die Welt vergessen und den Augenblick genießen. Heute scheint sogar die Sonne – also los, schnappt euch ein Buch und raus geht’s! Um euch die Wahl zu erleichtern oder vielleicht sogar zu einem neuen Genre zu inspirieren, stellt unsere Redaktion euch heute wieder ihre Lieblingsbücher vor.

 

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Fundstück: Love letters – Vita and Virginia

Quelle: Vintage Classics

„She does give the impression of something big. She is utterly unaffected: there are no outward adornments — she dresses quite atrociously. At first you think she is plain, then a sort of spiritual beauty imposes itself on you, and you find a fascination in watching her.“

So schildert Vita Sackville-West in einem Brief an ihren Ehemann Harold Nicolson ihren Eindruck von Virginia Woolf, nachdem die britische Schriftstellerin die Aristokratin 1922 nach einem ersten Treffen zu einer kleineren Dinnerparty zu sich nach Richmond eingeladen hatte.

Sie schreibt weiter:

„I’ve rarely taken such a fancy to anyone, and I think she likes me. At least, she asked me to Richmond where she lives. Darling, I have quite lost my heart.“

Virginia Woolf ist zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt. Sie hat bereits drei Romane veröffentlicht. Zwei ihrer bekanntesten Werke, Mrs Dalloway und Orlando, sollen erst noch erscheinen. Vita fasziniert Virginia mit ihrem Temperament, ihrer Ausstrahlung und der Welt, aus der sie kommt. Die beiden Frauen gefallen einander. Die Begegnung sollte der Beginn einer knapp zwanzigjährigen Beziehung aus Freundschaft, Liebe und professioneller Zusammenarbeit sein. Es entsteht ein Briefwechsel zwischen zweien, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Vita, aus adeligen Verhältnissen stammend, Diplomatengattin und Schriftstellerin, präsent, lebendig, offen lesbisch, unstet. Auf der anderen Seite Virginia, zart, fast ätherisch, häufig eher zurückhaltend, verkopft. Sie flechten für sich ein Band, das sich niederschlägt in zarter Nähe, in Sorge umeinander, aber auch in koketter Direktheit und Eifersüchteleien.

„Look here Vita. Throw over your man and we’ll go to Hampton Court and dine on the river together and walk in the garden in the moonlight and come home late and have a bottle of wine and get tipsy. And I’ll tell you all the things I have in my head, millions, myriads. They won’t stir by day only by dark on the river. Think of that. Throw away your man I say and come.“ (Virginia an Vita, 1927)

Intim und eindrucksvoll liest sich die Spannweite dieser Gefühlswelten zwischen den Zeilen, zeichnet die sich verändernde Beziehung der beiden Frauen nach. Der Briefwechsel endet erst mit Virginias Tod im Jahr 1941.

Das Zeugnis einer Beziehung, die selbst nach hundert Jahren ihren Zauber und ihre Radikalität nicht einbüßt.

Das Buch ist in englischer Sprache für 11,19 Euro bei Thalia erhältlich.

Sommerlicher Literatur-Tipp der etwas anderen Art

Post über Post.

55 % der Deutschen verschicken immer noch Postkarten. (Quelle: ausstellung-postkarte.de) (Bild: pixabay by blende12)

Sommer bedeutet Urlaubszeit. Die einen fahren mit dem Koffer voller Bücher an den Strand, die anderen mit dem portablen E-Book zum Zelten in den Wald. Familie und Freunde zerstreuen sich über den Erdball und erleben ihre persönlichen Abenteuer, von denen sie den anderen hinterher berichten können. Aber auch während des Urlaubs denken sie aneinander. Jede:r hat mindestens eine Person, an die er:sie alljährlich eine Urlaubspostkarte verschickt, weil es Tradition ist. Selbst wenn es sich um eine kitschige Ansichtskarte handelt, auf der geschrieben steht “Das Wetter ist gut”, freut sich jede:r über Post. Manch eine:r gibt sich viel Mühe bei der Auswahl der Karte und stöbert in lokalen Galerien. Manchmal macht sich eine:r einen Scherz daraus, völligen Quatsch auf die Rückseite zu schreiben, auch wenn der:die Empfänger:in den Satz nicht versteht – Hauptsache das Verfassen hat Spaß gemacht. Weiterlesen

