Black Mirror: Bandersnatch – ein doppelbödiges Spiel mit der Psyche

In Bandersnatch kontrolliert der Zuschauer die Filmhandlung. Bild: CCO pixabay

Wer sie kennt, weiß es: Die britische Science-Fiction-Serie Black Mirror (Erstausstrahlung: Dezember 2011) ist schwere Kost. Mit dem Black Mirror-Film Bandersnatch kreiert David Slade nun ein äußerst beunruhigendes Spektakel, das seit dem 28.12.2018 auf der Streaming-Online-Plattform Netflix zu sehen ist. Der Film spielt im Jahr 1984 und deutet damit unmittelbar auf George Orwells Zukunftsroman 1984 hin. Ähnlich wie Orwell einen allmächtigen Überwachungsstaat entworfen hat, zeichnet die Netflix-Serie Black Mirror sowie auch der Film Bandersnatch Dystopien; allerdings hinsichtlich der Entwicklungen digitaler Medien. Dabei läuft es dem Zuschauer eiskalt den Rücken herunter.

Im Film bekommt der Protagonist Stefan, ein junger Programmierer, den Auftrag, ein Spiel namens ‚Bandersnatch‘ zu programmieren, welches auf dem Lieblingsroman seiner Mutter basiert. Stefan entwirft bei der Programmierung verschiedene Optionen, zwischen denen der Spieler sich schließlich selbst im ‚Choose Your Own Adventure-Stil‘ entscheiden muss.

Doch der Film thematisiert dieses Konzept nicht nur rein inhaltlich: Der Zuschauer erlebt es auf noch viel eindringlichere Art und Weise – Bandersnatch überrascht als interaktive Geschichte. Ein Konzept, das den Zuschauer unmittelbar in die Geschehnisse des Protagonisten mithineinzieht. Wie das funktioniert? Zu Beginn bestimmen wir für Stefan beispielsweise, welche Cornflakes er frühstückt oder welchen Musiktitel er während der Busfahrt anhört. Danach schließt der Film nahtlos mit unserer Entscheidung an.

Eine solche Interaktion zwischen Film und Zuschauer hat es bis dato noch nicht gegeben und scheint im ersten Augenblick harmlos. Doch es bleibt nicht bei solchen lediglich trivialen Eingriffen in das Alltagsleben des jungen Programmierers. Wir übernehmen Stück für Stück die Kontrolle – mehr als uns womöglich lieb ist. Die Figuren fungieren als Marionetten, deren Niedergang wir scheinbar kontrollieren, der aber unaufhaltsam fortschreitet. Auf diese Weise verliert nicht nur der Protagonist allmählich den Verstand; auch der ‚Zuschauer‘ wird gezwungen, sich mit den z. T. fatalen Konsequenzen seiner Verantwortung auseinanderzusetzen. Denn Bandersnatch lässt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bis ins Groteske verschwimmen. Und zu allem Überfluss beobachtet uns jemand bei unseren fortlaufenden Entscheidungen… Wer das ist und welche seelischen Abgründe sich für die Hauptfigur auftun, sei dem Anschauen (und Mitwirken) des Films überlassen.

Marisa Müller

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