Unsere Highlights der LBM 17

LBM 17 – CosplayerInnen und Besucher

Unter den Buch­mes­se Besu­chern erkennt man sofort die vie­len Cos­play­er in Ver­klei­dung. Foto: Kris­ti­na Pet­zold CC-BY-NC

Wir sind nicht nur mit vol­len Taschen zurück von der Leip­zi­ger Buch­mes­se, son­dern haben auch jede Men­ge Ent­de­ckun­gen, Ein­drü­cke und Erkennt­nis­se rund um die neu­es­ten Trends im digi­ta­len Lite­ra­tur­be­trieb im Gepäck. Ein paar die­ser Messe-Highlights haben wir hier zusam­men­ge­fasst.

Cos­play: Buch-Traditionalisten im Elfen-Kostüm

Sie sind auf der LBM berühmt und berüch­tigt: Cos­playe­rIn­nen, die sich in Kos­tü­men ihrer Lieblingsmanga- oder anime-Figuren auf der Leip­zi­ger Mes­se und vor allem der Man­ga Comic Con (MCC) tum­meln. Wäh­rend im letz­ten Jahr bereits 96.000 Besu­che­rIn­nen zur MCC pil­ger­ten, so stieg die Zahl in die­sem Jahr noch ein­mal um knapp 10.000 Manga-Fans auf 105.000. Doch nicht jeder ist von die­ser Ent­wick­lung ange­tan, wie der kürz­li­ch erschie­ne­ne Arti­kel von SWR2-Kulturredakteur Cars­ten Otte zeigt. Die­ser wünscht sich die Ver­ban­nung der „nack­ten Hasen“ und über­haupt die­ses gan­zen „Kla­mauks“ von der Mes­se. Die Buch­mes­se selbst reagiert gelas­sen und hält an ihrer Ent­schei­dung fest, mit der MCC seit 2013 dem jun­gen und „lese­freu­di­gen Publi­kum die­ses flo­rie­ren­den Seg­ments mehr Raum zu geben“. Die Orga­ni­sa­to­rIn­nen der LBM sei­en stolz dar­auf, ein so viel­fäl­ti­ges Publi­kum anzu­spre­chen.

LBM 17 – Cosplayerinnen

Das (nicht ganz voll­zäh­li­ge) Amazonen-Quartett aus dem Sailormoon-Universum, Foto: Kris­ti­na Pet­zold CC-BY-NC

Digi­tur hat sich in die­sem Jahr unter die MCC-BesucherInnen gemischt und her­aus­ge­fun­den, dass in den pro­gres­si­ven und frei­zü­gi­gen Ver­klei­dun­gen, oft ech­te Buch-Traditionalisten ste­cken. Die meis­ten MCC-BesucherInnen lesen ihre Man­gas näm­li­ch am liebs­ten ana­log – auch wenn es inzwi­schen in eini­gen Manga-Verlagen (wie z.B. Egmont) E-Manga-Angebote gibt. Sei es wegen der Hap­tik, des Geruchs, der Sam­mel­lei­den­schaft oder wegen des Respekts vor dem Hand­werk der Zei­chen­kunst – Papier ist Trumpf für die Elfen und Zau­be­rer. Wich­tig wer­den die Online-Medien für die Cosplay-Community erst, wenn es um Kos­tü­m­ide­en, Tipps und Tricks zur Her­stel­lung der Kos­tü­me oder um das Ver­net­zen mit bzw. das Kontakt-Halten zu ande­ren Cos­playe­rIn­nen und Mana­gaka – ins­be­son­de­re aus dem Aus­land – geht. Platt­for­men wie Anim­exx oder World­Cos­play sind beson­ders beliebt. Dort wird auch immer wie­der Fan­art, soge­nann­te Dōjins­hi, ver­öf­fent­licht, die oft – wegen der zu teu­ren Druck­kos­ten – online-only publi­ziert und gele­sen wird.

Die Blog­ger­ses­si­ons – das Ende der Geld­sor­gen?

Mit 42 bis 49 Euro pro Ticket war die Teil­nah­me an den buch­mes­se: blog­ger ses­si­ons 17 nicht unbe­dingt ein Schnäpp­chen – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Blog­ge­rIn­nen die wahr­schein­li­ch am schlech­tes­ten ver­die­nen­de Per­so­nen­grup­pe der Bran­che sind (sie ver­die­nen näm­li­ch in der Regel gar nichts mit ihren Rezen­sio­nen). Trotz­dem lock­te die zwei­te Auf­la­ge des Konferenz-Formats ali­as „blog­ger ses­si­ons 17“ wie­der vie­le Inter­es­sier­te an. Auch in die­sem Jahr eröff­ne­te Oli­ver Zil­le, der Direk­tor der Leip­zi­ger Buch­mes­se, die Ver­an­stal­tung und wies auf die Wich­tig­keit der Blog­ge­rIn­nen für die Bran­che hin. Er beton­te auch sei­ne per­sön­li­che Moti­va­ti­on, die Blog­ge­rIn­nen bei ihren Bemü­hun­gen zu unter­stüt­zen, Bücher sicht­bar zu machen.

