Fundstück: Zwei Seiten – Der Podcast über Bücher

In der aktuellen Folge von Zwei Seiten geht es um das Thema Nachbarn. (Bild: Eva Beckmann)

Bücher lesen, darüber sprechen und sie weiterempfehlen. In diesen Kreislauf beziehen Mona Ameziane und Christine Westermann seit Mitte des Jahres die Hörer*innen ihres Podcasts Zwei Seiten ein. Jede Woche empfehlen die beiden sich gegenseitig ein Buch zu einem bestimmten Thema. In der Woche darauf werden die Lektüren dann ausführlich und spoilerfrei besprochen, bis es am Ende der Folge die nächsten Empfehlungen gibt. Zum Mitlesen ist das Format also ideal geeignet – ganz gleich ob parallel mit den Moderatorinnen in Vorbereitung auf die neue Folge oder im Anschluss daran. In den 24 bisher erschienenen Episoden ging es zum Beispiel um Liebeskummer, Dunkelheit, Körper, Reichtum, Geschwister oder die Natur. Die aktuelle Folge widmet sich dem Thema Nachbarn.

Nicht nur ihre Leidenschaft für das Lesen teilen Ameziane und Westermann. Auch ihre beruflichen Laufbahnen ähneln sich: Beide sind (auch außerhalb von Zwei Seiten) Moderatorinnen und Journalistinnen und haben selbst Bücher geschrieben. Dass sich ihre Wege einmal kreuzen würden, erscheint im Rückblick nahezu unausweichlich. Noch besser, dass daraus ein gemeinsames Projekt entstanden ist!

Einen entscheidenden Unterschied gibt es jedoch zwischen den beiden: Mona Ameziane ist 29 Jahre alt, Christine Westermann 74. Die verschiedenen Generationen und Lebensphasen spiegeln sich in ihren Perspektiven auf die Themen und in ihrer Bücherauswahl. Jedes der besprochenen Bücher wird im Podcast also von den titelgebenden zwei Seiten beleuchtet. Mal sind beide Seiten im Einklang und ergänzen sich, mal hören wir zwei sehr verschiedene Ansichten. Das hat natürlich nicht immer nur mit dem Alter zu tun, oft spielt es aber zumindest eine Rolle.

Mit ihrer Begeisterung für die besprochenen Bücher und ihrer Wertschätzung füreinander stecken die Podcasterinnen an. Wer bei Buchempfehlungen also stets die Ohren spitzt oder einfach gerne Gesprächen über Bücher lauscht, ist bei Zwei Seiten mit Mona Ameziane und Christine Westermann sehr gut aufgehoben. Viel Spaß beim Reinhören!

„We’re all mad here. I’m mad. You’re mad.“ Christina Henrys „Alice im Wunderland“

Mittlerweile ist die Erzählung von Lewis Carroll über Alice, den Kaninchenbau und den verrückten Hutmacher massenmedial bekannt. Gerade durch die Verfilmung mit Johnny Depp erfuhr die Erzählung neuer Bekanntheit. 2020 hat Christina Henry sich des literarischen Klassikers erneut angenommen und ihre eigene, finstere Interpretation der Alice-Geschichte verfasst. Die 3-teilige Alice Romanreihe ist komplett veröffentlicht.

In den Gassen der alten Stadt wächst die junge Alice in einer Anstalt für geistig kranke und irre Menschen auf. In ihren Träumen tauchen Schatten von Erinnerungen auf – lange Ohren, eine Teeparty, Blut. Eines Nachts bricht ein Feuer in der Anstalt aus und Alice kann mit ihrem Zellennachbarn, Hatcher, aus der Anstalt fliehen. Doch etwas anderes bricht mit ihnen aus, etwas gefährliches, dunkles und machtvolles. Gemeinsam mit Hatcher versteckt sie sich in den Schatten der alten Stadt, um den Spuren der Kreatur zu folgen. Dabei ahnen sie nicht, dass sie damit in das Gebiet des Kaninchens eindringen.

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lit.Kid.Ruhr: Expecto Patronum! 25 Jahre Harry Potter in Deutschland. Mit Rufus Beck

Rufus Beck liest die Harry Potter-Hörbücher

Rufus Beck hat mein Hörbuch von „Harry Potter und der Feuerkelch“ signiert. (Bild: Karoline Klotsch)

Unter Harry Potter Fans ist er ein Idol: Rufus Beck. Der Schauspieler und Regisseur hat die Harry Potter-Reihe eingelesen und seine Stimme ist in Deutschland unmittelbar mit den Büchern verknüpft. Seine klanghafte Verkörperung der magischen Bevölkerung hat den Figuren eine ganz eigene Dimension mit viel Wiedererkennungswert verliehen. Mr Weasley hat zum Beispiel einen norddeutschen Akzent; Professor Dumbledore spricht mit einer rauchigen Stimme; und Fred und George sagen ihre Sätze immer gemeinsam auf. Man hat das Gefühl, mit diesen Stimmen hat Rufus Beck den inneren Kern der Charaktere nach außen gekehrt.

