Der Welttag des Buches und des Urheberrechts

Jedes Jahr findet am „Welttag des Buches“ die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ statt. Bild: Evelyn Messel

Obwohl für die Bibliophilen unter uns jeder Tag „Tag des Buches“ ist, feiert das Buch heute auch ganz offiziell seinen Ehrentag. Seit 1995 zelebrieren wir jedes Jahr am 23. April das Lesen, Bücher und ihre Autoren. Die Wahl gerade dieses Datums ist zurückzuführen auf eine Tradition in Katalonien, sich gegenseitig am Georgstag mit Rosen und Büchern zu beschenken. Ganz zufällig fallen auch die Geburts- bzw. Todestage Shakespeares und Cervantes auf diesen Tag. Doch wie ist das Buch überhaupt zu dem geworden, was es heute ist?

Tontafeln und Pergamentrollen aus der Antike gelten als Vorgänger für das Buch in seiner heutigen Form. Im Mittelalter sahen Bücher dann schon eher so aus, wie wir sie kennen, jedoch verlief die Produktion noch etwas anders. Damals wurden die Seiten von Hand geschrieben und teilweise mit Illustrationen oder anderen Verzierungen beschmückt. Manchmal wurde der Buchdeckel sogar mit hochwertigen Materialien wie Gold oder Elfenbein ausgestattet. Der Wert eines Buches war dadurch so hoch, dass sich nur wenige dieses Luxusgut leisten konnten.

Mit der Gründung vieler Universitäten und dem vermehrten Handel in deutschen Gebieten stieg die Nachfrage nach Papier und Büchern in die Höhe und verlangte Veränderung auf dem Gebiet der Buchproduktion. So wurde das in der Herstellung viel aufwendigere und kostenintensivere Pergament durch Papier ersetzt. Die größte Veränderung war jedoch die Erfindung der Druckerpresse circa 1450 durch Johannes Gutenberg. Sie ermöglichte eine schnellere und flächendeckendere Verbreitung von Information.

Ein weiteres Phänomen resultierte aus den Fortschritten des Buchdrucks: das Urheberrecht. Auch wenn am heutigen Tag zugleich das Urheberrecht gefeiert wird, war die Idee des geistigen Eigentums nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Erst mit der Entstehung des Buchhandels und der steigenden Wirtschaftlichkeit des Buchverkaufs rückten der Autor und seine Rechte ins Rampenlicht. Nach einigen Vorgängern auf deutschem Gebiet im 19. Jahrhundert wurden die ersten Urheberrechtsgesetze 1901 und 1907 eingeführt. Diese wurden dann 1965 zu einem Gesetz zusammengefasst, seitdem mehrmals an die Gegebenheiten der jeweiligen Zeit angepasst und sind als Schutz für Produzierende nicht mehr wegzudenken.

 

Aktionen am „Welttag des Buches und des Urheberrechts“

In Deutschland gibt es jedes Jahr anlässlich des „Welttages des Buches“ viele Aktionen, die das Lesen feiern und fördern sollen. Seit 2007 organisieren der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Stiftung Lesen, der cbj-Verlag, das ZDF und die Deutsche Post zusammen mit vielen Buchhandlungen in ganz Deutschland jedes Jahr die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“. Bei dieser werden Buchgutscheine an Viert- und Fünftklässler verschenkt, die sich damit dann kostenlos ein Buch in ihrer Buchhandlung abholen können. Dieses Jahr wird die Geschichte Abenteuer in der Megaworld, die von Sven Gerhardt geschrieben und von Timo Grubing illustriert wurde, verschenkt. Leider ist dieses Jahr aufgrund des Coronavirus alles etwas anders, weshalb die Aktion auf den „Weltkindertag“ am 20. September verschoben werden musste.

Auch andere Aktionen finden normalerweise anlässlich des „Welttages des Buches“ statt. Unter dem Hashtag #verlagebesuchen öffnen viele deutsche Verlage ihre Tore und geben Einblick in den Verlagsalltag. Für diese Veranstaltung wurde auch bereits ein Ersatztermin gefunden: #verlagebesuchen wird dieses Jahr vom 18. bis zum 21. September 2020 stattfinden. Mehr Information zu diesen und weiteren Aktionen findet ihr unter www.welttag-des-buches.de.

Falls es euch nun noch an Büchern mangelt, um diesen Tag gebührend zu feiern, gibt es hier noch vier kleine Buchempfehlungen. In diesen vier Romanen spielen Bücher selbst eine tragende Rolle und machen den Leser, den Autor und das Lesen zum Protagonisten.

