Neue Wege im Verlagswesen: Die Nutzung von Self-Publishing-Plattformen

Foto: CC-BY-NC-SA 4.0 Lisa-Marie Reingruber
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Auf den ersten Blick scheinen sie sich auszuschließen: Verlage und Self-Publishing-Plattformen. Denn wer braucht schon einen Verlag, wenn man mit ein paar Klicks sein Buch als E-Book selbst veröffentlichen kann? Dass Self-Publishing jedoch nicht als Konkurrenz, sondern als Inspiration gesehen werden kann, zeigen aktuelle Entwicklungen in der Verlagsbranche.

Twitteratur, Blogromane, Crowdfunding, Self-Publishing – das sind nur einige Beispiele für die vielen Möglichkeiten, die Autoren heute offen stehen, um das eigene Buch abseits des traditionellen Publikationswegs an den Leser zu bringen. Verlage erfüllen im Literaturbetrieb eigentlich eine sogenannte Gatekeeper-Funktion; sie produzieren, vermarkten und distribuieren Bücher und bestimmen somit, was auf den Markt kommt und was nicht. Doch durch die Digitalisierung des Buchmarkts wird es zunehmend leichter diesen Wächter zu umgehen: Jedermann kann heutzutage ein publizierter Autor sein. Self-Publishing-Plattformen werben mit dem direkten Kontakt zum Leser und einer hohen Verkaufsbeteiligung. Die E-Book-Version des eigenen Buches kann schnell und kostenlos erstellt und in den beliebtesten Onlineshops, wie amazon oder iTunes zum Kauf bereitgestellt werden. Auch die Vermarktung liegt in den Händen des Autors. In der Community und mit Social Media kann er seine Leser- bzw. Käuferschaft aufbauen und sein Werk bekannt machen. Die Leser wiederum können für Bücher abstimmen, die ihnen gefallen und auch direkt mit dem Autor in Kontakt treten, Lob äußern und Kritik üben. Anstatt also schon im vorgefilterten Angebot des Buchladens zu stöbern, nehmen die Konsumenten hier eine aktive Rolle ein.

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Den Leser als aktiven Konsumenten wollen sich nun auch die Verlage zu Nutze machen. Denn trotz der oben genannten Alternativen und der geringen Chance auf dem klassischen Weg entdeckt zu werden, sehen sich Verlage wie Bastei Lübbe oder Rowohlt immer noch mit Unmengen unaufgefordert eingesendeter Manuskripte konfrontiert. Um dem entgegen zu wirken, drehen immer mehr Verlage den traditionellen Prozess der Autorenfindung um und wenden sich nun an die Leser um neue Titel für ihr Verlagsprogramm zu finden. Zusätzlich soll diese direkte Einbeziehung in den Entscheidungsprozess die Konsumenten an das Produkt binden, damit sie das produzierte Buch nicht nur kaufen, sondern auch aktiv weiterempfehlen. Autoren und Verleger können so eine Leserschaft aufbauen, bevor das Buch überhaupt produziert oder sogar geschrieben wird.

Viele Verlage greifen schon auf bestehende Selfpublishing-Plattformen zurück. Hierzu zählt u.a. Bastei Lübbe, der seit Mai 2014 mit BookRix kooperiert. Durch Autorenwettbewerbe sollen neue Talente entdeckt werden und durch die Community kann der Verlag den Vermarktungswert eines Buchs vorab testen. Mit dem gleichen Ziel gründete Droemer Knaur die Plattform Neobooks, mit der nun auch der Rowohlt Verlag zusammen arbeitet. Einen noch innovativeren Ansatz bietet Oetinger mit seiner Plattform Oetinger 34. Der Kinder- und Jugendbuchverlag setzt mit seinem Kreativnetzwerk für Autoren, Illustratoren und Leser auf Qualität statt Quantität. Nicht jeder kann sich als Autor oder Illustrator anmelden, sondern man muss Qualifikationen vorweisen können und Textproben einschicken, die vom Verlag ausgewertet werden. Eine eigens entwickelte Software ermöglicht es allen Beteiligten an einem Buchprojekt online zusammenzuarbeiten. Dies wird in der gesamten Entstehungsphase von einem Junior-Lektor überwacht. Der Leser erhält von Anfang an Einblick in das Projekt und bewertet es. Die Top 10 der Community hat so die Chance auf einen Verlagsvertrag. Im Moment befindet sich die Plattform noch in der Testphase, aber bis zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse sollen die ersten Titel, die auf der Plattform entstanden sind, präsentiert werden.

Lisa-Marie Reingruber

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