Wo die Liebe hinfällt – Drei popkulturelle Ausflüge zum Valentinstag

Wenn es nach der Kapitalismusgesellschaft geht, ist der 14. Februar der romantischste Tag des Jahres. Ob Blumen, Schmuck oder Schokolade: Viele machen ihren Liebsten zum Valentinstag eine besondere Freude. Lässt man den Zynismus beiseite, handelt es sich dabei schließlich auch um eine schöne Geste.

Ein besonderer Tag für Liebende. Bild: Pixabay

Und wo die Liebe schon ihren besonderen Tag bekommen hat, lohnt es sich, einen Blick in die vielfältigen Angebote der Popkultur hinsichtlich dieses Themas zu werfen. Natürlich kennt jeder die Reihen an seichter Romantik im Buchladen des Vertrauens, deren Genuss absolut nichts Verwerfliches an sich hat. Aber manchmal möchte man ein wenig Abwechslung zur mundgerechten Liebesgeschichte mit harmonischem Happy End. Die folgenden drei Beispiele werfen ein besonderes Licht auf das Thema Liebe und sind so auch für Singles eine schöne Möglichkeit, den 14. Februar im Geiste Amors zu verbringen.

Film: Porträt einer jungen Frau in Flammen

Bild: Alamode Film

Den Anfang macht der französische Film „Porträt einer jungen Frau in Flammen“. Regisseurin Céline Sciamma erzählt die Geschichte von zwei jungen Frauen im 18. Jahrhundert: Malerin Marianne erhält von einer Gräfin den Auftrag, ein Gemälde ihrer Tochter Héloïse für deren bevorstehende Hochzeit anzufertigen. Weil Héloïse sich aber weigert für ein Bild Modell zu stehen, geschweige denn zu heiraten, verheimlicht Marianne den Grund ihrer Anreise und fertigt unbemerkt Skizzen an. Schon bald verbindet die beiden mehr als nur eine innige Freundschaft und Marianne sieht sich einem Gewissenskonflikt ausgeliefert, der sie zu einer Entscheidung zwingt.

Obwohl es sich bei „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ um einen sehr starken, ausdrucksvollen Film handelt, erzählt er die Geschichte von Marianne und Héloïse mit beinahe transparenter Sanftheit. Zu einer Zeit, in der die Liebe zweier Frauen einen Skandal bedeutete, kommen sich die Malerin und die Tochter der Gräfin in nahezu absoluter Isolation langsam aber stetig näher. Zwischen ihnen steht nicht nur der geheime Auftrag Mariannes und die Zwangsheirat von Héloïse, sondern auch die gesellschaftlichen Erwartungen und der Druck von außen. Sciamma schafft es, dieses Gefühlschaos in beeindruckenden Bildern zu erzählen und bleibt dabei subtil, ohne dem Thema lesbischer Liebe zu wenig Raum zu geben. Eine Liebesgeschichte die mit kraftvollen Schauspielerinnen und einer berührenden Geschichte begeistert.

Buch: „Naokos Lächeln“ von Haruki Murakami

Keine Ménage-à-trois wie sie im Buche steht: In „Naokos Lächeln“ kämpfen nicht Werwolf und Vampir um das Ansehen der weiblichen Teenager-Heldin. Stattdessen steht der Student Tōru sowohl im Mittelpunkt als auch zwischen den beiden jungen Frauen Naoko und Midori, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit Naoko ist Tōru schon seit seiner Jugend befreundet, nach einem dramatischen Zwischenfall verlieren sich die beiden jedoch aus den Augen und treffen erst Jahre später durch Zufall wieder aufeinander. Die Jugendfreundin ist still und zurückhaltend, sie hat Schwierigkeiten ihre selbst gebaute Schutzhülle abzulegen und sich anderen Menschen zu öffnen. Midori hingegen studiert gemeinsam mit Tōru Theaterwissenschaften. Sie ist impulsiv, sagt klar heraus was sie denkt und ist lebhaft und offen. Tōru fühlt sich zu beiden hingezogen und landet daher mehr oder minder unfreiwillig in einer emotionalen Zwickmühle.

