Digitalisierung: Segen oder Fluch für den Umweltschutz?

Naturidylle oder Rohmaterial? CC by SA Vanessa Hellwig

Fast 250 Kilogramm Papier verbrauchten die Deutschen pro Kopf im Jahr 2017. Das ist genau so viel, wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen verbrauchen, berichtet das Umweltbundesamt. Das überrascht, denn die Erhaltung von Wald und Wiese im Sinne von Umweltschutz liegt vielen Menschen sehr am Herzen. Im Zeitalter von Internet und Digitalisierung sollte sich doch der Papierverbrauch zugunsten der Ressourcenschonung deutlich verringern?

Bäume sind Gedichte, die die Erde an den Himmel schreibt. Wir fällen sie nieder und verwandeln sie in Papier, um unsere Leere zu dokumentieren.
Khalil Gibran, 1926

Obwohl viele Städte, Institutionen und Privatleute mit gutem Beispiel vorangehen und Recyclingpapier nutzen – laut dem Papierbericht nutzt unter anderem die Stadt Essen zu 100 % das Papier mit dem blauen Engel – steigt der Bedarf an frischem Material stetig, wie der WWF berichtet. Die Holzindustrie fährt große Gewinne ein und holzt dafür großflächig Wälder ab – und das nicht nur in weit entfernten Regenwäldern, sondern auch in Europa. Unter anderem in Rumänien werden viele Waldflächen gerodet, was nicht gut für das Klima ist und die dort beheimateten Wildtiere, etwa Braunbären, in ihrem Lebensraum bedroht.

Wirkt die Digitalisierung dem nicht entgegen? Schließlich schicken wir uns doch Mails an Stelle von Briefen, wir lesen E-Books, anstatt Bücher aus Papier zu kaufen und wir abonnieren unsere bevorzugte Tageszeitung in digital, anstatt sie am Kiosk Form zu kaufen.

Alles, was die gesunde Natur tut, ist göttlich.
Johann Christoph Friedrich von Schiller, 1795

Auf der einen Seite sparen wir dank des digitalen Wandels also schon Mal Massen an Papier. Auch elektrische Geräte werden immer weiter verbessert, unter anderem im Hinblick auf ihre energetischen Eigenschaften. Seit den 1990er Jahren gibt es den „Energy Star“, der Geräte mit umweltschonenden Eigenschaften kennzeichnet. Computer wechseln automatisch in den Ruhemodus und Monitore schalten sich von selbst aus, wenn sie länger nicht benötigt werden. Unternehmen sparen Reisekosten, weil jeder jetzt an Konferenzen mittels Videoübertragung aus dem eigenen Büro teilnehmen kann, und schonen damit gleichzeitig die Umwelt.

Man kann den Schrei des kranken Sees hören / Unter der Vögel Schlag und gelbem Sprung.
Paul Boldt, 1914

Auf der anderen Seite stehen Berge von Elektroschrott und ein immenser Durst auf frische Rohstoffe für die Herstellung von immer mehr Geräten jeglicher Art. Der Bedarf daran nimmt nicht ab. “Wir verbrauchen von allem immer mehr: mehr fossile Energieträger, mehr Metalle und Mineralien, mehr Baumaterialien und mehr Biomasse”, fasst das Berliner NGO PowerShift das Dilemma in einer Broschüre zusammen. Es gibt viele Zahlen, die diese Aussage unterstützen: Zum Beipiel wurden im Jahr 2010 weltweit 300 Millionen Smartphones verkauft, fünf Jahre später schon 1,4 Milliarden. Wir erledigen ja auch immer mehr Dinge im Alltag auf digitale Art statt Brettspielen zocken wir auf der neusten PlayStation, um zurück nach Hause zu finden nutzen wir das Navi anstelle der guten alten Straßenkarte. Damit sparen wir zwar eine Ressource, opfern dafür aber eventuell eine andere.

Weißt du was ein Wald ist? Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude?
Bert Brecht, 1941

Was für ein Fazit kann man daraus ziehen? Wir sollten weiterhin darauf achten, digitale Kopien zu machen anstelle von welchen auf Papier. Und wenn das nächste Mal der Laptop kaputt ist, können wir ihn vielleicht reparieren lassen und falls wir doch einen neuen brauchen, können wir darauf achten, dass er wenig Energie verbraucht oder vielleicht sogar ethisch korrekt produziert wurde, denn Umweltschutz und Produktionsbedingungen hängen oft eng zusammen.

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