Digitale Quellen zum Ersten Weltkrieg

Digitale Quellenarchive zum 1. Weltkrieg
Das Internet bietet viele Möglichkeiten, Quellen zum 1. Weltkrieg zu sichten. Bild: CC-BY-NC-SA 4.0 Katharina Reich

Der Beginn des Ersten Weltkriegs jährt sich 2014 zum 100. Mal. Museen und andere Einrichtungen zeigen Sonderausstellungen, führen Tagungen durch und organisieren Vorträge. Viele Medien greifen das Thema auf. Es gibt Sondersendungen in Radio und Fernsehen, Sonderausgaben von Zeitungen und Zeitschriften und viele digitale Angebote. Digitur hat sich im Netz einmal umgeschaut und nach digitalen Archiven gesucht, die schriftliche Quellen zum Ersten Weltkrieg im Internet zugänglich machen.

Bei einer ersten Recherche dürfte man als einen der obersten Treffer die Website www.100-jahre-erster-weltkrieg.eu erhalten, ein Projekt des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Neben einer Online-Gräbersuche ist diese Website vor allem ein Sammelbecken für diverse Projekte rund um das Thema Erster Weltkrieg und bietet weitere Recherchemöglichkeiten. So stellt die Website Veranstaltungen, Ausstellungen und Bildungsangebote zusammen und verlinkt auf diese. In der Rubrik „Internetangebote“ werden Online-Portale vorgestellt, wie z.B. die Themenseiten der Bundesregierung oder der Bundeszentrale für politische Bildung, verschiedener Bundesländer, Stiftungen und Bibliotheken. Allein diese Zusammenstellung lässt erahnen, dass das Informationsangebot zum Ersten Weltkrieg im Internet sehr facettenreich ist.

Besonders erwähnenswert erscheinen uns digitale Archive, die es dem Internetnutzer ermöglichen, in Originalquellen zu recherchieren: Zeitungen, Feldpostbriefe, Tagebücher u.Ä. Meist sind diese Quellen kostenfrei und können ohne Registrierung online gelesen werden.

Das Projekt Europeana 1914-1918 vereinigt das Quellenmaterial von verschiedenen Nationalbibliotheken mit Erinnerungsstücken von Privatpersonen. Bis Ende 2013 haben sich Menschen aus zwölf Ländern beteiligt und ca. 90.000 Objekte digitalisiert und recherchierbar gemacht. Als schriftliche Quellen sind dort Briefe, Postkarten, Tagebücher und offizielle Dokumente einsehbar. Handschriftlich Verfasstes lässt sich heute oft nur noch mit Mühe entziffern. Doch es gibt auch Internetseiten, auf denen die Quellen sowohl original als auch editiert abrufbar sind. Die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart verlinkt z.B. auf eine Projektseite, die die Feldpostbriefe und Tagebucheinträge eines Oberleutnants im Original und transkribiert zeigt – eine studentische Arbeit. Auf ihren eigenen Seiten stellt die Landesbibliothek die Tagebücher eines Arztes und eines 19-jährigen Freiwilligen bereit. Viele Bibliotheken haben neben privaten Nachlässen vor allem Zeitungen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs digitalisiert. Die Universitätsbibliothek der Uni Heidelberg stellt z.B. Feldzeitungen zur Verfügung.

Als ein besonders spannendes Projekt hat sich die Website www.aera-magazin.de herausgestellt: eine Art Online-Zeitung, in der täglich Meldungen veröffentlicht werden. Das Besondere ist, dass es sich um exakt 100 Jahre alte Meldungen handelt. Den Nutzern wird hier ermöglicht, online zu lesen, was die Menschen an dem jeweiligen Tag vor 100 Jahren in ihren Zeitungen lasen. Somit handelt es sich – nach eigener Aussage auf der Seite – um die „Simulation einer Live-Berichterstattung aus dem Jahr 1914“. Die Artikel rücken neben dem Kriegsgeschehen vor allem die Alltagswelt in das Blickfeld des Betrachters. So gibt es Berichte zu den Themen Literatur und Kunst, zu den neuesten Erfindungen oder Sportereignissen. Neben der Startseite mit Kurzmeldungen finden sich auch unterschiedliche Themenrubriken, wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, Kultur und Gesellschaft, Sport und sogar Lifestyle. In letzterer liest man von der neuesten Mode, beliebten Wanderzielen, Hochzeiten in Adelshäusern oder den Reisen des Kaisers. Das Layout ist zwar einer heutigen Online-Zeitung nachempfunden, die Meldungen sind allerdings im Wortlaut originalgetreu und zum Teil mit den Originalbildern versehen. Obwohl man hier 100 Jahre alte Zeitungsartikel liest, ist man überrascht, wie aktuell die Themen noch sind. Diese „Online-Zeitung“ ist ein sehr lesens- und lobenswertes Projekt, das uns die Zeit des Ersten Weltkriegs nahebringt, indem es die Grenzen zwischen damals und heute verschwimmen lässt.

Katharina Reich 

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