Kein Sommer ohne Bücher! Teil 1

Am Strand darf ein gutes Buch nicht fehlen. Bild: CC0 Pixabay

Eine Hitzewelle jagt die nächste, die Freibäder und Eisdielen laufen auf Hochtouren und die Ferien sind (fast) erreicht. Und was heißt das für uns? Unser Special „Kein Sommer ohne Bücher” darf natürlich nicht fehlen! Auch in diesem Jahr versorgen wir euch mit unseren Favoriten aus der Bücherwelt. Vom Ratgeber, über die Abenteuergeschichte bis hin zur Autobiographie sollte für jeden etwas dabei sein. Mit unseren Buchempfehlungen wird der Urlaub am Pool, im Garten oder auf dem Balkon ein voller Erfolg.

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Leise, laute Mitbewohner: Das Leben unter Büchern

Bücher sammeln sich oft schneller an als geplant. (Bild: CC0 unsplash)

Von all den Häusern, die in meinen Kinderbüchern beschrieben wurden, hat mich eines schon beim ersten Lesen am meisten fasziniert: In Cornelia Funkes Tintenherz wohnt Elinor, die Tante der Protagonistin Meggie, in einem riesigen alten Haus, dessen Flure und Zimmer mit Büchern gefüllt sind. Die Zahl der Bücher kann Elinor zwar nicht nennen, doch eines steht fest: Es sind viele. So viele, dass unklar ist, ob ein Mensch sie in einem einzigen Leben lesen kann.

Auch ich teile meine Wohnung gerne mit Büchern, obwohl meine Sammlung bei weitem nicht an Elinors Bibliothek heranreicht. Ein großer Teil der Werke in meinem Regal ist noch dazu ungelesen – denn Bücher herbeizuschaffen geht so viel schneller als das Lesen! Weiterlesen

Dokumentation des Isolationswahnsinns: Bo Burnhams – Inside

Der Ort des Geschehens. Foto: Netflix

Ein Mann, ein Raum, eine Isolation. Zu sehen sind Equipment und Bestellungen aus dem Internet, manchmal auch nur er mit einem Keyboard und Beleuchtung am Ort des Geschehens. Den einzigen Ort des Geschehens.

Bo Burnham inszeniert in seinem aktuellen Netflix Special Inside sein Erleben der vergangenen Monate, welches von der Isolation geprägt wurde; eine Zeit, in der wir viele Stunden in unserem Zuhause verbringen mussten. Inside wurde von Bo Burnham geschrieben, inszeniert, gefilmt und geschnitten. Ohne Unterstützung und ohne Publikum verbrachte er wie viele andere seinen Alltag alleine in seinem Haus und hielt seine Gedanken und Gefühle nicht nur über die Isolation, sondern von unserer Zeit insgesamt fest. Die einzelnen Acts sind mehr oder weniger zusammenhanglos aneinandergereiht, unterbrochen von Szenen zwischen den Aufnahmen, von der Produktion oder auch nur Bilder von Bo Burnham, wie er versucht die Motivation zu finden, aufzustehen und einen weiteren Tag anzugehen.

In seinen einzelnen Stücken stellt er alltägliche Situationen der Isolation dar. Von täglichen Videocalls mit der Familie, die einen mit ihrer Trivialität nach scheinbar unendlicher Wiederholung doch mehr nerven, als dass sie ein Gefühl der Gemeinschaft hervorrufen, vom „White Woman’s Instagram“, das auch trotz ihrer Follower und ‚basic‘ Bildern doch nur ein Mensch ist und versucht durchs Leben zu kommen. Oder mein persönlicher Favorit, „Welcome to the Internet“, der treffendsten Darstellung des Internets unserer Zeit mit seinen nahezu grenzenlosen Möglichkeiten und Abgründen. Gleichzeitig verarbeitet er die Situation der Welt, die in den vergangenen Monaten zu brennen scheint, wobei er mit seiner eigenen Bedeutungslosigkeit und Hilfslosigkeit konfrontiert ist, welche er in mehreren Stücken darstellt. Jeder kurze Sketch, und scheint er ein noch so banales Thema zu haben, geht in die Tiefe und spiegeln die eigenen Gedanken und Vorgänge wider.

