Digitur blickt auf 2017 zurück

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit einmal auf 2017 zurück zu schauen.
Bild: CCO pixabay.com

Die letzten Tage in diesem Jahr sind angebrochen und während sich alle auf Weihnachten und Silvester vorbereiten, haben wir uns gefragt, was dieses Jahr so alles passiert ist. Digitur hat euch unsere digitalen Highlights des Jahres 2017 zusammengestellt.

Von Buchmessen über Literaturpreise bis hin zu Lyrik im Internet ist alles dabei. Auch neuste Trend und Autoren wurden thematisiert. Aber schaut selbst. Wir wünschen viel Spaß dabei!

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INSTAPOETS: RUPI KAUR & CO

Bild: CCO Julia Bergemann

War es vor einigen Jahren kaum noch möglich, mit Gedichtbänden erfolgreich zu sein, so wächst das Interesse junger Leute an Lyrik heutzutage immens. Es sind nicht mehr nur die altbekannten Backlist-Titel, die über die Ladentheke gehen – vielmehr haben sich Online-Kanäle wie Twitter oder Instagram zu Plattformen für die Verbreitung von (Dicht-)Kunst etabliert, die im besten Fall auch irgendwann in gedruckter Form erscheint. Die Netzwerke sind bestückt mit Poesie für ein Publikum jeder Altersklasse. Aktuell, weltoffen und voll von Emotionen, die LeserInnen abholen, mitreißen und die Möglichkeit zur Identifikation bieten.  Weiterlesen „INSTAPOETS: RUPI KAUR & CO“

Fundstück: Re:Scam gegen Spam-Mails

Das neuseeländische Sicherheitsunternehmen Netsafe hat die wohl unterhaltsamste Waffe gegen Spammer entwickelt: einen Chatbot namens Re:Scam. Der Chatbot reagiert mit automatisch generierten Nachrichten auf Spam-Mails und soll die Betrüger in eine Konversation verwickeln, die möglichst lange anhält. So sollen die Urheber der Spam-Mails weniger Zeit dafür haben echte Menschen um ihre Daten und ihr Erspartes zu bringen.
Was also tun, wenn eine Spam-Mail es doch wieder einmal geschafft hat die ‚normalen’ Spamfilter zu passieren? Die Mail an den Bot unter me@rescam.org weiterleiten und hoffen, dass die Spammer in endlose Gespräche verwickelt werden. Wir finden die Idee sehr kreativ!

„Das Internet macht die Welt besser“ – Ein Interview mit Kathrin Passig

Bild: Norman Posselt, www.normanposselt.com

Die poet in residence-Woche an der Universität Duisburg-Essen hat sich dem Ende geneigt und wir hatten das Glück, der Schriftstellerin und Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises (2006) Kathrin Passig einige Fragen stellen zu dürfen. Besonders interessiert hat uns ihr Verhältnis zum Thema Arbeit, da die Vorträge aller vier Gäste unter diesem Themenschwerpunkt standen. So wurden beispielsweise Arbeitsweisen, Prokrastinationsstrategien und Ängste vor dem Schreiben enthüllt. Kathrin Passig selbst hat dies Anfang der Woche unter dem Hashtag #wirnennenesüberarbeitreden auf Twitter zusammengefasst.  Weiterlesen „„Das Internet macht die Welt besser“ – Ein Interview mit Kathrin Passig“

Fundstück: Amazon bietet neue Option für Prime-Mitglieder: Prime Reading

Amazon bietet neue Funktion für Prime-Mitglieder: Prime Reading. Screenshot vom 23.06.2017

Amazon erweitert sein Sortiment für Prime-Kunden in Deutschland und Österreich und stockt um die Leseflatrate auf. Prime Reading bietet ab sofort unbegrenztes Lesen von eBooks, eMagazinen, Comics und Kindle Singles (Kurzgeschichten, Memoiren, Aufsätze). User können dabei Titel wie Generation Beziehungsunfähig von Michael Nast und GU Kochbücher aus unterschiedlichen Genres auswählen: Kinderbücher, Romane, Krimis, Sachbücher,… Im Programm sind außerdem vollständige Digitalausgaben von Magazinen wie Stern,  Spiegel, Vogue uvm enthalten. Autoren erhalten eine Pauschalsumme zwischen 200 und 1000 Euro.
Es gibt eine kostenlose Kindle Lese-App für iOS und Android, die ein Lesen auf Kindle-Geräten sowie auf Smartphone, Tablet, Laptop und PC ermöglicht.

Fundstück: Amazon Charts präsentiert Bestsellerlisten in den USA

Amazon Charts präsentiert seit dem 18. Mai eigene Bestsellerliste. Screenshot vom 29.05.2017

Der Online-Versandhändler präsentiert ab sofort eine formatübergreifende Bestsellerliste. Unterschieden wird dabei zwischen nichtfiktionaler Literatur und Belletristik. Erstmals wurde die Liste, die nun wöchentlich online gehen soll, am 18. Mai in den USA veröffentlicht. Neben der Auswertung über die tatsächlich digital konsumierten Inhalte – ob gelesen oder gehört – der Amazon-Kunden auf Audible und Kindle („most read“-Listen), erfolgt die Auflistung der meistverkauften Titel in Form von „most sold“-Listen. Das Top-20-Ranking bietet zusätzliche Informationen über mögliche Ausleihen und Vorbestellungen, direkte Verknüpfungen zu Verkaufsrang und Kundenbewertung sowie Angaben zu Verlag und Agenten.

