Buchmessenblues

Leipziger Buchmesse 2019. Foto: Tom Schulze. Pressezentrum der Leipziger Buchmesse.

Leipziger Buchmesse 2019.
Foto: Tom Schulze.
Pressezentrum der Leipziger Buchmesse.

Langsam hat er sich angebahnt und uns nun alle voll erwischt: Der Buchmessenblues.
Ein Gefühl von Traurigkeit, Enttäuschung und Melancholie hat sich in vielen von uns Literaturliebhaber*innen festgesetzt. Der Grund dafür: In den letzten Wochen wurde bekannt, dass die Leipziger Buchmesse dieses Jahr nicht stattfinden wird. Man versucht so der Ausbreitung des Coronavirus präventiv entgegen zu wirken. Doch was heißt das eigentlich genau?

Das Gesundheitsamt Leipzig sei der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums gefolgt, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein müsse, begründet die Leipziger Messe die Absage. Die Behörden hätten dringend empfohlen, dass jede*r Messeteilnehmer*in schriftlich belegen muss, nicht aus Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben. Das sei angesichts der rund 2.500 Aussteller*innen und rund 280.000 erwarteten Besucher*innen nicht sicherzustellen. So erklärt auch Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe:

„Sicherheit geht vor. Die Leipziger Buchmesse ist ein Fixpunkt der deutschsprachigen Literatur, ein Höhepunkt im Messekalender der Buchbranche. Vor diesem Hintergrund haben wir seit Ausbruch von Covid-19 laufend unsere Sicherheitsvorkehrungen auf dem Messegelände erhöht, um die Gesundheit der Aussteller, Besucher, Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Doch angesichts der aktuellen Situation schätzen wir im Einklang mit der Stadt Leipzig das Risiko für die Gesundheit unserer Aussteller, Besucher, Gäste und Mitarbeiter bei der Leipziger Buchmesse als zu groß ein.“

Die Begründungen sind zwar nachvollziehbar, dennoch ist diese Entscheidung ein schwerer Schlag für die Buchbranche. Dies trifft vor allem die Kleinverlage und Autoren abseits der Bestsellerliste. Ein großer wirtschaftlicher Schaden entsteht durch die nun fehlende Aufmerksamkeit bei potenziellen Leser*innen. Darum hofften Verlage und Autor*innen zunächst noch, dass wenigstens die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse, die in der Regel am Messe-Donnerstag in der Glashalle abgehalten wird, wie geplant stattfinden könnte. Doch nun wird auch dieser Preis erstmals in der 16-jährigen Geschichte der Veranstaltung nicht öffentlich vergeben, sondern die Gewinner am 12. März in einer Pressemeldung bekannt gegeben.

Autor*innen, Verlage, aber auch viele Leser*innen waren und sind noch immer enttäuscht. Etwas Gutes lässt sich aber doch ausmachen: Online formieren sie sich nämlich in den Sozialen Medien unter Hashtags wie #bücherhamstern zu einem gemeinsamen Netzwerk.  Hier geben sie sich Buchempfehlungen zu Neuerscheinungen, um Verlage und Autor*innen zu unterstützen und mit anderen Leser*innen ins Gespräch zu kommen. Auch der Carlsen Verlag hat direkt geschaltet und die Aktion #leidernichtleipzig ins Leben gerufen. Der Hashtag soll in den Sozialen Medien dazu dienen, dass Verlage, Einrichtungen und Messeinteressierte sich im Netz austauschen können. Darüber hinaus findet auch ein Gewinnspiel auf der Website des Verlages statt. Verlost werden original signierte Bücher von den für Leipzig angekündigten Carlsen- und Lappan-Autor*innen und Zeichner*innen. Start der Aktion ist Donnerstag, der 12.3.2020. Es zählt nun also Eigeninitiative zu zeigen und eventuell einfach selbst online Lieblings-Verlage oder Autor*innen zu unterstützen.

Um dem ganzen Buchmessenblues entgegenzuwirken, haben wir noch einen Tipp für euch: Die lit.COLOGNE, das meistens zeitgleich mit der Leipziger Buchmesse stattfindende große Lesefest in Köln, soll vom 10. bis 21. März 2020 bislang noch wie geplant stattfinden.


Update vom 11.03.2020: Leider findet nun doch auch das internationale Literaturfestival lit.COLOGNE nicht wie geplant vom 10.-21.3.2020 statt. Mehr Infos auf der Website des Festivals.

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Sophie Greve

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