Fundstück: Tag der Schachtelsätze

Auch Bücherwürmer müssen Bandwurmsätze lesen. Bild: Pixabay.

Heute, am 25. Februar, ist der Tag der Schachtelsätze, auch Hypotaxen genannt, der laut der Internetseite kuriose-feiertage.de von dem Cartoonisten und Künstler der Website fonflatter.de, einer Seite auf der es um die Fledermaus Frederick fon Flatter geht und in deren Rahmen schon einige kuriose Feiertage erfunden wurden, Bastian Melnyk gegründet wurde und an dem der Bandwurmsatz gefeiert werden soll, bei dem es sich eigentlich nur um einen Hauptsatz handelt, an den lauter Nebensätze angefügt wurden, beispielsweise um die komplexe Beziehung von Sachverhalten auch grammatikalisch abzubilden, so wie Heinrich von Kleist die Sätze gern nutzte und das Stilmittel der Hypotaxe zur Perfektion brachte, wenn er in „Michael Kohlhaas“ schrieb

„Er besaß in einem Dorf, das noch von ihm den Namen führt, einen Meier-Hof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er in der Furcht Gottes, zur Arbeitssamkeit und Treue; nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte“

oder Franz Kafka, der den armen Josef K. in „Der Prozess“ durch einige verwirrende Sätze lotst; und doch muss man sagen, dass Schachtelsätze nicht immer zuträglich sind, wenn es um die Leserlichkeit eines Textes geht, besonders in der Journalismus-Branche, denn anscheinend gibt es eine Faustregel unter Reporter:innen, die besagt, dass Worte, die zusammengehören, in einem Satz nicht weiter als drei Sekunden Lesedauer voneinander entfernt sein dürfen, was übersetzt bedeutet zwölf Silben oder sechs Wörter, damit den Leser:innen nicht zu viel zugemutet wird, welches auch Mark Twain erkannte, der in seinem Aufsatz „The Awful German Language“, zu Deutsch „Die Schreckliche Deutsche Sprache“, (ein empfehlenswerter und unterhaltsamer Artikel, in dem Mark Twain seine Erlebnisse mit der deutschen Sprache schildert, die durchaus in Verzweiflung ausufern) schrieb, dass

„schlussendlich […] sämtliche Parenthesen und untergeordneten Parenthesen zwischen zwei Königs-Parenthesen gezwängt [werden], von denen die eine in die erste Zeile des majestätischen Satzes gesetzt wird und die andere in die Mitte der letzten Zeile – und danach folgt das VERB, und zum ersten Mal erfährt man, wovon dieser Mensch eigentlich die ganze Zeit spricht“;

zusammenfassend könnte man sagen, dass Schachtelsätze eigentlich nicht an einem gesonderten Tag gefeiert werden sollten, weil sie das Leseerlebnis auch erheblich schmälern können und daraus folgt unweigerlich, dass ich in diesem Beitrag etwas falsch gemacht habe und ich nur hoffen kann, dass ihr, liebe Leser:innen, wenigstens einen Halbsatz im Gedächtnis behalten habt, damit meine Bemühungen nicht völlig umsonst waren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.