LBM 17 – Podiumsdiskussion mit (v.l.n.r.) Jochen Kienbaum, Mareike Krause, Bozena Anna Badusa und Moderator Wolfgang Tischer

Podi­ums­dis­kus­si­on mit (v.l.n.r.) Jochen Kien­baum, Marei­ke Krau­se, Bozena Anna Badu­sa und Mode­ra­tor Wolf­gang Tischer. Foto: Kris­ti­na Pet­zold CC-BY-NC

Die ses­si­ons selbst bestan­den aus unter­schied­li­chen, zum Teil par­al­lel lau­fen­den Panels, die fast aus­schließ­li­ch von Blog­ge­rIn­nen selbst aus­ge­stal­tet waren, u.a. zu recht­li­chen Aspek­ten des Blog­gens (Til­mann Win­ter­ling), zur Moti­va­ti­on hin­ter dem Blog­gen (Podi­ums­dis­kus­si­on) oder der zen­tra­len Fra­ge nach den 21 Ver­dienst­mög­lich­kei­ten von Blog­ge­rIn­nen (Fabi­an Neid­hardt und Wolf­gang Tischer, der die ses­si­ons auch ins­ge­samt mode­rier­te). Zwei Aus­nah­men von der Peer-to-Peer-Regel bil­de­te das Panel von Lovely­books zu SEO-Strategien und die Keyno­te von FAZ-Feuilleton-Redakteur Andre­as Platt­haus. In Anbe­tracht der immer wie­der beschwo­re­nen Kon­kur­renz zwi­schen klas­si­scher Lite­ra­tur­kri­tik und Buch-Blogosphäre war sei­ne Anwe­sen­heit bei den ses­si­ons ein State­ment. Andre­as Platt­haus sprach ver­söhn­li­ch von den vie­len Gemein­sam­kei­ten zwi­schen Blog­ge­rIn­nen und Lite­ra­tur­kri­ti­ke­rIn­nen („Wir haben einen gemein­sa­men Feind:  die Leu­te, die nicht lesen.“), aber auch kri­ti­sch über sei­ne Beob­ach­tung, dass Blog­ge­rIn­nen sich zu unbe­darft und zu leicht mani­pu­lier­bar in die Koope­ra­ti­on mit Ver­la­gen und Auto­rIn­nen begä­ben. Dadurch sei ihre Unab­hän­gig­keit gefähr­det. Auch wenn die Blog­ge­rIn­nen es sport­li­ch nah­men – genü­gend Dis­kus­si­ons­stoff für der­ar­ti­ge ses­si­ons und Kon­fe­ren­zen wird es wohl auch zukünf­tig noch geben.

LBM 17 - Neuland 2.0

Die Neu­land 2.0 Area. Foto: Laris­sa M. Cremer

Neu­land 2.0 – das Startup-Village der Leip­zi­ger Buch­mes­se

Nach einem erfolg­rei­chen Start im letz­ten Jahr hat­ten auch auf der dies­jäh­ri­gen Buch­mes­se wie­der fünf­zehn inno­va­ti­ve Star­tups die Chan­ce, ihre Ide­en einem Fach­pu­bli­kum und inter­es­sier­ten Besu­chern zu prä­sen­tie­ren. Neben einem mit 3000€ dotier­ten Jury­preis und dem von den Medi­en­fo­ren Leip­zig ver­lie­he­nen Son­der­preis für die „aus ihrer Sicht viel­ver­spre­chends­te und am ehes­ten über Bran­chen­gren­zen hin­weg ska­lier­ba­re Idee“ wur­de auch in die­sem Jahr wie­der ein Publi­kums­preis ver­lie­hen, über den die Mes­se­be­su­cher zuvor online und wäh­rend der zwei Neu­land–Tage abstim­men konn­ten. Wäh­rend die Jury die Open Sour­ce Soft­ware Book­ty­pe aus­zeich­ne­te, die den gesam­ten redak­tio­nel­len Pro­zess der Buch­her­stel­lung abbil­det und ein Werk bis zum pas­sen­den Lay­out aus­gibt, ent­schie­den sich die Leip­zi­ger Medi­en­fo­ren für die Soft­ware SciF­low der gleich­na­mi­gen Mag­de­bur­ger Fir­ma. SciF­low will For­schen­den bei der Ver­brei­tung ihrer wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen ver­hel­fen, indem sie auf poten­zi­el­le Kon­fe­ren­zen und Jour­na­le zur zeit­na­hen Ver­öf­fent­li­chung hin­weist, die Mög­lich­keit für Feed­back von Kol­le­gIn­nen bie­tet und den geschrie­be­nen Text an For­mat­vor­la­gen anpasst.

