Wenn die Generation Online ins Off gezwungen wird — Ein Kommentar

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Sind die Online-Semesterapparate nächs­tes Jahr schon Geschichte, wer­den zahl­rei­che Stu­den­ten wie­der hau­fen­weise Bücher schlep­pen müs­sen. Bild: CC0 pixabay.com

Es ist höchs­tens ein lei­ses Klap­pern, was man in Deutsch­lands Hör­sä­len neben den Stim­men der Leh­ren­den über­wie­gend wahr­nimmt. Das Krat­zen von Stif­ten über Papier oder das Umblät­tern von Buch­sei­ten? Fehl­an­zeige. Statt Notiz­blö­cken und Kugel­schrei­bern nut­zen wir mit immer grö­ße­rer Vor­liebe Lap­tops oder Tablets für unsere Auf­zeich­nun­gen – weil es in den meis­ten Fäl­len ein­fach so viel prak­ti­scher ist. Die Noti­zen sind schnell gemacht, trotz aller Eile leser­lich, über­sicht­lich, und sollte man nach­träg­lich etwas hin­zu­fü­gen müs­sen, ist auch das stets ohne Platz­man­gel mög­lich. Doch das Beste daran? Direk­tes Ein­bin­den von eige­nen Noti­zen in Skripte oder Unter­richts­ma­te­ria­lien, sodass alle Lern­in­halte an einem Ort gesam­melt sind, inklu­sive der inte­grier­ten Stich­wort­su­che. Und all das ist mög­lich durch die Bereit­stel­lung von wis­sen­schaft­li­chen Arti­keln, Lite­ra­tur­aus­zü­gen und Skrip­ten in den Online-Semesterapparaten unse­rer Uni­ver­si­tä­ten – deren Exis­tenz jedoch jetzt in Gefahr ist. Wei­ter­le­sen

Fundstück: Lukas Bärfuss als Poet in Residence

Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss ist diese Woche als Poet in Residence an der Universität Duisburg-Essen zu Gast, Bild: CC BY-SA 4.0 Caro­lin Ter­horst

Der Schwei­zer Autor Lukas Bär­fuss ist diese Woche als Poet in Resi­dence an der Uni­ver­si­tät Duisburg-Essen zu Gast. Bild: CC BY-SA 4.0 Caro­lin Ter­horst

Die vor mehr als vier­zig Jah­ren ins Leben geru­fene Ver­an­stal­tungs­reihe „Poet in Resi­dence” gilt längst als Insti­tu­tion an der Uni­ver­si­tät Duisburg-Essen. In die­ser Woche ist der Schwei­zer Autor Lukas Bär­fuss zu Gast in Essen, der sich damit in die Liste nam­haf­ter Auto­ren ein­reiht, zu der u.a. Literatur-Größen wie Mar­tin Wal­ser, Bernd Jau­mann, Fried­rich Ani, Kath­rin Röggla, oder im ver­gan­ge­nen Win­ter­se­mes­ter Klaus Modick, zäh­len.

In sei­ner Vor­trags­reihe Credo, die an Das Credo eines Dich­ters von Jorge Luis Bor­ges ange­lehnt ist, spricht Bär­fuss noch bis Mitt­woch u.a. „über den lite­ra­ri­schen Anspruch, über die Faul­heit, die jedem Anspruch im Wege steht und (…) fer­ner über die Frage, wie der Klang zum Inhalt steht.” Abschlie­ßend wird der Autor am Don­ners­tag aus sei­nem Roman Koala lesen, für den er u.a. mit dem Schwei­zer Buch­preis aus­ge­zeich­net wurde. Die Lesung fin­det um 18 Uhr im Casino an der Uni­ver­si­tät statt (Reck­ham­mer­weg 3).

Fundstück: Texteditoren für jeden Gemütszustand

Der „don’t worry, be happy”-Texteditor löscht dei­nen Text, wenn du nicht lächelst. Bild: Don’t worry, be happy by samim