Viele (erwachsene) Kinder hören die Hörbücher zum Einschlafen. Rufus Becks Stimme vermittelt ihnen Geborgenheit. Wenn er aus Harry Potter vorliest ist es zugleich spannend und beruhigend. 

Anstatt ihm beim Einschlafen zu lauschen, bekamen im Oktober alle Fans die Gelegenheit, bei der lit.Ruhr eine Live-Lesung mit Rufus Beck zu besuchen. Die meterlange Schlange vor dem Eingang sprach für die Popularität der Veranstaltung. Überall waren Hogwarts-Umhänge, runde Brillen und Zauberstäbe zu sehen. Und es waren nicht nur Kinder, die die Accessoires trugen.  Weiterlesen

10 Jahre Digitur: Aus der Perspektive von Redaktionsmitglieder*Innen

Schon 10 Jahre lang wird Digitur wöchentlich mit Beiträgen gefüttert. Die Themen sind vielfältig, gehen mit Trends mit oder beleuchten unbekannte Nischen. All das wäre nicht möglich, wenn es nicht über 10 Jahre hinweg fleißige Schreiber und Schreiberinnen für diesen Blog geben würde. Daher möchten wir hier einmal genau denen Raum geben, die Digitur mit ihren Worten Leben einhauchen.

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Fundstück: „The Tenant of Wildfell Hall” von Anne Brontë

"The Tenant of Wildfell Hall" von Anne Brontë (Bild: Johanna Jendrysek)

„The Tenant of Wildfell Hall“ von Anne Brontë (Bild: Johanna Jendrysek)

Von den Brontë-Schwestern haben sicherlich die meisten schon einmal gehört: Charlotte, Emily und Anne sind einige der großen Autorinnen des 19. Jahrhunderts. Leider ist die jüngste der berühmten Schwestern auch gleichzeitig die unbekannteste. Ihre Schwestern sind mit den Werken Wuthering Heights und Jane Eyre mittlerweile weltbekannt. Dass Anne lange Zeit übersehen und unterschätzt wurde, ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch ihr Werk durchaus lesenswert ist. Der hier vorgestellte Roman überzeugt mit seinem feministischen Ansatz und seiner Gesellschaftskritik, die auf kluge Art und Weise in dem Werk verarbeitet werden. Nicht umsonst zählen einige Literaturwissenschaftler*innen The Tenant of Wildfell Hall (deutsch: „Die Herrin von Wildfell Hall“) heute zu einem der ersten feministischen Romane.

Der Roman wird zunächst aus der Sicht von Gilbert erzählt, der in einem kleinen Dorf in England lebt. Eines Tages taucht die junge Helen Graham im alten Haus am Rande des Dorfes auf – eine verwitwete junge Frau, die ihren Sohn allein aufzieht und ihren Lebensunterhalt selbst bestreitet. Als wäre das nicht schon mysteriös genug, hält sie sich von den anderen Anwohnern eher fern, ist sehr schweigsam und lässt sich zum Entsetzen der Anwohner auch nicht in die „zu verweichlichte Erziehung“ ihres Sohnes hineinreden.

Als die Gerüchte sich überschlagen, stellt Gilbert Helen zur Rede. Er hat Gefühle für die junge Frau entwickelt und möchte den Erzählungen über sie keinen Glauben schenken. Helen vertraut Gilbert daraufhin ihr Tagebuch an. Der viktorianische Mann, der ein klares Bild von der Gesellschaft hatte, taucht ein in Helens toxische Ehe und versteht nach und nach, welchen Hürden Frauen in missbräuchlichen Partnerschaften gegenüberstehen und wie die Gesellschaft Frauen benachteiligt und ausgrenzt.

Der Roman ist für seine Zeit revolutionär und stellt sich gegen die gesellschaftlichen Moralvorstellungen. Anne zeigt die Missstände verständlich auf und kritisiert die gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Auch in der heutigen Zeit ist der Roman durchaus noch lesenswert, um die Lebensrealität von Frauen vor knapp 200 Jahren nachvollziehen zu können.

10 Jahre Digitur: Ein Blick zurück

2013 werden in Deutschland 21,5 Millionen E-Books verkauft, das satirische Onlinemagazin Der Postillon erhält den Grimme Online Award und Wolfgang Herrndorfs digitales Tagebuch Arbeit und Struktur erscheint als Buch im Rowohlt Verlag. In diesem Jahr entsteht Digitur – ein Blog, der sich mit „Literatur in der digitalen Welt“ beschäftigen möchte. Seitdem hat sich nicht nur unser Blog, sondern auch der Literaturbetrieb gewandelt und die digitale Entwicklung ist weiter fortgeschritten. Das Digitale ist auch in der Buchbranche zunehmend zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Im Zuge der Corona-Maßnahmen der vergangenen Jahre konnten wir weitere Sprünge in diesem Bereich erleben.

