Sobooks – Bücher teilen, liken und kommentieren

Buchnotizen
CC-BY-NC-SA 4.0 Olga Fink

Was sind eigentlich Social Books? Dahinter verbirgt sich keine neue Form des persönlichen Ratgebers, sondern eine Idee der Kommunikation über Bücher. Sobooks sind eigentlich nichts anderes als E-Books, nur interaktiver. Das sagt jedenfalls Mitbegründer Sascha Lobo.Sascha Lobo

Ein Verlag, eine Download-Plattform, eine Community, ein Crowdfunding-Netzwerk – all das versteckt sich hinter Sobooks. Seit über zwei Jahren arbeiten die Gründer Sascha Lobo, Christoph Kappes, Oliver Wagner und Oliver Köster an dem Projekt Sobooks. Die Idee zu dieser digitalen Plattform ergab sich aus dem einfachen Wunsch nach qualitativ besseren und benutzerfreundlicheren E-Books und aus der Neugier auf die Frage, was das Internet mit dem Buch und dem Lesen anstellen kann. Mittlerweile bestehen Kooperationen u.a. mit renommierten Verlagen wie Random House, Rowohlt, Goldmann und Heyne.

Soziales Netzen

Anders als gängige E-Book-Formate sollen Sobooks nicht nur digitale Versionen  gedruckter Bücher sein, sondern in direkter Verbindung zum Internet und den sozialen Netzwerken stehen. Sobooks-Leser sollen Kurzrezensionen über Twitter oder Lieblingszitate auf Facebook rausjagen können. Selbstverständlich kann das jeder Leser auch jetzt schon tun, die Beiträge schweben aber herrenlos in der Netzwelt herum. Sobooks möchte ihnen nun die Leine anlegen. Alle Posts auf den sozialen Netzwerken sollen direkt mit Sobooks verlinkt werden können und zurück ins Buchinnere führen. Ein Großteil der Vermarktung und Bekanntmachung von Sobooks läuft damit über die sozialen Netzwerke.

Über Zitate unmittelbar diskutieren können

Wer ein Sobook kauft, kann darüber entscheiden, ob er nur den reinen Buchtext oder auch die Kommentare anderer Leser sehen möchte. Mit einem einfachen Klick lassen sich diese verbergen oder offen legen. Mit Sobooks soll es in Zukunft möglich sein, gemeinsam über Textstellen in Büchern diskutieren zu können, ohne sich dabei von der Buchseite lösen zu müssen. Das zeichnet die Oberfläche von Sobooks besonders aus. Egal, ob es zwei oder zwanzig Kommentare auf Seite 34 zu Christian Krachts Roman „Imperium“ gibt, der Textinhalt auf Seite 34 bleibt wo er ist. Auf diese Weise sollen bei Sobooks mehrere hundert Kommentare auf einer Seite kein Problem sein. Die kontroversesten Diskussionen werden über eine sogenannte Heatmap angezeigt – das seitenweise Durchblättern von Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ auf der Suche nach den hitzigsten Debatten wird damit unnötig. Die Qualität der Kommentare wird von einem Moderator überwacht, dem unangemessene Posts wie in einem Forum gemeldet werden können.

Aus alt mach neu – das kommentierte Cobook

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Sascha Lobo
Bild: Reto Klar

Die Interaktion soll aber nicht nur zwischen Lesefreunden stattfinden. Sascha Lobo hofft darauf, dass sich auch Autoren an Diskussionen direkt zu ihren eigenen Büchern beteiligen. Nicht nur an dieser Stelle räumt Sobooks Autoren die Chance ein, Einfluss auf den Text zu bekommen. Ausgewählte Autoren sollen ganze Bücher mit ihren eigenen Kommentaren und Rezensionen versehen. Die Anmerkungen sollen sich direkt an die betreffenden Textstellen in den Fließtext einbetten lassen, lästiges Vor- und Zurückblättern soll es damit nicht geben. Diese kommentierten Buchversionen wollen Sascha Lobo und seine Kollegen als Cobooks auf den Markt bringen. Der Internet- und Technologieexperte sieht in den Cobooks eine neue Idee, um auch bereits gemeinfreie Bücher verkaufen zu können: „Goethe ist kein verkäufliches E-Book, weil es Goethe überall umsonst gibt. Aber Goethe kommentiert von Nils Minkmar wäre sicher ein verkaufbares Produkt. Oder „Das Kapital“, kommentiert von Jan Fleischhauer und Jakob Augstein, ich glaube, dafür würden Leute bezahlen.“ Außerdem sollen Schriftsteller die Möglichkeit haben, ihre nächsten Bücher unter den Lesern zu bewerben. Dazu soll es auf Sobooks Autorenprofilseiten geben mit den angekündigten Neuerscheinungen der Autoren. Neugierige Leser können die Bücher dann zu einem kostengünstigen Preis vorbestellen und so neuen Büchern zu einem besseren Start verhelfen.

Mitmachen ganz ohne neue Geräte

Wer glaubt, sich nun den neuesten E-Reader für Sobooks anschaffen zu müssen, um in der Lesecommunity mitdiskutieren zu können, der darf aufatmen. Benutzerfreundlicher werde das Ganze, indem Sobooks (anders als beispielsweise die E-Books von Amazon) unabhängig von zusätzlichen Lesegeräten funktionieren. „Egal wo und egal wann“ ist hier die Devise. Die Bücher können über den Internet-Browser geöffnet oder als PDF oder EPUB auch offline gelesen werden. Besonders wettbewerbsfähig werden Sobooks, da sie auch verschenkt werden können. Die Angabe des Namens und eine dazu gelieferte E-Mail-Adresse sollen ausreichen, um dem Patenkind auf direktem Wege Harry Potter I – VII zukommen zu lassen.

All das ist zwar keine reine Zukunftsmusik mehr, Sobooks zu kaufen gibt es jedoch noch nicht. Wie sich die Social Books letztlich auf dem Markt schlagen werden, ist noch abzuwarten. Seit über acht Monaten werden in einer geschlossenen Beta-Test-Version mit ausgewählten Testern der Buchbranche die letzten Kinderkrankheiten des Programms beseitigt, bevor es dann in diesem Frühjahr mit rund zwanzig Büchern im Sortiment losgehen soll. Die Macher von Sobooks sind also noch voll im Zeitplan… noch drei Tage bis zum astronomischen Sommeranfang.

Olga Fink

2 Gedanken zu „Sobooks – Bücher teilen, liken und kommentieren

  1. […] Social Books machen das Lesen immer geselliger. Wie genau sich das gemeinschaftliche Lesen im Internet gestaltet und welche Chancen oder Probleme dabei entstehen – darüber vermittelt der kurze Film “Social Reading – Bücher diskutieren im Web 2.0″ ein anschauliches Bild. Der Film des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wurde (in einer leicht gekürzten Form) unter anderem für den Fast Forward Science-Preis nominiert. […]

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