Schrei­ben unter Zwang, Krea­ti­vi­tät auf Knopf­druck und das mit aus­schließ­lich guter Laune. Text­edi­to­ren gibt es viele, doch die­ser scheint es auf die Spitze der Absur­di­tät zu trei­ben: Der „don’t worry, be happy“-Editor des Schwei­zer Ent­wick­lers Samim kon­trol­liert per Web­cam, ob der Schrei­bende wäh­rend sei­nes Schaf­fens lächelt. Sollte dem nicht so sein, löscht die Soft­ware gna­den­los den geschrie­be­nen Text und ver­kün­det „You fai­led!“. „Emo­tion enfor­cing“ nennt sich das Sys­tem und wirft die Frage auf, ob wir mit einem Lächeln im Gesicht tat­säch­lich zufrie­de­ner, pro­duk­ti­ver oder gar bes­ser arbei­ten?
Den Ein­fluss von Zeit­druck auf die eigene Arbeits­weise erle­ben vor allem viele Stu­den­ten zum Ende jedes Semes­ters und mit dem Nahen der Abga­be­fris­ten aufs Neue. Wäh­rend einige an ihrer Pro­kras­ti­na­tion ver­zwei­feln, lau­fen andere mit zuneh­men­dem Druck und dem damit ein­her­ge­hen­den Zwang zu kon­zen­trier­tem und ablen­kungs­freiem Schrei­ben zu Höchst­for­men auf. Apps und Edi­to­ren, die sich genau dies – zum Bei­spiel durch das Sper­ren des Inter­net­zu­gangs oder dem Ver­hin­dern von Ände­run­gen im Text – zu Nutze machen, gibt es viele. Auch jene, wie der Flowstate-Editor, die einen Text nach einer vor­her fest­ge­leg­ten Zeit­spanne des Nichts­tuns löschen. Im Gegen­satz zu dem „don’t worry, be happy“-Editor geht es hier aber ledig­lich um die Opti­mie­rung des eige­nen Schreib­pro­zes­ses und nicht um die Gefühls­lage wäh­rend­des­sen. Der Erfin­der der „Gute Laune-Software“ ver­spricht: „wri­ting with Don’t Worry Be Happy for even 2min has a tan­gi­ble impact on your mental-state: You start to smile and laugh.“
Ob die Text­edi­to­ren ihr Ver­spre­chen hal­ten und unsere Leis­tung und die eigene Gefühls­lage tat­säch­lich posi­tiv beein­flus­sen oder viel­leicht doch eher das Aggres­si­ons­po­ten­tial vor dem Bild­schirm stei­gern, muss jeder selbst her­aus­fin­den.
In die­sem Sinne: Fröh­li­ches Schrei­ben!

Roboter auf Twitter: Zwischen Literatur und Meinung

Mit demTuring-Test kann eine Person durch das Stellen von Fragen herausfinden, ob ein Mensch oder eine Maschine antwortet. Für Socialbots gibt es noch keine eindeutige Methode, die Maschine zu entlarven. Bild: CC BY-SA 3.0 Hugo Férée

Mit dem Turing-Test kann eine Per­son durch das Stel­len von Fra­gen her­aus­fin­den, ob ein Mensch oder eine Maschine ant­wor­tet. Für Soci­al­bots gibt es noch keine ein­deu­tige Methode, die Maschine zu ent­lar­ven. Bild: CC BY-SA 3.0 Hugo Férée

Kön­nen Maschi­nen Lite­ra­tur schrei­ben? Schaut man sich die Viel­zahl der lite­ra­ri­schen Twit­ter­bots an, lau­tet die Ant­wort: ja. Bots sind Accounts auf Twit­ter, hin­ter denen sich kein Mensch, son­dern eine Soft­ware ver­birgt, die auto­ma­tisch twit­tert, ret­weetet oder ande­ren Usern folgt. Man­che Twit­ter­bots sind prak­tisch. Einige Zei­tun­gen bei­spiels­weise nut­zen Twit­ter­bots zum auto­ma­ti­schen Ret­weeten von Nach­rich­ten zu bestimm­ten The­men. Andere Twit­ter­bots machen Lite­ra­tur: Da gibt es den @JustToSayBot, der das Gedicht „This is just to Say“ von Wil­liam Car­los Wil­liams stünd­lich in Varia­tio­nen mit zufäl­li­gen Wör­tern twit­tert, oder den Bot, der Schnee­ball­ge­dichte gene­riert, um nur zwei Bei­spiele zu nen­nen. Seit es Com­pu­ter gibt, gibt es auch Ver­su­che, lite­ra­ri­sche Texte von Algo­rith­men schrei­ben zu las­sen. Vor allem mit dem Auf­kom­men der digi­ta­len Lite­ra­tur in den 1990er Jah­ren wurde diese Idee in Form von Lyrik-Generatoren in die Rea­li­tät umge­setzt und hin­ter­fragte damit das Ver­ständ­nis von Autor­schaft und Ori­gi­na­li­tät. Wei­ter­le­sen

LitBlog Convention: Verlage luden zum Blogger-Treffen

Das Logo der LitBlog Convention.

Das Logo der Lit­Blog Con­ven­tion.

