Verspieltes Erzählen: Wenn aus Büchern Pixel werden

Videogames machen es möglich, Bücher zu „spielen“. Bild: CCO Pixabay

Während sich Filme- und Serienmacher häufig aus der Literatur bedienen, gibt es in der Spieleindustrie vergleichsweise wenig Buchadaptionen. Dabei bietet ein Videospiel die Möglichkeit, eine schon vertraute literarische Welt auf eine völlig neue Weise zu erkunden und in die Rolle der Lieblingscharaktere zu schlüpfen. Ob mit Maus und Tastatur oder Controller, es ist doch ein ganz anderes Gefühl eine Figur selbst zu steuern, anstatt sie nur zu beobachten. Gerade das Potenzial in Verbindung mit VR-Brillen, die ein noch stärkeres Eintauchen in die virtuelle Welt ermöglichen, wäre praktisch grenzenlos. Dennoch ist die Auswahl der auf Büchern basierenden Videospiele noch gering – sofern sie nicht im Zuge einer gerade beliebten Buchreihe wie Game of Thrones oder Harry Potter erscheinen.

Versuche, ein Buch spielerisch umzuwandeln, gibt es immer wieder. So spielt das Point-and-Click-Adventure Discworld in Terry Pratchetts Scheibenwelt, in Dante’s Inferno schlägt sich Dante durch die Hölle, nach Vorbild des ersten Bandes von Dante Alighieris Göttlicher Komödie und in dem auf Texten basierenden Spiel 80 Days, angelehnt an In 80 Tagen um die Welt von Jules Vernes, muss der Spieler eigene Entscheidungen treffen. Auch der dystopische Roman Metro 2033 des russischen Autors Dmitry Glukhovsky ist 2010 als Videospiel umgesetzt worden. Trotzdem geschieht es eher selten, dass auf Grundlage eines Buchs direkt ein Spiel entwickelt wird.

Ein paar hervorstechende Ausnahmen gibt es aber doch: Allen voran die sehr bekannte Reihe The Witcher um den weißhaarigen Hexer Geralt von Riva. Seit Anfang der 1990er Jahre erschienen insgesamt fünf Romane des polnischen Autors Andrzej Sapkowski und weitere Kurzgeschichten mit Abenteuern und Monsterjagden. Das Besondere dabei ist, dass viele Gamer erst durch die Spielereihe auf die Bücher aufmerksam geworden sind, die sich nun einen festen Platz im Fantasy-Bereich gesichert haben. Der 2015 erschienene dritte Teil The Witcher 3: Wild Hunt gilt zudem als eines der besten Rollenspiele überhaupt. Zukünftig soll sogar noch eine TV-Serie auf Netflix folgen. Der große Erfolg lässt darauf hoffen, dass zukünftig mehr Buchadaptionen auf den Gaming-Markt kommen könnten.

Verbindungen zwischen Literatur und Games sind also durchaus möglich und kommen allein als Inspirationsquelle vermutlich noch weitaus häufiger vor. Generell haben Bücher und Games mehr gemeinsam, als es zunächst den Anschein hat. Wesentliches Merkmal beider Medien bildet nämlich das Erzählen. So handelt es sich bei einem Videogame doch um nichts anderes, als um eine Form interaktiven Erzählens. Die Erzählstruktur in Videospielen hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Komplexe Handlungsstränge, auch mit mehreren Auswahlmöglichkeiten, sind möglich. Wie spannend wäre es also, wenn man sich als Spieler anders entscheiden könnte, als die Hauptfigur in der Buchvorlage?

Ein Highlight wird auf jeden Fall das voraussichtlich noch 2018 erscheinende Spiel Call of Cthulhu: The Official Video Game, das auf H.P. Lovecraft’s Cthulhu-Mythos basiert. Im Mittelpunkt steht dabei Privatdetektiv Edward Pierce, der 1920 den Tod der Künstlerin Sarah Hawkins auf der Insel Blackwater Island untersucht. Als Leichen verschwinden und übernatürliche Wesen auftauchen, verschwimmen immer mehr die Grenzen zwischen Traum und Realität. H.P. Lovecraft gilt als einer der wegweisenden Schriftsteller der Horrorliteratur und erfreut sich gerade unter Gamern großer Beliebtheit. Ziel des französischen Entwicklerstudios Cyanide war es, die düstere Atmosphäre des lovecraftschen Universums umzusetzen und die Spieler in die schaurige Welt eintauchen zu lassen. Bleibt abzuwarten, inwieweit dies tatsächlich gelingt, ein Fortschritt für die stärkere Vermischung der beiden Medien ist es aber allemal.

Lena Kosakowski

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