Mit digitaler Kraft für Solidarität und Nächstenliebe

Foto von Leander Wattig
Die digitale Zusammenarbeit mündete erst nach der Veröffentlichung von „Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge” in ein persönliches Aufeinandertreffen (von links nach rechts frontal sichtbar: Frank O. Rudkoffsky, Katharina Gerhardt und Nikola Richter). Foto: Leander Wattig

Hunderte Texte sammeln sich unter dem Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge und erzählen Geschichten über Flucht und Angst, berichten aber auch von überwältigender Hilfsbereitschaft. Ein sechsköpfiges Herausgeberteam hat diese gesichtet, die besten ausgewählt und zusammen mit passenden Zeitungs- und Onlineartikeln in digitaler Kollaboration zu einem E-Book zusammengestellt. Mit der Anthologie Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge halten sie gelebte Willkommenskultur fest und machen sie für alle Leser auch außerhalb der Bloggerwelt sichtbar.

Die Idee für das E-Book stammte von Bloggerin und Literaturagentin Caterina Kirsten. Sie verfolgte die im August letzten Jahres gestartete Crowdfunding-Aktion Blogger für Flüchtlinge und war davon begeistert. Die Spendenkampagne wurde von den Bloggern Paul Huizing, Karla Paul, Nico Lumma und Stevan Paul ins Leben gerufen. Bis heute sind im Rahmen dieser Aktion über 150.000 Euro zusammengekommen, mit denen unterschiedliche Projekte der Flüchtlingshilfe unterstützt werden. Unter #bloggerfuerfluechtlinge werden Beiträge festgehalten, die über die Hilfsaktion berichten und in denen Blogger aller Art das Thema Flucht reflektieren.

Davon inspiriert, stellte Caterina Kirsten mit Nikola Richter, Katharina Gerhardt, Ariane Novel, Frank O. Rudkoffsky und Eva Siegmund ein Team zusammen, das sich im Semptember 2015 der zahlreichen Postings annahm: „Da waren so tolle Texte dabei, denen wir eine Öffentlichkeit über die Blogosphäre hinaus geben wollten, um damit ein Zeichen zu setzen, dass es Begeisterung und Hilfe von vielen Menschen für die Geflüchteten gibt und Willkommenskultur nicht nur ein Schlagwort ist”, erklärte Frank O. Rudkoffsky gegenüber Digitur. Darüber hinaus verfolgten die Herausgeber die öffentliche Berichterstattung und bezogen auch daraus einige Geschichten in ihre Auswahl mit ein. Es wurde deutlich, dass sich das Thema durch die gesamte Gesellschaft zog. „Es hat bei jedem etwas ausgelöst”, stellte Rudkoffsky während der Sichtung des Materials fest. Genau dies galt es mit dem geplanten E-Book sichtbar zu machen.

Cover - Willkomen! Blogger schreiben für Flüchtlinge
Das E-Book enthält 54 Beiträge. Der Erlös geht an die Spendenaktion „Blogger für Flüchtlinge”.

Nachdem Nikola Richter sich bereit erklärt hatte, die Infrastruktur ihres Digitalverlags mikrotext zur Verfügung zu stellen, verlief die gesamte Zusammenarbeit ausschließlich auf digitale Weise. Über eine Facebook-Gruppe wurde kommuniziert, über Dropbox wurden Dateien ausgetauscht und mit einer speziellen Software das E-Book vom ersten bis zum letzten Buchstaben gemeinsam produziert. Nach nur einem Monat zur Vorbereitung und zwei weiteren Monaten für die Erstellung des E-Books war die Anthologie Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge fertiggestellt. Frank O. Rudkoffsky erinnert sich an eine sehr intensive Zeit: „Es gab wirklich nur konstruktive Sacharbeit, keine Ablenkung, kein Small Talk, keine Egos, die sonst vielleicht irgendwie im Raum gestanden hätten – wir haben ausschließlich am Thema gearbeitet.” Anders sei es für die ehrenamtlich mitwirkenden Herausgeber, die zudem an ganz unterschiedlichen Orten wohnen, gar nicht denkbar gewesen, dieses Projekt so schnell zu realisieren, so Rudkoffsky. Darüber hinaus kommt dem karitativen Projekt die digitale Form der Veröffentlichung zugute. Während eine gedruckte Version enorme Kosten verursacht hätte, konnten die kostenlos zur Verfügung gestellten Texte als E-Book ohne zusätzliche Ausgaben veröffentlicht werden. Der komplette Gewinn der im Dezember 2015 veröffentlichten Anthologie steht somit als Spende der Aktion Blogger für Flüchtlinge zur Verfügung.

Mit jedem verkauftem E-Book fließen 4,99 Euro abzüglich 19% Umsatzsteuer in Unterstützungsangebote für Flüchtlinge. Darüber hinaus scheinen die darin enthaltenen Geschichten bei einigen Lesern etwas bewegen zu können. So stellte Frank O. Rudkoffsky fest: „Bei Menschen, die mir nahestehen und der Flüchtlingsfrage eher mit Skepsis begegneten, hatte nach der Lektüre ein Umdenken stattgefunden, weil sie einige Dinge durch das E-Book zum ersten Mal aus anderer Perspektive wahrgenommen haben.” Einen kleinen Einblick in die aufrüttelnden Geschichten gibt die auf Digitur erschienene Rezension Für ein herzliches Willkommen!

Sabrina Jaehn

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3 Gedanken zu „Mit digitaler Kraft für Solidarität und Nächstenliebe

  1. Danke für diese umfassende Darstellung einer immer noch topaktuellen Anthologie, die mit so viel Ehrenamt auf Seiten der AutorInnen, der HerausgeberInnen und des Verlags erstellt wurde! Es fließen allerdings nicht 4,99 EUR an die Flüchtlingsprojekte, sondern die Nettoeinnahmen aus dem E-Book-Verkauf. Denn in den 4,99 EUR stecken noch 19% Umsatzsteuer, darin stecken Gebühren, die die Online-Shops nehmen und auch eine Gebühr, die der E-Book-Vertrieb von mikrotext, Open Publishing abzieht.

    1. Vielen Dank für den Hinweis und bitte entschuldigen Sie den Fehler! Wir haben die Korrektur in den Artikel eingearbeitet.

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