Fundstück: Chef’s Table

Essen: Kunst, Kommunikation, Heimat. Bild: pexels

Roter Mais in Mexiko, vegetarische Gerichte in Frankreich, Pâtisserie -Träume in Spanien: Farben, Geschmäcker, Texturen.

Die Serie, die auf den ersten Blick als Reihung von Restaurant-Homestorys bei zum Teil preisgekrönten Spitzenköch*innen daherkommt, entpuppt sich schon bald als weit mehr als das: wir lernen, wie die traditionell hergestellte Mole in Oaxaca über Stunden in Erdöfen gekocht wird, dass in Japan nach der Lehre von Kaiseki schon lange mit regionalen Lebensmitteln gearbeitet und mit einer bestimmten Reihenfolge des Menüs die Seele eines jeden Produkts in den Vordergrund gestellt werden soll, dass man ein Leben damit verbringen kann, das perfekte Baguette backen zu wollen und wieso in Südkorea tausendjährige Eier gegessen werden.

Wir lernen, wie Anbauabläufe funktionieren und wie überraschend abwechslungsreich die Küche in kargen Gegenden wie dem Norden von Schweden sein kann. Die einzelnen Folgen sind somit nicht bloß peripher Lehrstunden in Geographie, Lebensmittelkunde und Geschichte, sondern auch und vor allem Milieustudien: was wird wie wo gegessen und warum, welche Lebensmittel sind und waren für welche Gesellschaftsschichten in den vorgestellten Ländern oder Gegenden verfügbar, welche Gerichte entstehen daraus und vor allem: welche Auswirkungen hat dieses Essen auf unsere Identität?

Immer im Mittelpunkt: die Köch*innen, die mit und in diesen Ländern aufgewachsen sind, so verschieden und einzigartig, kantig und sich entwickelnd wie die Küchen, die sie repräsentieren. Produzent David Gelb schlägt mit „Chef’s Table“ einen spannenden Bogen zwischen Spitzengastronomie und Kindheitsrezepten und zeigt einmal mehr, dass essen vieles ist und sein kann: Kunst, Kommunikation, Heimat.

Die Serie ist auf Netflix verfügbar. Mittlerweile gibt es mit „Chef’s Table: Frankreich“ und „Chef’s Table: meisterliches BBQ“ zwei Ableger.

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