Ein Tag, an dem es aus­schließ­lich um Lite­ra­tur, die Ver­lags­welt, Auto­ren und das Blog­gen geht – so wurde die erste „Lit­Blog Con­ven­tion” in Köln am 4. Juni 2016 bewor­ben. Im Ver­lags­ge­bäude von Bas­tei Lübbe kamen an die­sem Tag Buch­blog­ger, Literatur-Twitterer und Booktu­ber mit Ver­lags­ver­tre­te­rIn­nen und Auto­rIn­nen zusam­men. Die „Lit­Blog Con­ven­tion” wurde von fünf in Köln ansäs­si­gen Ver­la­gen, Bas­tei Lübbe, DuMont Buch­ver­lag, DuMont Kalen­der­ver­lag, Egmont LYX/INK und Kie­pen­heuer & Witsch, ver­an­stal­tet. Das Inter­esse war groß: Die 150 Tickets waren laut Anga­ben der Ver­an­stal­ter inner­halb einer Stunde aus­ver­kauft. Auch Digi­tur war vor Ort. Dabei hat­ten wir auch Gele­gen­heit, mit eini­gen der Orga­ni­sa­to­rIn­nen zu spre­chen. Wei­ter­le­sen

Fundstück: HOOKED — Chat Stories

(Quelle: pixabay.com)

(Quelle: pixabay.com)

In unse­rer moder­nen Welt, in der die meis­ten von uns zwi­schen Arbeit und pri­va­ten Ver­pflich­tun­gen gerade ein­mal Zeit für einen „Cof­fee to go” in der Stra­ßen­bahn fin­den, fällt es vie­len immer schwe­rer, sich bewusst Zeit für ein gutes Buch zu neh­men. Statt sich in den Ses­sel zu flä­zen und sich einige Zeit aus dem All­tag aus­zu­klin­ken, ist man per Whats­App und Mes­sen­ger all­zeit erreich­bar. Wer diese Form der moder­nen Kom­mu­ni­ka­tion nicht aus­schal­ten kann oder will, aber trotz­dem kurz­wei­lige, lite­ra­ri­sche Unter­hal­tung sucht, könnte sich für die App Hoo­ked — Chat Sto­ries inter­es­sie­ren. Das US-amerikanische Paar Prerna Gupta und Parag Chor­dia haben die App ent­wi­ckelt, die ihre Nut­zer mit sehr kur­zen Erzäh­lun­gen ver­sorgt. Der Clou: Erzählt wird in Form einer SMS-Konversation zweier Figu­ren. Je nach Genre sol­len die Geschich­ten gru­se­lig, roman­tisch, oder span­nend aus­fal­len, den Nut­zer aber nie mehr als fünf Minu­ten sei­ner Zeit kos­ten. Wer sich den Spaß für die kleine Pause zwi­schen­durch gön­nen möchte, darf aller­dings nicht beson­ders knau­se­rig sein: Für vol­len Zugang zu den Inhal­ten bezahlt man knapp 3 Euro die Woche.

Den richtigen Ton finden — über die Angemessenheit der Sprache

Emojis - ob per SMS, auf WhatsApp oder per Mail, sie sind unsere tagtäglichen Begleiter in der digitalen Kommunikation geworden.

Emo­jis — ob per SMS, auf Whats­App oder per Mail. Sie sind unsere tag­täg­li­chen Beglei­ter in der digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­tion gewor­den.

Mal wie­der eine Mail, bei der man sich ins­ge­heim fragt, was dem Absen­der die Laune ver­dor­ben hat, eine dienst­li­che Nach­richt mit unan­ge­mes­se­ner Gruß­for­mel oder eine Whatsapp-Nachricht ohne jeg­li­che Emo­jis: Die Varia­tio­nen, sich im digi­ta­len Ton zu ver­grei­fen oder den Anschein des­sen zu erwe­cken, sind viel­fäl­tig. So gerne wir das Inter­net auch nut­zen, um mal schnell noch eine Nach­richt los­zu­schi­cken, desto schwie­ri­ger ist manch­mal die kor­rekte Ent­schlüs­se­lung.
Auch wenn sich so oft im Nach­hin­ein her­aus­stellt — war alles nicht so gemeint — ist es doch erschre­ckend, mit wel­cher Macht die ver­meint­li­che Nach­richt uns plötz­lich in eine kleine Krise stür­zen kann, wenn man die Worte auf die gedank­li­che Gold­waage legt, sich über deren Bedeu­tung nicht im Kla­ren ist oder man gar Schlim­me­res ver­mu­tet. Die andere Seite: Die Ver­wen­dung von Emo­jis. Wer hat nicht die­sen einen Freund oder die Mama, die aus dem Uner­sätt­li­chen der Smiley-Palette schöpft. Immer wie­der sind Whatsapp-Nachrichten oder SMS geflu­tet von Affen­köp­fen, die die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen oder gel­ben Gesich­tern, die schüch­tern lächeln. Der Vor­wurf, so man­cher nütze sie im Über­fluss, ist dann viel­leicht doch eher ein dank­ba­res Äqui­va­lent, wenn so der char­mante Bei­ge­schmack via zwin­kern­dem Smi­ley gewahrt wer­den kann. Wei­ter­le­sen

Fundstück: Bibel 2.0

Bibelverse mit Hilfe von Emoji erstellen.

