E-Books ernst nehmen – Der Berliner E-Book-Verlag mikrotext

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Im Februar wird mikrotext ein Jahr alt. Das Programm des Berliner Verlags beinhaltet kurze E-Books: short digital reading. Die Verlagsgründerin, Bloggerin Nikola Richter, war der Meinung, E-Books würden nicht ausreichend als eigenständiges Medium ernst genommen und immer vom traditionellen Buch abgeleitet. „Durch dieses Schattendasein werden digitale Bücher permanent abgewertet“, sagte sie kurz nach Verlagsgründung gegenüber boersenblatt.net. Das wollte sie ändern.

Und so verlegt mikrotext nun schon seit einem Jahr ausschließlich Originaltexte als E-Books. Denn E-Books können so viel mehr sein als nur ein sekundärer Vertriebskanal für zuvor gedruckte Bücher. Mit der Spezialisierung auf E-Singles war mikrotext ein Avantgardist im deutschsprachigen Raum. Inzwischen ist das Verlagsprogramm beachtlich gewachsen. Zu finden sind aktuelle literarische Texte, „die Zeitgenossenschaft dokumentieren und Perspektiven in die Zukunft schreiben. Sie sind inspiriert von Diskussionen in sozialen Medien und dem Blick auf internationale Debatten.“ (siehe Verlagshomepage)

Mit ihrem Literatur-StartUp war die junge Verlegerin richtungsweisend. Weitere E-Book-Verlage gründeten sich im Anschluss. Im Herbst 2013 stand mikrotext sogar auf der shortlist vom Virenschleuder-Preis – ein Preis, der besonders ansteckendes Marketing auszeichnet. Die Kommunikation des Verlags läuft ausschließlich digital: Neben der Website wird ein Facebook- und ein Twitteraccount gepflegt, es gibt Newsletter und Mailings.

Nikola Richter gibt mit mikrotext nicht nur neuen Formaten wie Statusmeldungen, Blogeinträgen, Mails etc. die Chance zur Veröffentlichung als E-Book, sondern auch Autoren, deren Texte bisher zu kurz für ein gedrucktes Buch gewesen wären. Die Texte haben alle gemeinsam, dass sie kurz und für schmales Geld zu haben sind. Die kurzen Formate sind vielleicht nicht das Ende der Fahnenstange und mit Sicherheit nicht die ausschließliche Zukunft der Literatur, aber sie sind eben auch und immer mehr gefragt. „Durch das häufige Lesen am Bildschirm gewöhnt sich die breite Leserschaft immer mehr an kurze Formate“, heißt es in einem Artikel von WELT-Online, in dem Nikola Richter als „Missionarin der digitalen Literatur“ bezeichnet wird.

Katharina Reich

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