Fundstück: Livraria Lello – Hogwarts in Portugal

Die imposante Wendeltreppe der Livraria Lello sticht dem*r Besucher*in sofort ins Auge. Bild: CCO pixabay

Derzeit stellen wir euch in unserer Reihe „Fundstück Spezial“ lokale Buchhandlungen in Essen und Umgebung vor. Werfen wir doch aber kurz einen Blick ins Ausland – genauer gesagt nach Porto, der Küstenstadt im Nordwesten Portugals. Die dortige Livraria Lello gilt als eine der schönsten Buchhandlungen der Welt. Bereits 1869 wurde aus dem Gebäude eine Verkaufslokalität für Literatur. Damals noch unter dem Namen Livraria Chardron, erwarb José Pinto de Sousa Lello 25 Jahre später das Bauwerk und entschied sich, nach der Gründung eines Verlags mit seinem Bruder Anfang des 20. Jahrhunderts die heutige Buchhandlung zu eröffnen. Weiterlesen

Little Women: Vom 19. Jahrhundert bis Heute

Aktuell im Kino zu sehen: Little Women (Bild: Netzbild.de)

Im Amerika des 19. Jahrhunderts herrschte eine ganz bestimmte Ideologie vor, die das Verhalten von Frauen bestimmte. The Cult of True Womanhood ist ein Konzept, das vorsah, dass Frauen jungfräulich, still, elegant und grazil zu sein haben. Verhielten sich Frauen entgegen dieser Vorstellung, war sich die Gesellschaft einig, dass es schwer werden würde, einen geeigneten Ehemann zu finden. Und das war immerhin das größte Ziel, das es zu erreichen galt.

            Eine Autorin, die sich durch ihre Werke diesem Ideal zu widersetzen versuchte, war Louisa May Alcott. Mit ihrem Buch Little Women (1868) beschreibt sie das Leben der vier „March Schwestern“ – Meg, Jo, Beth und Amy. Jede von ihnen ist auf ihre eigene Art und Weise ganz besonders und jede hat eine besondere Leidenschaft. Meg geht für ihr Leben gern auf Bälle und träumt davon, eines Tages ihr eigenes Anwesen zu führen, Jo liebt es, sich Geschichten auszudenken, und will Schriftstellerin werden, für Beth gibt es nichts Schöneres als zu Hause zu bleiben und zu musizieren und Amy träumt davon eine berühmte Malerin zu werden. Weiterlesen

Fundstück Spezial: Alex liest Agatha

Der neue „Alex liest Agatha“ in der Eduard-Lucas-Str. 18, 45131 Essen. Bild: Thomas Hintze (über: buchalex.de)

Ein kleiner Laden auf der Rü, der Rüttenscheider Straße, dem Herzstück des Essener Trendviertels Rüttenscheid. Zwei große Schaufenster hin zur belebten Straße, drei Stufen führen hoch zur Eingangstür. Ein Holzgriff, der schon viele Hände gesehen hat, eine Glastür und eine Glocke. Bücher über Bücher und Anton, vier Beine, ein wedelnder Schwanz und kurzes braunes Fell. Hinter dem Tresen steht Susanne Böckler im Gespräch mit einem Kunden. Das sind meine Kindheitserinnerungen, wenn ich an „Alex liest Agatha“ denke. Weiterlesen

Die Marquise von O… zwischen Orgelmusik und Pistolenschüssen

Ronja Oppelt als „Die Marquise von O…“ Bild: Ant Palmer (Theater Oberhausen)

Der berühmteste Gedankenstrich der Literaturgeschichte – die Marquise von O… zu Gast in Oberhausen. In Kleists Novelle wird eine Frau gehobenen Standes ohne ihr Wissen schwanger und sucht, verstoßen von ihrer Familie, den Vater ihres Kindes, um ihn zu heiraten.

Zwischen Schauspiel und Lesung – das Theater Oberhausen verbindet in Heinrich von Kleists Die Marquise von O… Weltliteratur, Theaterdarstellung und Musik. Die musikalische Lesung unter der Regie von Florian Fiedler findet in der  St. Marienkirche in Oberhausen statt. Die Marienkirche ist als Aufführungsort bewusst gewählt. Sie bietet eine außergewöhnliche Akustik und die mystische Atmosphäre stellt einen direkten Bezug zur unbefleckten Empfängnis her. Weiterlesen

Fundstück: Theater als mediales Spektakel

Orlando (Jenny König) auf Bühne und Leinwand. Inszenierung von Katie Mitchell. Bild: Stephen Cummiskey (schaubuehne.de)

Katie Mitchell (55) und Alice Birch (34) inszenieren Virginia Woolfs „Orlando“ an der Schaubühne Berlin. Bis zum 17.02.2020 kann man in Berlin das ungewöhnliche Stück erleben. Im April und Mai 2020 ist das Ensemble der Schaubühne außerdem zu Gast in London und Madrid.

