Technologie oder Analogie?

Sel­ber Post­kar­ten schrei­ben, Taschen­ka­len­der und aus­ge­druck­te Tex­te für Semi­na­re: Ana­lo­gie im All­tag kann auch schön sein.
Foto: CC-BY-NC-SA 4.0 Isa­bel Gra­bow

Medi­en wie Fotos, Videos und eBooks, per­sön­li­che Doku­men­te wie Brie­fe und Lis­ten, Ver­trä­ge und Rech­nun­gen. All die­se Daten sind mit­ein­an­der ver­bun­den und ver­netzt: Durch unse­re elek­tro­ni­schen Gerä­te wie Han­dy, Lap­top und Tablet und noch mehr durch unser Heim­netz oder Cloud-Dienste. Wir haben uns pri­vat und beruf­li­ch oft ein gro­ßes und kom­ple­xes Net­werk all unse­rer Daten auf­ge­baut. Die­ses Phä­no­men beschrie­ben Mar­tin Schall­bruch, stell­ver­tre­ten­der Direk­tor am Digi­tal Socie­ty Insti­tu­te der ESMT Ber­lin, und der Jurist Jan Möl­ler auf der re:publica 2017 in Ber­lin. Bei ihrer Ver­an­stal­tung „Make life easy (again)!? Was wol­len wir uns von Tech­no­lo­gi­en abneh­men las­sen und zu wel­chem Preis?“ gin­gen sie der Fra­ge nach inwie­fern wir uns von der Kom­ple­xi­tät der Tech­no­lo­gie lei­ten las­sen wol­len und was wir dabei alles beach­ten müs­sen. Mar­tin Schall­bruch stell­te dabei die Vor­tei­le die­ser Ver­net­zung her­aus: „Alles ist ein­fa­cher, denn alle Gerä­te reden mit mir und sind auch mobil immer für mich erreich­bar.“  Dem gegen­über bemerk­te Jan Möl­ler, dass obwohl alles ein­fa­cher gewor­den ist, auf der ande­ren Sei­te auch alles kom­pli­zier­ter ist.

Denn: Alles muss ver­wal­tet wer­den. Kau­fe ich ein neu­es Gerät, muss rich­tig in mein Netz inte­griert wer­den. Die Fra­ge ist also, wie wir als Nor­mal­ver­brau­cher damit umge­hen. Möl­ler und Schall­bruch frag­ten zum Ein­stieg das Publi­kum. Was bedeu­tet die Kom­ple­xi­tät für jeden ein­zel­nen? Was muss beach­tet wer­den? Die Ant­wor­ten sind inter­es­sant. Vie­len geht es vor allem um die Sicher­heit ihrer Daten. Ande­rer­seits ist aber auch die Rede von „sozia­ler Aus­gren­zung“, wenn Diens­te wie Drop­box oder Whats­App ver­mie­den wer­den. Damit feh­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le.

Schall­bruch und Möl­ler möch­ten Lösungs­an­sät­ze fin­den, um die Kom­ple­xi­tät gegen­über dem Pri­vat­ver­brau­cher zu ver­rin­gern. Und wäh­rend sie ihren ers­ten Ansatz vor­stel­len und über­le­gen, ob es nicht viel­leicht doch ein­fa­cher ist, die­se Kom­ple­xi­tät zu igno­rie­ren, über­le­ge ich selbst, wie ich alles mit­ein­an­der ver­netzt habe. Allein durch die Uni, sind diver­se Dienst­leis­tun­gen und Ver­net­zun­gen unver­meid­li­ch. Und auch pri­vat nut­ze ich, wie die meis­ten, die ich ken­ne, ver­schie­de­ne Kanä­le, die mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Den­no­ch bin ich sicher­li­ch noch „harm­los“ im Gegen­satz zu ande­ren, die wirk­li­ch alles nur noch digi­ta­li­siert fest­hal­ten. Sei­en es Fotos, die nur auf dem Smart­pho­ne und PC blei­ben und höchs­tens bei Ins­ta­gram der Welt prä­sen­tiert wer­den oder die aus­schließ­li­che Nut­zung von E-Books und Musik­dienst­leis­tern wie Spo­ti­fy. Ich den­ke, davon kann ich mich noch gut abgren­zen und bin ein biss­chen froh dar­über.

Ich selbst mag es nicht, wenn alles nur noch digi­tal und online funk­tio­niert. Ich schrei­be noch immer ger­ne Post­kar­ten und Brie­fe an mei­ne Freun­de und Fami­lie – und das nicht nur, wenn ich im Urlaub bin. Ich dru­cke mir Fotos aus und höre lie­bend ger­ne CDs. Ich tref­fe Men­schen lie­ber per­sön­li­ch oder tele­fo­nie­re mit ihnen als Dis­kus­sio­nen nur noch über Whats­App lau­fen zu las­sen, was dann manch­mal lei­der doch unver­meid­li­ch ist. Ich dru­cke mir Tex­te für die Uni lie­ber aus, um mir alles mit dem Text­mar­ker zu mar­kie­ren und hand­schrift­li­ch Noti­zen an den Rand zu schrei­ben und erwi­sche mich dabei, dass ich ver­är­gert bin, wenn ein Dozent sagt: „Ich weiß ja, dass Sie sich alles nur noch auf ihrem Han­dy durch­le­sen.“ Denn das stimmt ein­fach nicht und ich bin bei wei­tem nicht die ein­zi­ge, die dabei lie­ber noch ana­log läuft und die Tex­te, die sich zwar im Lau­fe des Semes­ters häu­fen und immer schwe­rer in der Tasche wer­den, mit zum Semi­n­ar schleppt. Und vor allem lese ich lie­ber ein gedruck­tes Buch und spü­re jede ein­zel­ne Sei­te durch mei­ne Fin­ger glei­ten, wäh­rend mir die Dru­cker­schwär­ze in die Nase zieht und erfreue mich all mei­ner Bücher im Regal. Ich bin froh, mich so oft­mals durch all die­se Gewohn­hei­ten von den tech­ni­schen Netz­wer­ken zumin­dest kurz­wei­lig und teil­wei­se dis­tan­zie­ren zu kön­nen und sehe auch, dass vie­le aus mei­nem Umfeld genauso han­deln. Es sind also nicht alle Stu­den­ten aus­schließ­li­ch auf „die Tech­nik von heu­te“ beschränkt. Ich den­ke, ein gesun­des Gleich­ge­wicht aus Tech­no­lo­gie und Ana­lo­gie muss gege­ben wer­den, um sich nicht in der Digi­ta­li­sie­rung und vir­tu­el­len Welt zu ver­lie­ren. Manch­mal muss davon eben auch Abstand genom­men wer­den.

Das The­ma Sicher­heit, wel­ches Möl­ler und Schall­bruch in ihrem Vor­trag wei­ter behan­deln, soll­te dabei natür­li­ch trotz­dem nicht aus den Augen gelas­sen wer­den. Wie kann ich mein Netz­werk am bes­ten Schüt­zen? Was ist mir dabei wich­tig? Wer wis­sen möch­te, wel­che Lösungs­stra­te­gi­en die bei­den parat haben, kann sich ihren Vor­trag noch ein­mal bei YouTube anse­hen.

Isa­bel Gra­bow

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