KNV – ein Riese vor dem Aus

Die Insolvenz der KNV-Gruppe kam für die Branche unerwartet. Bild: CCO pixabay

Wer sich für Literatur und den Literaturmarkt interessiert und sich damit auseinandersetzt, ist in den letzten Tagen kaum an der Schlagzeile, dass der größte, deutsche Buchgroßhändler die Koch, Neff & Volckmar Gmbh (KNV) Insolvenz anmelden musste, vorbei gekommen. Die Verhandlungen der KNV-Gruppe mit einem möglichen Investor sind gescheitert. Nun steht eine der bedeutendsten Größen des deutschen Buchmarktes vor dem Aus. Für viele Literaturliebhaber*innen ist die KNV-Gruppe eine unbekannte Größe, denn meist operiert der Riese im Hintergrund des täglichen Buchgeschäfts. Seit 185 Jahren sorgt das Stuttgarter Unternehmen dafür, dass Buchhandlungen wie Thalia oder die Mayersche, aber auch die kleinen Buchhandlungen ums Eck, die Bücher zur Verfügung haben, die gerade gefragt sind.  Weiterlesen „KNV – ein Riese vor dem Aus“

Fundstück: Digitale Liebesgrüße von v*AI*lentine

Ein Liebesgedicht im Stil Shakespeares schreiben? – Die KI v*AI*lentine macht es möglich.

Euch fehlt noch ein Geschenk zum Valentinstag? Wie wäre es mit einem selbst geschriebenem Liebesgedicht? Wer dabei Unterstützung braucht, kann den Liebesgedichtgenerator v*AI*lentine der Brooklyner Medienagentur Huge nutzen. Dabei handelt es sich um eine Künstliche Intelligenz, die durch wenige Eingaben individuelle Gedichte generiert. Nur die Namen, die Liebslingsfarbe und -jahreszeit sowie das schönste Körperteil eurer Angebeteten sind für die Datenverarbeitung nötig. Nach einem Klick auf den Button »Show me the poem!« blinkt ein rotes Pixelherz auf und euer persönlich kreiertes Gedicht erscheint.

Das Ganze funktioniert laut Angaben der Website auf Basis der Markow-Kette, maschineller Sprachverarbeitung und den Sonetten William Shakespeares. Denn um die auf Algorithmen basierenden Gedichte erstellen zu können, wurde die KI mit sämtlichen 154 Sonetten Shakespeares gefüttert. Abschließend könnt ihr das Ergebnis natürlich über die sozialen Netzwerke mit den Liebsten teilen oder per E-Mail versenden. Also ran an die Tasten und erstellt für eure Romeos und Julias ein ganz besonderes Liebesgedicht!

Super Mario und Heinrich Heine?

Jump ’n’ Run erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit. Bild: CCO pixabay

Computer- und Videospiele sind aus unserer heutigen Lebenswelt nicht mehr wegzudenken. Vielen Menschen fiele es sicherlich leichter, ihr Leben lang auf Lyrik als auf ihr geliebtes Videospiel zu verzichten. Doch was spricht dagegen beides miteinander zu vereinen? Seit den 1950er-Jahren setzen sich Künstler*innen und Programmierer*innen weltweit mit den poetischen Nutzungsmöglichkeiten des Mediums Computer auseinander, wobei in der Anfangszeit vor allem mit computergenerierten Texten experimentiert wurde. Mit Erscheinen der Textadventures Adventure und Zork, in denen die Spieler*innen durch eigene Texteingaben den Verlauf und das Fortschreiten der Handlung steuern konnten, begann in den 1970er-Jahren der weltweite Siegeszug der Computer- und Videospiele. 1981 veröffentlichte Nintendo das als erste geltende Jump ʼnʼ Run Donkey Kong, in dem der sog. „Jumpman“ (heute bekannt und geliebt als „Super Mario“) mittels Laufen und Springen Hindernisse überwindet, um seine Freundin „Pauline“ aus den Klauen des Affen „Donkey Kong“ zu befreien. Die Abkehr von der Vorstellung des Raums und des Geschehens durch reine Textbausteine und die Zuwendung zur Visualisierung durch graphische Elemente eröffneten Programmierern und Programmiererinnen komplexere Handlungsstränge und Interaktionen zwischen den Figuren in die Spiele einzuweben. Dies weckte das Interesse von Literaturwissenschaftlern und Literaturwissenschaftlerinnen, die sich seitdem mit den narrativen Strukturen von Computer-/Videospielen auseinandersetzen. Weiterlesen „Super Mario und Heinrich Heine?“

