Kein Weihnachten ohne Bücher! Teil 3

Konsumveranstaltung oder Brauch? Der Weihnachtsmarkt. Bild: Annika Vahle

In der Innenstadt ist die Hölle los. Gerade in der Vorweihnachtszeit tummeln sich die Menschenmassen in den Einkaufszonen, um die Weihnachtsgeschenke für die Liebsten zu kaufen. Aber das ist es nicht allein. Die Menschen zieht es – häufig in Gruppen – zu den großen Plätzen, wo aufgebaute Buden für das leibliche Wohl sorgen oder mit handgemachter Ware aufwarten. Die Rede ist vom Weihnachtsmarkt. Er ist wohl ein Muss im Advent und in der Regel statten wir ihm nicht nur einen, sondern gleich mehrere Besuche ab. Oft geht solch ein Besuch dann aber ganz schön ins Geld, denn für etwas zu essen und zu trinken (plus den üblichen Tassenpfand) bezahlt man schnell mal über 10 Euro. Studien haben bewiesen, dass die Deutschen im Durchschnitt 30 Euro auf dem Weihnachtsmarkt ausgeben. Auch wenn sich die Mehrheit an den Glühwein- und Essensbuden versammelt, nutzen einige das Angebot der anderen Stände, um Geschenke für das Fest zu kaufen. Die folgenden Bücher findet man wohl nicht auf dem Weihnachtsmarkt, aber das mindert ihren Wert als Präsent für die kalte Jahreszeit in keinem Fall:

 

Lektüreempfehlung von Frauke Papencort: „Bad Monkeys“. Bild: Frauke Papencort

„Der Dezember und insbesondere Weihnachten sind die Zeiten, an denen Zuhause Ruhe einkehrt. Kaum ein Monat lädt mehr zum Lesen ein als der Letzte des Jahres. Wem allerdings kuschelige und herzerwärmende Geschichten nicht in die Hände kommen, kann sich von Bad Monkeys an die Couch fesseln lassen. Matt Ruff gelingt mit seinem Psycho-Thriller ein Kopfkino der Extraklasse. Die Geschichte beginnt in der psychiatrischen Abteilung einer Jugendstrafanstalt, in der die Mörderin Jane Charlotte verhört wird. Sie legt ein Geständnis ab und erzählt ihre Geschichte: Sie ist Auftragskillerin der ‚Bad Monkeys‘, Abteilung einer Geheimorganisation, die das Böse bekämpft. Doch der Mann, den Jane getötet hat, stand nicht auf der Abschussliste. In Interviewform treibt Ruff das Geschehen in atemberaubender Geschwindigkeit voran. Die Aussagen Janes werden immer verworrener: Lügt sie, ist sie verrückt oder spielt sie ein ganz anderes Spiel? Eine Mischung aus ‚Die Matrix‘ und ‚Das Schweigen der Lämmer‘, unvorhersehbare Wendungen und schwarzer Humor machen den Thriller zu einer absoluten Empfehlung für eine schnelle, packende Lektüre.“ (Bloomsbury 2007, 230 Seiten, 10,95 Euro)

 

Lektüreempfehlung von Christina Herdin-Lühr: „Das Gedankenexperiment“. Bild: Christina Herdin-Lühr

Das Gedankenexperiment von Jonas Winner verpackt ein Kernelement der Sprachphilosophie sehr gelungen in einem packenden Thriller-Roman. Der Philosoph Karl Borchert tritt eine neue Stelle als Privatsekretär Professor Leonard Habichs an, welcher der Überzeugung ist, in der Suche nach der Ursprache kurz vor dem Durchbruch zu stehen. Karl Borchert zieht auf das Anwesen des Professors. Dort fallen ihm nach und nach viele beängstigende Dinge auf. Da er von dem Professor und dessen Arbeit jedoch tief beeindruckt ist, widersteht er seinem Drang zu gehen und kommt so hinter ein dunkles Geheimnis des Professors. Zwei Spannungslinien laufen nebeneinanderher. Die fortschreitenden Experimente des Professors und die seltsamen Auffälligkeiten, die Karl Borchert auf dem Anwesen wahrnimmt. Beide münden am Ende auf ungeahnte Weise zusammen.“  (Droemer 2014, 399 Seiten, 20,00 Euro)

 

Lektüreempfehlung von Julia Bergemann: „Frauen, die lesen, sind gefährlich“. Bild: Julia Bergemann

