Readfy: „Start the Readvolution!“

Fürs Tablet und das Smartphone zu haben: Die neue readfy-App CC-BY-NC-SA 4.0 Anne Lenhardt

Für Musik, Filme und Computerspiele gibt es sie schon: die zum Teil sogar kostenlosen Abo-Angebote und Flatrates für Smartphone, Tablet und PC. Da war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis diese „all you can read“-Mentalität auch den Buchmarkt erreichte. Ende September startete mit „readfy“ nach einer langen Testphase die erste eBook-App für mobile Endgeräte in Deutschland – und stellt Leseratten Bücher auch zu kostenlosen und günstigen Flatrate-Tarifen zur Verfügung.

„Was Anbieter von kostenlosem Streaming von Musik und Filmen erfolgreich vorgemacht haben, ist in der Buchbranche weltweit völlig neu“, erklärt readfy-Geschäftsführer Felix Bauchspieß auf readfy.com. Das Konzept, das hinter dem innovativen Freemium-Geschäftsmodell (eine Kombination aus „free“ und „premium“) des Düsseldorfer Start-Up-Unternehmens steht, eBooks erstmals ohne zeitliche Begrenzung zur (kostenlosen) Verfügung zu stellen, revolutioniere das digitale Schmökern.

Das Angebot ist breit gefächert – dennoch fehlen die großen Titel und Verlage

In der Tat hat das readfy-Konzept große Ähnlichkeit mit dem schwedischen Musikstreaming-Dienst Spotify: Über die App fürs Smartphone oder Tablet stellt das noch junge Unternehmen mittlerweile rund 25 000 Titel zum Download bereit. Das Angebot reicht von Belletristik über Biografien bis hin zu Fachbüchern. Vor allem Genre-Literatur aus dem Fantasy-, Sci-Fi-, Krimi- und Erotikroman-Bereich ist besonders stark vertreten. Aber auch Independent-Verlage wie Wallstein und Wagenbach finden sich im digitalen Bücherregal von readfy. So kann man beispielsweise Jörg Albrechts im Sommer 2014 erschienenen Roman „Anarchie in Ruhrstadt“, der sonst als eBook für rund 16 Euro erhältlich ist, kostenlos über die readfy-App lesen. Nach Bestsellern und großen Verlagen sucht man allerdings (noch) vergeblich.

Zu haben ist das readfy-Abo – wie bei Spotify auch ­– in drei unterschiedlichen Varianten: Die „Free“-Version ist kostenlos,  Leser müssen hier aber die Einblendung von Werbebannern und –videos in Kauf nehmen, da die Lizenzgebühren der Verlage und Autoren ausschließlich so finanziert werden. In der „Premium Light“-Version, die rund 5 Euro im Monat kostet, sieht das Ganze dann schon anders aus: Es gibt weniger Werbung und einige Social-Media-Funktionen werden in der App freigeschaltet. Den vollen Umfang dieser Funktionen, einen Offline-Lesemodus und ein werbefreies Lesevergnügen kann man dann für monatlich rund 10 Euro im „Premium“-Abo genießen.

Vom simplen eBook-Reading zum Social Reading

 Das Neue und Innovative am Konzept des Düsseldorfer Trios bestehend aus Felix Bauchspieß, Ryan David Mullins und Frank Großklaus ist – im Gegensatz zu so manch anderen eBook-Flatrates wie beispielsweise Skoobe – der Schritt zum Social Reading durch die integrierten Kommentarfunktionen und Social-Media-Erweiterungen. Leser können erstmals mit anderen aktiv in Kontakt treten, sich austauschen und diskutieren. Damit legt readfy den Grundstein für ein neues, mehrdimensionales und soziales digitales Leseerlebnis.

Entscheidung über Erfolg oder Misserfolg steht noch aus

Klingt fast zu gut, um wahr zu sein? Nun, das bleibt abzuwarten. Natürlich bietet readfy gerade kleineren und mittleren Verlagen die Chance, auf neuen Vertriebswegen neue Kunden zu gewinnen, auf sich aufmerksam zu machen und so am Markt zu bestehen. Auch als Alternative zum Online-Giganten Amazon macht readfy für viele eine gute Figur. Möglicherweise wird durch das kostenlose „Free“-Abo ja sogar die eBook-Piraterie eingedämmt. Dennoch wird das derzeitige Angebot der App von jeder mittelgroßen Buchhandlung übertroffen, für ein vollwertiges Angebot und eine Alternative zu den üblichen eBook-Kauf-Portalen fehlt noch der ein oder andere Beststeller oder große Verlag. Zum Vergleich: Amazon bietet seit kurzem rund 650 000 eBooks über Kindle Unlimited an – für monatlich rund 10 Euro. Davon ist readfy eben noch weit entfernt. Letztlich stellt sich außerdem wieder die lästige Frage nach dem Datenschutz. Readfy will nämlich statistische Daten zu Leseverhalten, Lesedauer und ähnlichem auswerten und an kooperierende Verlage weiterreichen – ganz anonym natürlich, wie die Gründer im Interview mit Computer Bild versicherten.

Anne Lenhardt

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