Ein Macher über seine Arbeit – Buchtrailerproduzent Milan Grünewald

Milan Grünewald, Bild: Mona Delic

Milan Grü­ne­wald, Bild: Mona Delic

War­um mit der Fan­ta­sie bis zum Lesen war­ten? Milan Grü­ne­wald fan­ta­siert sich schon vor­her in Bücher hin­ein. Er pro­du­ziert Buch­trai­ler. Über zwan­zig davon hat der Köl­ner Medi­en­künst­ler schon gemacht, sei­ne Krea­ti­vi­tät geht ihm aber noch lan­ge nicht aus. Egal, ob Sach­buch oder span­nen­der Thril­ler Roman, Milan Grü­ne­wald glaubt, für jedes Buch lie­ße sich ein guter Trai­ler pro­du­zie­ren. Was macht aber einen guten Trai­ler aus, ist die Sto­ry oder die Atmo­sphä­re wich­ti­ger und muss man die Bücher vor­her immer kom­plett gele­sen habe? All das und mehr hat er Olga Fink im Inter­view erzählt.

Milan,  wie bist du auf die Idee gekom­men, Buch­trai­ler zu pro­du­zie­ren?
Als Autor und Fil­me­ma­cher habe ich immer schon eine Ver­bin­dung zwi­schen der Lite­ra­tur und dem Film gese­hen. In mei­nem Vor­di­plom­pro­jekt an der Kunst­hoch­schu­le habe ich zum Bei­spiel das Expe­ri­ment gewagt, wäh­rend dem Schrei­ben eines Romans Sze­nen aus der Geschich­te direkt zu ver­fil­men. So ent­stan­den auch am Film­set wie­der neue Ide­en, die wie­der­um die Ent­wick­lung des Buchs beein­fluss­ten. Ich füh­le mich daher prä­des­ti­niert für die Arbeit mit Buch­trai­lern. Es hat sich dar­aus eine regel­rech­te Lei­den­schaft ent­wi­ckelt.

Was sind dei­ne Auf­ga­ben in der Pro­duk­ti­on?
Mei­ne Spe­zi­al­ge­bie­te sind zual­ler­er­st natür­li­ch das Erstel­len eines sin­ni­gen Kon­zepts und das Erstel­len des Spre­cherskripts. Abhän­gig vom Gen­re des Trai­lers recher­chie­re ich Video­ma­te­ri­al, über­neh­me die Orga­ni­sa­ti­on und Regie eines Film­drehs oder erstel­le eine Ani­ma­ti­on. Als Medi­en­künst­ler bin ich bereichs­über­grei­fend aus­ge­bil­det und kann auf ver­schie­dens­ten Wegen Bil­der erzeu­gen und Stim­mun­gen aus­drü­cken. Ich schnei­de die Trai­ler, lei­te den Spre­cher bei den Auf­nah­men an und neh­me in den meis­ten Fäl­len selbst die Ver­to­nung vor. Han­delt es sich um einen Trai­ler mit höhe­rem Bud­get, zie­he ich hier­für Sound­de­si­gner und Kom­po­nis­ten hin­zu. Mit frei­en Illus­tra­to­ren und Moti­on Desi­gnern arbei­te ich sehr ger­ne, wenn es zum Bei­spiel um eine auf­wen­di­ge Zei­chen­trick­pro­duk­ti­on geht.

