Fundstück: Shakespeare verstehen mit einem Wisch

Would I could answer
This comfort with the like! But I have words
That would be howl’d out on in the desert air,
Where hearing should not latch them.
(Macbeth, Act 4, Scene 3)

Welcher deutsche Schüler hat sich nicht schon mal im Englisch-Unterricht gewünscht, die Texte von Shakespeare würden genau so im Wind verhallen, wie es sich der schottische Edelmann Ross bei seiner schlechten Nachricht an Macduff wünscht. Zu schade wäre das aber um jedes Shakespeare’sche Wort. Die kostenlose App SwipeSpeare soll da Abhilfe schaffen und übersetzt das elisabethanische Englisch „in plain and simple English.“

 

Fundstück: Chip Kidd – Vom ersten Eindruck eines Covers

Das Cover, das jeder kennt: Chip Kidds T-Rex für Crichtons Buch Jurassic Parc. © Chip Kidd
Das Cover, das jeder kennt: Chip Kidds T-Rex für Crichtons Buch „Jurassic Park“. © Chip Kidd

Wenn der erste Eindruck stimmt, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. So in der Art könnte die eigene Motivationsparole lauten, vielleicht vor einem wichtigen Vorstellungsgespräch oder der ersten Verabredung. Dass der erste Eindruck auch für Bücher enorm wichtig ist, das weiß Chip Kidd als einer der berühmtesten Cover-Designer am besten: Was nicht gut aussieht, wird auch nicht gelesen. Der US-Amerikaner ist in Reading, Pennsylvania geboren (wenn das mal kein Clou des Schicksals ist…) und gestaltet seit fast drei Jahrzehnten die Buchgesichter. Sein wichtigstes Werk: Michael Crichtons Roman „Jurassic Park“. Nicht nur das Buch machte den schwarzen T-Rex prominent, auch die daran anknüpfenden Filme, die den Schattendino für das Logo einkauften, machten ihn zum Star seines Jahrgangs. (Erneut zu sehen beim Sequel „Jurassic World“, seit heute in den deutschen Kinos.) Wie er zu seinen berühmten Buchcovern kommt, damit hält Chip Kidd nicht hinter dem Berg. Im Gegenteil: Auf einer der berühmten TED-Konferenzen erzählt er anschaulich und mit etwas eigenwilligem Humor davon, was ein gutes Buchcover ausmacht.

Roboterjournalismus – Wenn Fakten Wörter werden

Können Roboter besseren Journalismus? Foto: John Williams CC BY-NC-ND 2.0
Können Roboter besseren Journalismus? Foto: John Williams CC BY-NC-ND 2.0

Es klingt, wie aus der Gedankenwelt eines George Orwell: Roboterjournalisten, die Daten sammeln, daraus Texte produzieren, sie veröffentlichen und laufend aktualisieren. Und das alles in einem gefühlten Wimpernschlag. Im vergangenen Jahr sollen mehr als eine Milliarde Meldungen von Roboterhand geschrieben worden sein – alle Medien zusammengenommen können da nicht mithalten. Die Geschwindigkeitsmaxime im Online-Journalismus bricht alle Rekorde. Weiterlesen „Roboterjournalismus – Wenn Fakten Wörter werden“

Fundstück: Re:publica 2015 auf der Suche nach dem digitalen Kulturraum Europa

Bild: CC BY 2.0 re:publica/Gregor Fischer
Re:publica in Berlin vom 5. bis 7. Mai 2015. Bild: CC BY 2.0 re:publica/Gregor Fischer

Noch mit 700 Besuchern im Jahr 2007 gestartet, hat sich der Andrang auf der Internetkonferenz re:publica im letzten Jahr fast verzehnfacht. Die nach eigenen Angaben größte Veranstaltung zur digitalen Gesellschaft Europas bringt Blogger, Netz-Aktivisten und Unternehmensvertreter zusammen. Auch in diesen Tagen erwartet die Besucher wieder ein umfangreiches Programm in Berlin. Unter dem Motto „Finding Europe“ sucht die diesjährige re:publica netzpolitische und digitalspezifische Kulturräume in Europa zu erschließen und wirbt mit einem internationalen Aufgebot von 450 Rednern aus über 45 Ländern.
Die Konferenz läuft noch bis zum 7. Mai. Für alle, die nicht mittendrin, sondern nur dabei sein können, gibt es einen eingerichteten Livestream.

„Wenn man nicht gewinnen kann, hat man auch nicht mehr viel zu verlieren.“

Juliane Brückner
Autor Fridolin Schley
© Juliane Brückner

Vor gut einem Monat haben wir bereits über den Online-Roman „Zwei Mädchen im Krieg“ berichtet. Bei diesem Projekt rief der Fischer Verlag neun Autoren und Autorinnen dazu auf, gemeinsam und doch getrennt voneinander, eine mosaikartige Geschichte zu erzählen, während gleichzeitig die eigene und die Herangehensweise der Kollegen kommentiert werden durfte. Damals war gerade die erste von drei Schreibwochen angebrochen, am letzten Wochenende wurde das Endergebnis auf der Leipziger Buchmesse präsentiert.  Autor Fridolin Schley war einer der ersten Autoren, die sich dem Erzähl-Experiment in der ersten Woche gestellt haben. Weiterlesen „„Wenn man nicht gewinnen kann, hat man auch nicht mehr viel zu verlieren.““

Fundstück: Wort um Wort zum Mosaik-Roman

Zitate
Thomas von Steinaecker. Zitate aus seinem Essay zum Erzählexperiment „Zwei Mädchen im Krieg“.

