Autoren auf der Leinwand

Immer mehr Filme thematisieren das Leben von Autor*innen und erscheinen in den Kinos. Bild: CCO pixabay

Winterzeit ist Kinozeit. Nicht ohne Grund kommen im November und Dezember immer viele Filme in die Kinos. Dabei ist es oft der Fall, dass Bücher verfilmt werden oder Material für Spielfilme bilden. Man betrachte nur den zweiten Teil der Reihe Phantastische Tierwesen, der auf der wunderbaren Harry Potter-Welt von J. K. Rowling beruht.

Doch auch die Schriftteller*innen selbst werden gerne in Filmen thematisiert. So kommt ab dem 6. Dezember der Film Astrid in die deutschen Kinos. Nachdem Lindgrens Kinderklassiker wie Michel, Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter bereits verfilmt wurden, illustriert dieser Film nun das Leben der berühmten schwedischen Kinderbuchautorin und betrachtet dabei vor allem auch ihre Schwierigkeiten als alleinerziehende Mutter.

Diese Verfilmung über eine*n Schriftsteller*in ist nicht die erste und einzige in diesem Jahr. Bereits im September zeigte der Film Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm die Entstehung von Bertold Brechts Dreigroschenoper auf der Leinwand. Und auch in den vergangenen Jahren gab es zahlreiche deutsche und internationale Filme über berühmte Autor*innen – seien es William Shakespeare, Erich Kästner oder J. K. Rowling. Es sind also nicht nur ihre Werke interessant, die adaptiert und verfilmt werden, neue Welten schaffen und zum Träumen einladen, sondern eben auch die Schriftsteller*innen selbst.

Doch was genau reizt die Filmemacher*innen und Zuschauer*innen an ihren Leben? Einerseits ist es einfach nur spannend, zu sehen, welcher Kopf hinter welchen Geschichten steckt. Was hat sie angetrieben, beschäftigt und was haben sie erlebt? All das sind eben Aspekte, die Autor*innen zu ihren Werken inspirieren und diese ausmachen. Oftmals sind es (schwierige) Lebensumstände gewesen, die zu einem Thema angeregt haben oder sogar eine Befreiung oder Wunschvorstellung dessen, wie das Leben oder die Gesellschaft aussehen könnten. Astrid Lindgren thematisiert in ihren Kinderbüchern beispielsweise meist die Freiheit, das zu machen, was man möchte und das unabhängig von anderen. Sie selbst musste sich dagegen gesellschaftlichen Anforderungen hingeben als sie ein uneheliches Kind zur Welt brachte. Das Leben der Autor*innen spiegelt sich demnach oft in ihren Welten wieder.

Aber warum reicht es heutzutage nicht, die Biografien von Schriftsteller*innen zu lesen? Zunächst können Biografien langatmig und uninteressant gestaltet und verfasst worden sein und es benötigt mehr Zeit, diese zu lesen. Ein Film steht im Zeichen der Digitalisierung: Ein*en Autor*in nicht nur auf Papier, sondern auch im Bewegbild und im Internet lebendig machen. Außerdem ist ein Film in zwei Stunden zu Ende und umfasst im Schnelldurchlauf ein Leben oder Teilaspekte dessen. In kurzer Zeit werden viele Informationen und Sichtweisen dargestellt. Er ist lebendiger und kann spannender sein, da man alles direkt vor Augen geführt bekommt.

Hierbei sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Nicht alles, was der Film zeigt, entspricht auch der Wahrheit über das Leben eine*r Autor*in. Viele Aspekte sind erfunden, um das Filmwerk spannender zu machen, wurden abgewandelt, hinzugedichtet oder weggelassen. Er bleibt dann eben doch fiktiv. Hinzu kommt, dass viele Informationen nicht bekannt sind oder nur auf Erfahrungsberichten, Expertenwissen oder Angehörigenwissen beruht. So steht beispielsweise auch Astrid Lindgrens Tocher Karin Nyman dem Film über ihre Mutter skeptisch gegenüber. Das hat sie dem Magazin aspekte geschrieben. Ihre Mutter habe niemals über die Zeit mit dem Vater ihres ersten Kindes gesprochen. Vieles in dem Film Astrid sei deshalb ausgedacht, was sie respektlos finde.

Wer sich einen Spielfilm über Schriftsteller*innen ansieht, sollte dies immer im Hinterkopf behalten: Nicht alles, was zu sehen ist, entspricht der Realität und das Leben der gezeigten Person ist nicht unbedingt so verlaufen. Dennoch können auch diese Filme sehr aufschlussreich sein und vielleicht sogar die Werke begreiflicher machen. Das Ansehen – mit gewisser Distanz – ist trotzdem empfehlenswert.

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