70-jähriges Jubiläum der Internationalen Jugendbibliothek

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Bücher dienen „als Friedensboten“. Gerade in Zeiten eines aufflammenden Rechtsrucks in ganz Europa hat Jella Lepmans Botschaft gegen Rassismus und Ressentiments nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Vor 70 Jahren, im September 1949, gründete die jüdische Journalistin (1891-1970) die Internationale Jugendbibliothek als Zeichen für Frieden und Völkerverständigung. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs betonte sie die Relevanz von Literatur für die Nachkriegszeit immer wieder. So wurde ihr Anliegen zum Leitsatz der Bibliothek. Besonders Jugendliteratur soll Kinder bereits früh aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen und eine freie Weltanschauung stärken.

Die Spezialbibliothek hat ihren Sitz seit 1983 im Schloss Blutenburg in Obermenzing, einem Stadtteil in München, der ‚Hauptstadt der Lesenden‘. Inzwischen verfügt die Internationale Jugendbibliothek über mehr als 600.000 Kinder- und Jugendbücher in mehr als 130 Sprachen; darunter einmalige Buchbestände und Sammlungen aus dem 16. Jahrhundert bis 1950. Des Weiteren umfasst die Bibliothek circa 130 gegenwärtige Fachzeitschriften, über 4.000 Plakate und 40.000 Einheiten Dokumentationsmaterial sowie 30.000 Titel internationaler Fachliteratur. So fungiert die Internationale Jugendbibliothek einerseits als Archiv einer einzigartigen Sammlung. Andererseits fördert sie interkulturelle Verständigung. Literaturpädagogische Angebote, Ausstellungen und ein Literaturfestival gehören unter anderem zu den zahlreichen Projekten des Hauses. Sie sollen den internationalen Kulturaustausch sowie die kulturelle Bildung von Jugendlichen fördern.

Anlässlich des 70. Jubiläums der Internationalen Jugendbibliothek rückt Lepmans Gründungsidee für Weltoffenheit erneut ins Zentrum des feierlichen Programms. Aus diesem geht unter anderem die Ausstellung Bunt ist es hinter den sieben Bergen – Illustrationen zu Grimms Märchen aus sieben Jahrzehnten bis Ende Oktober sowie ein großes Familienfest im September dieses Jahres hervor. Nach der Direktorin Christiane Raabe ist es bedeutsam, auch Geschichten aus Ländern wie Syrien, Irak oder dem Libanon zu lesen, und nicht ausschließlich westliche Kinderbücher ins Arabische zu übersetzen.

In Zeiten nationaler Abschottung sind die Ziele der Internationalen Jugendbibliothek so aktuell wie je zuvor. Auch wenn das Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen laut der aktuellen JIM-Studie in den vergangenen Jahren kaum abgenommen hat, bleibt es wichtig, sie weiterhin für das Lesen zu begeistern. Denn Lesen ist nicht nur eine Kulturtechnik, die in jungen Jahren trainiert werden muss, sondern gehört zum kulturellen Leben einer Gesellschaft – auch um sich mit anderen Kulturen und Nationen zu vernetzen.

Marisa Müller

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