Wel­che Chan­cen siehst du in Buch­trai­lern?
Wenn­gleich es Buch­trai­ler schon seit 2003 gibt, ich selbst habe mei­nen ers­ten 2008 pro­du­ziert, han­delt es sich doch immer noch um ein sehr neu­es Medi­um. Wir wer­den aber in den nächs­ten Jah­ren den Vor­teil haben, dass sich die mobi­len Inter­net­ta­ri­fe an Schnel­lig­keit und Traffic-Größe so rapi­de ver­bes­sern wer­den, dass immer und über­all auch Video­in­for­ma­tio­nen abge­ru­fen wer­den kön­nen. Sei es mit einer Video­ein­bin­dung auf Ama­zon beim Online Shop­ping oder ein­fach im Buch­la­den. Man könn­te zum Bei­spiel das Buch scan­nen und sich direkt auf dem Smart­pho­ne einen Trai­ler anse­hen, der bei der Wahl des Buches hilft und über­zeugt. Der Buchtrailer-Produzent hat also auch eine Ver­ant­wor­tung. Er will nicht bloß das Buch an mög­lichst vie­le Kun­den brin­gen, son­dern die Atmo­sphä­re des Wer­kes so ein­fan­gen, dass dem spä­te­ren Leser deut­li­ch wird, was ihn in der Geschich­te erwar­tet. Nicht nur inhalt­li­ch, son­dern auch emo­tio­nal.

Was zeich­net dei­ne Buch­trai­ler beson­ders aus?
Wie zuvor erwähnt. Sie sind emo­tio­nal. Sie fan­gen den Zuschau­er von der ers­ten Sekun­de, hel­fen ihm in eine Welt abzu­tau­chen, die er erle­ben möch­te, und las­sen ihn erst wie­der los, wenn er das Buch gefun­den hat, mit dem er sich auf sei­ne nächs­te Rei­se bege­ben möch­te. Ich bemü­he mich, immer die indi­vi­du­el­le Atmo­sphä­re ein­zu­fan­gen.

Dann ist die Atmo­sphä­re wich­ti­ger als die Ver­mitt­lung der Sto­ry?
Bei Bel­le­tris­tik und Lyrik die Atmo­sphä­re. Beim Sach­buch die „Sto­ry“, also der Inhalt und sei­ne Schreib­wei­se. Wie ein gutes Buch­co­ver oder ein guter Klap­pen­text darf ein Trai­ler nicht zu viel von der span­nen­den Geschich­te oder den Cha­rak­te­ren ver­ra­ten. Bei Sach­bü­chern ist das natür­li­ch anders. Hier zäh­len das Grund­the­ma und die Schreib­wei­se des Buchs, sei sie infor­ma­tiv oder zum Bei­spiel humor­voll. Es müs­sen viel mehr Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt wer­den als bei einem Roman. Bei Lyrik ver­hält es sich eher wie­der wie bei der Bel­le­tris­tik. Dem Zuschau­er wird nicht erklärt: Hier geht es um Lie­be und Tod. Son­dern das Lyri­sche wird über­setzt in eine Bild­welt, die das­sel­be Gefühl erzeugt, wel­ches der Leser beim Lesen haben wird.

Muss man das kom­plet­te Buch gele­sen haben, um einen guten Trai­ler dazu ent­wi­ckeln zu kön­nen?
Die­sen Ser­vice bie­te ich zwar an, meist über­steigt der Zeit­auf­wand aber das Bud­get und ich rate ohne­hin davon ab. In einem Expo­sé wird die Atmo­sphä­re oder das Grund­the­ma des Buches meist schon so deut­li­ch, dass hier­aus wun­der­ba­re Bil­der ent­ste­hen kön­nen. Dar­auf basie­rend ent­wick­le ich ein ers­tes Kon­zept, wel­ches anschlie­ßend mit dem Kun­den bespro­chen wird. Es han­delt sich hier­bei um eine künst­le­ri­sche Arbeits­wei­se, die im ers­ten Schritt sehr viel Intui­ti­on erfor­dert. Und durch die Zusam­men­ar­beit mit dem Autor oder den Pro­fis aus dem Ver­lag füh­ren die Kon­zep­te immer zu einem posi­ti­ven Ergeb­nis.

Glaub­st du, aus jedem Buch lässt sich ein Buch­trai­ler machen?
Aber ja! Es gibt da zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten. Bei einem Sach­buch ist zum Bei­spiel auch ein Erklär­film mög­li­ch, der den ers­ten Sach­ver­halt oder den Kern des The­mas beschreibt. Bei einer Bio­gra­fie kann ein Inter­view mit der Per­son gehal­ten oder eine Mini-Dokumentation aus Archiv­ma­te­ri­al erstellt wer­den. Die Vor­stel­lungs­kraft ist da unbe­grenzt. So gut wie alles kann mit beweg­ten Bil­dern und anspre­chen­der Ver­to­nung berei­chert wer­den.

