Podcast statt Buchclub

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Peter Marquardt
CC BY-NC SA 2.0

Sie sind größtenteils ausgestorben, doch ab und zu findet man sie noch: Buchclubs, oder wie manche sie noch nennen, Lesezirkel. Gruppen, die sich ein Mal im Monat oder öfter treffen, um über ein ganz bestimmtes Buch zu diskutieren und sich über ihre Meinungen auszutauschen. In Zeiten des Internets wird es immer unüblicher, sich von Angesicht zu Angesicht über Literatur auszutauschen – wenn man mal von den Seminaren in Universitäten absieht. Stattdessen werden Buchclubs durch Podcasts, wie so vieles auf der Welt, ins Internet verlagert.

Für Leser, die keine Lust haben sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen – egal ob digital oder analog – bietet das Internet eine Lösung: Podcasts. In den letzten Jahren wurden Podcasts immer beliebter und auf Plattformen wie Spotify oder iTunes gibt es Podcasts zu allen möglichen Themen. Literatur ist dabei ein Thema, das gerne aufgegriffen wird. Es gibt Podcasts, die sich Romane vornehmen und diese in ihrer Sendung besprechen, wie zum Beispiel Lesart–Das Literaturmagazin von Deutschlandfunk Kultur. Bei Lesart handelt es sich um ein Literaturmagazin, das eigentlich im Fernsehen ausgestrahlt wird. Der Podcast bietet Hörer die wichtigsten Ausschnitte aus den Sendungen, wobei die neusten Erscheinungen aus den Genres Romane, Sachbücher, Kinderbücher, Comics, Klassiker und Kochbücher besprochen werden. Andere Podcasts, beschränken sich auf auf einzelne Romane oder Serien und diskutiere diese detailliert Folge für Folge. Einer dieser Podcasts ist Swish and Flick: A Harry Potter Podcast. Dabei unterhalten sich vier Harry Potter-Fans aus Amerika über die gesamte Reihe und gehen dabei Kapitel für Kapitel der Bücherreihe durch. Die Zuhörer können demnach vor dem Anhören der Sendung die entsprechenden Kapitel lesen und im Anschluss eine ausführliche Diskussion darüber hören.

Podcasts, die auf diese Weise gestaltet werden, sind also quasi Buchclubs, bei denen man nicht aktiv mitmachen muss. Stattdessen kann man sich einfach entspannt zurücklehnen und zuhören. Das heißt natürlich nicht, dass man als Hörer keinen Einfluss auf die Diskussion nehmen kann. Häufig bieten Podcasts, die Romane detailliert über mehrere Sendungen hinweg diskutieren, die Möglichkeit, per Twitter, Facebook oder Instagram Fragen zu stellen, die dann möglicherweise in der Sendung aufgegriffen und diskutiert werden. Somit ergibt sich die Möglichkeit komplett passiv zu bleiben, aber trotzdem andere Meinungen zum Gelesenen zu hören, oder seinen Teil beizutragen und Reaktionen auf die eigene Meinung zu erfahren. Diese Art der Interaktion könnte man mit dem Schreiben von Whats–App Nachrichten vergleichen, da –   genau wie bei solchen Chatverläufen – die Antwort auf das Geschrieben mit einigem Zeitabstand, oder sogar gar nicht erfolgt.

Ob die Literaturpodcasts wirklich eine zufriedenstellende Alternative zu den altbekannten Buchclubs darstellt, sei dahingestellt und liegt im Ermessen des Betrachters. Es lässt sich jedoch nicht abstreiten, dass die Podcasts eine gute Möglichkeit darstellen, Meinungen über einen gelesenen Roman zu hören, über den man möglicherweise sonst mit niemandem sprechen kann oder will.

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