Fundstück: Literatur aus dem Automaten

Die Wartezeit an den bretonischen Bahnhöfen vergeht bald wie im Flug. Foto: RondellMelling  pixabay CC0

In der Bretagne muss sich bald niemand mehr über einen verspäteten Zug ärgern, denn in vielen Bahnhöfen der Region soll der Literaturautomat „Distributeur d’histoires courtes“ aufgestellt werden. Diese Maschine druckt kostenlos und in sekundenschnelle auf dem Format eines Kassenbons entweder eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht für den geneigten Leser aus. Der oder die Wartende hat dabei allerdings nur die Kontrolle über die Länge der Story, die je nach Wahl entweder eine, drei oder fünf Minuten Lesezeit beansprucht – die jeweilige Kurzgeschichte wird durch das Gerät zufällig ausgewählt. Bislang wollen 600 verschiedene literarische Texte von den Literaturinteressierten gelesen werden. Sie stammen von Hobbyschreibern aus der französischsprachigen Autorencommunity Short Édition.

Gerade in den Zeiten der zunehmenden Digitalisierung mit E-books und Smartphones scheint diese Maschine, die den LeserInnen einen physischen Papierzettel in die Hand gibt, erfolgversprechend zu sein. Denn der „Lesomat“, wie die SZ die Maschine betitelte, wird in Grenoble bereits jetzt überall dort getestet, wo sich die Menschen auf eine längere Wartezeit einstellen müssen – etwa im Bürgeramt, in der Touristeninformation oder in der Bibliothek. Und dort lässt sich der Erfolg mit über 10.000 ausgedruckten Literatur-Bons pro Monat sogar in Zahlen messen.

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