Zwei unserer Digitur Redakteurinnen haben sich das in den Medien als kontrovers diskutierte Stück angeschaut:
Die  Inszenierung ist ein mediales Spektakel, ein Event und gleicht der Dekonstruktion einer Theateraufführung. Bühnengeschehen und Live-Video werden miteinander verbunden. Die Geschichte, die sich um Orlandos (gespielt von Jenny König) queere Reise durch vier Jahrhunderte patriarchaler Menschheitsgeschichte spinnt, wird durch Schauspieler*innen, Kamerateams, Bildschirme, Kostümwechsel und eine Erzählerin inszeniert. Die Schauspielerin und Sprecherin Cathlen Gawlich sorgt allein mit ihrer Stimme dafür, dass alle Zuschauer vom Geschehen gefesselt sind. Dabei thront sie während des Stücks oberhalb des Geschehens in einem Glaskasten. Sie bei der Arbeit zu beobachten ist mindestens genau so faszinierend und unterhaltend, wie den Trubel auf der Bühne zu verfolgen und dem ständigen Wechsel zwischen Geschehen auf der Bühne und der Leinwand nachzugehen.
Das Zuschauen kann mit einer Reizüberflutung gleichgesetzt werden und man weiß zwischendurch nicht genau wo man als erstes hinschauen soll. Gleichzeitig ist es genau diese Machart, die das Stück so interessant macht und die uns Zuschauer intellektuell herausfordert.

Eintrittskarte zum Spektakel. Bild: Sophie Greve

Virginia Woolfs Genderproblematiken werden hier dargestellt und auf das 21. Jahrhundert projiziert. Orlando wird als Mann geboren und wacht eines Morgens als Frau auf – ohne dies großartig zu hinterfragen. Es ist in diesem Fall halt so und so ist es auch richtig. Die Wichtigkeit von Sexualität für das Stück und Orlandos Geschichte wird durch plakative Nacktheit, homo- und heterosexuelle Sexszenen auf der Bühne und im Filmmaterial dargestellt.

Überraschend, einzigartig, provokant. Oder manchmal doch einfach zu nah an der Grenze des Unangenehmen? Schwer zu sagen, wie wir finden! Es ist ein Spektakel. Entertainment mit tiefgehender Botschaft, die trotz der ernsten Thematik, durch verschmitzte Blicke von Jenny König und der verkörperten Trotteligkeit von Konrad Singer (Orlandos Verehrer) aufgelockert wird und einen gewissen Witz verliehen bekommt. Tatsächlich reißt das Stück einfach mit und ist, ohne es als ‚gut‘ oder ’schlecht‘ kategorisieren zu können, sehenswert. Wenn nicht wegen der Geschichte, dann wenigstens wegen der großartigen Koordination von Schauspieler*innen, Kamerateam und Sprecherin auf der Bühne.

 

Fundstück: Laura Karaseks Roman „Drei Wünsche“

„Drei Wünsche“: Drei junge Frauen, die alle vor einer Umbruchsituation ihres Lebens stehen. Bild: Olga Wagner

Rebecca, Maxie und Helena: Drei Frauen, deren Leben und Schicksale nicht unterschiedlicher sein könnte. Und doch verbindet sie alle drei eine Gemeinsamkeit: Um die 30 Jahre alt, steht jede von ihnen, Plänen, Träumen – und vor allem Entscheidungen gegenüber, die die Zukunft gravierend verändern könnten oder werden.

Leben und Tod, Lust und Liebe, Hoffnung und Angst, Familie und/oder Karriere – all jene Kontraste liegen dann doch erstaunlich nah beieinander. Sie fügen sich als herausfordernde Themen der Protagonistinnen zusammen und begleiten sie auf ihrer Suche nach dem individuellen Glück.

 „Berührend, wahrhaftig und aufrüttelnd“

– so steht es auf dem Buchrücken geschrieben.
Und es hält, was es verspricht: Laura Karaseks Roman lässt die Leser*Innen an den Gefühlswelten und Herausforderungen junger Frauen teilhaben. Es unterhält, regt zum Nachdenken an und überrascht so manchen, der sich in der ein oder anderen Passage und Lebenssituation der Protagonistinnen selbst wiederfinden kann.

