future!publish: Die LogBook App — Literatur im Raum erleben

Das Team der Universität St. Gallen präsentiert die LogBook App. CC-BY-NC-SA 4.0 Sina Adam

Das Team der Uni­ver­si­tät St. Gal­len prä­sen­tiert die Log­Book App. CC-BY-NC-SA 4.0 Sina Adam

Mor­de­chai Wol­ken­bruch auf sei­ner wun­der­li­chen Rei­se durch Zürich beglei­ten, mit Max Fri­sch auf eine Ziga­ret­te am See ver­wei­len, an Ori­gi­nal­schau­plät­zen den Dada­is­mus wie­der zum Leben erwe­cken — all dies soll schon bald mög­li­ch sein. Mit der Log­Book App will das Insti­tut für Medien- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment St. Gal­len Lite­ra­tur erleb­bar machen und den Kul­tur­tou­ris­mus revo­lu­tio­nie­ren. 

Die Anwen­dung, wel­che im Janu­ar auf der future!publish von Cla­ris­sa Höhe­ner, Alle­gra Schies­ser und Noe­mi Heu­le von der Uni­ver­si­tät St. Gal­len vor­ge­stellt wur­de, ver­spricht mit­hil­fe von Aug­men­ted Rea­li­ty, also der tech­ni­sch erwei­ter­ten Rea­li­täts­wahr­neh­mung, Ört­lich­keit und Text zu ver­bin­den und damit ein ein­zig­ar­ti­ges Lite­ra­tur­er­leb­nis zu kre­ieren.

Zunächst auf Zürich beschränkt, soll es die Log­Book App dem digital-affinen Publi­kum ermög­li­chen, mit­hil­fe sei­nes Smart­pho­nes Schau­plät­ze der Lite­ra­tur zu besu­chen und mit ihnen zu inter­agie­ren, um eine Ver­schmel­zung von Rea­li­tät und Fik­ti­on zu errei­chen. Die Lite­ra­tur­schau­plät­ze Zürichs wer­den geo­re­fe­ren­ziert, also auf einer Kar­te auf dem mobi­len Gerät ver­or­tet und sicht­bar gemacht. Es ist mög­li­ch, spon­tan ein­zel­ne Plät­ze in der Stadt zu ent­de­cken oder gleich eine kom­plet­te Tour zu unter­neh­men, die an wich­ti­ge Stand­or­te bestimm­ter Roma­ne, Auto­ren oder Epo­chen führt.

So wird es bei­spiels­wei­se eine Tour in Zusam­men­ar­beit mit dem Schwei­zer Schrift­stel­ler Tho­mas Mey­er geben, die zu Ori­gi­nal­schau­plät­zen sei­nes Best­sel­lers „Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Rei­se in die Arme einer Schick­se”, aber auch zu per­sön­li­chen Orten wie sei­nem Lieb­lings­ca­fé füh­ren wird. Erlebt wird dabei mit allen Sin­nen: Ob es per­sön­li­ch gespro­che­ne Worte des Autors sind, Bil­der und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, Spie­le­rei­en mit Sel­fies oder Text­frag­men­te. Durch Inte­gra­ti­on aktu­el­ler Tech­no­lo­gi­en soll eine neue Art von par­ti­zi­pa­ti­ver Lese­kul­tur ent­ste­hen.

Auch eine Dadaismus-Tour ist geplant: Auf bestimm­ten Stra­ßen kann der Nut­zer ein Dada-Gedicht hören, des­sen Lese­ge­schwin­dig­keit sich an sei­nem Schritt­tem­po ori­en­tiert. An ande­rer Stel­le wird er auf­ge­for­dert, wild zu tan­zen, wodurch sich die Ent­wick­le­rin­nen einen lite­ra­ri­schen Flashmob erhof­fen. Oder man erlebt Hugo Ball bei der Live-Performance sei­nes berühm­ten Gedich­tes „Kara­wa­ne”.

Die App soll dabei kein Lese-Ersatz sein, im Gegen­teil — sie soll zum Lesen hin­füh­ren und ein Ent­de­ckungs­in­stru­ment für das kul­tu­rel­le Kapi­tal der Stadt dar­stel­len.

Das Pro­jekt wur­de mit bran­chen­über­grei­fen­der Unter­stüt­zung rea­li­siert — die eid­ge­nös­si­sche Kom­mis­si­on für Tech­no­lo­gie und Inno­va­ti­on (KTI), die Zür­cher Hoch­schu­le der Küns­te (ZHdK), die Drei­pol GmbH und Zürich Tou­ris­mus waren neben ver­schie­de­nen Ver­lags­ver­tre­tern betei­ligt.
Der Pro­to­typ der Log­Book App soll im Okto­ber die­ses Jah­res erschei­nen und anschlie­ßend für wei­te­re Städ­te, aber auch für ande­re Spar­ten, wie z.B. die Sport­bran­che nutz­bar gemacht wer­den kön­nen. Es bleibt abzu­war­ten, ob sich die digi­ta­le Ver­knüp­fung von Ört­lich­keit und Text im kul­tu­rel­len Tou­ris­mus durch­set­zen und die Anwen­dung Anklang beim jun­gen Reise-Publikum fin­den wird.

Sina Adam

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