Von Tilman Rammstedt gibt es #morgenmehr

Morgen mehr. Das ist nicht nur der Titel von Tilman Rammstedts neuem Roman. Es bringt auch auf den Punkt, was die gespannte Leserschaft erwarten kann. Denn Morgen mehr erscheint nicht einfach so in den Buchhandlungen. Im November wurde das Hanser-Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext angekündigt. Diesen Montag ging es los. Tillmann Rammstedt veröffentlicht von nun an jeden Tag zwei Seiten seines neuen Romans online. Abonnenten können den Schreibprozess des Autors dabei von Anfang an mitverfolgen.

morgen mehr

© Carl Hanser Verlag

Ein Fortsetzungsroman der anderen Art

Morgen mehr ist der erste Roman, den Rammstedt beim Hanser Verlag veröffentlicht. Seine bisherigen Werke erschienen bei DuMont. Wahrscheinlich ist es die Experimentierfreudigkeit im Umgang mit den neuen Medien, die Autor und Verlag nun zusammenbringt. Die Idee eines Fortsetzungsromans an sich ist nichts Neues und erinnert den ein oder anderen vermutlich an die Fortsetzungsgeschichten, die seit Jahrzehnten in Tageszeitungen erscheinen. Auch online ist der Forsetzungsroman bereits 1999 angekommen, als Matthias Politycki seinen Novel in Progress mit dem damals noch wesentlich überschaubaren Online-Publikum teilte. Dennoch geben Hanser und Tilman Rammstedt dem Projekt ihre ganz eigene Note. Das wird bereits deutlich, wenn man sich die dazugehörige Website genauer anschaut. Denn schon hier versprüht jeder Satz Witz und macht neugierig darauf, mehr vom Bachmann-Preisträger Rammstedt zu lesen. Ebenfalls neu ist die Verbreitung der Kapitel. Die gibt es nämlich nicht nur zum Lesen per Mail oder What’s App, sondern auch vom Autor vorgelesen als Audio-Datei. So werden neben Leseratten auch Hörbuch-Fans angesprochen.

Motivation für den Autor

Das Roman-Abo soll Lesern die Möglichkeit geben, den Schreibprozess live mitzuverfolgen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass der Roman nicht bereits fertig lektoriert auf Tilman Rammstedts Festplatte darauf wartet, Seite für Seite veröffentlicht zu werden. Wirklich überprüft werden kann das zwar nicht, doch Verleger Jo Lendle versichert, dass die Taktik, ohne Ziel einfach so drauf los zuschreiben, ohnehin genau dem Stil des Autors entspricht. Für Tilman Rammstedt ist der öffentliche Schreibprozess eine passende Motivation, um tatsächlich mit seinem neuen Roman voran zu kommen. Denn die Deadline am 8. April muss eingehalten und die Abonnenten sollen nicht enttäuscht werden. Wenn es um das Ziel von zwei geschriebenen Seiten am Tag geht, ist der Autor ehrlich: Diese zwei Seiten sind ein Richtwert, mal wird es mehr, mal weniger. Schließlich kann man Kreativität nicht erzwingen. Und wenn Tilman Rammstedt es an einem Tag nicht schafft, sein Pensum zu erfüllen, dann gehört auch das zum Schreibprozess dazu.

 Inhaltlich ist alles offen

Tilman Rammstedt

© Carl Hanser Verlag

Inwieweit die Abonnenten auch während des Schreibprozesses Einfluss auf den Weitergang der Geschichte haben, dazu kann Tilman Rammstedt bisher nur spekulieren. Klar ist, dass es unter jedem neuen Abschnitt eine Kommentarfunktion gibt und dass der Autor sich diese Kommentare durchlesen wird. Eine solche Interaktion mit dem Lesern während des Schreibens, wird den Verlauf der Geschichte sicher nicht unberührt lassen. Schließlich werden auch die Leser spannende Ideen entwickeln. Und dass Rammstedt selbst noch gar nicht so richtig weiß, worum es in seinem neuen Roman eigentlich gehen soll, lässt natürlich umso mehr Platz für Input von außen. Die Kurzbeschreibung der Geschichte, die man auf der offiziellen Seite des Hanser Verlags findet, lässt jedenfalls viel Spielraum für Spekulationen offen. Wir können also gespannt darauf sein, wohin sich die Geschichte entwickelt. Wer versuchen will, selbst ein wenig Einfluss darauf zu nehmen, kann sich noch immer auf morgen-mehr.de für ein Abonnement anmelden. Alle, die lieber den fertigen Roman in der Hand haben wollen, müssen noch bis zum 9. Mai gedulden. Denn dann – einen Monat nach Schreibende – erscheint der Roman auch im Buchhandel.

Johanna Böhnke

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