Wür­dest du Buch­trai­ler als eigen­stän­di­ge Kunst­wer­ke bezeich­nen?
Ich bezeich­ne sie tat­säch­li­ch als klei­ne Kunst­wer­ke, wobei sie natür­li­ch ohne das Buch nie­mals das Licht der Welt erblickt hät­ten. Das tue ich schon wegen der intui­ti­ven Fähig­keit, die nötig ist, um Lite­ra­tur zu ver­bild­li­chen. Ein wich­ti­ger Unter­schied zum Kunst­werk, wie ich es son­st defi­nie­ren wür­de, ist jedoch, dass die Trai­ler sich nicht selbst genü­gen. Da man Spra­che nie­mals eins zu eins in Film über­set­zen kann, blei­ben Buch und Film immer zwei unter­schied­li­che, eigen­stän­di­ge Medi­en, die sich jedoch gegen­sei­tig befruch­ten.

Wenn du pri­vat ein Buch liest, ent­wi­ckel­st du auto­ma­ti­sch schon in Gedan­ken einen pas­sen­den Buch­trai­ler dazu? Kann man da noch ent­spannt lesen?
Tun wir das nicht alle? Und wir alle schaf­fen es, beim Lesen zu ent­span­nen. Das Lesen an sich ist nun mal kei­ne Explo­si­on. Dafür sind die Bil­der da. Wenn wir lesen und etwas Gewal­ti­ges pas­siert, geschieht das nicht auf den Sei­ten und in den Buch­sta­ben. Es ent­steht in unse­rer Vor­stel­lung. Ein Buch­trai­ler regt die­se nur an und moti­viert uns sie wei­ter­zu­den­ken. Noch mehr zu erle­ben, sobald wir das Buch in den Hän­den hal­ten. Er ist schließ­li­ch kei­ne Ver­fil­mung.

Greifst du selbst zum Buch, wenn der Trai­ler dich beein­druckt hat?
Das wür­de ich ein­deu­tig tun. Lei­der sind mir noch nicht son­der­li­ch vie­le qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Trai­ler unter­ge­kom­men. Und ein unpro­fes­sio­nell gestal­te­ter Trai­ler schreckt lei­der eher ab. Man soll­te sich also ent­schei­den, ob man den Schritt zum Buch­trai­ler gehen will und auch das ent­spre­chen­de Bud­get auf­brin­gen kann. Von einer Not­lö­sung oder einem mit­tel­mä­ßi­gen Trai­ler rate ich drin­gend ab.

Wür­dest du dich auch irgend­wann an einer Buch­ver­fil­mung aus­pro­bie­ren?
Sehr gern sogar. Mein Abschluss­film an der Kunst­hoch­schu­le für Medi­en Köln war eine moder­ne Nibe­lun­gen­sa­ge. Also kei­ne direk­te Buch­ver­fil­mung, aber er geht doch in die Rich­tung. Zur­zeit schrei­be ich am Dreh­buch mei­nes Debüt­films. Auch in die­sem set­ze ich mich mit lite­ra­ri­schen und sprach­li­chen The­men aus­ein­an­der. Mehr wird noch nicht ver­ra­ten. Eine direk­te Roman­ver­fil­mung wäre eine Her­aus­for­de­rung, der ich mich ger­ne stel­len wür­de.

Und zum Schluss: Buch­trai­ler sind für mich…
Die Kom­bi­na­ti­on mei­ner bei­den haupt­säch­li­chen Lei­den­schaf­ten. Ein Traum­be­ruf, wenn man so will.

Herz­li­chen Dank!
Ich dan­ke, es war mir ein Ver­gnü­gen.

Olga Fink

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