Bibel­verse mit Hilfe von Emo­jis erstel­len? Das geht! Der Erfin­der brauchte etwa ein hal­bes Jahr.

Am Anfang schuf Gott Him­mel und Erde.” So steht es im 1. Buch Mose geschrie­ben und so ist es auch den meis­ten geläu­fig. Doch ken­nen Sie auch die neu­este Ver­sion die­ses Bibel­tex­tes?
Anstatt auf Worte, setzte der Erfin­der haupt­säch­lich auf Emo­jis. Apro­pos Erfin­der. Wer hin­ter der Idee der „Bil­der­bi­bel” steckt, ist nicht bekannt. Weder der Name, noch das Geschlecht konn­ten her­aus­ge­fun­den wer­den. Die Bibel­verse wur­den sozu­sa­gen gene­ral­über­holt und auf den neu­es­ten Stand des 21. Jahr­hun­derts gebracht, um Texte für Mill­en­ni­als bzw. die Gene­ra­tion Y zu schaf­fen. Etwa ein hal­bes Jahr habe die­ser Über­set­zungs­pro­zess gedau­ert. Regel­mä­ßig pos­tet der „Mar­tin Luther der digi­ta­len Zeit” (um dem anony­men Erfin­der einen Namen zu geben) auf Twit­ter Bibel­verse in Emoji-Sprache.

Ob diese Ver­sion für Digi­tal Nati­ves ange­mes­sen ist, bleibt wohl jedem selbst über­las­sen. Es ist jedoch ein gutes Bei­spiel dafür, dass der Text-Begriff weit gefasst ist und sich nicht nur auf die semantisch-logische Anein­an­der­rei­hung von Wor­ten bezieht.

Feminismus im digitalen Zeitalter

Das Logo der HeForShe-Bewegung vereint die typografischen Gender-Symbole für Mars und Venus

Das Logo der HeForShe-Bewegung ver­eint die typo­gra­fi­schen Gender-Symbole für Mars und Venus. (Quelle: www.heforshe.org)

Femi­nis­mus ist im Trend! Die­sen Ein­druck erwe­cken zumin­dest die zahl­rei­chen Bei­spiele pro­mi­nen­ter Unter­stüt­ze­rIn­nen femi­nis­ti­scher Kam­pa­gnen und die Häu­fung der in der letz­ten Zeit ins Leben geru­fe­nen Aktio­nen. Ein Bei­spiel ist die bereits im Sep­tem­ber 2014 von der UN-Organisation UN-Women gestar­tete „HeForShe“-Bewegung. Das Ziel: Zunächst vor allem Jun­gen und Män­ner für einen Ein­satz zur Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter als „Agents of Change“ stark zu machen. Schau­spie­le­rin, Brown University-Absolventin und Everybody’s Dar­ling Emma Wat­son (Harry Pot­ter, Colo­nia Dig­n­i­dad) wurde zwecks des Laun­ches von „HeFor­She“ mit einem wei­te­ren Titel ver­se­hen: UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mäd­chen­rechte. Wei­ter­le­sen

Fundstück: #1stebook Blogparade

Zwei Tage Work­shops, Lesun­gen und Netz­wer­ken rund ums E-Book

Noch knapp vier Wochen bis die nächste Electric Book Fair am 25. und 26. Juni in Ber­lin star­tet. Um zu zei­gen, dass auch E-Book-Leser hin­ge­gen man­cher Vor­ur­teile eine ganz per­sön­li­che Bezie­hung zu ihrem digi­ta­len Lese­stoff auf­bauen kön­nen, haben die Orga­ni­sa­to­ren der E-Book Messe zur gro­ßen Blog­pa­rade auf­ge­ru­fen. Unter dem Hash­tag #1stebook wer­den Geschich­ten von Blog­gern rund um ‚das erste Mal’ mit einem E-Book gesam­melt und zur Messe zusam­men­ge­fasst: „Wir sind neu­gie­rig auf per­sön­li­che Geschich­ten rund um das erste digi­tale Lese­er­leb­nis: wer, mit wem, wozu, warum, wes­halb, wie oft! Wir wol­len wis­sen, wel­ches E-Book euer Herz erobert hat – und warum.”

(Die Basis­in­fos zur Electric Book Fair haben wir im letz­ten Jahr hier zusam­men­ge­fasst.)