„Die Verlegerin“: Wenn Spielberg aus dem Zeitungswesen ein Drama macht

In Spielbergs neuem Film spielen Teamwork und Zusammenhalt bei einer Zeitung eine wichtige Rolle. Bild: CCO pixabay

Sie ist ambitioniert, literaturbegeistert und gerecht – 1972 übernimmt Katharine „Kay“ Graham das gemeinsame Unternehmen der Familie, die renommierte “Washington Post“. Damit wird sie nicht nur die erste Zeitungsverlegerin der USA, sondern auch eine der mächtigsten Frauen Amerikas. Von ihren Vorstandskollegen wird sie aber nur belächelt. Als Chefredakteur Ben Bradlee über einen Vertuschungsskandal im Weißen Haus berichten will, entscheidet sich Kay für ihren Mitarbeiter und die Pressefreiheit. Sie setzt ihre Karriere aufs Spiel und tritt mit ihrem Team gegen den wohl stärksten Gegner des Landes an: die US-Regierung.

Seit einer Woche (22.02.) ist das Politdrama „Die Verlegerin“ nun schon im deutschen Kino zu sehen. Im Film geht es nicht nur um die Heldin Kay Graham und ihre Arbeit bei der “Washington Post“, sondern auch um einen der größten Verschleierungsversuche in der Geschichte Nordamerikas. Denn Ben Bradlee, Grahams Chefredakteur bei der “Post“, erhält von einem Whistleblower die Information über geheime Dokumente, die Amerikas Rolle im Vietnamkrieg näher erläutern. Diese sogenannten Pentagon Papers enthalten Studien, die belegen, dass Amerikas Chancen auf einen militärischen Sieg aussichtslos gewesen sind. Dennoch trieben die US-Regierungen seit Kennedy den Konflikt voran und ließen ihn eskalieren. Gleich vier Präsidenten sollen in den Skandal verwickelt sein. Bradlee strebt nun danach, die Macht der Zeitung zu nutzen und die Gesellschaft über den Betrug aufzuklären. Auf diese Weise möchte er auch die immer einflussreichere “New York Times“ ausstechen. Unterstützung erhält der Vollblutjournalist von dem Reporter Ben Bagdikian und seiner Chefin. Sie wollen die Pentagon Papiere finden und bekommen dabei die Gegenwehr der Regierung zu spüren. Da Nixons Generalstaatsanwalt ein Urteil erlässt, welches die Publikation von die nationale Sicherheit gefährdenden Artikeln untersagt, riskieren sie, ins Gefängnis zu wandern, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Besonders Graham als Inhaberin muss sich daher die folgenden Fragen stellen: Drucken? Nicht drucken? Verlust von Arbeitsplätzen für Pressefreiheit? Fragen, die der Film auf gekonnte Weise behandelt und die verdeutlichen, dass sich die unsichere Kay Graham mit den wachsenden Herausforderungen und der Gegenwehr der Regierung zu einer immer stärkeren Frau entwickelt. Wie der Film ausgeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Als Steven Spielberg von dem Drehbuch zu „Die Verlegerin“ (im Original “The Post“) erfuhr, war ihm sofort klar, dass er diese auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte verfilmen musste. In nur acht Monaten gelang es ihm, die Geschichte über die “Washington Post“ und ihren aufgedeckten Skandal auf die Leinwand zu bringen. Dies hat Spielberg auch der erstklassigen Besetzung zu verdanken: Meryl Streep übernimmt die Rolle der weiblichen Protagonistin Kay Graham, während Tom Hanks und Bob Odenkirk die beiden Redakteure Ben Bradlee und Ben Bagdikian mimen. Besonders Streep und Hanks harmonieren trotz ihrer gegensätzlichen Rollen wunderbar miteinander und lassen den Zuschauer über das Verständnis von Pressefreiheit und investigativem Journalismus nachdenken. Welche gesellschaftliche Rolle spielen Journalisten und wie sieht die Arbeitswelt in einem renommierten Verlagshaus wie der “Post“ aus? Auf diese Fragen gibt der Film Antworten.

Und zwar erstaunlich realistische Antworten. Denn noch nie stand das Verhältnis von US-Präsident und Medien so stark in der Kritik wie momentan. In Zeiten von „Fake News“ wird deutlich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien ist. Auch gegenüber der Gesellschaft. Diese hat im Zuge der Pressefreiheit ein Recht auf die Wahrheit. Informationen dürfen weder zurückgehalten, noch verändert werden. Journalistische Objektivität und Transparenz sind notwendig, um dem medialen Einfluss gerecht zu werden.

„Die Verlegerin“ verspricht, das Zeitungswesen von innen heraus zu beleuchten und dem Zuschauer auch Einblicke in die Machenschaften der amerikanischen Regierung zu geben. Dass die Rezeption des Films überwiegend positiv ist, beweisen die Nominierungen für zahlreiche Filmpreise. So wurde er beispielsweise als Bester Film für die diesjährige Oscarverleihung und die Golden Globe Awards nominiert. Bei beiden Preisverleihungen wurde auch Meryl Streep für ihre schauspielerische Darstellung von Kay Graham in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin vorgeschlagen.

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