Nach dem eBook kommt das aBook: Digitur im Interview mit Isle Audio

Die Digi­tur Redak­ti­on tes­tet Isle Audio auf der LBM17. Foto: Laris­sa Cremer

Das Start-Up Isle Audio ver­spricht mit dem soge­nann­ten aBook ein völ­lig neu­es Lese­er­leb­nis. Per Eye­tracking wird erfasst, an wel­cher Stel­le des Buches sich der Leser befin­det, um dazu die pas­sen­den Geräu­sche abzu­spie­len. Das kön­nen Hin­ter­grund­ge­räu­sche wie das Rau­schen der Wel­len oder Musik sein, die die emo­tio­na­le Stim­mung der Geschich­te unter­legt. Auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se konn­ten wir nicht nur die App  live tes­ten, son­dern auch zwei der Grün­der, David Hill und Bene­dikt Sai­ler, inter­view­en. Was die bei­den Stu­den­ten uns über das aBook erzäh­len, lest ihr im heu­ti­gen Bei­trag.

 

Digi­tur: Wer steckt hin­ter Isle Audio und wie seid ihr auf die Idee des aBooks gekom­men?

David: Wir sind zu dritt, aller­dings kann der drit­te im Bun­de, Gri­scha Kur­sa­we, aus Zeit­grün­den heu­te nicht hier sein. Wir haben zusam­men Musik­de­si­gn stu­diert. In die­sem Stu­di­en­gang dreht sich alles um Musik- und Sound­kon­zep­te, die inter­ak­tiv in Medi­en genutzt wer­den. Da ich selbst ger­ne lese, bin ich irgend­wann dar­auf gekom­men, dass ich auch dabei ger­ne einen Klang hät­te und die Geschich­te hören möch­te. Dann haben wir uns natür­li­ch gefragt, wie so etwas tech­ni­sch mög­li­ch ist. Schließ­li­ch sol­len die Geräu­sche gen­au dann abge­spielt wer­den, wenn der Leser beim pas­sen­den Wort ist.

Digi­tur: Habt ihr dabei von der Uni Unter­stüt­zung bekom­men?

David: Es fing als stu­den­ti­sches Pro­jekt an, doch wir haben schnell gemerkt, dass wir mehr dar­aus machen wol­len. Wir haben uns dann gegen Ende mei­nes Stu­di­ums zusam­men­ge­setzt und uns ein Geschäfts­kon­zept über­legt, mit dem wir auch schon auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se waren.

Bene­dikt: Doch mitt­ler­wei­le ist Isle Audio defi­ni­tiv kein Stu­di­en­pro­jekt mehr. Es hat ledig­li­ch vor zwei Jah­ren in einer sehr abge­speck­ten Ver­si­on als sol­ches begon­nen.

Digi­tur: Wie vie­le Bücher habt ihr bis­her ver­tont?

David: Bis­her sind es drei Kurz­ge­schich­ten, die wir als Pro­to­ty­pen für die Buch­mes­sen auf­ge­nom­men haben. Damit wol­len wir tes­ten, wie die Leu­te dar­auf reagie­ren. Eine der Geschich­ten wur­de tat­säch­li­ch extra für die­sen Zweck geschrie­ben. Die ande­ren bei­den sind aber bereits bestehen­de Geschich­ten. Ein bekann­tes Bei­spiel ist „Der Frosch­kö­nig“. Bald wer­den wir aber auch anfan­gen, län­ge­re Bücher zu ver­to­nen, denn das ist auf jeden Fall das Ziel.

Digi­tur: Wie gen­au sehen denn eure Plä­ne für die Zukunft aus?

Bene­dikt: Es wird mitt­ler­wei­le immer kon­kre­ter. Wir sind gera­de dabei ein eige­nes Unter­neh­men zu grün­den und spe­zia­li­sie­ren uns dabei vor allem auf die Kin­der­li­te­ra­tur, denn bei unse­ren Demons­tra­tio­nen haben wir gemerkt, dass vor allem Kin­der von der Ver­to­nung begeis­tert sind. Für die ist das ein ganz neu­es Lese­er­leb­nis. Wir ori­en­tie­ren uns dabei ein wenig an Ravens­bur­ger. Die haben ein Spiel­zeug, bei dem man Sachen ankli­cken kann und dann erschei­nen Sounds. Doch bei uns ist das natür­li­ch mehr auf die Lite­ra­tur bezo­gen, die Kin­der erzeu­gen die Geräu­sche wirk­li­ch durchs Lesen. Das ist auch beson­ders span­nend, für Kin­der, die das Lesen gera­de ler­nen, die bekom­men dadurch Moti­va­ti­on wei­ter­zu­ma­chen.

Digi­tur: Wen­det ihr euch dabei auch an Ver­la­ge und Auto­ren, die dann Wer­ke direkt für die­ses neue Medi­um schrei­ben?

Bene­dikt: Das wäre auf jeden Fall unser Traum. Wir wün­schen uns, dass sich die­ses Medi­um eta­bliert und dass Bücher, die man beim Lesen hört ein ganz eigens For­mat wer­den. Es gibt ja schon jetzt Auto­ren, die gezielt Hör­bü­cher und Hör­spie­le schrei­ben. So wäre es auch schön, wenn es Auto­ren gibt, die gezielt für uns schrei­ben.

Digi­tur: Habt ihr dies­be­züg­li­ch bereits Feed­back von Ver­la­gen oder Hör­spiel­ver­la­gen bekom­men? Wie schät­zen die euer Kon­zept ein?

Bene­dikt: Wir haben sowohl hier als auch auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se bereits mit sehr vie­len Ver­la­gen gespro­chen. Das Feed­back war dabei eigent­li­ch durch­gän­gig posi­tiv: Das Kon­zept kommt gut und lässt sich umset­zen. Die Ide­en, was gen­au mög­li­ch ist, gehen dabei weit aus­ein­an­der. Die Idee der Kin­der­li­te­ra­tur kommt aber auch hier­bei eigent­li­ch immer ins Gespräch. Das ein­zi­ge Pro­blem, was uns aktu­ell noch im Weg steht, ist die Hard­ware. Es gibt für die meis­ten Tablets und Rea­der kei­ne Eye­tracking Ein­rich­tung, die prä­zi­se genug ist.

Wir sind gespannt, was wir in den nächs­ten Jah­ren noch von Isle Audio hören wer­den. Uns hat das aBook beim Tes­ten auf jeden Fall über­zeugt.

von Johan­na Böhn­ke

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