Bild: Random House

Doch in „Naokos Lächeln“ geht es um weit mehr als die Entscheidung zwischen zwei charakterlich unterschiedlichen Frauen und die Frage, zu welcher Sorte Mensch man sich hingezogen fühlt. Sowohl Midori als auch Naoko sind komplexer als lebensfroh und schüchtern, sie sind facettenreich geschrieben und sind nicht abhängig vom Protagonisten, sondern haben ihre eigenen Wünsche und Sorgen. Tōru pendelt zwischen zwei Extremen hin und her und ist auch nicht in der Lage, seine eigenen Probleme vollständig zu lösen. Die starke Melancholie, die das Buch durchzieht, trägt einen schweren Kampf mit jugendlicher Unbeschwertheit aus. Dabei müssen sich die Charaktere des Öfteren fragen, was sie bereit sind, für ihre Liebe zu opfern. Auch Selbstfindung spielt dabei eine große Rolle. Die Kulisse der ungestümen 1960er Jahre, in denen Studentenunruhen den Alltag an den Universitäten Japans durchrütteln, bietet einen hervorragenden Hintergrund für die emotionalen Turbulenzen, die Tōru, Naoko und Midori durchstehen müssen. Daher verbindet Murakami eine dichte Atmosphäre mit schwerwiegenden Thematiken und macht „Naokos Lächeln“ zu weit mehr als „nur eine(r) Liebesgeschichte“.

Videospiel: Catherine Full Body

Bild: Atlus / Studio Zero

Zwei mal drei macht vier: Nach der monogamen Beziehung aus „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ und dem Liebesdreieck aus „Naokos Lächeln“ serviert uns das Videospiel „Catherine Full Body“ Irrungen und Wirrungen mit vier Beteiligten. Im Zentrum der Geschichte steht Vincent Brooks, der 32 Jahre alt ist und an chronischer Unentschlossenheit leidet. Seit fünf Jahren ist er nun mit Katherine zusammen, die er aus seiner Highschool-Zeit kennt und die langsam, aber sicher wissen möchte, wie das eigentlich mit Kindern und Heirat aussieht. Während Vincent sich von der Situation erheblich überfordert fühlt, tritt die verführerische Catherine auf den Plan und landet mit unserem verunsicherten Protagonisten im Bett. Und als wäre das alles noch nicht genug, stolpert Vincent dann noch über die unter Gedächtnisverlust leidende Rin, die unser Casanova auch irgendwie ganz süß findet. Aber Frauenprobleme sind nicht das Einzige, was Vincent den Schlaf raubt: Nacht für Nacht wird er von absurden Albträumen geplagt, in denen er im Pyjama einen gewaltigen Turm erklimmen muss. Neben Vincent scheinen noch andere Opfer dieses Fluchs zu sein, der jedoch nur Männer befällt, und schon bald tauchen die ersten, mysteriösen Toten auf.

Statt die Klischees einer klassisch-romantischen Dating-Simulation zu bedienen, spielt „Catherine Full Body“ mit moralischen Fragen nach Treue und Verantwortung. Der zögerliche Protagonist sieht sich mit einem zwanghaften Realitätsschock auseinandergesetzt, als er durch den Baby- und Heiratswunsch von Freundin Katherine aus seiner alltäglichen Komfortzone geholt wird. Dass er sich darauf in die nächstbeste Affäre stürzt, spricht gegen Vincent, erzeugt aber ein moralisches Dilemma, welches Spieler*innen erlaubt, die folgenden Handlungen des Hauptcharakters zu steuern und zu reflektieren. Doch es geht um mehr als die Verantwortung und Arbeit, die eine Langzeitbeziehung mit sich bringt, wenn die rosarote Brille unter dem Schuhabsatz des Alltags zerbricht. Um mehr als die schnelle Liebschaft, die scheinbar konsequenzloses Vergnügen bedeutet und frischen Wind verspricht, wie schon die Schlange Eva den Apfel versprach. „Catherine Full Body“ beschäftigt sich auch mit dem Thema der „wahren“ Liebe und ob für Zuneigung Äußerlichkeiten wie Erscheinungsbild und Geschlecht eine Rolle spielen müssen (Spoiler: tun sie nicht). Dabei ist es gerade für die eher konservative japanische Gesellschaft überraschend offen und bietet mit 13 Enden zahlreiche Möglichkeiten, das Liebesleben von Vincent selbst zu gestalten.

„Naokos Lächeln“ gibt’s für 11€ bei Random House, „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ für circa 12,99€ auf Blu-Ray oder bei Amazon Prime und „Catherine Full Body“ für circa 19,99€ bei einem Elektronikladen eurer Wahl.

 

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