Mein liebster Feind: Norman Bates von Alfred Hitchcocks Psycho

Psycho – Von Alfred Hitchcock. Einer, vielleicht DER bekannteste Horrorfilm aller Zeiten.

 

Starrer Blick, Kopf leicht geneigt, Mundwinkel verzerrt. Anthony Perkins als Norman Bates (Bild: www.horrorfacts.com).

Links, Anthony Perkins, der Mann, der mit seiner Verkörperung des labilen, Mutter-vernarrten Frauenkillers Norman Bates ohne Zweifel für den Riesenerfolg Hitchcocks Psycho verantwortlich gemacht werden kann. Sein Blick, starr, jedes noch denkbare Lebenszeichen verloren. Die Augen durchdringen den Zuschauer, gnadenlos.

Nur das Foto allein reicht aus, um sich nicht mehr sicher und geborgen zu fühlen. Vielleicht wäre eine ausgedruckte Version das ideale Geschenk in dieser Jahreszeit.

 

 

Psycho (1960)

Durch strömenden Regen fährt Marion Crane (Janet Leigh) bis tief in die Nacht hinein mit unterschlagenen $40.000 nach Fairvale, Kalifornien, um endlich ihren verschuldeten Mann Sam Loomis zu heiraten.

Doch dann der fatale Fehler: Sie entscheidet sich dafür, eine Nacht im Bates Motel zu bleiben. Norman Bates, der zurückhaltende Motelbesitzer, kümmert sich wohlwollend um Marion. Sie sei der erste Gast seit Monaten, da der Anschluss zum Highway verlegt wurde. Er erzählt ihr, dass er mit seiner Mutter im viktorianischen Haus hinter dem Motel lebt. Sie sei, nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr klar bei Verstande, deshalb kümmere er sich um sie. Ein Heim für sie zu finden, kommt für Norman nicht in Frage.

Marion, geplagt von Schuldgefühlen, beschließt, das Geld am nächsten Tag zurückzugeben. Doch dazu kommt es nicht mehr. Eine Gestalt in Frauenkleidern reißt den Duschvorhang ruckartig zur Seite und sticht mehrere Male mit einem Fleischermesser auf sie ein. Marion ist tot. Ich kann wetten, dass die quietschenden Streichinstrumente, jetzt lautstark in Euren Köpfen ertönt.

Diese Szene gehört schnitttechnisch und musikalisch zu den berühmtesten in der gesamten Filmgeschichte, obwohl keine Messereinstiche zu sehen sind. Was viele nicht wissen: Anthony Perkins war an dieser Szene nicht beteiligt. Anstatt von Kunstblut nutzte Hitchcock Schokoladensirup. Im Schwarz-Weiss-Film wirkte dies am realistischsten.

Völlig entsetzt, findet Norman Marions toten Körper. Da seine Mutter immer eifersüchtig gegenüber den Liebschaften ihres Sohnes wurde, vermutet Norman, dass sie Marion getötet hat. Aus Liebe zu ihr, beseitigt er alle Spuren im Bad, versteckt die Leiche im Kofferraum und ertränkt das Auto im Sumpf.

Doch Mutter Bates hat Marion nicht getötet. Norman hat seine Mutter selbst aus Eifersucht gegenüber ihrem neuen Liebhaber vergiftet. Die Mutterleiche präparierte Norman und versteckte sie jahrelang im Keller, da er sie so abgöttisch liebte. Deswegen auch die Frauenklamotten.

Zum Schluss des Thrillers, liefert ein Psychiater die Erklärung für Normans Handeln: Durch das Trauma des Muttermords spaltete sich seine Persönlichkeit in Norman und Mutter Bates. Sobald er eine attraktive Frau begegnet, übermannt ihn die Mutterseite und er muss sie in der Rolle der eifersüchtigen Mutter töten.

Norman Bates – Mein Lieblingsschurke

Doch, was macht ihn für mich zu meinem liebsten Feind? Es ist nicht Anthony Perkins durchdringende Grinsen. Auch nicht die Spaltung des Ichs nach Freudschem Vorbilds, oder die wahre Geschichte, auf die Norman Bates beruht, die des amerikanischen Serienmörders Ed Gein. Es ist Normans Menschlichkeit. Ein Mann, der sich mitten in seinen 40ern, immer noch liebevoll um seine Mutter kümmern will. Bei ihr ist, sie unterstützt. Diese Intention verdient meinen größten Respekt. Und ja, ich kaufe es ihm ab. Obwohl er grausame Morde begeht, schwingt immer das Mitgefühl mit. Es ist ein Schock für uns, dass dieser liebevolle, kümmernde Mann diese Taten begehen muss. Norman ist nicht mehr Herr seines Willens. Eines der schlimmsten Dinge, die ein Mensch verlieren kann. Er kann doch nichts dafür. Der dünne Grad zwischen Schizophrenie und Unschuld ist das, was mich an Norman Bates fasziniert.

Der junge Norman Bates, gespielt von Freddie Highmore in der Serie Bates Motel. (Bild: www.pinterest.de/kimberann22/bates-motel/).

Auch, dass die Figur Norman Bates zeitlos ist, macht ihn zu meinem ‚Lieblingsbösewichten‘. Es gibt nicht nur unzählige Remakes auf der Leinwand, Eastereggs in allen möglichen Serien oder Doppelgänger an Halloween. Auch die junge Generation erfährt das grausame Schicksal Norman Bates. So nutzt die Serie Bates Motel (2013-2017) Hitchcocks Psycho als Inspiration. Gespielt wird der junge Norman hier von Freddie Highmore, der in Charlie und die Schokoladenfabrik jedes Herz erwärmte. Am Ende drehen wir doch alle mal durch.

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