Anlässlich unseres Jubiläums möchten wir heute auf zehn Jahre Digitur zurückschauen. Wie ist das Blogprojekt entstanden? Was hat die Redaktion seitdem erlebt? Welche Themen haben wir besprochen und wie hat sich unser inhaltlicher Schwerpunkt im Laufe der Jahre entwickelt? Weiterlesen

10 Jahre Digitur: Wir feiern Jubiläum!

Wir haben Grund zum Feiern: Am 13. Oktober 2013, vor genau zehn Jahren also, ging der erste Digitur-Blogpost online. Deshalb lassen wir heute Konfetti regnen und schwelgen in unseren liebsten Erinnerungen an unsere bisherige Zeit mit Digitur.

In den kommenden Wochen möchten wir hier auf dem Blog zurück und in die Zukunft schauen. Wie ist Digitur entstanden? Was ist seitdem alles passiert? Und was wünschen wir unserem Blog für die nächsten Jahre? Wir freuen uns darauf, euch auf diese kleine Zeitreise mitzunehmen!

Wir, die aktuelle Digitur-Redaktion, danken dem Gründungsteam und allen ehemaligen Redaktionsmitgliedern für ihre Arbeit am Blog, Dr. Thomas Ernst für die Initiierung, dem Team der Literatur und Medienpraxis an der UDE für die Unterstützung und nicht zuletzt natürlich unseren Leser*innen. Wir freuen uns auf die Zukunft mit Digitur!

Fundstück: „Hotel Matze“

Abwechslungsreich, interessant, berührend. (Quelle Foto: Louisa Schückens)

Dieser Podcast ist schon seit rund drei Jahren ein so treuer Begleiter für meine Neugierde nach Menschen und ihren Geschichten, dass mir über diese ganze Zeit nie auch nur für den Bruchteil einer Sekunde in den Sinn kam, Hotel Matze einmal als Fundstück vorzustellen – ich hole dies hiermit nach, endlich.

Bereits seit 2016 unterhält sich Matze Hielscher in Hotel Matze mit Menschen, die er spannend findet – meist sind sie sehr bekannt, manchmal auch nicht. Manche Gespräche dauern rund eine Stunde, andere fast drei. Es gibt am Schluss immer “drei schnelle Fragen fürs Ende.”Hielscher möchte herausfinden, wie seine Gäst*innen denken, was sie ausmacht, wie sie geworden sind, wer sie sind: Er fragt nach der Kindheit und prägenden Erfahrungen, nach Routinen, Konfliktpunkten, Herausforderungen und Erfolgen. Jede Folge ist ein Interview, aber vor allem ein Gespräch. Neben sehr guter Vorbereitung und ernsthaftem Interesse seitens des Gastgebers zeichnet diesen Podcast aus, dass die Folgen so lang sind, wie die Gäst*innen Zeit mitbringen. Und so ist es kein Wunder, dass die Liste mit jenen, die schon im Hotel Matze zu Gast waren, illustre Namen enthält: Nina Chuba, Benjamin von Stuckrad-Barre, Juli Zeh, Olaf Scholz, Düzen Tekkal, Danger Dan oder immer mal wieder Philip Siefer und Sibylle Berg sind nur einige der Menschen, mit denen Matze Hielscher im Podcast schon gesprochen hat. Dabei ist vollkommen nebensächlich, welchen Bekanntheitsgrad die Gäst*innen mitbringen, das Ziel jeder Folge ist ein offenes, konstruktives und ehrliches Gespräch zwischen den zwei Personen hinter dem Mikrofon. Schlicht, tiefgründig. Eine kleine Zeitkapsel für Ruhe und Besinnung in einem durchgetakteten Alltag.

Hotel Matze ist ein Podcast von Mit Vergnügen und unter anderem über Spotify, Apple und Deezer abrufbar.

Bücherverbote in den USA: Wie eine App Widerstand leistet

Eine App macht verbotene Bücher in den USA zugänglich. (Bild: Eva Beckmann)

Bei 451° Fahrenheit fängt ein Buch Feuer – so schreibt es zumindest Ray Bradbury in seinem berühmten Roman, der nach dieser Temperatur betitelt ist. Bücher sind in dieser Dystopie verboten. Wenn ein Buch noch nicht vernichtet worden ist, wird es verbrannt. Rebellen verstecken ihren illegalen Besitz zwar beharrlich, doch ganze Regale voll bedrucktem Papier sind nur schwer zu verbergen…

Und Bradburys Roman selbst? Der steht in vielen US-amerikanischen Schulen und Bibliotheken auf dem Index. Sogenannte „Banned Books“ sind in den USA keine Seltenheit. Online finden sich ganze Listen mit Titeln, die in verschiedenen Schulen und Bibliotheken nicht in den Regalen stehen dürfen. Seit 2021 ist die Zahl der Bücherverbote besonders rasant angestiegen. In Form von E-Books werden die unerlaubten Texte seit kurzem dennoch in die Zensurräume eingeschleust. Weiterlesen