Gewin­ner des Publi­kums­prei­ses – sowohl im Online-Voting als auch bei der Abstim­mung vor Ort – wur­den die drei Sound­de­si­gner von isle-audio. Die Baden-Württemberger bie­ten dem Buch­markt mit ihrem aBook ein Lese­me­di­um, das mit Hil­fe von Eye­tracking Lite­ra­tur anhand der Blick­po­si­ti­on des Lesers syn­chron ver­klang­licht und so ganz neue Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten für Tex­te bie­tet.

Auch unse­re drei Digitur-Redakteurinnen waren vor Ort, haben die Inno­va­tio­nen getes­tet, sich umge­schaut und so ihre ganz per­sön­li­chen Lieb­lin­ge gekürt. Neben der web­ba­sier­ten Talent­platt­form MyPo­o­lit­zer, waren auch für uns die Erfin­der von isle audio ganz weit vor­ne. Was die Grün­der im Inter­view mit Digi­tur über ihre Idee ver­rie­ten, wer­det Ihr in den nächs­ten Wochen auf Digi­tur lesen kön­nen.

Die Buch­mes­se als Inspi­ra­ti­ons­quel­le für Self­pu­blis­her

Neben zahl­rei­chen tra­di­tio­nel­len Ver­la­gen prä­sen­tier­ten sich auch die­ses Jahr wie­der vie­le Selfpublishing-Dienste auf der LBM. Dabei waren sowohl die Gro­ßen wie Kind­le Direct Publis­hing, als auch neue klei­ne­re Anbie­ter wie Twen­ty­six, einem Zusam­men­schluss aus dem tra­di­tio­nel­len Ver­lags­haus Ran­dom Hou­se und dem Selfpublishing-Anbieter Books on Demand (BoD). Mit bei­den hat die Digi­tur Redak­ti­on Inter­views geführt, die es hier bald zu lesen gibt.

Für Auto­ren war die Buch­mes­se nicht nur inter­es­sant, weil sie die Mög­lich­keit bot mit den Anbie­tern direkt in Kon­takt zu tre­ten, son­dern auch weil es inter­es­san­te Vor­trä­ge mit prak­ti­schem Tipps zum Ver­le­gen des eige­nen Buches gab. Von den Grund­la­gen des Self­pu­blis­hings bis hin zu unkon­ven­tio­nel­len Ver­mark­tungs­stra­te­gi­en waren die unter­schied­lichs­ten The­men ver­tre­ten.

LBM 17 - Marketingstrategien - Twentysix Verlag

Yvon­ne Uel­pe­n­ich von Twen­ty­six befragt Andre­as Artur Rei­chert, Bar­ba­ra Schil­ling und Vanes­sa Heintz zu unkon­ven­tio­nel­len Mar­ke­ting­stra­te­gi­en (v.l.n.r.). Foto: Laris­sa M. Cremer

Letz­te­rer Vor­trag über­rasch­te unse­re Digitur-Redakteurinnen mit teil­wei­se wirk­li­ch außer­ge­wöhn­li­chen Ide­en. So gibt es zur Kri­mi­ko­mö­die „Hader­lump“ von Andre­as Artur Rei­chert, auf deren Cover ein Hund abge­bil­det ist, bei­spiels­wei­se gleich die pas­sen­de Hun­de­wurst – in der Schweiz ist die ein Ver­kaufs­schla­ger. Ein wei­te­rer Tipp des Autors: Er sucht sich vor dem Schrei­ben bereits einen pas­sen­den Koope­ra­ti­ons­part­ner. Sein neus­tes Kin­der­buch etwa han­delt in einem regio­na­len Frei­zeit­park – und liegt dort auch an der Kas­se aus. Auto­ren­kol­le­gin Vanes­sa Heintz geht die unkon­ven­tio­nel­le Ver­mark­tung etwas digi­ta­ler an: In einer Auto­ren­com­mu­ni­ty auf Face­book unter­stüt­zen sich die Self­pu­blis­her gegen­sei­tig und pla­nen gemein­sa­me Mar­ke­ting­ak­tio­nen. Beim Valentintags-Gewinnspiel konn­ten die Facebook-Fans bei­spiels­wei­se dar­über abstim­men, wel­cher Autor ihr Lieb­lings­pär­chen erschaf­fen hat.

Ob Face­book über­haupt die rich­ti­ge Social-Media-Plattform für sie ist, erfuh­ren Auto­ren im Vor­trag von BoD. Hier erklär­te das Unter­neh­men wel­che Gen­res auf wel­chen Net­wer­ken beson­ders gut ankom­men. Einen genaue­ren Bei­trag dazu wird es nächs­te Woche auf Digi­tur geben.

von Kris­ti­na Pet­zold, Laris­sa M. Cremer und Johan­na Böhn­ke

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