Kein Weihnachten ohne Bücher! Teil 2

„Kein Weihnachten ohne Bücher“ schaut zu den Sternen. Bild: pixabay

Weihnachten ist ein Fest, an dem man seine Familie besucht oder mit Freunden zusammenkommt. Man isst, lacht und beschert sich gegenseitig. Doch einige Menschen haben nicht das Glück, Weihnachten in der Gesellschaft ihrer Familie verbringen zu können, da sie ihr Beruf oder einfach die Entfernung zu ihren Liebsten davon abhält. Ein Beruf, welcher gezwungenermaßen recht isoliert die Festtage verbringen muss, ist der Astronaut. Seit etwas mehr als 50 Jahren wird Weihnachten schon im Weltall gefeiert. Am 25. Dezember 1968 feierten Jim Lovell und seine Kollegen Frank Borman und William Anders, welche in der Apollo 8 den ersten bemannten Flug und die Umrundung des Monds erfolgreich absolvierten, Weihnachten All zum ersten Mal im All. Nach der zehnten Umrundung des Monds funkte Lovell zur Erde, dass der Weihnachtsmann tatsächlich existiere. Bei ihrer Rückkehr zur Erde wartete eine festliche Flasche Schnaps auf die Astronauten. Auch dieses Jahr feiern wieder Astronauten das Fest der Liebe im Vakuum. Seit November befinden sich vier neue Bewohner auf der Internationalen Raumstation ISS: die US-Amerikaner Michael Hopkins, Victor Glover und Shannon Walker sowie der Japaner Soichi Noguchi.

Für alle, die die Festtage auch alleine verbringen müssen, oder ihre Familie erst etwas später sehen, hat Digitur mal wieder eine Liste mit Buchempfehlungen zusammengestellt:

Buchempfehlung von Annika Vahle: „Unverschämt. Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“. Bild: Annika Vahle

Unverschämt. Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ ist zwar ein totaler Kontrast zum besinnlichen Weihnachtsfest, aber mindestens genauso wichtig. Denn die Gynäkologin Dr. Sheila de Liz klärt ohne Tabus über alles auf, was mit ‚Bikini Bottom‘ zu tun hat: Anatomie, Krankheiten, hormonelle und sexuelle Vorgänge oder den Beginn neuen Lebens, die Geburt. Ihr gelingt es nicht nur, die teils sehr komplexen Sachverhalte auf humorvolle Weise zu erläutern, sondern sie verdeutlicht darin auch, wie unterschiedlich Frauen sind und unterstützt ihre Leserinnen dabei, ihren Körper mitsamt seiner (sexuellen) Launen in einer maskulin geprägten Gesellschaft so zu akzeptieren, wie er ist. Für mich ein Buch, dass jede Frau in ihrem Leben einmal gelesen haben sollte. Und das am besten schon im Teenageralter. Apropos weibliche Diversität: Im September ist ihr zweites Werk Woman on Fire. Alles über die fabelhaften Wechseljahre erschienen, worin sie sich speziell mit den Sorgen älterer Frauen beschäftigt.“ (Rowohlt 2019, 366 Seiten, 16 Euro)

 

Buchempfehlung von Tabea Meuser: „Normal People“ Bild: Tabea Meuser

“Abgesehen davon, dass Marianne und Conell auf die gleiche Schule gehen, haben die beiden nichts gemeinsam. Sie ist eine Einzelgängerin. Er ist ein beliebter Sportler. Was jetzt klingt wie der nächste große Hit unter Teenies, ist ein Roman über zwei Menschen, die sich immer wieder einreden, dass sie zu verschieden sind und trotzdem immer wieder zusammen finden. Sally Roonys Roman Normal People erzählt eine Geschichte über schlechtes Timing, sich verändernde Lebensumstände und Selbstzweifel. Roony zeigt, dass ein anderer Mensch uns nicht komplementieren sollte, es aber trotzdem in Ordnung ist, jemanden neben sich zu wollen. Und sie zeigt, dass Liebe nicht immer das ist, worauf es ankommt. Falls Ihr von der Geschichte über Marianne und Conell nicht genug kriegen könnt, gibt es Normal People auch als Miniserie auf StarzPlay schauen.“ (faber, 2019, 266 Seiten, 7,69 Euro).

