Electric Book Fair Diskussion: Was kommt nach dem E-Book?

Dikussion: Was kommt nach dem E-Book

Ein Teil der Dis­kus­si­ons­run­de auf der Electric Book Fair, die sich mit der Zukunft des E-Books aus­ein­an­der­setzt. CC-BY-NC-SA 4.0 Johan­na Böhn­ke

Was kommt nach dem E-Book?“ − Die­se Fra­ge ist so umfas­send, dass es schwie­rig ist, über­haupt fest­zu­le­gen, wor­auf sie abzielt. Den­no­ch ist es für die Buch­bran­che eine wich­ti­ge Fra­ge, die auf der Electric Book Fair 2016 im eben­so beti­tel­ten Work­shop von Jakob Joch­mann für gro­ßen Dis­kus­si­ons­be­darf sorg­te. Gro­ße und klei­ne Ver­le­ger, Blog­ger, Auto­ren und Soft­ware­an­bie­ter sind glei­cher­ma­ßen mit der Pro­ble­ma­tik kon­fron­tiert – und haben teils inter­es­san­te Ide­en für neue Geschäfts­mo­del­le.

Um die Fra­ge, was nach dem E-Book kommt zu beant­wor­ten, ist zunächst zu klä­ren, was das E-Book eigent­li­ch ist. Kri­ti­sche Betrach­ter nann­ten es in der Dis­kus­si­on „nichts wei­ter als die elek­tro­ni­sche Form des gedruck­ten Buchs“ und damit „nicht die Ant­wort auf die Digi­ta­li­sie­rung“. Das E-Book in sei­ner heu­ti­gen Form ist ein geschlos­se­nes For­mat, das zumeist durch Urhe­ber­recht geschützt und damit von sei­nen Lesern nicht ver­än­der­bar ist. Sein Auf­bau ahmt zudem den eines gedruck­ten Buches nach: Es gibt noch immer ein Cover, einen Klap­pen­text und einen Fließ­text in Sei­ten­form.

Welchen Wert hat das E-Book?

Von den vie­len neu­en Mög­lich­kei­ten, die durch die Erfin­dung des Hyper­tex­tes geschaf­fen wur­den, wird oft kein Gebrauch gemacht. Sel­ten sind E-Books als offe­nes Werk ange­legt und arbei­ten mit Ver­lin­kun­gen inner­halb des Tex­tes oder bezie­hen wei­te­re Medi­en in die Geschich­te ein. Die Idee ist immer noch die­sel­be wie beim gedruck­ten Buch: Es soll eine abge­schlos­se­ne Geschich­te erzählt und ver­kauft wer­den. Was die­sen Punkt angeht, so waren sich auf der Electric Book Fair alle Par­tei­en einig: Geschich­ten wird es immer geben und wir Men­schen wer­den immer lesen. Des­halb ist es auch unwahr­schein­li­ch, dass das E-Book das Papier­buch ver­drängt. Die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung ist für die meis­ten Leser nicht Anreiz genug, sich kom­plett vom gedruck­ten Buch zu tren­nen. Viel­mehr wer­den digi­ta­le Ver­öf­fent­li­chun­gen als zusätz­li­ches Ange­bot genutzt.

Das gedruck­te Buch hat Wert­merk­ma­le, die das E-Book nicht bie­ten kann. Vie­len Lesern fehlt zum Bei­spiel die Mög­lich­keit des Blät­terns. Gene­rell ist die feh­len­de Hap­tik ein Punkt, der immer wie­der kri­ti­siert wird. Viel wich­ti­ger aber: Das E-Book eig­net sich schlecht als Samm­ler­stück. Ein wich­ti­ges Wert­merk­mal von Büchern, das häu­fig ver­ges­sen wird, ist das damit ver­bun­de­ne Pres­ti­ge. Die Mög­lich­keit, sei­ne Bücher als Sta­tus­sym­bol in einem Regal zu prä­sen­tie­ren, fällt bei der elek­tro­ni­schen Form weg. Doch ist das wirk­li­ch schlimm?

Die Dis­kus­si­on auf der Electric Book Fair the­ma­ti­sier­te unter ande­rem auch den Wer­te­wan­del in der Gesell­schaft. Wie man an gut funk­tio­nie­ren­den Geschäfts­mo­del­len wie Net­flix oder Spo­ti­fy sieht, ist es vie­len Leu­ten nicht mehr wich­tig zu besit­zen, son­dern vor­wie­gend zu nut­zen. Wie wirkt sich das nun auf das E-Book aus? Auch in die­sem Bereich haben sich bereits Abo-Modelle wie Skoo­be oder Read­fy eta­bliert. Die Ide­en der Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer gin­gen sogar noch ein paar Schrit­te wei­ter: Weg davon, für das fer­ti­ge Werk zu bezah­len, statt­des­sen sol­len die Auto­ren fürs Wei­ter­schrei­ben bezahlt wer­den. Gefällt jeman­dem, was ein Autor pro­du­ziert, so zahlt er nicht mehr für das End­pro­dukt, son­dern unter­stützt ihn schon wäh­rend des Schreib­pro­zes­ses mit Spen­den. Inspi­ra­ti­on hier­für waren Let’s Play­er, die auf Youtube Videos online stel­len, in denen sie Com­pu­ter­spie­le spie­len. Die­se Videos sind kos­ten­frei. Dafür gibt es Platt­for­men auf denen Fans spen­den, damit ihre Ido­le ihrer Arbeit wei­ter nach­ge­hen kön­nen. Ein Ein­wand, der hier­zu laut wur­de, ist ob sich ein sol­ches Modell auch ohne Per­so­nen­kult um den jewei­li­gen Autor ren­tiert. Denn oft­mals arbei­ten Let’s Play­er ver­mehrt mit der Prä­senz der eige­nen Per­son. Es geht nicht mehr um das Spiel an sich, son­dern um den Spie­ler. Ein Phä­no­men, das im Buch­be­reich eher sel­ten vor­kommt.