In den anderthalb Stunden Länge des Specials reflektiert Bo Burnham den Wahnsinn, durch den wir alle in den vergangenen Monaten gegangen sind. Das Gefühl, seine Zeit zu verschwenden, die nicht gewollte und doch erzwungene Selbstreflektion und über alle dem das durchgängig anhaltende Gefühl der Isolation, worin wir uns alle wiederfinden können.

Inside ist kein leichtes Comedy-Special für zwischendurch, doch die anderthalb Stunden, in denen Bo Burnham sein Überleben in der Corona-Isolation dokumentiert, lohnen sich auf jeden Fall.

Fundstück: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Bild: Piper Verlag GmbH, www.piper.de

Wenn ich an Sommer, Sonne und Reisen denke, dann verbinde ich die Zeit immer mit Glück. Es macht mich glücklich, meine Augen zu schließen und die warmen Sonnenstrahlen in meinem Gesicht zu spüren, Fahrradtouren am See entlang zu machen, oder fremde Orte mit meinen Freundinnen zu erkunden.

Aber was ist „Glück“ eigentlich? Diese Frage stellt sich auch Hector. Er ist Psychiater und sehr unzufrieden mit seinem Leben, denn er kann die Menschen um sich herum einfach nicht glücklich machen. Im Roman Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück nimmt der französische Autor Francois Lelord, selbst Psychiater, seine Leser*innen mit auf Hectors Weltreise. Die Orte werden nicht konkret benannt, aber Beschreibungen lassen uns vermuten, wo wir uns gerade befinden. So begleiten wir den Psychiater nach China, Afrika und in die USA und lernen unterwegs verschiedenste Menschen kennen. Während seiner Reise dokumentiert Hector seine Erfahrungen in einer Liste, in der er Lektionen übers Glück sammelt. Lektion Nr. 7 bekommt der Reisende beispielsweise von einem Mönch ans Herz gelegt, den er ziemlich zu Beginn seiner Reise trifft: „Es ist ein Irrtum zu glauben, Glück wäre das Ziel.“

Der recht kurze Roman eignet sich bestens als Urlaubslektüre. Ganz egal ob am Strand, im Zelt oder auf Balkonien: Er ist einfach zu lesen, die schlanken Kapitel eignen sich prima für kleine Lese-Sessions, lustige Szenen lassen einen schmunzeln – und dennoch regt er seine Leserschaft zum Nachdenken an. Über Glück, sich selbst und die Welt.

Das Buch ist auf der Webseite des Piper Verlages für 11,00 Euro als Taschenbuch erhältlich.

Berserk: Ein großes Vermächtnis und ein noch größeres Schwert

Vor einem Monat, genauer gesagt am 20. Mai, durchschnitt eine erschütternde Nachricht die Welt der japanischen Pop- und Mangakultur. Kentaro Miura, Autor und Zeichner des Epos Berserk, verstarb im zarten Alter von 54 Jahren. Fans waren bestürzt und verliehen ihrer Trauer in den zahlreichen sozialen Medien Ausdruck, twitterten Beileidsbekundungen und posteten ihre Lieblingsmomente aus Berserk in Bilderform.

Der stoische Schwertkämpfer Guts ist eine wahre Ikone. Quelle: Dark Horse / Kentaro Miura

Doch wer denkt, Berserk sei ein Nischen-Manga, dessen Bedeutung nicht über den eigenen Kosmos und die ihn wie eine Seifenblase umschließende Fanbase hinausginge, irrt sich. Die Meldung über Miuras Tod beschränkte sich bei weitem nicht auf fokussierte Einzelmagazine, sondern verursachte Schlagzeilen in renommierten Tageszeitungen wie der New York Times. Die Antwort auf das „Warum“ ist dabei gleichermaßen simpel wie komplex. Da wären zum einen die über 50 Millionen verkauften Exemplare des Mangas. Zum anderen hat Miura mit Berserk ein bedeutendes Vermächtnis hinterlassen, das durch seine Verästelung die Wurzeln für unzählige bekannte Werke der Popkultur schuf. Was genau ihr euch darunter vorstellen dürft, lest ihr im Folgenden.