 

Buchempfehlung von Luisa Berlinicke: „50“ Bild: Luisa Berlinicke

Japanische Literatur spiegelt eine Ruhe wider die perfekt in die hektische Weihnachtszeit passt. Zwischen Familiendrama und Geschenkefreude bietet der Einblick in eine andere Kultur eine erholsame Abwechslung. Allein dafür würde es sich bereits lohnen „50“, den endlich ins Deutsche übersetzten Debütroman von Hideo Yokoyama, in die Winteridylle mitzunehmen. Wer blutige Tatorte und geniale Kommissare liebt wird hier jedoch nicht fündig werden. „50“ ist eine Dekonstruktion der hektischen Krimis, mit denen der Markt seit Jahren überflutet ist und setzt auf Entschleunigung anstelle von Mordlust und Schrecken. Soichiro Kaji ist ein hochverdienter Polizist mit tadellosem Ruf in der Präfektur W der japanischen Provinz. Und doch sagt er bei seiner Selbstanzeige aus, dass er seine an Alzheimer erkrankte Frau auf ihren Wunsch hin getötet hat. Die Täterfrage ist zwar hinfällig und dennoch gelingt es Yokoyama ein Netz aus Lücken und Fragen zu spinnen, das den Leser bis an die letzte Seite fesselt.

(Atrium Verlag AG, 2020, 352 Seiten, Übersetzt aus dem japanischen von Nora Bartels, 22,00 Euro)

 

Buchempfehlung von Daniel Kost: „Die Lüfen des Locke Lamora“ Bild: Daniel Kost

Diesen Winter empfehle ich Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch. In diesem Schmuckstück der modernen Fantasyliteratur tritt die Titelfigur gemeinsam mit ihrer fünfköpfigen Truppe auf, die Gentlemen-Ganoven, als wäre die Welt ihre Bühne. Sie sind die Crème de la Crème der Unterwelt des Stadtstaates Camorr, der Venedig nachempfunden ist. Menschliche Chamäleons, die Kumpanen wie Opfer linken. Betrügen ist ihre zweite Natur. Doch in ihrer Hybris, die von allen Besten Besitz ergreifen kann, werden sie blind gegenüber der Möglichkeit, dass sie selbst übers Ohr gehauen werden könnten, bis es zu spät ist. Scott Lynch schreibt bildgewaltig, mit einem fast filmischen Stil, der die Erzählung trotz Länge locker hält und eine erfrischende Abwechslung darstellt gegenüber dem Löwenanteil der Gattung. Die Reihe, deren Anfang dieser Roman ist, erhält im Januar nach sechs Jahren Warten einen weiteren Ableger. Einen besseren Zeitpunkt einzusteigen als jetzt wird es so schnell nicht geben. (Heine Verlag 2007, 848 Seiten, 14,00 Euro)

 

Buchempfehlung von Vanessa Peters: „The Shining“ Bild: Vanessa Peters

-Redrum- ist wohl das bekannteste Wort aus dem Roman „The Shining“ von dem amerikanischen Bestsellerautor Stephen King. Vielen ist allerdings eher Stanley Kubricks filmische Adaption dieses Klassikers bekannt als der Roman selber. So haben viele bei diesem Wort ein ganz klares Bild von dem kleinen Danny Torance vor Augen, der, beeinflusst von seinem imaginären Freund „Tony“, mit dem Lippenstift seiner Mutter, das englische Wort „Murder“ auf die Badezimmertür schreibt, die sein verrückt gewordener Vater Jack Torance bald mit einer Axt einschlagen wird, um seinen Sohn und seine Ehefrau zu töten. Wenngleich es auch keine Frage ist, die großartige schauspielerische Leistung von Jack Nicholson in Frage zu stellen, zeigt der Roman doch viel detailliertere Einblicke in das furchteinflößende und mächtige Overlook Hotel, Jacks psychischer Verfassung und die telekinetischen Fähigkeiten des fünfjährigen Dannys. Doch gerade das Ende des Romans ist ein komplett anderes als im Film, was hingegen noch mehr bekräftigt, sich doch mal auf das literarische Schaffen Kings einzulassen. (Random House 2012, 688 Seiten, 7,69 Euro)

 

 

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