Die Kunst des Geschichtenerzählens in 140 Zeichen

Twitters Twitter-Account. Bild:
Twitters Twitter-Account. Bild: CC BY-SA 2.0 Christopher

In der letzten Woche wurde auf Twitter mehr als 19.000 mal über #TwitterFiction getweeted. Grund dafür war ein in seiner Form einzigartiges Literaturfestival, das Leser, Autoren, Verlage und Interessierte aus aller Welt zusammenführte, um die kürzeste literarische Form unserer Zeit zu zelebrieren: Tweets. Während das #TwitterFiction Festival in den USA überwiegend positive Resonanz in den Medien findet und renommierte Autoren anlockt, scheint in Deutschland ein eher kritisches Meinungsbild zur Veranstaltung und der entstehenden Twitteratur vorzuherrschen. Weiterlesen „Die Kunst des Geschichtenerzählens in 140 Zeichen“

Fundstück Nr. 44: „Mit einem Navi wäre das nicht passiert“

Der Screenshot zeigt: Auch die Berliner Zeitung twitterte fleißig mit.
Der Screenshot zeigt:
Auch die Berliner Zeitung twitterte fleißig mit.

Abseits von schnödem Wortgeröll und entbehrenswerten Nichtigkeiten im twitterischen Datenüberfluss und mit dem Hashtag #1Buch1Satz versehen, gibt es sie noch: lesenswerte, lustige und literarische Tweets. Zeit Online löste mit ihrer gleichnamigen Aktion anlässlich der Frankfurter Buchmesse nämlich einen wahren Trend aus, als sie dazu aufrief, den Inhalt eines Buches auf 140 Zeichen zusammenzufassen. Als „Swingerparty gone bad“ beschreibt jemand Goethes Wahlverwandtschaften. „Geiz ist nicht geil“ heißt es dagegen bei Dickens Weihnachtsgeschichte. Lesenswert sind die kreativen Ideen der Twitter-Community allemal.

Fundstück: E-Poetry und das Times Haiku

Times Haiku vom 16.Juni 2014 CC-BY-NC-SA 4.0 Anne Lenhardt
Times Haiku vom 16.Juni 2014
CC-BY-NC-SA 4.0 Anne Lenhardt

Ein Dreizeiler mit fünf, sieben und wiederum fünf Silben – mehr braucht es nicht für ein  traditionelles japanisches Haiku. Seit seinen Anfängen im 16. Jahrhundert erfreut sich das Haiku auch heute noch solcher Beliebtheit, dass mittlerweile auch das Flaggschiff des amerikanischen Journalismus, die New York Times, täglich ihr eigenes Haiku auf tumblr und twitter veröffentlicht. Das interessante daran: Der Text der kürzesten Gedichtform der Welt wird nicht von Journalisten, sondern von einem komplexen mathematischen Algorithmus generiert. Geschrieben hat diesen der amerikanische Entwickler Jacob Harris. Sein Haiku-Generator durchkämmt täglich die Titelseite der aktuellen Ausgabe und findet Sätze, die – mit Hilfe eines Open Source Wörterbuches und Silbenzählers – zu einem Haiku geformt werden können. Für die Veröffentlichung ausgewählt, optisch ansprechend verpackt und über eine Vielzahl von sozialen Netzwerken verteilt werden die Gedichte dann aber trotzdem noch von menschlichen Times-Journalisten.

22.03.2014: indiebookday!

indiebookday-banner-652x157Am Samstag geht der indiebookday in die zweite Runde. Jeder kann mitmachen und so seine Liebe zur Buchkunst demonstrieren und zelebrieren und dabei gleichzeitig unabhängige Verlage unterstützen. Der indiebookday, das literarische Pendant zum Record Store Day, dem Tag der Indieplattenläden, findet auf Initiative des mairisch Verlags seit 2013 am Samstag nach der Leipziger Buchmesse statt.

Mitmachen? So geht’s: Buch eines Indieverlags in der Buchhandlung kaufen. Foto machen. Mit #indiebookday in den sozialen Netzwerken posten. (Das zugehörige Facebook Event findet man hier.)

Fundstück: „With algorithms subtle and discrete // I seek iambic writings to retweet.“

Um ein Gedicht verfassen zu können, braucht man viel Gefühl? Das Twitter-Lyrik-Projekt „Pentametron“ kommt auch ohne aus. Ranjit Bhatnagar hat einen Algorithmus geschrieben, der elektronische Gedichte produziert. Sein Programm sucht nach englischsprachigen Tweets mit einem jambischen Versmaß, bei dem fünf betonte Silben abwechselnd auf fünf unbetonte folgen. Hat Pentametron so einen Tweet gefunden, wird dieser so lange archiviert bis das Programm einen zweiten erfasst hat, der sich auf den ersten reimt. Erst dann werden beide Tweets retweetet. @pentametron hat so schon über 42.000 Tweets abgegeben. Auf der Internetseite werden sie dann zu 14-zeiligen Gedichten zusammengefügt und veröffentlicht.

Hier ein kleiner Appetithappen daraus:
     Forever underneath The Dreaming Tree.
    Still crying at the cemetery scene:(
    So many random numbers calling me .__.
    Can someone please create a time machine
            („I got an alligator for a pet!“ Ein Gedicht von @pentametron)

Twitteratur

Autorin Anousch Mueller CC-BY-SA 4.0 Kristina Petzold
Autorin Anousch Mueller
CC-BY-SA 4.0 Kristina Petzold

Ob Blogs, Twitter oder Facebook – aus der täglichen Kommunikation sind diese Mittel nicht mehr wegzudenken. Doch werden solche digitalen Plattformen nur für den Austausch genutzt oder findet hier sogar literarisches Schreiben statt? Kann bei einem Tweet überhaupt die Rede von Literatur sein? Kristina Petzold und Sabrina Jaehn haben bei der Autorin und Bloggerin Anousch Mueller und dem Literaturwissenschaftler Dr. Thomas Ernst nachgefragt.