Fundstück: Die interaktive Leseprobe

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Ein Beispiel aus „Ich gebe dir die Sonne“ Bild: http://read-n-go.de/ich-gebe-dir-die-sonne/vorhang-auf/

90 % der Jugendlichen benutzen täglich ihr Smartphone. Das Leben findet online statt. Gedruckte Leseproben lesen, die man als Beilage in irgendeiner Zeitung findet? Lieber nicht! Die Random House Verlage cbj und cbt versprechen Abwechslung. Mit Read ’n’ Go, der interaktiven Leseprobe.
Die jugendliche Zielgruppe soll durch animierte Textpassagen, Cliffhanger und starke Bilder emotional angesprochen werden und vor allem den Spaß am Lesen neu entdecken. Dabei sind die Leseproben nicht nur interaktiv, sondern auch jederzeit über’s Smartphone abrufbar. Sie können direkt mit Freunden über Facebook, Instagram und Snapchat geteilt werden. Der Inhalt der Leseproben wurde von cbj und cbt gemeinsam erarbeitet und kann sich sehen lassen! Neugierig geworden? Jay Ashers „Dein Leuchten“ und Jandy Nelsons „Ich gebe dir die Sonne“ sind nur zwei Leseproben, die zurzeit zur Verfügung stehen.

Fundstück: Archiv digital nutzbar

Archiv
Archiv: Ab August 2016 ist der Nachlass Günter Grass‘ digital nutzbar. (Foto: pixabay, CC0)

Im Krebsgang, Mein Jahrhundert – Werke, die Literaturinteressierte wohl sofort mit dem 2015 verstorbenen Literaturnobelpreisträger Günter Grass in Verbindung bringen. Manuskripte, unter anderem dieser Werker, befinden sich neben einigen seiner Zeichnungen, Lithographien, Radierungen und Aquarelle im Günter-Grass-Haus in Lübeck.
Dieser Nachlass wurde nun eingescannt. Damit kann der Prozess des Schreibens nachvollzogen werden. Ab August 2016 kann dieses Archiv dann digital genutzt werden.
Günter Grass wurde 87 Jahre alt. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Debütroman Die Blechtrommel. Ab 1957 gehörte er der Gruppe 47 an.

Roboter auf Twitter: Zwischen Literatur und Meinung

Mit demTuring-Test kann eine Person durch das Stellen von Fragen herausfinden, ob ein Mensch oder eine Maschine antwortet. Für Socialbots gibt es noch keine eindeutige Methode, die Maschine zu entlarven. Bild: CC BY-SA 3.0 Hugo Férée
Mit dem Turing-Test kann eine Person durch das Stellen von Fragen herausfinden, ob ein Mensch oder eine Maschine antwortet. Für Socialbots gibt es noch keine eindeutige Methode, die Maschine zu entlarven. Bild: CC BY-SA 3.0 Hugo Férée

Können Maschinen Literatur schreiben? Schaut man sich die Vielzahl der literarischen Twitterbots an, lautet die Antwort: ja. Bots sind Accounts auf Twitter, hinter denen sich kein Mensch, sondern eine Software verbirgt, die automatisch twittert, retweetet oder anderen Usern folgt. Manche Twitterbots sind praktisch. Einige Zeitungen beispielsweise nutzen Twitterbots zum automatischen Retweeten von Nachrichten zu bestimmten Themen. Andere Twitterbots machen Literatur: Da gibt es den @JustToSayBot, der das Gedicht „This is just to Say“ von William Carlos Williams stündlich in Variationen mit zufälligen Wörtern twittert, oder den Bot, der Schneeballgedichte generiert, um nur zwei Beispiele zu nennen. Seit es Computer gibt, gibt es auch Versuche, literarische Texte von Algorithmen schreiben zu lassen. Vor allem mit dem Aufkommen der digitalen Literatur in den 1990er Jahren wurde diese Idee in Form von Lyrik-Generatoren in die Realität umgesetzt und hinterfragte damit das Verständnis von Autorschaft und Originalität. Weiterlesen „Roboter auf Twitter: Zwischen Literatur und Meinung“

Fundstück: Bibel 2.0

Bibelverse mit Hilfe von Emoji erstellen.
Bibelverse mit Hilfe von Emojis erstellen? Das geht! Der Erfinder brauchte etwa ein halbes Jahr.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ So steht es im 1. Buch Mose geschrieben und so ist es auch den meisten geläufig. Doch kennen Sie auch die neueste Version dieses Bibeltextes?
Anstatt auf Worte, setzte der Erfinder hauptsächlich auf Emojis. Apropos Erfinder. Wer hinter der Idee der „Bilderbibel“ steckt, ist nicht bekannt. Weder der Name, noch das Geschlecht konnten herausgefunden werden. Die Bibelverse wurden sozusagen generalüberholt und auf den neuesten Stand des 21. Jahrhunderts gebracht, um Texte für Millennials bzw. die Generation Y zu schaffen. Etwa ein halbes Jahr habe dieser Übersetzungsprozess gedauert. Regelmäßig postet der „Martin Luther der digitalen Zeit“ (um dem anonymen Erfinder einen Namen zu geben) auf Twitter Bibelverse in Emoji-Sprache.

Ob diese Version für Digital Natives angemessen ist, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Es ist jedoch ein gutes Beispiel dafür, dass der Text-Begriff weit gefasst ist und sich nicht nur auf die semantisch-logische Aneinanderreihung von Worten bezieht.