Storytelling-Plattform Wattpad verkauft

600 Mio. $ gehen für Wattpad über den Tisch. Bild: pixabay

Spätestens seit dem Mega-Netflix-Erfolg The Kissing Booth von Beth Reekles oder Anna Todds After-Reihe ist Wattpad den meisten ein Begriff. Es handelt sich um die erfolgreichste Storytelling-Plattform weltweit, auf der User*innen ihre eigenen Geschichten veröffentlichen und in den Werken anderer stöbern können. Seit ein paar Tagen kursieren Gerüchte über Verkaufsgespräche mit diversen Interessenten um Wattpad, nun ist es offiziell: Die südkoreanische Firma Naver hat sich den Deal gesichert.

Im Jahr 2007 ging die kanadische Internetseite Wattpad online und hat seitdem mehr als 90 Millionen monatliche Nutzer*innen generiert. Die Unternehmer Allen Lau und Ivan Yuen wollten Leser*innen mit der Internetseite die Möglichkeit bieten, auch unterwegs auf dem Handy ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Seitdem wuchs das Unternehmen rasant. Es zieht bis heute vor allem junge Leser*innen an, laut Statistik gehören mehr als 90 % den Millennials oder der Generation Z an. Ebenfalls ein offenes Geheimnis: die Leserschaft ist überwiegend weiblich. Die demografischen Daten der Nutzer schlagen sich besonders in Thematik und Qualität der hochgeladenen Geschichten und Romane nieder. Auf den ersten Blick stechen hier One-Direction-Fanfictions ins Auge, in denen sich die weibliche Hauptfigur in eines der Bandmitglieder verliebt und dann tolle Abenteuer mit den britischen Jungs erlebt. Schaut man über solche Teenie-Fantasien hinweg, so finden sich doch einige Werke die marktfähig sind. Anna Todd zum Beispiel, begann ihre Karriere ebenfalls mit einer Harry Styles-Fanfiction, die große Leserzahlen generierte. Daraufhin erhielt sie 2014 einen Vertrag bei Gallery Books und veröffentlichte 2015 die aus vier Bänden bestehende After-Reihe. Damit schaffte sie es in der Spiegelbestsellerliste sogar unter die Top 10. Wattpad hat viele weitere Erfolgsgeschichten geschrieben und spezialisiert sich dabei nicht nur auf das Medium Buch. Mit künstlicher Intelligenz kann die Onlineplattform zum Beispiel Geschichten mit Filmpotenzial herausfiltern. Auch hat sie neben dem hauseigenen Verlag Wattpad Books ihre eigene Filmproduktion Wattpad Studios gegründet. Besonders das Jahr 2020 hat Wattpad anscheinend gut getan, denn laut eigenen Berichten habe es 50 % mehr Anmeldungen als vor der Pandemie gegeben.

Mit dem Verkauf des Entertainment-Riesen an Naver scheint das Interesse an zusätzlichen Nutzern und die größere Reichweite verknüpft. Dazu kann Naver einiges beisteuern: es ist eines der erfolgreichsten Webportale im asiatischen Raum, das unter anderem Suchmaschinen, Messengerdienste und die Plattform Webtoon betreibt. Bei Webtoon handelt es sich wiederum um eine größtenteils in Asien bekannte Seite, auf der User*innen Online-Cartoons erstellen können, also Storytelling in Form von Bildern. Hier liegen die Nutzerzahlen bei rund 70 Millionen pro Monat – addiert man diese Zahl mit der Besucherzahl von Wattpad kommt man auf stolze 160 Millionen Personen, Tendenz steigend. Der CEO von Naver, Jun-koo Kim, bezeichnete den Kauf als einen großen Schritt auf dem Weg zu einem global führenden Multimedia-Unternehmen und auch Wattpads CEO, Allen Lau, betrachtet die Transaktion als das nächste Level für seine Online-Plattform. Er darf mit seinem Partner Yuen das Wattpad Hauptquartier in Toronto weiterleiten und freue sich schon auf die Zusammenarbeit mit dem Naver-Team, um noch mehr Autor*innen zum Erfolg zu verhelfen.

Der endgültige Deal ist noch nicht geschlossen – das geschieht wohl im Laufe des ersten Halbjahres – zuerst müssen noch einige bürokratische Hürden überwunden werden, aber die Kaufsumme steht fest: läppische 600 Millionen US-Dollar blättert Naver hin.

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