Vom Zwitterdasein des Blogs – ein grammatisches Duell

CC-BY-NC-SA 4.0 Olga Fink
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Manche Wörter bringen auch eingefleischte deutsche Muttersprachler ins Straucheln. Spricht man von das oder die Nutella? Der oder das Laptop? Und die wichtigste Frage: Heißt es eigentlich der oder das Blog?

Auch wenn der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch schon vor drei Jahren feststellte, dass das Blog tot sei — die Frage danach, ob es der oder das Blog heißt, scheint noch immer topaktuell. Bestes Beispiel: Unsere Redaktion. Irgendwann fiel auf, dass wir uns zwar alle mit dem Medium beschäftigten, dafür aber verschiedene Begriffe verwendeten. Wer sich an dieser Stelle einen finalen Sieger des Wortduells erhofft, wird bei einem Blick in den Duden enttäuscht. Darin stehen sich das Neutrum und das Maskulinum gleichberechtigt gegenüber. Es liegt jedoch eine leichte Gewichtung auf dem Neutrum, das an erster Stelle steht. Eine grundlegende Grammatikregel könnte da Licht ins Dunkel bringen.

Bei zusammengesetzten Wörtern richtet sich das Genus immer nach dem Geschlecht des letzten Wortbausteins. So heißt es zum Beispiel nicht das Buchrücken, sondern der Buchrücken. Das Team Neutrum kann sich dieses grammatische Prinzip zunutze machen, wenn es das Wort Blog auf seinen Ursprung zurückführt. Blog ist die Kurzform von Weblog, das sich aus web und logbook zusammensetzt. Im Deutschen ist Logbuch ein Neutrum, deshalb liegt es nahe, auch von das Weblog, und damit auch von das Blog zu sprechen. Damit ist das Duell aber noch lange nicht entschieden. Für das Team Maskulinum punktet das individuelle Sprachgefühl. Und das sagt scheinbar den meisten, dass es der Blog heißen muss. Im wissenschaftlichen Blog SciLogs präsentiert Anatol Stefanowitsch eine Statistik: Er hat Umfragen auf Facebook und eine korpusbasierte Recherche durchgeführt, die den häufigeren Gebrauch von der Blog zeigen. Diese Zahlen sind zwar vom wissenschaftlichen Standpunkt aus nicht unbedingt valide, zeigen jedoch anschaulich das Dilemma. Stefanowitsch sieht nach diesem Ergebnis ein Ende für das Blog. Die Frage aber ist, ob die Häufigkeit auch über die Richtigkeit entscheidet.

Manch non-konformer Kopf gibt sich auch mit beiden Artikeln des Dudens nicht zufrieden. Aber scheinbar ist die Kampagne für die Blog im Sande verlaufen. Vielleicht geht’s dem Blog aber auch bald wie dem Joghurt: Der, die oder das — laut Duden ist alles möglich.

Olga Fink

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