The Princess and the Fox: Künstliche Intelligenz kreiert Märchen

KI erschafft Prinzessin und Fuchs – was mag noch kommen?, Bild: CCO pixabay

Once upon a time, there was a golden horse with a golden saddle and a beautiful purple flower in its hair. The horse would carry the flower to the village where the princess danced for joy at the thought of looking so beautiful and good […],

spricht die beruhigende, sehr markante und tiefe Stimme des Schauspielers und Synchronsprechers Erik Braa und eine insgesamt 15 Minuten lang andauernde Online-Märchen-Lesung beginnt.  Das ist nichts Neues, da viele ihre CD-Spieler und Radios längst durch Onlineversionen der Audio-Wiedergabe ersetzt haben. Neu ist allerdings, dass das Märchen The Princess and the Fox im Gegensatz zu anderen Erzählungen aus dem Jahre 2018 stammt und weder mündlich überliefert noch allein von Menschenhand niedergeschrieben wurde.

Es ist ein literarisches Experiment der Entspannungs-, Meditations- und Einschlaf-App Calm, die in Kooperation mit dem Künstler*innen-Kollektiv Botnik künstliche Intelligenz dafür nutzte, ein zeitgenössisches Grimm-Märchen entstehen zu lassen. Die Sprache des Märchens sollte die der Gebrüder Grimm hierbei jedoch imitieren und den Stil eines authentischen literarischen Märchens aufweisen. Um dies zu erreichen, wurde das von Botnik entwickelte Schreibprogramm Voicebox mit den gebräuchlichsten Wörtern, Wortfolgen und immer wiederkehrenden Floskeln der klassischen Grimm-Erzählungen gefüttert und anschließend dahingehend programmiert, den eingepflegten Inhalten sowohl in ihrer Semantik als auch in ihrer äußeren Form entsprechende Formulierungen und Phrasen zu produzieren. Darauf aufbauend haben drei Botnik-Autor*innen den künstlich produzierten Textfragmenten die äußere Gestalt einer Geschichte verliehen und Beiträge der Calm-Redakteur*innen einbezogen.

Laut Calm-Blogartikel ist das Ergebnis

[…] a new tale in the style and voice of the Brothers Grimm – but with the occasional surreal touch and a more soothing plot and feel than some of the scarier Grimm stories.

Hervorgebracht wurde also ein Märchen, das zwar aus der Grimm-Feder stammen könnte, jedoch weniger düster als seine traditionellen, mehr als 200 Jahre alten Vorbilder ist. Funktioniert hat dies vor allem, da die Märchen der Brüder Grimm nach klaren Strukturen und Mustern aufgebaut sind, die mithilfe modernster Technologien repliziert werden konnten. Der Botnik-Mitarbeiter Jamie Brew sieht das Resultat als Produkt eines gelungenen Teamwork-Prozesses an:

The end result, The Princess and the Fox, belongs not to any single machine or person or pair of brothers but to the whole interconnected system of inspiration and intepretation.

The Princess and the Fox steht nun als eine der mehr als 90 Calm Sleep Stories in der App, Apple-App of the Year 2017, zum Download zur Verfügung. Zudem kann im Calm eigenen YouTube-Channel sowie im Calm-Blog in die Gute-Nacht-Geschichte hineingehört werden. Derzeit existiert sie nur auf Englisch, an einer Übersetzung ins Deutsche wird allerdings gearbeitet.

Ob das algorithmisch erzeugte Grimm-Märchen eine Marketingstrategie der erfolgreichen App ist, sei dahingestellt, sicher ist jedoch, dass das Projekt erneut deutlich gemacht hat, wie menschennah und -ähnlich künstliche Intelligenz heutzutage funktioniert.

Julia Bergemann

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