„Gerade in der kalten Jahreszeit liebe ich es, in meinem Sessel am Fenster zu sitzen, eine Kerze anzuzünden und in Bildbänden zu schmökern. Frauen, die lesen, sind gefährlich von Stefan Bollmann eignet sich hierfür perfekt, da irrelevant ist, welche Seite aufgeschlagen wird – jede hat ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen. Auf der Website des Verlags heißt es, das Buch funktioniere „[…] wie ein imaginäres Museum. Vor- und zurückblätternd kann darin flaniert, können Augenblicke erhascht und Zusammenhänge ‚ersehen‘ werden.“ Es zeigt 100 Abbildungen lesender Frauen aus Malerei und Fotografie und durchläuft hierbei das 13. bis 21. Jahrhundert. Kurze Begleittexte erläutern, aus welcher Zeit die Zeichnungen, Gemälde oder Fotografien stammen sowie warum und was die jeweils abgebildeten Frauen lesen. Dass sie überhaupt lesen, ist dabei der erste Schock und die vermeintlich drohende Gefahr, denn lange Zeit wurde Frauen der Zugang zu Literatur verwehrt, da Letztere schon immer den Zugang zu Wissen, Unbegrenztheit und Fantasie verkörperte. Dass Frauen sich jedoch stets über dieses Verbot hinweggesetzt haben zeigt, wie stark sie sind, und ist mein Glück, denn so kann ich, dasitzend wie eine der porträtierten Frauen, in den Welten des Buches versinken.“ (Elisabeth Sandmann 2005, 160 Seiten, 16,95 Euro)

 

Lektüreempfehlung von Daniel Kost: „Nordische Mythen und Sagen“. Bild: Daniel Kost

„Diesen Winter zieht es nach Skandinavien, zurück in Zeit und Weltbild, unter Odins Auge: Nordische Mythen und Sagen sind Grundlage für viele Motive, wie sie vor allem in Fantasy verwendet werden. Auch der Verfasser, Neil Gaiman, bedient sich ihrer oft und bringt mit diesem Buch eine Nacherzählung, die in der Tradition vergangener Skalden steht. Denn wie alle Mythen sind auch die nordischen zunächst (und in diesem Falle größtenteils) mündlich weitergegeben, eben nacherzählt, worden. Die einzigen schriftlichen Überlieferungen sind zwei in alt-isländischer Sprache verfasste Werke, die Prosa- und Lieder-Edda, die sich selbstverstehend nicht jedem erschließen. Der britische Autor vollbringt das Kunststück, nicht nur eine fast vergessene Sagenwelt neu zu beleben, sondern sie auch interessant widerzugeben; eine Qualität, über die nicht viele alte Stoffe verfügen. Ein Muss für alle Phantastikenthusiasten.“ (Eichborn Verlag, 253 Seiten, 14,00 Euro)

 

 

 

Lektüreempfehlung von Julia Fichtner: „Scythe – die Hüter des Todes“. Bild: Julia Fichtner

„’Die Scythe sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes in einer fast perfekten Welt.‘ Keine Krankheiten, keine Unfälle, kein Tod: Diese utopische Welt wird in Scythe – die Hüter des Todes von Neal Shusterman entworfen. Doch ist eine Welt, in der einzelne Menschen die Aufgabe und die Macht besitzen zu töten, um die Welt vor einer Überbevölkerung zu schützen, wirklich noch eine Utopie? Und was passiert, wenn diese Macht zu töten missbraucht wird? Mit diesen Fragen beschäftigt sich „Scythe“ und nimmt seine Leser*innen mit auf die spannende Reise zweier Protagonisten, die zufällig in die Welt des Tötens verwickelt werden. Wer an kalten Wintertagen von einer atemberaubend spannenden Lektüre mit unvorhersehbaren Wendungen und einer zum Nachdenken anregenden Thematik gefangen gehalten werden möchte, trifft mit dem ersten Band der Scythe-Trilogie die perfekte Wahl.“ (Fischer Sauerländer 2016, 443 Seiten, 15 Euro)

 

Lektüreempfehlung von Tabea Meuser: „Was man von hier aus sehen kann“. Bild: Tabea Meuser

„Selma träumt von einem Okapi. Was normalerweise nicht weiter wichtig scheint, ist von großer Bedeutung für das gesamte Dorf, denn immer wenn Selma diesen Traum hat, stirbt eine*r der Dorfbewohner*innen. Der Tag nach Selmas Traum ist gefüllt von Geständnissen, Wahrheiten und weiteren Geheimnissen, denn es könnte jeden treffen. Neben der alten Selma trifft man auf viele weitere Figuren, die alle ihre eigene Geschichte und ihr eigenes Päckchen zu tragen haben. Die Leser*innen folgen der Handlung über mehrere Jahre hinweg, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass die Figuren und auch die Szenerie einem ans Herz wachsen. Der Roman regt zum Schmunzeln an, oft droht jedoch auch das ein oder andere Tränchen zu entkommen. Mariana Lekys Roman Was man von hier aus sehen kann handelt von der Liebe, von skurrilen Charakteren und wie sie mit der Liebe umgehen. Die sowieso schon besondere Geschichte wird durch den besonderen Schreibstil Lekys noch zauberhafter. Sie schafft es durch wenig Worte eine ganze Reihe an Emotionen entstehen zu lassen.“ (DuMont 2019, 320 Seiten, 12 Euro)

 

Wie die Adventszeit, so neigt sich auch unsere diesjährige Reihe Kein Weihnachten ohne Bücher! dem Ende zu. Nächsten Sonntag gibt es passend zum vierten Advent unseren vierten Teil. Lasst euch überraschen, welche Bücher dann vorgestellt werden!

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Annika Vahle

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