future!publish: Papego und die Kluft zwischen Print und Digital

Dr. Karl-Ludwig von Wendt stellt Papego vor. CC-BY-NC-SA 4.0 Daniela Kratz
Dr. Karl-Ludwig von Wendt stellt Papego vor. CC-BY-NC-SA 4.0 Daniela Kratz

Gedruckt versus digital, das gute alte Buch gegen das moderne E-Book: Neu ist diese Debatte keineswegs. Jede Seite hat ihre Verfechter mit einleuchtenden Argumenten, doch schließen sich beide Formate wirklich grundsätzlich aus? Oder gibt es eventuell doch eine Möglichkeit, die Gegensätze zu überwinden und beide Seiten zu verbinden?
Dr. Karl-Ludwig von Wendt, Autor und Mitbegründer der Hamburger Briends GmbH, hat es sich zum Ziel gesetzt eine Brücke zwischen gedrucktem und digitalem Lesen zu schlagen und somit all diejenigen Leser zu bedienen, die sich eben nicht von vornherein ausschließlich auf ein Format festlegen wollen, sondern stattdessen Wert auf größtmögliche Flexibilität legen. Auf dem Berliner future!publish-Kongress stellte er Ende Januar 2016 dazu seine konkrete Vision vor: Papego.


Obwohl im Zuge von future!publish regelmäßig thematisiert wurde, dass E-Book-Verkäufe in den USA zurückgingen, waren sich die meisten Referenten einig, dass dies kein Grund dafür sei, den digitalen Wandel voreilig abzuschreiben. Im Gegenteil: Das Interesse am digitalen Lesen, betrachtet als ganzes Phänomen und nicht nur beschränkt auf ein Format, steigt weiterhin rasant. Die Entwicklung der digitalen Medien stünde noch am Anfang, gab Wendt zu bedenken, und „wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem klar ist, was Lesen in der Zukunft eigentlich bedeutet.“

Unabdingbar in einer solchen Welt, die sich konstant wandelt und neu erfindet, ist zum einen Flexibilität, zum anderen aber auch die Fähigkeit, über den Tellerrand hinaus zu schauen, sich von anderen Branchen inspirieren zu lassen und neue Wege zu gehen – vielleicht auch solche, die auf den ersten Blick unvereinbare Gegensätze miteinander kombinieren. Der große Vorteil der Buch- gegenüber der Film- oder der Musikbranche ist ihr Kernprodukt, das gedruckte Buch, das man ganz ohne elektronisches Gerät nutzen kann. Es hat Beständigkeit, einen kulturellen Wert, ist gut zu verschenken. Das E-Book hingegen ist überall dort stark, wo das gedruckte Buch schwach ist: Es ist handlich, wiegt nichts, nimmt keinen Platz weg und sein Layout passt sich den Bedürfnissen des Lesers an.
Das größte Problem hierbei? Laut Wendt ist es, dass der Leser gezwungen wird, sich für eines der beiden Formate zu entscheiden, solange er nicht bereit ist, doppelt zu zahlen – zumindest bisher, denn die Etablierung vorangegangener Projekte, beispielsweise E-Book inside, sei nicht zufriedenstellend verlaufen. Seine Lösung zu diesem Problem ist Papego, eine App, die Buchkäufer kostenfrei herunterladen können, um anschließend die jeweils zuletzt gelesene Seite ihres Papego-fähigen Buches zu scannen. Die App stellt dann die nächsten Seiten des Buches – bis zu einem Maximalumfang von 25% – zum digitalen Weiterlesen bereit. Die Seitenzahlen der Printversion werden stets angezeigt, um auch einen nahtlosen Wechsel zum gedruckten Werk zu ermöglichen.

Umfragen zufolge sei das Interesse an Wendts Modell groß, für viele stelle diese Variante des formatübergreifenden Lesens sogar einen echten Mehrwert dar, für den sie bereit wären zu zahlen. Müssen sie aber nicht: Die Kosten werden von den Verlagen getragen, auf den Leser kommen keine zusätzlichen Gebühren zu. Stattdessen soll er nach erfolgreichem Start in Zukunft über Papego auch noch auf weitere Funktionen zugreifen können, etwa das Scannen und Teilen von Buchauszügen auf Social Media-Plattformen wie Goodreads.

Noch ist es allerdings nicht so weit. Die App steht kurz vor ihrem offiziellen Launch-Termin zur Leipziger Buchmesse (17.-20. März 2016). Die ersten kompatiblen Bücher, gekennzeichnet durch einen Sticker auf dem Cover, sollen hingegen schon ab Anfang März in den Buchhandlungen verfügbar sein. Ob und wie erfolgreich das Modell allerdings tatsächlich ist, wird sich erst zeigen müssen.

Daniela Kratz

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