Fundstück: Eine literarische Reise durch das Ruhrgebiet

Eine neue Perspektive auf den Pott. Bild: CCO

Die schönsten Wege zum Radeln, die eindrucksvollsten Wanderrouten oder der kulturellste Museums-marathon. Freizeit- und Reiseführer gibt es in allen Variationen, die in alle Winkel des Ruhrgebiets führen. Und doch hat es der Klartext-Verlag geschafft, eine thematische Lücke zu füllen. Denn der neue Wegweiser Literarische Orte im Ruhrgebiet lädt zu einer literarischen Entdeckungsreise quer durch die Metropole ein und stellt spannende Schauplätze aus Romanen und Gedichten der letzten drei Jahrhunderte vor. Mit dabei sind altbekannte Orte wie die Villa Hügel oder die sagenhafte Burg Volmarstein in Wetter, welche nun von ihrer literarischen Seite kennen gelernt werden können. Auch weniger bekannte Orte wie Gustav Sacks Wohnhaus oder Frank Goosens Bismarckturm in Bochum sind im Reiseführer vertreten.

Die Idee zum Buch stammt aus dem Projekt Literaturkarte.Ruhr, das aus einem Seminar der Ruhr-Universität Bochum hervorging. Studierende der Komparatistik entwickelten unter der Leitung von Dr. Stephanie Heimgartner eine digitale Karte, um die vielfältige Literaturszene des Ruhrgebiets visuell darzustellen. Aus den mittlerweile 350 digitalen Markern fanden die 31 spannensten Reiseziele ihren Weg ins Buch. (Klartext-Verlag, 144 Seiten, 16,95 Euro)

Storytelling zwischen Literatur und Wissenschaft

Storytelling in allen Lebensbereichen. Bild: CCO pixabay

Die Storytelling-Plattform, oder auch Self-Publisher-Plattform, Wattpad löst sich aus ihrer rein digitalen Erscheinungsform und wird darüber hinaus zu einem haptischen Verlag. Die kanadische Plattform umfasst 565 Millionen Storys, und erfreut sich an 70 Millionen Lesern und Leserinnen, wodurch die Erweiterung auf Wattpad Books fast unumgänglich erscheint. Der Erfolg der Storytelling-Plattform verdeutlicht, wie gefragt diese Art des Erzählens ist. Schon lange hat sie sich aus dem reinen Bereich des literarischen gelöst und sich in weitere Branchen etabliert. Weiterlesen „Storytelling zwischen Literatur und Wissenschaft“

Fundstück: Das #Me Too-Phänomen in der Literatur

Der #MeToo als ein Zeichen des Zusammenhalts. Bild: Our Time Press

Der MeToo-Hashtag ist immer noch einer der aktuellsten in sozialen Netzwerken auf der ganzen Welt, obwohl er bereits Ende 2017 aufkam. Der Hashtag soll Frauen und Männer nicht nur ermutigen sich gegen sexuelle Belästigung und Übergriffe zu wehren, sondern auch öffentliche Aufmerksamkeit erregen. Viele berühmte Persönlichkeiten halfen dabei, die Thematik weiter in die Öffentlichkeit zu rücken.  Obwohl es sich bei #Me Too um ein Internetphänomen handelt, ist das Motiv der starken Frau, die für sich selbst einsteht, auch in der Literatur beliebt. Die Bandbreite reicht dabei von fiktiven Geschichten bis zu ganz persönlichen Essays. Eines von vielen Beispielen ist In Praise of Difficult Women: Life Lessons From 29 Heroines Who Dared to Break the Rules von Karen Karbo. In diesem Buch stellt sie 29 Frauen aus der modernen Geschichte vor, die sich ihren Erfolg hart erkämpft haben, wie Frida Kahlo, Elizabeth Taylor oder Hilary Clinton. Roxane Gays Anthologie Not That Bad: Dispatches From Rape Culture thematisiert, was es bedeutet, in einer Welt zu leben, in der Frauen tagtäglich mit sexueller Belästigung umgehen müssen, ohne ernst genommen zu werden,  wenn sie darüber sprechen. Diese beiden Essaysammlungen sind Beispiele für ein immer größer werdendes Angebot an inspirierenden Texten über ein Thema, über das viel zu oft geschwiegen wird.