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Fundstück: Geständnisse eines Küchenchefs. Was Sie über Restaurants nie wissen wollten

Quelle: Louisa Schückens

Meine heutige Empfehlung dreht sich ums Kochen. Obwohl, eigentlich geht es nur peripher ums Kochen. Vielmehr sind da Momentaufnahmen von Genuss, Tiraden über Hierarchien in der Küche, wahnwitzige Geschichten um Lebensmittel und Einblicke in eine Welt, die für sich in ihrer Singularität zwischen Kochschürzen, mise en place und Kunstfertigkeit ihre eigenen Werte, Maßstäbe und Ausdrucksmöglichkeiten beansprucht.

Anthony Bourdain isst seine erste Auster als Viertklässler, in einem Urlaub in der Normandie, frisch aus dem Wasser. Der Austernfischer Monsieur Saint-Jour gibt dem Jungen eine frisch geöffnete Muschel. Dieses Geschmackserlebnis ändert für den jungen Anthony alles: Sein Verhältnis zu Essen, den Blick auf die Welt, ja sogar die eigene Zukunft, denn: Ab diesem Moment ist Bourdain klar, dass er Koch werden möchte. Es beginnt eine kulinarische Reise.

Bourdain kocht sich durch die unterschiedlichsten Läden New Yorks, macht Station unter anderem im Rainbow Club, Coco Pazzo Teatro oder The Supper Club, bevor er 1998 zum Chefkoch der Brasserie Les Halles an der Park Avenue ernannt wird. Er sammelt Geschichten. Von Hasstiraden in Provincetown und dem steinigen Weg der Selbstdisziplin in seiner Ausbildung am Culinary Institute of America über Bestechungsversuche mit Steaksandwiches bis hin zu gefälschten abgetrennten Extremitäten in Kühlschränken. Es geht ums Essen, klar. Aber auch um Drogen, um Sex und kriminelle Machenschaften. Immer im Mittelpunkt: Die Menschen in diesem eigenen Soziotop „Küche“, die Besessenen, die nicht anders können, die Genies und die Gauner. Der taube Alkoholiker um die fünfzig, der Bourdain die Liebe für Meeresfrüchte und zum Essen nahebringt, der Typ, der einfach nur „Bigfoot“ heisst, keine Guacamole zubereiten kann, im Verdacht steht „mal einen umgelegt zu haben“ und der geborene Chefkoch ist. Und schließlich sein Sous Chef Steven, der sich ein Messer in die Hand rammt und trotzdem zwei Stunden später mit frisch verarzteter Wunde hundertfünfzig á-la-carte-Gerichte kocht. Berührende, beeindruckende und interessante Einblicke in eine Welt, die für uns Restaurant-Besucher*innen vor der Schwingtür der Küche endet. Ein wertvolles Buch von jemandem, der nicht nur das Leben in der Küche liebte, sondern vor allem diese verrückte, intensive, eigene Welt, die dazugehört, den Zusammenhalt darin und das Kommunikative, das Essen mit sich bringt.

Das Buch ist bei Thalia für 10,00 Euro als Taschenbuch erhältlich.

22. Poesiefestival Berlin: Eindrücke

„Da liegt Europa“ lautete das diesjährige Motto des Poesiefestivals Berlin. Bild: Haus für Poesie.

Zum 22. Mal fand in der vergangenen Woche das Poesiefestival Berlin, ein Projekt des Hauses für Poesie, statt. Es verschafft jährlich seit 2000 der Dicht- und Sprachkunst eine Bühne. So wie vieles zu dieser Zeit wurde das Festival online durchgeführt. Doch sollte dies der Veranstaltung keinen Dämpfer verpassen: Es wurden neben Vorträgen und Lesungen auch Workshops per Livestream angeboten, sodass das Programm nichtsdestotrotz sehr umfangreich blieb.

Das diesjährige Motto „Da liegt Europa“ sorgte für eine bunte Gestaltung der Vorträge in vielen unterschiedlichen Sprachen, darunter auch Minderheitensprachen wie Galicisch, Walisisch oder Ladinisch.  Weiterlesen