1. Die Bücherdiebin von Markus Zusak

 

„Früher waren Worte für Liesel nutzlos gewesen, aber jetzt, wenn sie auf dem Fußboden saß und die Frau des Bürgermeisters am Schreibtisch ihres Mannes, verspürte sie ein unwillkürliches Gefühl der Macht. Es kam jedes Mal über sie, wenn sie ein neues Wort entzifferte oder einen Satz zusammentrug.
Sie war ein Mädchen.
In Deutschland, unter Hitler.
Wie passend, dass sie die Macht der Worte entdeckte.“

Handbuch für Totengräber – so lautet der Titel des Buches, das aus der Tasche des Totengräbers gefallen war. Als Liesel es findet und an sich nimmt, wird es zur letzten Verbindung zu ihrem toten Bruder und ihrer leiblichen Mutter. Angekommen bei ihrer Pflegefamilie möchte sie daher das Lesen lernen, um diese letzte Verbindung aufrechtzuerhalten. Sie entwickelt eine Liebe für Worte, und das Handbuch für Totengräber wird nicht das letzte Buch sein, das die Bücherdiebin entwendet. Eine aufwühlende Geschichte inmitten des nationalsozialistischen Deutschlands, die zeigt, wie viel Macht in Büchern steckt.

 

2. Sorcery of Thorns von Margaret Rogerson

„Books, too, had hearts, though they were not the same as people’s, and a book’s heart could be broken: she had seen it happen before. Grimoires that refused to open, their voices gone silent, or whose ink faded and bled across the pages like tears.“

In diesem Fantasyjugendroman geht es um die junge Waise Elisabeth, die ihre gesamte Kindheit in einer Bibliothek voller wundersamer, mystischer Bücher verbracht hat und dort dazu ausgebildet wurde, diese Bücher aufzubewahren und zu beschützen. Doch ein Vorfall gefährdet ihre Zukunft und macht sie zu einer Verdächtigen. Die Bibliotheken des Landes werden zu einem Schauplatz für Morde und Diebstähle und bergen Geheimnisse, denen Elisabeth auf die Spur kommen muss. In dieser Welt voller Magie und wundersamer Wesen, entwickeln Bücher ihre eigenen Persönlichkeiten und sind in der Lage, mit Menschen zu kommunizieren. Leider ist dieses Buch noch nicht auf Deutsch erschienen, wer nun aber auf den Geschmack gekommen ist, kann es bereits in Originalsprache lesen.

 

3. Unter der Haut von Gunnar Kaiser

„Er berührte die Bücher, als könnten sie es fühlen. Wenn Eisenstein Zeit hatte, so wie an diesem stillen Sommerabend unter Tage, ertastete er all die Körper, derer er habhaft werden konnte, mit äußerster Sorgfalt und Zartheit von oben bis unten, außen und innen. Als erführe er sie dieserart anders, als es je einem Menschen vergönnt war. Als gäben sie Töne von sich, die nur er hörte. Als könnte er sie nur so wirklich lesen.“

Auf der Suche nach seinem „definitiven Mädchen“ trifft der Literaturstudent Jonathan Rosen auf Josef Eisenstein. Dieser beeindruckt den jungen Studenten nicht nur mit seiner extensiven Büchersammlung, sondern auch mit Ratschlägen für Jonathans Liebesleben. Schnell gewinnt Jonathan mit Josef einen Mentor, der jedoch ein dunkles Geheimnis birgt, das mit seiner Büchersammlung zu tun hat. Eindrucksvoll erzählt Gunnar Kaiser abwechselnd von Jonathans Leben in den Sechzigerjahren und enthüllt nach und nach das Mysterium um Josef mit Erzählungen aus den 1930ern. Dieser Roman ist gespickt mit literarischen Referenzen, die es zu entdecken gilt, und fesselt einen bis zur letzten Seite.

 

4. Das Buch der verlorenen Dinge von John Connolly 

„Doch die Geschichten ließen sich nicht so einfach beiseiteschieben, und sie begannen, nach David zu rufen. Irgendetwas schienen sie in ihm zu spüren, zumindest glaubte er das, irgendetwas Neugieriges, Fruchtbares. Er hörte sie reden, erst leise, dann lauter und fordernder.“

Der zwölfjährige David und seine Mutter verbindet die Liebe zu Geschichten. Als sie stirbt und sein Vater eine neue Frau findet, fühlt David sich vollkommen allein. Nur bei seinen Büchern, die mit zu ihm zu sprechen beginnen, fühlt er sich aufgehoben. Er flüchtet in eine Fantasiewelt. Doch auch dort herrschen Gefahren. Der einzige Weg wieder zurück in seine Welt bietet das Buch der verlorenen Dinge. Was es mit diesem Buch auf sich hat und ob David dem bösen, krummen Mann entkommen kann, könnt ihr in Das Buch der verlorenen Dinge nachlesen. Allen, die schaurige Märchen lieben, wird dieser spannende Roman gefallen.

 

Da wir auch in der Krise nicht auf die schönste Sache der Welt, das Lesen, verzichten sollten, könnt ihr hoffentlich heute das Buch, entweder mit einem dieser Buchtipps oder mit euren eigenen Büchern im Regal, ausgiebig feiern. Wir wünschen euch einen schönen „Welttag des Buches“!

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Evelyn Messel

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