Neue Geschäftsmodelle rund um das E-Book

Fest­steht, dass es vie­le Ide­en für neue Geschäfts­mo­del­le in der Buch­bran­che gibt, die sich in der Rea­li­tät noch nicht umset­zen las­sen. Oft­mals spie­len hier nicht etwa tech­ni­sche Hür­den oder die Ver­la­ge eine Rol­le, son­dern Auto­ren und Leser, die sich nicht auf neue Model­le ein­las­sen wol­len. So berich­tet etwa der Bas­tei Lüb­be Ver­lag, dass er selbst es sich gut vor­stel­len könn­te, kos­ten­lo­se E-Books raus­zu­brin­gen oder Wer­be­fi­nan­zie­rungs­mo­del­le zu tes­ten. Die­se Vor­stel­lun­gen tref­fen bei Auto­ren, die ihr Manu­skript als Gesamt­kunst­werk betrach­ten, aller­dings meist auf wenig Zuspruch.

Was die Leser angeht, so ist es für Ver­la­ge beson­ders wich­tig, ihre Ziel­grup­pen zu ana­ly­sie­ren und zu ver­ste­hen. Dabei hilft die Digi­ta­li­sie­rung, die es ermög­licht, Leser­da­ten zu sam­meln. In die­sem Zusam­men­hang soll­te man sich zunächst ein­mal bewusst machen, dass in den meis­ten Fäl­len nicht die Leser selbst, son­dern Buch­hand­lun­gen oder Ver­kaufs­platt­for­men wie Ama­zon die Kun­den der Ver­la­ge sind. Dadurch hat­ten die­se bis­her nur wenig Ein­sicht ins tat­säch­li­che Lese­ver­hal­ten der End­nut­zer. Mehr als Daten über die tota­len Ver­kaufs­zah­len eines Buches lie­ßen sich nicht erhe­ben. Digi­ta­le Model­le geben nun auch Auf­schluss dar­über, ob Bücher zu Ende gele­sen oder zu wel­chen Stel­len die Leser häu­fig zurück­keh­ren.

Welche Inhalte werden heutzutage außerhalb von Büchern und E-Books konsumiert?

Neben den Daten, die von bereits vor­han­de­nen Lesern in Erfah­rung gebracht wer­den, ist es für die Wei­ter­ent­wick­lung des E-Books auch wich­tig zu wis­sen, was und wie außer­halb des Buches gele­sen wird. Denn so viel steht fest: Wir lesen mehr als je zuvor. Wenn es dar­um geht, neue For­ma­te und Model­le zu eta­blie­ren, stellt sich die Fra­ge, an wen sich die­se rich­ten: An die Viel­le­ser, die ohne­hin schon zu den eige­nen Kun­den zäh­len oder aber an Men­schen, die bis­her noch nicht im Kon­takt mit dem Buch ste­hen? Rich­ten Ver­la­ge, Auto­ren oder Buch­händ­ler sich an letz­te­re Grup­pe, so müs­sen sie gezielt über­le­gen, wie sie die­se errei­chen kön­nen.

Wie bringt man Men­schen, die viel Zeit mit dem Lesen von Whats­App–Nach­rich­ten, Face­book–Posts und Buz­zfeed–Arti­keln ver­brin­gen dazu, sich auch für E-Books (oder eben das, was nach dem E-Book kommt) zu inter­es­sie­ren? Einig war man sich auf der Electric Book Fair in Bezug auf die­se Fra­ge vor allem dar­über, dass Inhal­te mobil gut rüber­ge­bracht wer­den müs­sen, da sie immer häu­fi­ger über das Smart­pho­ne kon­su­miert wer­den. Es gab eine gro­ße Band­brei­te an Vor­schlä­gen, die sich mit die­ser Pro­ble­ma­tik aus­ein­an­der­set­zen: Vom Akkordeon-Buch, das aus einem 1000-Seiten-Wälzer eine mobil abruf­ba­re Kurz­ge­schich­te macht, bis hin zu Fort­set­zungs­ro­ma­nen per Whats­App und Büchern, die varia­bel zwi­schen geschrie­be­nem und Audio-Format wech­seln.

Ob das E-Book nun ein Durch­gangs­for­mat ist, an das sich in zehn Jah­ren nie­mand mehr erin­nert, das ist noch nicht bekannt. Doch Eines ist sicher: In der Buch­bran­che gibt es vie­le schlaue Köp­fe, die inter­es­san­te neue Wege kon­zi­pie­ren, um mit digi­ta­len Inhal­ten umzu­ge­hen. Wir dür­fen also gespannt sein, wel­che davon sich letzt­end­li­ch durch­set­zen.

Ein Bei­trag von Aile­en Sing­hof und Johan­na Böhn­ke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.