(Eichborn 2019, Hardcover, 368 Seiten, 20,00 €)

Bromance à la Hesse auf großer Leinwand: Verfilmung des Bestsellers „Narziss und Goldmund“

Hesses Klassiker kommt am 12. März in die Kinos. Bild: filmstarts.de

„Eine wunderliche Freundschaft war es, welche zwischen Narziß und Goldmund begann; wenigen nur gefiel sie, und manchmal konnte es so scheinen, als mißfiele sie den beiden selbst.“  

Mit diesen Worten beschreibt Hermann Hesse die Beziehung seiner beiden konträren Protagonisten Narziss und Goldmund aus der gleichnamigen Erzählung von 1930. Schon zu Lebzeiten ist es das bekannteste Werk des Autors und wurde in 30 Sprachen übersetzt. Im Mittelpunkt steht jene durch Logos und Eros beeinflusste Freundschaft zweier Männer, welche auch nach jahrelanger Trennung und unzähliger prägender Erlebnisse nie aufgehört hat zu existieren. Nun wird Hesses berühmter Stoff auf eine andere mediale Ebene verlegt: Am 12. März 2020 erscheint die filmische Version in den Kinos. Mit an Bord sind keine Unbekannten, denn neben dem österreichischen Regisseur und Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky übernehmen Sabin Tambrea und Jannis Niewöhner die Titelrollen.

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Fundstück Spezial: Buchhandlung Proust

Die Buchhandlung Proust WÖRTER ・ TÖNE im Herzen von Essen. Bild: Saskia Ziemacki

Die Reihe zu lokalen Buchhandlungen in Essen und Umgebung geht in die nächste Runde. Dieses Mal ist Digitur zu Gast in der Buchhandlung Proust – Wörter + Töne an der Akazienallee in der Essener Innenstadt. Beate Scherzer und Peter Kolling geben uns einen Einblick in ihr Buchhandelkonzept, ihr Programm und die Entstehung der literarischen und persönlichen Buchhandlung.

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Töröö: Zum 70. Geburtstag von Elfie Donnelly

Wenn Benjamin wüsste, wie alt seine Schöpferin ist… Bild: Benjaminblümchen.de

Während die Erwachsenen heute darüber sinnieren, dass Kinder immer weniger lesen und viel zu viel vor ihren Smartphones hängen, ist es nun mal an der Zeit eine Autorin zu würdigen, die Kinder seit 1977 mit ihren Geschichten in den Bann zieht: Elfie Donnelly. Wer ist das? Ich bin mir sicher ihr kennt sie alle, wenn auch nicht beim Namen! 

Elfie Donnelly ist die Erfinderin der Helden unserer Kindheit: Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen. Wer saß früher nicht vor der Stereoanlage oder schleppte seinen kleinen Kassettenrekorder durchs Haus, um sich pausenlos zu informieren, was in Neustadt so alles vor sich ging? Und wer schlief nicht zu den Schimpftiraden von Barbara und Bernhard Blocksberg ein, wenn Bibi mal wieder Mist gebaut hatte?  Weiterlesen

Fundstück: Fantastische Monsterjagd mit Henry Cavill

Henry Cavill jagt als Witcher Gerald verschiedene Monster. Bild: Netflix

Game of Thrones und Jon Snow? Alte Kamellen! Der neue Superstar des Fantasy-Genres heißt Gerald und kommt aus Rivia. Sein Job? Schwert-Akrobat und Monsterjäger! Die Rede ist natürlich vom Witcher und der gleichnamigen Bestseller Serie des polnischen Autors Andrezej Sapowski. Die Bücher folgen dem Titelhelden Gerald von Rivia auf verschiedenen Abenteuern. So muss Gerald Flüche brechen, Vampire und Drachen jagend und einer Prinzessin zu ihrem Schicksal verhelfen. Auf seinen Reisen lernt der Witcher viele verschiedene Weggefährten kennen, wie den Barden Jaskir und die bezaubernde Magierin Yennifer.

Wem die Bücher jedoch nicht genug sind, den wird es wahrscheinlich erfreuen, dass erst vor kurzem Netflix den Witcher, in Form einer Serie, auf den Bildschirm gebracht hat. Die Hauptrolle als mürrischer Monsterjäger besetzt niemand anderes als Henry Cavill, welcher vielen aus seiner Rolle als Superman bekannt sein dürfte. Die erste Staffel ist seit Dezember 2019 zu sehen, wann die zweite Staffel erscheint ist jedoch noch nicht genau bekannt.