Fundstück: Games im Marbacher Literaturarchiv

Computerspiele auf einer Ebene mit Literatur. Bild: CCO pixabay

Computerspiele wie Deponia und Dear Esther künftig neben Dostojewski und Droste-Hülshoff? Das jedenfalls hat sich das Deutsche Literaturarchiv Marbach zum Ziel gesetzt – Games als gleichberechtigtes Kulturgut anzuerkennen. Diesen medialen Wandel setzt die Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter in Gang, die seit Beginn des Jahres Direktorin des Archivs ist. Denn: Computer- und Videospiele sind die erfolgreichste Erzählform der Gegenwart. Die Verkaufszahlen gehen in die Hundertmillionen. In den USA übersteigt die Zahl der Computerspieler bereits die Zahl der Kinogänger. Hierbei geht es jedoch nicht mehr um Ego-Shooter, Level und sportlichen Wettkampf, sondern um „Storytelling“ – Games mit Figuren, Plots und Erzählstrukturen. So werden einem in Dear Esther Brieffragmente von einem Erzähler vorgelesen, gemischt mit Tagebucheinträgen, während Memoranda mit Erzählsträngen aus Haruki Murakamis Kurzgeschichten arbeitet.

Die größte Frage bleibt jedoch: Wie werden Games archiviert, wenn sie an eine spezielle Hardware gebunden sind? In der Literatur steht man inzwischen vor einem ähnlichen Problem – Texte entstehen nicht mehr in Form von Manuskripten, sondern auf dem Computer. In diesem Bereich hat das Literaturarchiv bereits eine große Kompetenz aufgebaut. Computer in verschiedenen Stadien werden ausgestellt, von der Gegenwart bis zurück zur Schreibmaschine. Wir sind uns also sicher, dass die Frage nicht lange unbeantwortet bleiben wird. Denn viel wichtiger ist doch: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt”, wie schon Friedrich Schiller sagte.

The Princess and the Fox: KI kreiert Märchen

KI erschafft Prinzessin und Fuchs – was mag noch kommen?, Bild: CCO pixabay

Once upon a time, there was a golden horse with a golden saddle and a beautiful purple flower in its hair. The horse would carry the flower to the village where the princess danced for joy at the thought of looking so beautiful and good […],

spricht die beruhigende, sehr markante und tiefe Stimme des Schauspielers und Synchronsprechers Erik Braa und eine insgesamt 15 Minuten lang andauernde Online-Märchen-Lesung beginnt.  Das ist nichts Neues, da viele ihre CD-Spieler und Radios längst durch Onlineversionen der Audio-Wiedergabe ersetzt haben. Neu ist allerdings, dass das Märchen The Princess and the Fox im Gegensatz zu anderen Erzählungen aus dem Jahre 2018 stammt und weder mündlich überliefert noch allein von Menschenhand niedergeschrieben wurde. Weiterlesen „The Princess and the Fox: KI kreiert Märchen“

Storytelling via Messenger

Screenshot „last seen online“. Bild: CC BY-SA 4.0 Theresa Müller

Amy Morris feiert ihren 26. Geburtstag. Sie trinkt viel mit Freunden. Plötzlich verschwindet sie aus dem Club. Wenige Tage später wird sie tot in einem Park gefunden.

Das könnte der Beginn eines Krimis oder einer Serie sein, es ist jedoch der Beginn einer Story, die über das Smartphone erzählt wird. Diese arbeitet mit Medien und Tools, denen wir eher selten bei literarischen Erzählungen begegnen. Last seen online (so der Titel, der eigentlich schon die Story auf den Punkt bringt) ist eine „real-time story“, die über einen Messenger erzählt wird. Genau genommen ist es eine App, die im November 2016 auf den Markt kam, deren Display an einen Messenger erinnert. Die LeserInnen bzw. UserInnen erhalten nach Download der App sieben Tage lang Nachrichten von Amys Freunden, Bekannten und ihrer Familie. Ihnen wird damit simuliert Amys Handy zu besitzen. Doch das eigentlich Interessante an dieser Story sind die Mittel, mit denen Literatur (von einem breiten Begriff der Literatur ausgehend) vermittelt wird. Weiterlesen „Storytelling via Messenger“