Diesen Fragen stellt sich Schriftsteller und Journalist Thomas von Steinaecker nicht allein. In einem Erzählexperiment ruft er neun AutorInnen dazu auf, gemeinsam an einem Roman im Onlinemagazin Hundertvierzehn des S. Fischer Verlags zu schreiben. In „Zwei Mädchen im Krieg“ geht es um zwei Wiener Teenager, die als IS-Kämpferinnen nach Syrien in den Kampf gezogen sind. Jede Woche schreiben drei neue AutorInnen, der Rest darf kommentieren. Mosaikartig soll so eine Geschichte entstehen, die vielschichtige Perspektiven einnimmt und multimediale Inhalte einbaut. Seit zwei Tagen stehen die ersten Texte online und jeden Tag kann etwas Neues hinzukommen. Interessanterweise hat bisher keiner der Autoren aus der Perspektive eines der Mädchen geschrieben. Es sind Protokolle, Gespräche, Aktennotizen, die vom Aufbruch der Mädchen erzählen. Wird sich das nächste Woche ändern?
Im März soll das fertige Projekt auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden. In gedruckter Version wird es „Zwei Mädchen im Krieg“ nicht geben.

Fundstück: Mit Klangwelten spielen

Das Deutschlandradio beschreitet neue Wege in der Radiokunst und verbindet das klassische Hörspiel mit einem Audiogame. Der Hörer wird im Sci-Fiction-Hörspiel „Blowback: Der Auftrag“ ins Jahr 2047 versetzt und erlebt eine Welt, in der große Konzerne um die letzten Trinkwassergebiete ringen.
Wem die fast 51 Minuten Hörerlebnis nicht ausreichen, kann sich auf die Spiel-Applikation „Blowback: Die Suche“ freuen, die bald kostenlos zum Download zur Verfügung stehen soll. Die Geschichte um die Journalistin Julia Khourim aus dem Hörspiel wird dabei in einem Klang-Game weitergeführt, bei dem es heißt: Ohren spitzen! Nur mit Kopfhörern soll der Spieler die reine 3D-Geräuschwelt erfahren können und sich mit der Journalistin durch den Klangraum eines Unterwasserhotels bewegen. Sie ist auf der Suche nach — ja, nach was? Oder nach wem? Die Antwort auf diese Frage gibt es im Hörspiel. Deutschlandradio Kultur sendet am Montag eine Wiederholung von „Blowback: Der Auftrag“ um 21.30 Uhr. Für Ungeduldige gibt es das Hörspiel schon online zum Nachhören.

Ein spannendes Making-of gibt es an dieser Stelle:

„Rausfinden, was da draußen vor sich geht.“ Autorin Kathrin Röggla im Interview

„Poet in Residence“ an der Universität Duisburg-Essen: Tradition seit 1975. Nach Krimiautor Bernhard Jaumann im letzten Wintersemester und dem Lyrik-Zwischenspiel Ende Oktober, gastierte nun die bekannte Gegenwartsautorin Kathrin Röggla am Campus Essen. Zum Abschluss ihrer dreitägigen Poetikvorlesung Anfang Dezember las sie aus ihrem aktuellen Prosaprojekt „Land unter Null“. Das künstlerische Werk von Kathrin Röggla ist vielfältig und geht über das geschriebene Wort hinaus. Neben Prosa gehören Hörbücher, Radioproduktionen und Theaterstücke zu ihrer Kreativ-Palette. Digitur hat die Chance genutzt und mit der Allrounderin vor ihrem ersten Gastvortrag gesprochen.

Die Literaturwissenschaftlerinnen Elisabeth Michelbach und Johanna Karch im Interview auf der Frankfurter Buchmesse

Über den eigenen Tellerrand schauen und gewohntes Territorium verlassen, das kann zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen. In neue Gefilde wagt sich auch Elisabeth Michelbach, die im DFG Graduiertenkolleg Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung ihre Promotionsarbeit über das Blog als neue „autobiographische Gattung der digitalisierten Gegenwart“ schreibt.
Ebenfalls an der Universität Göttingen enstanden, ist das eMagazin Litlog. Von den Themenschwerpunkten des Blogs und der Verbindung zum Graduiertenkolleg erzählt Redakteurin Johanna Karch.
Auf der Frankfurter Buchmesse haben beide Literaturwissenschaftlerinnen ihre Projekte im Forum Zukunft vorgestellt. Digitur hat sie vor die Kamera gebeten.