 

 

Tolkien in aller Munde

 

J.R.R. Tolkiens bekanntestes Werk „Der Herr der Ringe“ Bild: Malin Zinke

Anfang des Monats wäre der Schöpfer des größten Fantasy-Universums 127 Jahre alt geworden. Die deutsche Erstausgabe der Der Herr der Ringe-Trilogie feiert in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum. Die Oscarprämierte Verfilmung von Peter Jackson erlebt(e) an drei Terminen im Januar eine Rückkehr auf die Kinoleinwände. Außerdem kurieren Gerüchte über ein Biopic des Vaters von Mittelerde, mit dem einfachen Namen Tolkien, welches noch dieses Jahr in die Kinos kommen soll. Tolkien auf allen Kanälen sollte man also meinen. Aber wie sieht es mit dem Trend-Medium schlechthin, dem Podcast aus? Weiterlesen „Tolkien in aller Munde“

Fundstück: Hier wird nichts dem Zufall überlassen

 

Netflix-Algorithmus überlässt nichts dem Zufall. Bild: CCO pixabay

Durch Zufall Gefallen an einer Serie oder einem Film zu finden, ist dank Algorithmen eigentlich nicht mehr möglich. Thema in den Medien ist das nicht erst seit gestern aber in den letzten Wochen tauchten immer öfter Artikel über den Netflix-Algorithmus in den Online- und Printmedien auf.  Weiterlesen „Fundstück: Hier wird nichts dem Zufall überlassen“

Literatur erfahren – das Kollektiv »kaboom« lässt neue Rezeptionsformen entstehen

Margaret Schlenkrich und Carolin Schmidt sind das Kollektiv »kaboom«, Bild: Claudia Katzmarski

Die Literaturwissenschaftlerin Carolin Schmidt und die Szenografin Margaret Schlenkrich bilden zusammen das 2018 ins Leben gerufene Berliner Kollektiv »kaboom«. In Gestalt verschiedener Projekte wollen sie neue Zugänge zur Literatur schaffen, mit Wort- und Raumebenen experimentieren, den gegenseitigen literarischen Austausch anregen sowie Texte lebendig werden lassen. Weiterlesen „Literatur erfahren – das Kollektiv »kaboom« lässt neue Rezeptionsformen entstehen“

Fundstück: „Colette“ – ausdrucksvolles Biopic

Colette in der Aufführung Rêve d’Égypte im Moulin Rouge, 1907. Bild: CCO Léopold-Émile Reutlinger

Literarische Frauenpower im Kino – besser kann man das Biopic der bedeutendsten französischen Autorin des 20. Jahrhunderts nicht beschreiben. Mit Colette kommt nach Astrid Lindgren und Mary Shelley erneut das Leben einer mutigen, unkonventionellen Literatur-Ikone auf die Leinwand.

Colette, eigentlich Sidonie-Gabrielle Claudine Colette, 1873 in dem französischen Örtchen Saint-Sauveur-en-Puisaye geboren, muss sich als Schriftstellerin in einer unbarmherzigen Männerwelt durchsetzen. Ideal besetzt mit Keira Knightley, die jetzt schon als Oscar-würdig bezeichnet wird, beleuchtet Regisseur Wash Westmoreland (Still Alice) die jungen Jahre der Schriftstellerin. Von dem unsicheren Mädchen aus der Provinz, das erst noch unter dem Pseudonym ihres fremdgehenden Ehemannes (Dominic West) Willy schreibt, bis zu ihrer Selbstfindung und dem Bruch aller gesellschaftlichen und sexuellen Konventionen, die sie zum Superstar des Literaturbetriebs und des Varietés werden lassen.

Ein unterhaltsames und informatives Kostümdrama einer feministischen Vorreiterin, das inspiriert und einen glauben lässt, alle Widerstände überwinden zu können. Uns hat der Film Lust auf Romane wie Claudine à l’École und La Vagabonde bereitet.